Furchtlose NFL-Vorschau 2019/20 | Die Kronprinzen

Letztes Jahr publizierte ich auf diesem Blog den Track-Record der Furchtlosen Vorschau und verglich die Performance mit dem Ringer-Power Ranking von Robert Mays. Das Ergebnis von 2018 sei auf diesem Blog auch für die letztjährige Ausgabe nachgereicht.

Die Titelfavoriten holten im Schnitt 10.0 Siege, die Kronprinzen 8.4 Siege, die Mittelklasse 7.5 Siege und die Kellerkinder 6.1 Siege. Das ist eine zufriedenstellende Verteilung (der Ringer war fast identisch, hatte aber 9.7 Siege für die Top-8 und 7.8 Siege zwischen #17 und #24).

Trotzdem gab es letztes Jahr Stinker. Von meinen Top-8 Titelfavoriten qualifizierten sich gleich drei gar nicht für die Playoffs (Atlanta, Green Bay, Pittsburgh), während mein absoluter Topfavorit Philadelphia nach zahlreichen Verletzungsproblemen erst im allerletzter Sekunde die Post-Season erreichte.

Dennoch tut es gut, sich noch einmal mit der Vergangenheit zu beschäftigen. So hatte ich vor der letzten Saison eine relativ klare Top-5 in der NFC gesehen und mich beim #6 Seed nur äußerst knapp für Minnesota und gegen Chicago entschieden. Chicago 2018 als Playoffteam zu tippen war annähernd revolutionär. Jetzt schreit alle Welt „Verarsche!“, wenn man die Bears nicht in den Playoffs sieht.

Merke: NFL ist unvorhersehbar und brutal wandelbar. Wer vor einem Jahr ganz oben war, kann heute nur noch Mittelmaß sein und umgekehrt. Auch aus der heurigen Vorschau werden einige Teams enttäuschen und einige sehr positiv überraschen. Ich gebe zu, dass die Ausgabe 2019 die bislang schwerste war.

Denn: Nicht bloß haben wir mit Brees und Brady zwei altersbedingt schwer einzuschätzende Superstar-QBs bei Contendern, sondern wir haben auch immer mehr Datenmaterial, das NFL-Teams nutzen können und sich somit unvorhersehbare Vorteile verschaffen können. Doch welche Mannschaften nutzen diese Vorteile? Wir können das nur schwer ausmachen.

Und damit weiter mit der Vorschau 2019 und den „Kronprinzen“– den Mannschaften, die wir uns alle gut als Playoffkandidaten vorstellen können und die ohne weiteres auch einen Ansturm auf die Lombardi-Trophy machen können.

Atlanta Falcons

Record 2018: 7-9
Close Game Bilanz: 4-4
Pythagorean: 7.8 Siege
Schedule 2019: #6

Die Atlanta Falcons waren die größte Enttäuschung der NFL-Saison 2018: Gestartet als einer der Top-Titelfavoriten, gelandet nach 4-9 Start letztlich bei einer 7-9 Bilanz, die sowohl einen richtig hohen Draftpick kostete als auch Headcoach Dan Quinn den Job rettete.

Quinn durfte sich im Nachgang an die verkorkste Saison die Sündenböcke selbst aussuchen: Die Coordinators in Offense (Sarkisian), Defense (Manuel) und Special Teams wurden alle gefeuert. Als neuen OC holte man den konservativen Dirk Koetter aus Tampa, in der Defense wird Quinn selbst als de-facto DC operieren. Wir nähern uns rapide den Zeilen, die ich im Nachgang an die „28-3 Superbowl“ schrieb:

Ohne es zu prognostizieren, aber es würde mich nicht aus den Socken hauen, wenn die Atlanta Falcons in der Ära Quinn nie mehr ein Playoffspiel gewinnen und wir uns in drei Jahren wundern, warum sie Quinn nicht noch in der Umkleidekabine in Houston gefeuert haben.

Atlanta gewann seither noch ein Playoffspiel (vorletzte Saison in Los Angeles), doch die Mannschaft fühlt sich dieser Tage trotz mehrere Superstars in ihre Blütezeit ein klein wenig über den Zenit hinaus.

Das liegt natürlich an dem eher wenig inspirierenden neuen OffCoord, aber vor allem an den teilweise absurden Defense-Vorstellungen von 2018 (man landete auf #31 in Defensive-DVOA).

Trotzdem investierte GM Dimitroff vor allem in die Offense – namentlich in die Offensive Line. Dort kamen gleich zwei 1st Rounder: OG Chris Lindstrom und RT Kaleb McGary. Sie sollen für besseres Run-Blocking (letztes Jahr nur noch #24 in Adjusted Line-Yards) sorgen, als auch dem erstklassigen QB Matt Ryan wieder mehr Zeit zu verschaffen als zuletzt (2018: nur #14 in Pass-Blocking Win-Rate).

Ryan weiß nach wie vor ein erstklassiges Waffenarsenal um sich herum: WR Julio Jones ist bei allen Zipperlein, die ihn hie und da plagen, noch immer ein veritabler Top-5 Receiver, dessen Talente über alle Schemes der NFL hinausragen. WR Calvin Ridley, 1st Rounder von 2018, sieht aus als wäre er bereit für den Durchbruch – und er ist nur die #3 hinter Jones und WR Mo Sanu. Selbst hinter diesem fantastischen WR-Trio gibt es Optionen: RB Devonta Freeman ist einer der besten double-threats in Lauf und Fangen und die TEs Hooper und Stocker sind durchaus gut für zusammen 100 halbwegs effiziente Targets.

