Quick-Recaps 2019 – Woche 1

Der erste Eindruck trügt – auch in der NFL. Was uns nicht daran hindert, die Spiele am ersten Spieltag munter zu sezieren. Gestern habe ich schon das Sunday Night Game durchleuchtet. Heute folgen drei weitere Partien vom Sonntag (keine Angst, es kommen keine Spoiler der Monday Night Games).

Miami Dolphins 10, Baltimore Ravens 59

Die Ravens mit einem ungekannten Offensiv-Feuerwerk gegen zugegegben ebenso desaströse wie hilflose Miami Dolphins. QB Lamar Jacksons Stat-Line ist schon jetzt legendär:

  • 17/20 für 325 yds, 5 TD

Für die Einen ist das Perfect-Passer Rating von 158.3. Für die anderen sind es 16.2 NY/A und sensationelle 1.55 EPA/Pass. Natürlich sind solche Zahlen nicht zu halten. Natürlich sind sie auch dem schwachen Gegner geschuldet. Doch eines der Merkmale von funktionierenden Mannschaften ist, total inferiore Mannschaften an die Wand zu spielen. Und das taten die Ravens am Sonntag.

Die Offense lieferte dabei auch einen ersten Eindruck, wie sie designt sein soll – auch wenn Jackson fast nie als Runner in Erscheinung treten musste:

  • Hohe Play-Action Quote
  • Viel Laufspiel mit eingestreuten tiefen Downfield-Shots
  • Fokus auf Anspielziele in der Spielfeldmitte

Durchaus interessant war dabei das 1st-Down Playcalling: 26 Rushes bei nur 6 Pässen. Selbst in der ersten Halbzeit, als das Spiel noch sowas wie „offen“ war: 11 Rushes bei 3 Pässen. Es war nicht so, dass die Ravens ein fassungsloses Passfeuerwerk in allen Downs abgezogen hätten. Die Pässe wurden eher als Sprühsahne zwischen dem trockenen Laufspiel eingesetzt.

In Miami sorgte die Art und Weise des Debakels für Entsetzen. Allein der Blick darauf, wie vogelwild die Defensive Line die Run-Gaps verteidigte, ließ tief blicken.

Das Publikum war schon zur Halbzeit geschlossen auf dem Weg nach Hause und im Nachgang an die Partie sollen mehrere der verbliebenen Starter einen Trade gefordert haben. Keine Lust auf Tanking. Das ist das Risiko: Diejenigen, die unter Tanking leiden ohne einen Mehrwert zu haben – die wenigen höherklassigen Spieler – sehen ihre Karriereambitionen gefährdet.

Damit wären wir wieder beim schmalen Grat zwischen dem, was Sinn macht (Assets wie Tunsil und Stills zum höchstmöglichen Preis zu verkaufen) und dem, was beim ganz krassen Re-Build weh tut (so derbe abgeschossen zu werden). Miami ist auf dem besten Weg, es noch eine Stufe übler als die 1-31 Cleveland Browns zu erwischen. Am Sonntag warten die Patriots.

New York Jets 16, Buffalo Bills 17

Fassungslose Niederlage der schwachen Jets. Die führen nach 4 Bills-Turnovers schon 16-0, ehe Buffalo im letzten Viertel unglaublicherweise zurückkam. Sehr krass war dabei das 1st-Down Playcalling der Bills:

  • Halbzeit 1: 13 Pässe, 2 Läufe
  • Halbzeit 2: 7 Pässe, 8 Läufe

QB Josh Allen bekam die extreme Passlastigkeit in der 1ten Halbzeit offensichtlich überhaupt nicht. Nach der Pause wurde es besser, als die Bills in 1st und 2nd Downs ausgeglichen viel liefen und warfen (jeweils 12 Stück) und Allen seine patentierten tiefen Pässe einstreuen konnte. Doch geschuldet war die Niederlage am Ende mehr als der eigenen Leistung jener des Gegners.

