NFL 2019 Preview Woche 3: Broncos @ Packers

Denver Broncos (0-2) @ Green Bay Packers (2-0)

Interconference Games finden nur alle vier Jahre statt. Daher gibt es auch keine Rivalitäten über die AFC-NFC-Grenze hinweg. Wenn man sich solche Interconference-Serien wie Broncos-Packers in der Historie anschaut, sieht man erschreckend deutlich, wie schnell sich die NFL verändert.

2015. Das letzte Spiel dieser beiden Mannschaften war in der Rückschau der Beginn der bis heute nicht geklärten Mysteriumsfrage “What’s wrong with Aaron Rodgers?!”.

Damals, am 02. November 2015, spielten die ungeschlagenen Denver Broncos (6-0) gegen die ebenfalls ungeschlagenen Green Bay Packers (6-0). Rodgers war damals ohne Frage der beste und aufregendste Quarterback der Liga. Er war im Tunnel. Er war in einem flow, der allen Zuschauern die Hosen ausgezogen hat. Die Brady-Manning-Debatte war verstummt.

Im Rückspiegel konnte man noch das desaströse NFC Championship Game 2014 sehen. Dieses Spiel gegen die Seahawks ist das Spiel – bis heute! -, das die stärksten negativen Emotionen in mir hervorruft, wenn ich an Football denke.

“MCCARTHY! WAS ZUR HÖLLE!?!

 

McCarthy konnte sich unerklärlicherweise noch einige Jahre als Head Coach halten. Aber Rodgers war broken. Er war nicht schlecht, er hat nicht geweint, er war nicht körperlich oder geistig beschränkt, er war immer noch richtig gut, streckenweise überragend; aber dieses unbegreifliche Level, das er vorher regelmäßig auf dem Spielfeld für die begeisterten Football-Liebhaber abgeliefert hatte, das war weg. Und er hat es auch nicht wieder gefunden. Gleichwohl bin ich davon überzeugt, daß er dieses Potential noch in sich trägt.

Kann sein neuer Coach Matt LaFleur diesen Schatz heben? Kann LaFleur ihn befreien von den Dämonen und Fragen und Kränkungen, die McCarthy hinterlassen hat? Bisher sieht es nicht so aus, aber es ist noch sehr, sehr früh. Letzte Woche hat er immerhin angefangen wie die sprichwörtliche Feuerwehr und schnell die 21-0-Führung herausgepaßt. Dann wurde es dünn und Green Bay hat knapp gewonnen – immerhin – aber wiedergefundene Magie war dabei nicht zu bestaunen.

2015: Der Gegner damals Peyton Manning. Ja, so lange ist das schon her. Peyton Manning 7-0: sieht doch alles gut aus Anfang November 2015. Wie schnell dann Peyton Manning aussah wie ich beim Zeitungholen am Sonntagmorgen hat kaum jemand vergessen.

Gewonnen haben sie Super Bowl 50 am Ende der Saison dann trotzdem. Die wichtigsten Spieler von damals: Peyton Manning (kaputt), RB C.J. Anderson (ja die kleine Speckmaus von den Rams letztes Jahr, damals 23 Carries im Super Bowl), Demaryius Thomas (jetzt am Ende der AFC East); Owen Daniels (Kubiaks Liebling war damals schon alt!); DeMarcus Ware, Derek Wolfe, Malik Jackson, Brandon Marshall (der Linebacker), Danny Trevathan, Aqib Talib, Bradley Roby – alle in Rente oder für dickere Verträge bei anderen Mannschaften. So schnell und mit harter Kante sind vier Jahre vorbei. Einzig dabei sind noch Von Miller und Emmanuel Sanders.

Prime-Rodgers, Versager-Josh, Tebow-Time

2011. Das vorletzte Spiel, am 02.Oktober 2011, hatte auch einen besonderen Post-Season-Hintergrund. Und zwar kein verlorenes NFC Championship Game, sondern einen gewonnenen Super Bowl. Den einzigen für den einzigartigen Aaron Rodgers bis heute.

Damals, am 02. Oktober 2011, war Aaron Rodgers wie so oft zu der Zeit on fire: 29-von-38, 408 Yards, 4 TDs. Danach war Denver 1-3. Eine Woche später wurde Tim Tebow eingewechselt. Man geht nur zwei Spiele in dieser Interconference-Serie zurück und schon ist man bei Tim Tebow! Es war Jahr Eins nach Josh McDaniels. Haha, lol, McDaniels, was für ein Trottel! McDaniels hat seitdem sieben AFC Championship Games in Folge und drei Super Bowls gewonnen und währenddessen der Patriots-Offense mehr unterschiedliche Gesichter gegeben als aktuelle Snapchat-Filter. Damals war man noch bei StudiVZ. Tim Tebow sagt jetzt komische Sachen im Fernsehen.