Auf dem Papier ist die Offense Top-5 Material, wenn sie denn darf: Denn es ist kein Geheimnis, dass Headcoach Quinn am liebsten viel laufen würde, was mit diesem Spielermaterial eine Sünde gegenüber neutralen Fans, aber vor allem den eigenen Fans und dem eigenen Owner wäre. Man kann jedoch davon ausgehen, dass die Falcons keinen Seahawks/Ravens-Scheiß mit >50% Run-Quote durchziehen werden.

Problematischer ist die Defense, die nur im ersten Anzug wirklich höheren Ansprächen genügt. Letztes Jahr erlebte sie einen Absturz, nachdem das lebenswichtige Playmaker-Pärchen LB Deion Jones / FS Keanu Neal sich früh in der Saison verletzte. Die beiden sind so wichtig, weil die komplette Defense um sie, CB Trufant und DT Grady Jarrett als Cornerstones gebaut ist.

Quinn ist kein großartiger „Schemer“. Er lässt lieber straight spielen. In Top-Besetzung ist Atlantas Defense hochgeschwindig und eine nahezu ideale Ergänzung zur High-Power Offense. Doch wehe einer der Big Four fällt über längere Zeit aus.

Die Edge-Rush Besetzung klingt mit Beasley/McKinley wesentlich besser als sie ist (auch der Rückkehrer DE Clayborn ist nur Mitläufer), und in Coverage hängt viel davon ab, ob CB Isaiah Oliver im zweiten Jahr als „zweiter Mann“ den Schritt nach vorne macht. Zusätzlichen Thrill liefert die Verschiebung des exzellenten DB Kazee in den Slot.

Atlanta ist nicht das, was man „komplettes Team“ nennen kann – und damit trotz einer potenziell fantastischen Offense kein Top-Contender mehr. Die Defense war 2018 auch durch brutale Verletzungen so absurd, dass Regression fast zwangsläufig ist – doch man hat personell dann doch etwas wenig gemacht um mehr als diese Regression zur Mitte zu erzwingen.

Playoffs sind natürlich durchaus drin – und bei entsprechendem Verletzungsglück auch ein längerer Playoff-Run. Doch der Schedule (#6 der NFL) ist knackig und in den Saints ist zumindest ein Team der NFC South besser aufgestellt.

Baltimore Ravens

Record 2018: 10-6 (Wildcards)
Close Game Bilanz: 2-4
Pythagorean: 10.8 Siege
Schedule 2019: #21

Schauen wir uns die Performance-Base der Baltimore Ravens an, wird schnell klar, warum sie weithin als dark horse gelten: Zwar gewannen sie „nur“ 10 Spiele, doch ihr Pythagorean von 10.8 Siegen spricht die Sprache eines legitimen Top-10 Teams.

Die Basis im Team von John Harbaugh ist immer die erstklassige Defense. Sie war letztes Jahr nach DVOA die #3 hinter Chicago und Buffalo – doch ohne den Vorteil von so vielen Turnovers zu genießen:

  • Chicago erwang deren 36, mit Abstand die #1 der NFL
  • Buffalo hatte 27, die #8 der NFL
  • Baltimore dagegen holte nur deren 17 – nur fünf Teams holten weniger

Es ist nahezu unerhört, dass eine Defense mit so wenig Turnover-Glück so hoch gerankt ist – doch in der Defense-Schmiede Baltimore ist es scheinbar Normalität. Aufgrund dieser Konstanz und dieser Base-Line wäre ich geneigt, der Ravens-Defense geringere Regression als Chicago zu attestieren, obwohl sie größeren Personalwechsel verkraften muss.

So verloren die Ravens zwar in Zadarius Smith und Terrell Suggs zwei wichtige Pass-Rusher, LB Mosley und in Eric Weddle einen Starting-Safety, doch sie kompensierten den Abgang durch den Einkauf von Safety-Legende Earl Thomas, einen der wichtigsten Verteidiger unserer Zeit. Das Kronjuwel Thomas komplettiert die wohl beste Secondary der NFL – eine Unit, die mit Jimmy Smith als viertem (!) Cornerback auch über entsprechende Absicherung gegen etwaige Verletzungsausfälle gewappnet ist.

Gemäß dem Motto „Coverage beats Passrush“ klingt Baltimores auch über das Laufspiel kaum zu bezwingende Abwehr wie eine vergleichsweise sichere Wette um erneut irgendwo in den Top-10 oder höher gerankt zu sein.

Doch reicht das für den Titel? Es gibt einige Dinge, die dagegen sprechen.

Das eine wäre das relative Verletzungsglück der Ravens letztes Jahr – nur 30 Starts wurden verpasst. Das andere ist die Qualität der Offense, die letztendlich über Wohl und Wehe entscheiden wird.

Es ist mittlerweile auch dem letzten Fan bekannt, dass die Ravens mit ihrem QB Lamar Jackson eine für NFL-Verhältnisse mittlerweile ungewöhnliche, weil sehr lauflastige Offense mit eingebauten tiefen Pass-Options spielen werden. Die ersten Ansätze sahen wir bereits letzte Saison – mit gemischtem Erfolg.

Fix ist: Jackson ist ein herausragender Athlet und es wäre gerade angesichts seiner wackeligen Passing-Performance fahrlässig, seine läuferischen Fähigkeiten nicht in den Mittelpunkt der Angriffsbemühungen zu stellen. Klar ist auch: OffCoord Greg Roman hat durchaus Erfahrung mit solchen QB-Typen wie Jackson – in San Francisco mit Colin Kaepernick und in Buffalo mit Tyrod Taylor hat er bereits solche Offenses gebaut.