Die Jets-Offense spielte ein unsägliches Kurzpass-Gedaddel – noch schlimmer als vom Adam-Gase/Sam-Darnold-Skeptiker Mike Tanier jemals angekündigt worden war. Darnolds aDOT = 5.3 Yards/Pass. Auch die Chiefs hatten wenige Air-Yards (5.2 aDOT), doch dort sind die Routen so designt, dass hinterher jemand damit laufen kann:

  • Chiefs-WR hatten pro Anspiel 7.8 YAC
  • Jets hatten 2.8 YAC

Bezeichnend in diesem Zusammenhang: Slot-WR Crowder hatte zwar satte 14 Catches, aber keine 100 Yards in totalem. Eine solche Performance ist sogar historisch:

Wahnwitzig war der Comeback-„Versuch“ von QB Darnold in der letzten Minute. Gegen eine der besseren Defenses der NFL natürlich ein einfaches Unterfangen, aber Darnolds Pässe spotteten jeder Beschreibung: Erst unterwarf er den durchgebrochenen WR Robby Anderson. Dann überwarf er ihn um Meter. Und dann pfefferte Darnold die Bälle gleich serienweise ins Nirvana.

Desaster für die Jets auf so vielen Ebenen.

Dallas Cowboys 35, New York Giants 17

Viel Lob für die Dallas Cowboys und ihren neuen OffCoord Kellen Moore – und das zurecht! Moore machte so viel, was die Analytics-Abteilung von einem modernen Offensiv-Coach erwartet:

Dazu zahlreiche tiefe und mittellange Routen pro Passspielzug – wirklich aggressiv! Das führte zu einem Breakout-Spiel für QB Dak Prescott, der mit seinen mehr als 400 Passing-Yards und 4 TD auch total effizient war: 12.7 NY/A Passing, 1.05 EPA/Pass. Solche Zahlen sind natürlich auf lange Sicht nicht zu halten, doch für Prescott sind sie gewichtiges Argument in seinen anstehenden Vertragsverhandlungen.

Der von mir immer kritischer beäugte Dan Orlovsky indes fand sogar nach dieser reinen Pass-First Vorstellung der Cowboys-Offense noch einen Weg, den nahezu unsichtbaren RB Ezekiel Elliott in den Mittelpunkt der Erfolgsfaktoren zu setzen:

Doch viel wichtiger: Die Cowboys haben nach Jahren des pathetischen Coaching zum ersten Mal wieder ein Lebenszeichen gesetzt! Wenn Moore daran anschließt, bin ich gezwungen, ein Cowboys-Käppi aufzusetzen. Zieht Moore sein Ding durch, hat die NFC einen Contender mehr.

6 Kommentare zu “Quick-Recaps 2019 – Woche 1

  1. kurze Frage wo kann ich am besten Playcalling Stats wie PA rate und first down passing nachschauen? wollte mich vergewissern ob sich der super miese Eindruck meiner Broncos im Playcalling auch in den Stats widerspiegelt. Vielleicht hätten wir Moore holen sollen. Der hat mir extrem gut gefallen und für ihn wärs ja auch das aller erste Spiel als Rookie OC

  2. das war ja ein geiles spiel in New Orleans,hat sich gelohnt die Nacht durchzumachen. schade für die texans nach so einer Aufholjagd noch zu verlieren .

  3. Zu elliot : ist es aber nicht auch ein valides Argument, dass die giantsD Angst vor dem laufspiel hatte und deshalb mit schwereren und nicht so schnellen Formationen aufwartete… Was wieder nicht gut gegen den Pass war? Hat zeke nicht deshalb doch impact?

  4. Ein Gedanke der mir gestern gekommen ist: Kann es sein dass die Kommentatoren ganz bewusst Dinge simplifiziert darstellen – dem vermuteten Zuschauern zu liebe? Panthers haben bspw. Sehr eindeutig RPOs gespielt- würde aber nie so angesprochen, sondern immer nur der Fake bzw. Sowas wie: Die Defense muss den run respektieren bla bla
    Irgendwie ist da ja was dran quasi grob vereinfacht die Idee der RPO

  5. @sesso: Hier gäbe s irgendwo mal eine Analyse, dass der Erfolg von PA unabhängig vom Erfolg des Running Games ist.

    Das macht auch von der spielerausbildung Sinn. Die Spieler schauen auf ihre Reads und weniger darauf, wer im Backfield steht. Demnach würde ich behaupten, dass entscheidender ist, wie gut die reads manipuliert werden.

  6. Es geht mit ja auch darum, dass ich n ganz anderes defense personell aufstelle, wenn ich bei der rpo auch auf den Lauf achten muss…
    Greenbay hat ja gegen chicago auch mit vielen DBs gespielt weil chicago kein laufspiel hatte

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