Sonntagsvorschauer – Woche 3

Es geht weiter mit der NFL!


Das Donnerstagsspiel Jacksonville Jaguars vs. Tennessee Titans endete 20-7. Die Geschichte des Spiels war nicht die Vorstellung vom neuen Lieblings-QB der USA, Gardner Minshew – trotz einiger fantastischer Pässe. Aber Quarterback zu spielen ist relativ einfach, wenn man nach wenigen Minuten 14-0 gegen einen Gegner führt, der nicht an den Vorwärtspass glaubt.

Womit wir beim Abgesang auf Titans-QB Marcus Mariota wären: Zu wenig Entschlossenheit, zu viele Sacks, zu banale Würfe.

Die Mariota-Geschichte ist eine der tragischeren der jüngeren NFL-Geschichte: Gekommen ein paar Jahre zu früh um die gegenwärtige Offensiv-Revolution von Anfang an mitzulerleben, in Tennessee verbrannt in einem hirnlosen System mit viel Heavy-Personnel, viel 1st-Down Rushing und zahllosen Coordinator-Wechseln, die immer wieder zurück zum Gleichen führten: Heavy-Personnel und viel 1st-Down Rushing.

Doch Mariota hat selbst unter Berücksichtigung dieser Ausgangslage keine gute Entwicklung genommen. Schon vor der Saison durfte man begründet skeptisch sein ob das noch was werden würde. Man kann jetzt Offense Line, Coaching, Wide Receiver, Tight Ends – alles und jeden – anschwärzen, doch Punkt bleibt: Mariota sieht aus als wäre er entweder am Ende oder als ob er eine Luftveränderung in einer anderen Mannschaft braucht. Er ist gedanklich nicht schnell genug um die NFL-Reads in seiner Offense durchzugehen und wirkte nicht erst am Donnerstag komplett ausgebrannt.

Jacksonville hat trotz des Sieges und dem Hype um Minshew seine eigenen Sorgen: CB Jalen Ramsey will auf Druck weg. Ramsey war 2016 ein Top-10 Pick und hat sich auch als eines so hohen Picks als würdig erwiesen. Doch das Jaguars-Management machte bei ihm das, was schlechtes Management so häufig macht: Es schiebt die Schuld am eigenen Versagen den besten Spielern im Kader zu. So ist es nur mehr eine Frage der Zeit, bis Ramsey nun getradet wird.

Das Jaguars-Front Office hat in den letzten Jahren GM Caldwell, Gott Tom Coughlin und Doug Marrone gehalten, hat QB Bortles gedraftet und verlängert, RB Fournette mit dem #4 Overall Pick gedraftet, aber fantastische Spieler wie Ramsey oder WR Allen Robinson vergrault. Wer ein Rezept braucht wie man es nicht macht: Bitte in Jacksonville zuschauen.

Frühschicht um 19h

  • Buffalo Bills – Cincinnati Bengals
  • Dallas Cowboys – Miami Dolphins
  • Green Bay Packers – Denver Broncos
  • Indianapolis Colts – Atlanta Falcons
  • Kansas City Chiefs – Baltimore Ravens (ProSieben Maxx)
  • Minnesota Vikings – Oakland Raiders
  • New England Patriots – New York Jets (ran.de)
  • Philadelphia Eagles – Detroit Lions

Für den Football-Feinschmecker kann es um 19h nur eine Partie geben: Kansas City Chiefs mit QB Patrick Mahomes gegen die Baltimore Ravens mit Lamar Jackson. Beide haben schon letztes Jahr ein famoses, knappes Spiel geliefert. Beide sind 2-0. Mehr noch: Beide sind überzeugend 2-0.

Es sind zwei Mannschaften, die völlig unterschiedlich gebaut sind und die sich doch so ähnlich sind. Die Chiefs spielen eine Spread-Offense mit viel 11-Personnel und zahlreichen Routen an die Seitenlinien der NFL – um zwischendurch über TE Kelce die verwaiste Spielfeldmitte zu attackieren. Baltimore dagegen hat seine Offense just über diese Spielfeldmitte und die Seam-Routen gebaut, mit schwererem Personal, vielen Routen dorthin und hartem, trockenen Laufspiel.