Doch bei allen aufregenden Talenten Jacksons: Die NFL ist und bleibt eine Passing-Liga, und Jackson muss sich als Werfer massiv weiterentwickeln, will die Offense den entscheidenden Schritt nach vorne machen.

Als zusätzlichen Kniff muss man beachten: Der Überraschungseffekt ist verflogen. Teams haben eine halbe Saison Film-Material um sich auf Jackson einzustellen. Weiterentwicklung wird zum Imperativ. Die Verantwortlichen in Baltimore wissen das, und so drafteten sie in WR Hollywood Brown ein deep threat mit ihrem 1st Rounder, und schoben in Miles Boykin einen weiteren Receiver hinten nach. Ziel ist eine von innen nach außen gebaute Offense mit tiefen Shots auf die geschwindigen Receiver, mit viel Play-Action und starker Einbindung des famosen Tight-End Prospects Mark Andrews.

Merke: Viel Play-Action, starke Nutzung der Spielfeldmitte (die effizienter ist als außen) sowie Fokussierung auf die Talente der eigenen Spieler sind ein Plus – und Rushing-Offenses mit mobilen Quarterbacks tendieren auch für die Runningbacks effizienter zu sein. Und so klingt die Theorie von Verbesserung der Offense passabel.

Doch Football wird, wie die Skeptiker von Analytics gerne behaupten, nicht auf dem Spreadsheet gespielt, sondern auffm Platz. Und dort muss Jackson bei allen guten Ideen erst seine Entwicklung als Passer beweisen. Das hält uns davon ab, Baltimore als Titelkandidaten anzupreisen. Wildcard-Rennen ist auch mit unterdurchschnittlicher Offense drin, wenn Jackson nicht zu häufig den Ball wegfumbelt. Doch ganz oben würde ich die Ravens 2019 nur in puncto optischer Attraktivität, nicht nach sportlicher Aussicht, einordnen.

Carolina Panthers

Record 2018: 7-9
Close Game Bilanz: 2-7
Pythagorean: 7.8 Siege
Schedule 2019: #14

Die Carolina Panthers mögen in ihrer Einstufung überraschen, doch bei aller Enttäuschung ob der letztjährigen 7-9 Abschlussbilanz muss man konstatieren: Es war eine Freak-Saison. Die Panthers kollabierten von 6-2 Start auf 1-7 Finish und waren erst weder so gut und dann nicht so schlecht wie ihre „Halbjahresbilanzen“ andeuten. Sie waren 2-7 in engen Spielen, mussten zuerst mit einem komplett kaputten QB Cameron Newton antreten, und dann mit Backup Tyler Heinecke – Einschränkungen, die kein Team der Welt kompensieren könnte.

Nun gibt es viele Indikatoren, die auf klare Verbesserung hindeuten:

  1. QB Newton ist wieder zurück – und es sieht so aus als hätte er seine Wurfschulter kuriert.
  2. 2-7 Bilanz in engen Spielen
  3. Hoffnung auf weniger Verletzungspech auch abseits der Quarterback-Position (7t-meiste Verletzungen der NFL)
  4. Hoffnung auf weniger Pech in Special-Teams (#30 bei Hidden-Points)
  5. Adressierung wesentlicher Lücken im Kader

Gemeint ist vor allem die Aufbolsterung zu beiden Seiten der Anspiellinie – die hauptsächlichen Schwachstellen in der letzten Saison, als vor allem die Defense keinen Druck mehr zustande brachte und die O-Line verheerendes Run-Blocking zeigte.

Defensive Front-Seven bekommt Verstärkung durch den langjährigen Pro-Bowl DT Gerald McCoy sowie Edge-Rush Tiefe mit DE Irvin und 1st-Round Rookie Brian Burns. Offensive Line ist nach der Einberufung von OT Greg Little im Draft, dem Einkauf von Free-Agent Center Matt Paradis und der Genesung von OT Daryl Williams eine recht sichere Wette auf klare Verbesserung.

Die Chancen stehen gut, dass Carolina wieder stärker auf Newtons ureigene Stärken als Rusher und Deep-Passer bauen kann. OffCoord Norv Turner war 2018 anpassungsfähiger als befürchtet, doch Newtons Würfe mussten wegen seiner Schulterprobleme sehr kurz gehalten werden. Einen Sprung nach vorn erwartet man auch vom jungen Receiving-Corps mit WR D.J. Moore, der in sein wichtiges zweites Jahr geht, sowie RB McCaffrey, einem der fangstärksten Backs der NFL.

Die Defense dürfte verbessert gegen Lauf und Pass sein: LB Kuechly ist ein Monster und auch wenn EDGE Brian Burns mit seinem Profil als hochaufgeschossener, sehr schlanker Athlet keine sichere Wette ist, sofort einzuschlagen, wird es mehr Druck auf gegnerische QBs geben als zuletzt. Somit sollte sich auch Carolinas übelstes Abwehrproblem von 2018, die hohe Verbrennungsrate bei tiefen Pässen, etwas stabilisieren.

Fix ist: Auf Wide Receiver und Secondary sind die Panthers nicht erstklassig besetzt. Doch mit verbessertem Personal ist ein Sprung der #22 Defense nach DVOA von 2018 wahrscheinlich – und die Offense war schon trotz aller Probleme, vielleicht auch wegen des sehr „eigenen“ Stils, die #11 der letzten Saison! Carolina ist damit einer dieser unterschätzten Sleeper – ein Team, das erstmal langweilig klingt, aber bei genauem Hinsehen und dank gutem Coaching durchaus für eine Überraschung sorgen kann.

