Samstagsvorschauer – College Football Kickoff Weekend 2019

UPDATE: Alex weißt in den Kommentaren zurecht darauf hin, dass FSU – Boise auf 18h vorverlegt wurde.


Es ist ein Auftakt mit nur einem richtigen Kracher.

Zwei wichtige Hinweise zuerst: ProSieben Maxx überträgt um 18h heute Nebraska vs. South Alabama im Free-TV. Wer es noch nicht mitgekriegt hat: ran hat in dieser Saison die Rechte, jeden Samstag ein 18h-Spiel zu übertragen.

Frühschicht ab 18h

  • #5 Ohio State – Florida Atlantic
  • #21 Iowa State – Northern Iowa
  • #24 Nebraska – South Alabama (ProSieben Maxx)

Livespiel um 18h bei ProSieben Maxx: #24 Nebraska vs. South Alabama. Nebraska ist die historische Macht, die letztes Jahr in der ersten Saison von Headcoach Scott Frost nach komplett vermukrstem Start 4-8 ging – gut genug um wieder Euphorie zu schüren, die – nicht untypisch bei so großen Programmen – schon wieder Top-25 Hype schürt: Nebraska ist gegen alle Logik in der Preseason an #24 gerankt.

Wenn man sich die Entwicklung des Cornhuskers-Programms in den letzten 10-15 Jahren anschaut, dann kann man das #24 Ranking nur mit dem historischen Ruf dieser Universität (die nach 1970 fünf Landesmeisterschaften gewann) begründen:

Nebraska 2019.png

Der Gegner ist das kleine South Alabama, dessen Programm, die „Jaguars“, noch gar nicht so lange Footbällen nachjagt. Der Blogkollege Peter Schindler hat beim „Sports Observer“ über dieses erst Ende der 2000er gegründete Team geschrieben. Bislang bekanntester Spieler dieses Programms ist TE Gerald Everett von den Rams.

Obwohl man Nebraska Stand heute an #24 für überbewertet halten muss, riecht die Partie nach einer klaren Sache. South Alabama gehört zu den Teams, die ständig zwischen #110 und #130 gerankt sind – also zum absoluten Bodensatz der FBS.

Auch die anderen beiden wichtigen 18h-Partien mit #5 Ohio State und #21 Iowa State dürften klaren Angelegenheiten für die Heimmannschaften werden, die ein lockeres Einrollen erleben sollten.

Update: Auf 18h vorverlegt

  • Florida State – Boise State (ESPN)

Reizvolles Matchup mit dem Mid-Major Boise State und dem strauchelnden Giganten Florida State. Die Partie hätte in Jerry-World in Arlington stattfinden sollen, wurde aber wegen Hurrikan-Warnung kurzfristig auf den FSU-Campus nach Tallahassee verlegt.

Über FSU habe ich schon vor ein paar Wochen geschrieben: Großes Programm mitten in großen Umwälzungen und in recht großer Unsicherheit vor diesem Saisonstart. Letztes Jahr legte man die erste Losing-Season seit Äonen hin und verpasste sogar die Bowl-Season. Als Reaktion stellte Headcoach Willie Taggert einen neuen OffCoord ein, der Spread-Offense einführen soll: Kendall Briles, der Sohn des vermaledeiten Art Briles. Knackpunkt bei FSU ist die O-Line: Hält sie, hat QB James Blackman eine Chance und die Seminoles werden Nadelstiche setzen.

Gegen Boise State ist FSU knapp favorisiert. Boise ist einer der bekanntesten Mid-Majors im Lande, geht aber dieses Jahr mit zwei Unbekannten an den Start: Zum einen muss man den nach Oregon abgewanderten DefCoord austauschen und hat relativ unerfahrene Defensive-Front. Zum anderen ist der Quarterback neu: Nach Jahren mit QB Brett Rypien steht heute das Debüt von Freshman-QB Hank Bachmeier an. Der ist natürlich unerfahren, aber einer der talentiertesten Boise-QBs der letzten Jahre – und Broncos-Headcoach Bryan Harsin gilt als QB-Flüsterer.