Damit sind beide Offenses aber auch Brüder im Geiste, wenn man ihren Umgang mit ihren Quarterbacks beachtet: Mahomes und Lamar mögen sensationelle Individual-Talente sein, aber ihre Coaches haben die Offenses auch ganz im Gegensatz z.B. zu Mariota in Tennessee auch vollständig über die Stärken ihrer QBs gebaut:

  • Mahomes bekommt dank Andy Reids innovativem Play-Design und exzellenten Skill-Playern so viele offene Würfe wie kaum ein anderer QB – gepaart mit seinen tödlichen Pässen auch in die schwierigen Deckungen hinein ergibt das ein Level an Quarterbacking, das vielleicht noch ein Aaron Rodgers in absoluter Höchstform nachahmen konnte.

  • Jackson ist noch mobiler als Mahomes – und die Ravens nutzen seine Athletik. Sie lassen ihn laufen. Doch Jackson ist auch Quarterback genug um immer „pass first“ zu denken. So gibt Baltimore ihm vielfach die Pässe, die er am besten kann – tief und intermediate – und baut jetzt, wo Jackson andeutet, auch schwierige Bälle an die Seitenlinien anzubringen, verstärkt auch Routen hinaus an die Ränder des Spielfelds ein.

Beide Defenses werden hier und heute Schwerstarbeit verrichten müssen. Sie können sich auf eine Orgie an RPOs und Play-Action Pässen einstellen. Baltimore kann sich auf eine Fülle an Passspielzügen einstellen, die tief downfield das Herz der angeschlagenen Secondary attackieren. Die Chiefs-Defense, in den ersten beiden Spielen in der Coverage weniger katastrophal als befürchtet, sieht sich gegen Jackson dagegen zum ersten Mal der Gefahr ausgesetzt, gefährliches tiefes Passspiel verteidigen zu müssen. Kann ihre Zone-Coverage gegenhalten und Jackson verwirren?

Kansas City ist in den Wettbüros mit 6 Punkten favorisiert.


Alle anderen Partien der Frühschicht verblassen gegen dieses überragende Matchup.

Bills – Bengals: Buffalo nach zwei Auswärtssiegen schon auf der Liste der neuen NFL-Lieblinge, doch ich bin noch skeptisch. Cincinnati mit 0-2 Bilanz: Brauchbare, mutige Auswärts-Vorstellung in Seattle gefolgt von einem totalen Abschuss zuhause seitens der 49ers.


Cowboys – Dolphins: Gemessen an der bisherigen Saison wird das ein 48-3 Kantersieg der Cowboys mit 28 Completions in 32 Pässen für QB Dak Prescott mit 5 TD und 50% Play-Action Rate. In der zweiten Halbzeit legt RB Ezekiel Elliott 180 Yards nach um alle Auguren in ihrem pound-the-football Wahn zu bestärken („Zeke ist der Erfolgsfaktor der Cowboys“).

Bei den Dolphins wird ab sofort QB Josh Rosen für Ryan Fitzpatrick übernehmen – es gibt also tatsächlich Grund, auch Miami zuzuschauen!

Packers – Broncos: Aaron Rodgers mit seinem zögerlichen Sicherheitsfootball gegen den aggressiven Edge-Rush der Packers. Aber auch: Flacco gegen die bis jetzt so verbesserte Packers-Defense. Genauer hat es der Kollege Herrmann schon am Freitag beschrieben.


Colts – Falcons: Kann die recht softe Colts-Defense Atlantas Armada in 2nd und 3rd Down kontrollieren (1st Down ist mit hirnlosem Laufspiel ein Klacks)? Wenn nein: Wie will man mit Jacoby Brissetts Kurpassgewichse Schritt halten? Jedes 4th Down ausspielen?


Vikings – Raiders: QB Cousins kriegt viel auf die Fresse, aber bei aller Schlechtigkeit seiner Performance letzte Woche: Der Approach der Vikes ist der richtige.

  1. Tiefe Routen mit WR Diggs, der konstant Manndeckung schlägt und WR Thielen, der gegen Linebacker ein Leichtes hat.
  2. Ein QB wie Cousins, der über Jahre gut bei tiefen Routen und im Play-Action Passing war.
  3. Ein RB Cook, der in diesem offenen Zone-Scheme brilliert

Mit diesem Rezept, aber schlechteren Waffen, war Cousins schon in Washington überdurchschnittlich effizient. In Minnesota sind die ersten Früchte noch nicht reif – aber gib diesen Jungs noch etwas Zeit!