Dallas Cowboys

Record 2018: 10-6
Close Game Bilanz: 8-2
Pythagorean:  8.4 Siege
Schedule 2019: #27

Die Dallas Cowboys standen letztes Jahr im Viertelfinale der NFL, sind permanent von Hype umgeben und können sich nicht entscheiden, welche ihrer jungen Stars sie halten wollen und welche wohl gehen müssen – und dennoch sind sie für mich nur relativ deutlich nur die #2 in der NFC East.

Erstens: Die Cowboys waren nicht so gut wie ihr 10-6 Record impliziert. Ihr Pythagorean implizierte ein „wahres Leistungsvermögen“ von nur 8.4 Siegen. Getriggert wurde die Bilanz von einer nicht zu haltenden 8-2 Bilanz in One-Score Games.

Zweitens: So gut die Defense war – sie ist noch immer erst Liga-Durchschnitt. Edge-Rush ist mit Demarcus Lawrence ganz okay, aber es gibt recht geringe Tiefe u.a. weil sich Taco Charlton nicht wie gewünscht entwickelt. So musste man den Oldie EDGE Robert Quinn aus Miami holen, der seit mehreren Jahren keine adäquate NFL-Saison mehr gespielt hat und einen Teil der Saison gesperrt ausfällt. Das LB-Trio Vander Esch / Jaylon Smith / Lee (mit Verletzungssternchen) ist über jeden Zweifel erhaben, doch die Secondary ist hinter dem Star-CB Byron Jones eher zweifelhaft.

Drittens: Das Offense-Personal. Dallas war letztes Jahr erstaunlicherweise nur die #21 nach Offensive-DVOA. Man darf attestieren, dass der Angriff nach dem Mid-Season Einkauf von WR Amari Cooper tatsächlich einen mächtigen Sprung nach vorne machte, u.a. weil sich dann auch plötzlich QB Dak Prescott wieder wohler fühlte und aggressiveres Passspiel zutraute.

Doch das Cowboys-Lager wird seit Monaten dominiert von der „Zeke vs. Dak“-Diskussion, und mit jedem Dampfplauderer mehr, der Jerry Jones über die (nicht vorhandene) Einzigartigkeit von RB Ezekiel Elliott unterrichtet, wird eine monströse Vertragsverlängerung Elliotts wahrscheinlicher. Warum das ein Problem ist, sehen wir gleich.

Viertens: Offensive Line. Die Cowboys-Line ist in fittem Zustand gewiss eine Top-3 Line und kann als eine der wenigen in der NFL wirklich die Autobahnen für die dahinter rennenden Runningbacks freiblocken. Doch „fit“ wird zunehmend ein Schlüsselwort: LT Tyron Smith verpasst jedes Jahr ein paar Spiele und C Frederick kommt von einem Jahr Ausfall nach mysteriöser Erkrankung zurück und muss sich erst noch beweisen.

Fünftens und wichtigstens: Das Offensiv-Playcalling. Dort übernimmt der erst 30-jährige ehemalige Boise-State QB Kellen Moore als neuer Play-Caller, was qua Definition wie ein Upgrade gegenüber dem lahmen Headcoach Jason Garrett klingt. Doch Moore ist a) Rookie-Playcaller und riskiert damit, Lehrgeld zu bezahlen und b) muss sich wohl in Kürze wieder mit dem Problem Elliott auseinandersetzen.

Ich habe es mittlerweile häufig aufgezeigt: Einen hochbezahlten Runningback wie Elliott durchschleifen zu müssen, ist für Offenses aus zweierlei Gründen ein Problem:

  1. Kapitalbindung durch den überteuerten Vertrag
  2. Druck, den Spieler einsetzen zu müssen – und damit ineffiziente Early-Down Läufe gegenüber dem wesentlich effizienteren Passspiel zu priorisieren

Bei Elliott ist der Gap zwischen „Tape-Sicht“ und Analytics-Sicht besonders groß. Es gibt keine Anzeichen, dass er wesentlich effizienter als ein durchschnittlicher Runningback ist. Somit riskieren die Cowboys, das Potenzial ihrer Offense zu deckeln.

Es gibt natürlich Potenzial für den Breakout. Bleibt die Offense Line komplett und läuft Prescott so heiß wie 2016 oder in den letzten Wochen der letzten Saison, braucht es nur in etwa gleich gute Defense wie 2018 um hochzuschießen auf erneut 10 oder mehr Siege. Doch das sind viele Bedingungen in einem.

Die maue Divisionskonkurrenz mit vier Spielen gegen Washington und die Giants wird helfen – doch an den Eagles kommen die Cowboys nicht vorbei. Ich halte 10-6 schon für das optimistischste Szenario, wenn wir alle Seiten der Cowboys-Diskussion betrachten.

Green Bay Packers

Record 2018: 6-9-1
Close Game Bilanz: 3-5-1
Pythagorean: 7.4 Siege
Schedule 2019: #16

Wie jedes Jahr ist die Vorschau bei den Green Bay Packers besonders eng an die Performance ihres Quarterbacks gekoppelt – doch diesmal gehen ich Aaron Rodgers nicht mehr in die Falle und tippe Green Bay allein durch seine Präsenz in die Riege der Titelfavoriten. Zu problematisch war seine Performance in den letzten Jahren.