21h-Schicht

  • 21h: #13 Washington – Eastern Washington (PAC12)
  • 21h30: #2 Alabama – Duke (aus Atlanta)

Lockeres Einrollen für zwei Power-5 Conference-Champions. Die Washington Huskies werden mit Eastern Washington keine Probleme haben. Alabama hat in Duke einen qualitativ besseren Gegner, doch alles andere als ein 30-Punkte Sieg wäre auch hier eine Überraschung.

Nachtschicht um 1h30

  • #6 LSU – Georgia Southern (ESPN)
  • #7 Michigan – Middle Tennessee (BTN)
  • #16 Auburn – #11 Oregon (ESPN)
  • Vanderbilt – #3 Georgia (ESPN)

Der Kracher des Abends ist die Neuauflage des National Championship Games von 2010/11, als Auburn angeführt von der Zweimann-Abrissbirne QB Cam Newton und DT Nick Fairley die Chip-Kelly Ducks knapp mit 22-19 besiegte, weil in der Crunch-Time der Knie des RBs Michael Dyer um Zentimeter nicht den Boden berührte. Doch die Vergangenheit liegt lange zurück. Der einzige wesentliche Protagonist von damals ist heute nur noch Auburn-Headcoach Gus Malzahn, der damals Auburn-OC war.

Doch die Geschichte rückt heute in den Hintergrund, denn für beide Teams geht es bereits im ersten Saisonspiel um so viel. Ich würde zwar nicht so weit gehen wie Gil Brandt und Oregon zu einem National-Title Contender hochjazzen…

…aber die Ducks haben allemal die Chance, mit einem Sieg gegen ein mächtiges SEC-Team ein Ausrufezeichen zu setzen. Damit das gelingt, braucht es zum einen eine starke Performance der Ducks-Offense.

Diese kennzeichnet sich durch eine der besten Offensive Lines im Lande, die es Headcoach Cristobal relativ einfach macht, seine Spread-Offense zu spielen. Hinter der Line, die mehrere Draftpicks fabrizieren sollte, hat zum einen RB Verdell relativ leichtes Spiel.

Doch vor allem sollte diese Line die Pocket für den hochgehypten Oregon-QB Justin Herbert so sauber wie möglich halten. Herbert kehrte 2019 überraschend in den College-Football zurück – er wäre ein Top-Draftpick gewesen. Doch er nutzt die einmalige Chance, mit seinem jüngeren Bruder, einem Freshman-Tight End, eine ganze Saison durchzuspielen. Herbert ist ein prototypischer QB: Groß, gewaltiger Wurfarm, Traute, die riskanten Pässe à la Mahomes rauszufeuern. Vieles an ihm „sieht“ wie ein Top-QB aus – doch seine Effizienz letztes Jahr ließ zu wünschen übrig.

2019 ist seine große Chance, sich endgültig zu beweisen und vielleicht an Tagovailoa vorbei zum #1 QB im Draft 2020 zu werden. Auburns Defense ist dabei die erste große Prüfung – und vielleicht schon die schwierigste der ganzen Saison. Es ist eine Defense, die immer von guten Pass-Rushern lebt – z.B. diesmal in DT Derrick Brown, in dem viele einen 1st-Rounder 2020 sehen. Doch der Pass-Rush sollte heute Nacht, wie oben geschrieben, von der Oregon-Line überwiegend neutralisiert werden. Viel schwieriger für Herbert wird die Aufgabe, seinen unerfahrenen Receiving-Corps gegen die sehr erfahrene Auburn-Secondary zu bedienen.

Auch das andere Duell ist faszinierend, aber weniger wegen einzelner Spieler, sondern mehr wegen Malzahns Scheme. Malzahn wird oft als einer der exquisitesten Coaches im gesamten US-Football genannt, weil er eine eigentlich archaische Offense mit Spread-Aufstellungen, horizontalem Passspiel und Power-Running kombiniert und damit seinen ganz eigenen Stil kreiert hat – wen’s interessiert: Smart-Football hat zahlreiche aufschlussreiche Artikel über Elemente der Malzahn-Offense geschrieben:

Über Jahre war bei ihm das RPO-Element definierend, doch letzte Saison ging er mit QB Jarret Stidham überraschenderweise vielfach dazu über, diese Run/Pass Options durch simple Play-Action Fakes zu ersetzen.