2007: Im drittletzten Spiel dieser Serie hießen die Quarterbacks Brett Favre und Jay Cutler. Es sind nur drei Spiele zurück von heute bis dahin, aber es fühlt sich an wie ein ganzes Leben.

2019: Viel Talent in komplexen Defenses

2019: Aber einer ist noch dabei: Tramon Williams. Er hat anno 2007 als Rookie gespielt; der junge QB Rodgers saß nur auf der Bank. Nach 2014 aussortiert und für einige Jahre rumgetingelt in Cleveland und Arizonas Wüste, ist Cornerback Williams zurück und soll der blutjungen Secondary etwas Erfahrung mitgeben. Mit CB Kevin King und vor allem Jaire Alexander hat Green Bay zwei sehr talentierte Cornerbacks. Mit Darnell Savage auch einen wilden Rookie als Safety, der in den ersten beiden Wochen einen blitzschnellen Eindruck gemacht hat; zusammen mit dem aus Chicago gekommenen Safety-Kollegen Adrian Amos hat Green Bay eine sehr talentierte Secondary. Allerdings mit DC Mike Pettine auch einen Coordinator, der seine Coverage Guys durch komplizierte Schemes zeitweise selbst in die Bredouillle bringt.

Weiter vorne sahen die beiden teuren Edge Rushers Preston und Za’darius Smith, aus Washington beziehungsweise Baltimore gekommen, fast ihren Verträgen entsprechend gut aus in den ersten zwei Spielen gegen Chicago und Minnesota. Wenn das viele spielerische Talent sich zurechtfinden sollte in dem komplexen Pettine-System, dann kann das eine Top-Verteidgiung werden.

Auf der anderen Seite steht auch eine Top-Defense mit zwei noch besseren Pass Rushers: Von Miller und Bradley Chubb. Auch auf Cornerback ist Talent vorhanden mit Chris Harris, Kareem Jackson und Slot-Star Bryce Callahan, der mit dem neuen Head Coach Vic Fangio aus Chicago gekommen ist.

Fangios Scheme ist auf eine andere Art ähnlich komplex wie Pettines, also wird es noch Zeit dauern, bis alle communication breakdowns ausgemerzt werden können. Leider kann der gegnerische Quarterbacks busts in der Verteidigung ungleich besser ausnutzen als der eigene QB Joe Flacco. Die ersten zwei Wochen sahen so schlimm aus wie befürchtet: ein zur Groteske mutiertes Kurzpaßgedödel. Letzte Woche gegen Chicago schaffte es Flacco selbst bei 35 erfolgreichen Pässen unter 300 Yards zu bleiben.

Rodgers mit seinem neuen Chef (?) Matt LaFleur sah nicht viel besser aus. Aber immerhin sieht man bei ihm phasenweise, daß er der talentierteste Quarterback der Liga ist. Ob diese beiden Herren zusammen harmonieren können, wird sich zeigen – oder auch nicht.

Wendepunkte

Die beiden letzten Spiele Broncos-vs-Packers stehen symbolisch für Wendepunkte in Rodgers’ Karriere: hier der immer nur besser werdende Rodgers, der mit seiner 400-Yards-&-4-Touchdowns-Performance in Woche 4 2011 seinen heißen Ritt zum fast einstimmigen MVP (10,5 Adjusted Y/A !! , 45/6-INT/TD, 4650 Yards) und 15-1-Saison begann –  dort der Beginn der mysteriösen “What’s-Wrong-With-Aaron-Rodgers-Phase?” in Woche 8 2015 (14/22, 77 yards).

Kann Rodgers in seinem dritten Broncos-Spiel die dritte Wende seiner Karriere einleiten? Für die Broncos geht es dagegen nach 0-2-Start nicht um langfristige Harmonie, sondern um’s Retten der Saison 2019.

Sonntag, 19.00Uhr: live nur im GamePass, aber re-live ab 23:00Uhr bei DAZN.

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3 Kommentare zu “NFL 2019 Preview Woche 3: Broncos @ Packers

  1. Ein fantstierscher „Herrmann-Eintrag“, super! Großartiger Spannungsbogen mit fantastisch schließendem Kreis am Ende. Vielen Dank, das Lesen war ein großes Vergnügen!

  2. Ich war das erste Drittel stark irritiert, ob der starken Sprünge, nur um dann festzustellen, dass nicht Thomas sondern Hermann (endlich mal wieder!!!) schreibt. Tolle Verknüpfung des Matchups.
    Danke für die ganzen kleinen geschichtlichen Einwürfe und Rückbesinnungen.

  3. Pingback: Sonntagsvorschauer – Woche 3 | Sideline Reporter - Eier, wir brauchen Eier!

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