Rodgers ist unbestritten ein absolut sensationell talentierter Quarterback, dem zuzuschauen ästhetisch ein Traum sein kann. Doch dieses Talent und dieses Genie führte in den letzten nunmehr vier Jahren zu selten zu Elite-Resultaten.

Dabei wäre es sogar falsch zu sagen, dass sein Talent zu selten aufblitzt. Es blitzte sehr wohl häufig auf, doch Rodgers ließ zu viele „einfache Plays“ liegen, warf zu viele Bälle weg um keine Interceptions zu riskieren und ging generell zu wenig Risiko ein. Die Studien ob Rodgers‘ verblüffender Ineffizienz sind mittlerweile bekannt, weswegen wir uns nur kurz auf das Rodgers-Argument beschränken wollen:

  1. Er wirkte nicht mehr „in sync“ mit seinem Headcoach Mike McCarthy.
  2. McCarthy ist nun gefeuert.
  3. Der neue Headcoach ist Matt LaFleur, der in den letzten Jahren unter Kyle Shanahan und Sean McVay lernte
  4. LaFleur setzte letztes Jahr in Tennessee auf hohe Play-Action Quoten (positiv), aber auch verblüffend hohe 1st-Down Rushing-Rate (sehr negativ)

LaFleur ist als neuer Cheftrainer ein Grünschnabel und hat auch erst ein Jahr Erfahrung als Play-Caller in der Offense – der Move, ihn einer Zicke wie Rodgers vorzusetzen, birgt durchaus Risiken. Aber eben auch Potenziale: Es war seit längerem offensichtlich, dass es in Green Bays Offense „was Neues“ brauchte.

Über das Personal um Rodgers herum kann man diskutieren: Offensive Line ist bestimmt Top-10 Material, doch auf Wide Receiver hat man hinter dem fantastischen WR Davante Adams und dem erfahrenen, aber alternden TE Jimmy Graham nicht allzu viel Erfahrung übers Feld laufen. Die Konsorten hören auf die Namen Geronimo Allison, Marquez Valdez-Scantling oder Equanimeous St. Brown (der aber vorerst verletzt ist).

Die spannendste Neuerung ist TE Jace Sternberger, ein fangstarker Mann aus dem NFL-Draft. Es wäre nicht das erste Mal, dass Rodgers aus einem mäßigen Receiver-Corps viel herausholt. Es wäre bloß das erste Mal seit Jahren.

Die wichtigere Figur beim Thema Rodgers ist natürlich LaFleur selbst. Sein Vorgänger McCarthy machte zwei Dinge gut: Er ließ in 1st Downs häufig werfen und er hatte das Händchen dafür, effizient aus Spread-Formationen zu laufen. Beides half der Effizienz der Offense. LaFleur machte es in Tennessee letztes Jahr diamentral anders.

Und so hängt die Einschätzung der Packers-Offense 2019 fast völlig an den beiden Faktoren Quarterback und Headcoach:

  1. Kann Rodgers mit dem neuen Headcoach endlich wieder sein unbestrittenes Potenzial abrufen und wieder eine Top-5 Passing-Offense anführen?
  2. Wird LaFleur sich davon lösen, die Offense mit hoher Rushing-Quote in 1st und 2nd Downs zu kastrieren?

Smart von LaFleur war auf alle Fälle, DefCoord Mike Pettine zu behalten. Dessen Defense hatte letztes Jahr zwar als #29 nach DVOA keine überzeugenden Werte, doch das Personal war brutal jung und unerfahren. Nun hat man personell mächtig nachgerüstet:

  • Edge-Rush mit den Free-Agents Preston Smith und Za’Darius Smith aus Baltimore sowie dem Rookie-1st Rounder Rashan Gary
  • Defensive Backfield mit FS Adrian Amos aus Chicago, CB Tramon Williams und dem anderen Rookie-1st Rounder FS Darnell Savage

Fast noch wichtiger: Die letztes Jahr mit 1st und 2nd Rounder gedrafteten Cornerbacks Jaire Alexander und Josh Jackson sollten den wichtigen „2nd-year leap“ machen, und dahinter wartet in CB Kevin King noch ein weitere dieser jungen Corner, der noch Luft nach oben haben sollte. Es spricht einiges für einen Leistungssprung jener Defense, die nach Jahren zu großer Passivität mit Pettine nun endlich auch einen aggressiver gepolten Coordinator aufbringt.

Mit passabler Defense (sagen wir: #16 anstatt #29) und einem Rodgers in alter Hochform ist eine Titelchance gegeben. Doch ein Quarterback in Hochform und gute Defense gilt für zahlreiche Teams, und allein „daran zu glauben“ ist ein zu schwaches Argument – Rodgers ungefragt Elite-Qualität zuzuschreiben, gehört der Vergangenheit an.

Divisionsgewinn in der NFC North ist drin, doch alle drei Konkurrenten haben sich im Vergleich zur letzten Saison verbessert und lassen ein enges Rennen erwarten. „Enges Rennen“ wie: Du kannst nicht davon ausgehen, dass die Packers mit 13-3 durch die Saison cruisen und mir nichts, dir nichts ein 1st-Round Bye abstauben. Vielmehr droht selbst bei Qualifikation der Playoffs einer der niedrigeren Seeds und damit ein schwerer Weg in die Superbowl.