Wird sich das heuer fortsetzen, jetzt, wo er im Frischlings-QB Bo Nix wieder einen richtig guten Läufer hat, der auch selbst den Ball in die Hand nehmen kann? Nix wurde erst letzte Woche zum Starting-QB gemacht, was große Teile der Fan-Base in Auburn freute, weil dieser der Sohn einer Auburn-Legende ist. Doch zumindest klangen die Statements der Coaches auch so, als ob man „anderen“ QB Joey Gatewood, auch einen mobilen Mann, ebenso für einbauen wird – vielleicht für Trick-Plays.

Wie auch immer die Offensiv-Variante Malzahns für 2019 aussieht, sie bekommt es mit einem schwer einzuschätzenden Gegner zu tun: Man weiß nicht genau, was man von Oregons Defense unter dem neuen DC Avalos (kommt aus Boise) erwarten kann. In Boise spielte Avalos eine Latte verschiedener Defense-Konzepte, je nach Gegner und eigenem Spielermaterial.

Theoretisch passt das mit Oregons Defense ganz gut zusammen. Denn: So viele starke Defense-Prospects Oregon in den letzten Jahren auch in die NFL schickte, so wenig war das Duck-Programm für bockstarke Defenses bekannt. War daran ein zu starres System schuldig? Ein Avalos auf DC verspricht auf jeden Fall, dass die Abwehr besser auf das Spielermaterial des Gegners zugeschnitten ist.

Star der Ducks-Defense ist heuer wohl LB Troy Dye, der wie Herbert ein letztes Jahr am College bleibt um vielleicht eine Pac-12 Championship zu gewinnen. Doch die meisten Augen werden auf einen Freshman gerichtet sein – den EDGE-Rusher mit dem komplizierten Namen Kayvon Thibodeaux. Der war einer der meistgehypten Recruits der Klasse 2019. Sollte Thibodeaux viel spielen, wird er gleich gegen einen im PFF-Draftguide gehypten Left Tackle anlaufen müssen: Auburn-LT Prince-Tega Wanogho.

Also: Spiel des Tages. Nach AP-Ranking sollte Oregon leicht zu favorisieren sein, doch die meisten Advanced-Stats und auch das Gefühl sagt in solchen Spielen immer, der SEC-Uni den Vorteil zu geben. Auburn ist nicht das Premium-Programm der SEC, sondern eher die #4 oder #5 in dieser Saison. Doch wie ich schon in meiner großen Preview am Montag schrieb: Die Tigers sind vielleicht nicht komplett genug für einen Saison-Durchmarsch, aber sie sind allemal ein bitterböser Stolperstein für jeden ambitionierten Gegner.

Spätschicht ab 2h

  • 2h: #10 Texas – Louisiana Tech (EPSN)
  • 4h30: USC – Fresno State (ESPN)

Wer Texas schauen will, guckt QB Sam Ehlinger beim Einrollen als absolut zentraler Punkt seiner Offense zu. Wer später noch USC schauen will: Dort hat Graham Harrell sein Debüt als Play-Caller. Mit ihm zieht die Air-Raid Offense nun beim nächsten College-Football Powerhouse USC ein – doch irgendwie sind alle skeptisch gegenüber Harrell.

Morgen und übermorgen

  • So/Mo 1h30: #4 Oklahoma – Houston (ESPN)

Drei Jahre nach dem Breakout von DT Ed Oliver gibt es wieder Oklahoma gegen Houston. Es ist Debüt-Zeit allerorts: In Oklahoma debütiert QB Jalen Hurts, der aus Alabama rübertransferierte. In Houston debütiert Headcoach Dana Holgorsen, der von West Virgina kommt. Es ist im Prinzip ein Treffen zweier Air-Raid Offenses, doch sowohl Holgorsen als auch Oklahomas Lincoln Riley spielen sehr spezielle Varianten der Air-Raid.

  • Mo/Di 2h: Louisville – #9 Notre Dame (ESPN)

Louisville mit neuem Headcoach gegen Notre Dame, für die dieses Auftaktspiel noch das einfachste Spiel der ganzen Saison sein wird. In Kürze steht für Notre Dame dann schon der Gigant Georgia an…

3 Kommentare zu “Samstagsvorschauer – College Football Kickoff Weekend 2019

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