Houston Texans

Record 2018: 11-5 (Wildcards)
Close Game Bilanz: 6-5
Pythagorean: 10.3 Siege
Schedule 2019: #2

Die Houston Texans waren eines der „worst to first“ Teams, doch zur anstehenden Saison sind sie nur noch deshalb der Divisionsfavorit, weil beim Rest der AFC South alles schiefläuft:

  • Bei den Colts, lange Zeit dem überwältigenden Favorit für 2019, trat QB Andrew Luck zurück
  • Die Jaguars glauben, dass Nick Foles ein großes Upgrade gegenüber Blake Bortles ist
  • Die Titans haben Potenzial, aber sind stuck in the middle mit QB Mariota

Und die Texans? Richtig: Haben zwar keinen GM und kastrieren gerade ihre komplette mittelfristige Zukunft, aber sie haben mit QB-Juwel Deshaun Watson den mit weitem Abstand besten Quarterback der Division. Das allein reicht um Houston einen kleinen Vorteil gegenüber dem Rest der AFC South zu geben.

Doch in Wirklichkeit sind die Texans ein komischer Laden. Ihre Offense hat bei genauem Hinsehen die Waffen für eine Top-5 Offense:

  • Watson ist, auch wenn er mit seinem langen Ballhalten (nur zwei QBs haben längere time to throw als Watson) Pressures, Hits und Sacks einlädt, einer der fantastischen jungen QBs, die sich was zutrauen und auch die schwierigen tiefen Bälle an den Mann bringen
  • Der WR-Corps um den fantastischen Nuk Hopkins, den deep threat Will Fuller sowie den jüngst aus Miami geholten, ebenso historisch gesehen meist tief angespielten Kenny Stills gehört zu den besten in der NFL, und RB Duke Johnson ist einer der fangstärkeren Backs in der NFL
  • Die Offensive Line ist zwar nicht gut, aber besser als ihr Ruf (u.a. #16 nach Pass-Blocking Win-Rate und #19 nach PFF-Grading), und wird nun durch den ambitionierten LT Laremy Tunsil verstärkt, sodass zumindest die schlimmsten Befürchtungen abgewendet wurden

Tunsils Einkauf für zwei 1st Rounder und einen 2nd Rounder war eine Hirnwichserei von Chefcoach und Möchtgern-GM Bill O’Brien, doch es gibt ein Szenario, in dem der Einkauf wirklich viel wert wäre: Wenn er O’Brien dazu bringen kann, seine Angst vor 1st-Down Passspiel abzulegen.

Houstons Offense war 2018 eine der konservativsten in 1st Downs – trotz schwacher O-Line und trotz Watson auf QB. Anders: Lässt O’Brien dank gefühlter besserer Protection seinen QB Watson nun häufiger in 1st und 2nd Downs von der Leine, kann Houstons Offense einen gewaltigen Effizienz-Sprung hinlegen.

Doch das Problem folgt auf der Stelle: Diesen wird es brauchen um die Regressionsfaktoren zu kompensieren:

  1. Houston spielt nun statt des schwächsten Schedules der Liga den prognostizierten #2 Schedule der NFL nach DVOA
  2. Der Pythagorean von 10.3 Siegen sprach schon letztes Jahr dafür, dass die 11-5 Bilanz der Texans overrated war – und Pythagorean schert sich nicht um Strength of Schedule
  3. Turnover-Bilanz von +13 ist kaum zu wiederholen

Und natürlich die Defense. Diese verliert in Edge-Rusher Jadeveon Clowney und FS Tyrann Mathieu zwei Ankermänner – und trotz der Präsenz eines J.J. Watt sollte man nicht die Augen davor verschließen, dass Houstons Abwehr letztes Jahr gegen zahlreiche Quarterbacks der Güteklasse Osweiler, Hoyer und Co. gut aussah, doch von besseren QBs abgeschossen wurde – und nun auf viel mehr bessere QBs als 2018 trifft.

In Pass-Rush und Run-Defense bleibt man wohl trotz Clowneys Abgang passabel aufgestellt, doch Coverage bleibt ein Problem: In Kareem Jackson, Kevin Johnson und Mathieu sind drei Starter weg, die durch die Neuen – CB Bradley Roby, S Gipson und S Addae sowie Rookie-CB Lonnie Johnson nicht unbedingt aufgewogen werden.

Das Potenzial der Offense um Watson herum plus die Hoffnung auf mehr Early-Down Passing allein reicht um die Preseason-Krone der schwachen AFC South nach Houston zu vergeben. Doch viel mehr als eine Bilanz um 9-7 erwarte ich nicht. Watson ist famos,

Minnesota Vikings

Record 2018: 8-7-1
Close Game Bilanz: 2-2-1
Pythagorean: 8.5 Siege
Schedule 2019: #12

Von der größten Enttäuschung der Offseason 2019 zur vielleicht größten Enttäuschung der Regular Season von 2018 – den Minnesota Vikings, die von 13-3 auf 8-7-1 Bilanz abstürzten und gegen jede Erwartung die Playoffs verpassten. Head Coach Mike Zimmer hatte noch in der laufenden Saison den Schuldigen für die Misere ausgemacht: OffCoord John DeFilippo, dessen (richtigerweise) passlastiges Play-Calling zu hypermodern für den Cheftrainer war – und daher zur Entlassung führte.

Der Social-Media Mob hatte derweil ein anderes Ziel: QB Kirk Cousins, der seinen teuren 28 Mio/Jahr Vertrag nicht rechtfertigen konnte und schlechter performante als sein billiger Vorgänger Case Keenum in 2017.

Die Analytics-Community dagegen sah ein gänzlich anderes Problem: Regression zur Mitte. Weder konnte Zimmers Defense ihren irrealen Standard von 2017 jemals halten, noch war es wahrscheinlich, dass Cousins hinter einer absurden Offensive Line ein solches Ausreißer-Jahr wie Keenum aufs Parkett zauberte – und als unkontrollierbare Faktoren wie zahlreiche Fehlschüsse der Kicker sowie eine unfassbar unglückliche Fumble-Recovery Rate von 33% mit reinspielten, war es um das Schicksal Minnesotas geschehen.

Nun wird der Reset-Button gedrückt.

Ich war lange skeptisch, was die Vikings 2019 angeht, weil mit OffCoord Kevin Stefanski als zu „Zimmer-nahe“ suspekt war. Doch es mehren sich die Indizien, dass die von Stefanski designte, aber von Gary Kubiak inspirierte und durchaus auch mit gecoachte „neue“ Vikings-Offense 2019 den Stärken zahlreicher Player entgegen kommen wird:

  • Sie wird reich an Play-Action Passing sein, was Cousins so gut kann.
  • Sie wird eine bessere Offensive Line aufbieten, u.a. mit einem Rookie-Center Bradburry, der vor allem deswegen gedraftet wurde, weil er das notwendige Zone-Blocking für die Kubiak-Offense schon perfekt drauf hat.
  • Sie wird das atemberaubend gute WR-Duo Thielen / Diggs bedienen, und hat in TE Rudolph sowie Rookie-TE Irv Smith auch Potenzial für das so effiziente 12-Personnel Passing.

Weil mit RB Dalvin Cook auch noch einer der explosiveren Runningbacks zurückkehrt und die Line kaum schlechter als 2018 sein kann, gehe ich mittlerweile von einer deutlich verbesserten Vikings-Offense 2019 aus.

Die Defense ist seit Jahren stabil: Sie ist die einzige, die in den letzten beiden Jahren Top-5 nach DVOA und in den letzten drei Jahren jeweils Top-10 nach DVOA war. Letztes Jahr schaffte sie das Kunststück auf #4 zu springen, obwohl sie massive Deckungsprobleme auf der Linebacker-Position durchschleifen musste, DE Griffen und S Sendejo ein paar Wochen verpassten und CB Xavier Rhodes ein schwaches Jahr spielte.

Obwohl es durchaus Stimmen gibt, die Zimmers Abwehr von O-V-E-R-R-A-T-E-D attestieren: Es ist eine nahezu makellose Defense im Tackling, die kaum Yards nach dem Catch aufgibt. Die eine der besten Personaldecken im Edge-Rush (Griffen/Danielle Hunter), auf Linebacker (Barr) und in der Secondary mit ihren zahlreichen 1st Roundern und S Harrison Smith hat – also auf allen Levels. Einen kompletten Absturz kann man sich kaum ausmalen.

Das würde reichen um Contender-Status zu rechtfertigen. Letztes Jahr war ich verglichen mit dem Common-Sense („Vikings sind kein Titelkandidat“) sehr skeptisch gegenüber den Vikings. Zur anstehenden Saison bin ich optimistischer und sehe sie als ärgsten Rivalen der Packers im Rennen um die NFC North.

Seattle Seahawks

Record 2018: 10-6 (Wildcards)
Close Game Bilanz: 5-5
Pythagorean:  10.1 Siege
Schedule 2019: #10

Damit zu den Seattle Seahawks, die das Stechen mit den Bears um den letzten Platz in der Kronprinzen-Kategorie gewannen. Es gibt dafür einen Hauptgrund – und der nennt sich „Russell Wilson“. Die Seahawks sind längst kein Team ohne Flauseln – im Gegenteil, es gibt so vieles, was man an der Strategie der Seahawks in den letzten eineinhalb Jahren aussetzen könnte! Doch Wilson allein als einer der Elite-QBs der NFL rechtfertigt es, Seattle in einer einfacheren Division als jener der Bears den Vorzug zu geben.

Schon letztes Jahr schaffte Seattle gegen alle Erwartungen die erste NFC-Wildcard zu ergattern. Sie waren dabei eines der bizarrsten Teams:

  • Völlig abhängig von QB Wilson und LB Bobby Wagner
  • Total ineffizient im Play-Calling in der Offense (hohe 1st Down und 2nd Down Lauf-Quoten)
  • Extrem glücklich bei Turnovers (+15 Turnover-Bilanz und 64% aufgenommene Fumbles)
  • Relativ niedrige Netto Success-Rate (48%), aber sehr hohe Netto EPA/Play (0.09, #7 der NFL)

Die Seahakws dieser Tage sind ein zögerliches Team, von den Coaches dafür gebautes Team, lange in engen Spielen mit drinzuhängen anstatt dem Gegner ihr Tempo aufzudrücken – um dann in 3rd Downs die Wunder-Plays des Russell Wilson auszupacken. 2018 war das ein Rezept, das aufging. Doch auf lange Sicht ist das kein siegbringendes Rezept.

Zu befürchten ist neben massiver Regression bei Turnovers auch Regression der Big-Plays. WR Lockett fing letztes Jahr alles, was tief in seine Richtung geworfen wurde, doch das lässt sich nicht wiederholen. Der Receiving-Corps hinter ihm ist jung, unerfahren und verletzt – so beginnend z.B. bei WR D.K. Metcalf die auch schon vor dem Draft angekündigten Probleme schon jetzt.

Die Defense ist nach dem Abgang des letzten „legion of boom“-Recken FS Earl Thomas sowie von Slot-CB Coleman im Umbruch begriffen. Wie man es mit unbekanntem Personal letztes Jahr auf #14 in DVOA-Defense schaffen konnte, weiß so genau keiner – doch nun kann man nach dem Einkauf von EDGE Jadeveon Clowney aus Houston den Punkt machen, dass man zumindest qualitativ gleichwertiges, vielleicht etwas besseres Personal aufstellt.

Defensive Backfield ist dabei nicht gemeint: Dort baut man auf Rookies und einstige 2nd und third stringer. Doch im Pass-Rush ist man ein Jahr, nachdem Frank Clark (jetzt in Kansas City) die einzige Waffe war, mit Rookie-1st Rounder L.J. Collier sowie den beiden auf Einjahres-Vertrag spielenden Edge-Rusher Clowney und Ziggy Ansah recht ordentlich besetzt.

#14 Defensive-DVOA Ranking hätte ich für nicht wiederholbar gehalten, bevor man am Samstag Clowney einkaufte. Doch mit Clowneys okayer Präsenz als Pass-Rusher sowie seiner exzellenten Run-Defense und der Tendenz, dass Pete Carrolls Defenses immer einen Tick besser zu performen scheinen als anfangs gedacht, wäre eine Performance im Liga-Mittelfeld doch wieder denkbar.

Bleibt die irritierende Offense, wo das ineffiziente, weil grundlos lauflastige Play-Calling von pound the football-Fetischist Brian Schottenheimer den Laden zurückhält. Wilson ist superb, aber die Seahawks verlangen von ihm gleichzeitig zu wenig (weil sie die meisten 1st Downs in die Mauer rennen) und zu viel (weil er in zu vielen 3rd Downs die Kohlen aus dem Feuer holen muss) – dabei wäre die Lösung ganz einfach: Wilson den Ball geben und ihn machen lassen.

Tun sie nicht. Weil in einer aufgerüsteten NFC West, in der San Francisco und Arizona nicht mehr die Schlachtopfer auf der Bank geben, die Konkurrenz nicht einfacher wird, sehe ich eine Wiederholung des Husarenritts mit Playoff-Qualifikation wie 2018 zwar machbarer als für die Bears, aber dennoch kritisch.

10 Kommentare zu “Furchtlose NFL-Vorschau 2019/20 | Die Kronprinzen

  1. Interessant. Nur zwei AFC Teams, d.h. in den Top 8 kommen dann 5?

    Finde, daß man die Chicago Bears nach Qualität auf jeden Fall über die Houston Texans stellen müsste. Sie haben die viel bessere Defense, die bessere Infrastruktur in der Offense, den viel besseren Coach, da macht das Gap zwischen Watson und Trubisky nicht mehr so viel aus, daß man die Texans drüber ranken sollte.

    Das Argument 3 Division Kontrahenten so hoch greift da auch nicht, denn in der AFC North wäre das ja auch so, und mit den Bengals und Ravens sind ja erst zwei Teams raus, was impliziert, daß du 2 AFC North Teams unter den Top 8 rankst. Was ich stark finde!

  2. Sieht aus als wäre der Zeke Deal unter Dach und Fach. 6 Jahre, 15 Mio pro Jahr, der Deal ist noch höher als die schlimmsten Befürchtungen.. .und dann kein Geld mehr um Dak und Byron Jones zu verlängern. JJ ist echt ein Wunder 😦

    Ich glaube ehrlich, die Boys sind im Vergleich zu den Bears zu hoch eingeschätzt, würde sie in Kat. 3 setzen und die Bears hoch.

    Seahawks und Ravens passt schon. Die einen haben Top QB, die anderen Top Defense.

    Atlanta ist eine Mannschaft, die mich interessiert. Finde sie vom kader her nicht weit entfernt von den Saints, aber die Coaches sind lausig. Sean Payton macht den größten Unterschied!

  3. Ja die Cowboys konnten es nicht lassen und haben aus meiner Sicht mittlerweile viele Voraussetzungen um jahrelang im Fegefeuer zu Gast zu sein. Ich bin auf die diversen Ausreden gespannt.

  4. Ich erwarte mir nicht viel von den Packers dieses Jahr. Rodgers war nicht gut zuletzt und das neue System muss erst greifen. Sehe die NFC North als die ausgeglichenste Division in der NFL, und ich traue allen Team (ja, auch den Lions) den Division Win zu, natürlich nur, wenn Patricia das entsprechende Playcalling zulässt.

    Aber du bist nicht allein mit deinen Einschätzungen. FO mit seiner DVOA Projection sieht z.B. die Packers auf #1 knapp vor den Lions, Vikings sind #3 und die Bears sind sogar unter .500 auf #4.

    Es ist mutig aber nachvollziehbar, dass du die Bears nur in Tier III geschoben hast. Hatte ich nicht gedacht nach dem optimistischen Grundtenor bei den Bears die ganze letzte Saison über.

    Good job, das ist für mich die beste Preview mich auf die NFL vorzubereiten und ich lese Spox und Ringer und die ganzen Portale auch mit! (Wollte ich mal loswerden)

  5. „Die spannendste Neuerung ist TE Jace Sternberger, ein fangstarker Mann aus dem NFL-Draft. Es wäre nicht das erste Mal, dass Rodgers aus einem mäßigen Receiver-Corps viel herausholt. Es wäre bloß das erste Mal seit Jahren.“

    Sternberger ist seit gestern auf „injured reserve“… 😦

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