Patriots – Jets: Nächster Patriots-Kantersieg im Vorbeigehen im Anmarsch – auch ohne den gestern entlassenen Kurzarbeiter Antonio Brown. Nach einem plausiblen und intensiv recherchierten Artikel von Robert Klemko bei Sports Illustrated waren selbst den Patriots die Brandherde zu groß geworden um sie mit einem simplen „on to the Jets“ wegzuwischen. Jetzt wird diskutiert ob man Brown wegen Fehlverhalten neben seinem verbleibenden Grundgehalt auch den Signing-Bonus in Abzug bringen kann.

Der spannendste Mann ist in Browns Abwesenheit jetzt Jets-third string QB Luke Falk. Nein, nicht der Luke Falk, der über Jahre vertrauliche Informationen von den ach so sicherheitsfanatischen amerikanischen Footballstrategen bekam. Sondern der einstige Air-Raid Gunslinger von Washington State.


Eagles – Lions: Sechs Jahre nach der atemberaubenden Schneeschlacht trifft man sich heute wieder auf grüner Wiese. Die Eagles sind 1-1, aber verletzungsgeplagt und noch mit Anlaufproblemen in der Offense. Die Lions verschenken zu viele 1st Downs mit Laufspiel in die Mauer – ein Rezept, das heute besonders ungeeignet erscheint, wenn in 2nd und 3rd Down der Eagles-Passrush in langen Pass-Situationen gegen Matt Stafford anrauscht.

Spätschicht ab 22h

  • Arizona Cardinals – Carolina Panthers (22h05)
  • Tampa Bay Buccaneers – New York Giants (22h05)
  • Los Angeles Chargers – Houston Texans (22h25)
  • San Francisco 49ers – Pittsburgh Steelers (22h25)
  • Seattle Seahawks – New Orleans Saints (22h25 / P7&ran, Tony-Romo Spiel)

Auch in der Spätschicht ein Haufen interessanter Spiele.

Cardinals – Panthers: Arizonas bildhübsche Offense bleibt der Hingucker der Saison. Doch die Partie dürfte tatsächlich eher uninteressant werden, denn Carolina muss auf QB Cam Newton verzichten. Es lohnt sich damit auch kein Katastrophentourismus mit Blick auf Newtons kaputte Wurfschulter und seine verdrehten Wurfbewegungen. An seiner statt startet QB Kyle Allen, ehemaliger Air-Raid QB am College. Für Kyler Murray ist der erste NFL-Sieg zum Greifen nahe.


Buccs – Giants: Das Debüt von Giants-QB Daniel Jones, der wie wenige andere Personen die Diskrepanz aufzeigt zwischen dem, was die NFL sagt, und dem, was sie tut. Jones trifft auf eine eher wackelige Defense, was ihm helfen wird. Doch andererseits ist der Giants-Skill Corps nach wie vor völlig kaputt und abhängig von ein paar Wunderläufen Saquon Barkleys.

In der Buccs-Offense können wir entweder die fortschreitende Vergreisung des Bruce Arians beobachten, oder den Turnaround nach zwei Wochen horrenden Play-Callings und fragwürdigem Einsatzgebiet von Granaten wie TE O.J. Howard.


Chargers – Texans: Zwei potenziell potente Offenses auf Selbstfindungskurs. Letzte Woche erzielten sie zusammen 23 Punkte.


49ers – Steelers: Die Kyle-Shanahan 49ers gegen Mason Rudolphs Steelers. Pittsburgh machte mit dem aggressiven Trade für DB Minkah Fitzpatrick klar, dass man auch nach der season ending injury von QB Roethlisberger noch nicht aus dem letzten Loch pfeifen will. San Francisco dagegen lieferte letzte Woche in Cincinnati nach einer schrecklichen Auftaktpartie in Tampa Wiedergutmachung. Sensationell dabei war vor allem das Play-Action Passing von QB Garroppolo mit zahllosen offenen Receivern.


Und natürlich das Topspiel, das sich schon allein wegen des Kommentars von Tony Romo lohnt: Seattle Seahawks (2-0) vs. New Orleans Saints (1-1). Die Saints müssen ihren Hall-of-Fame QB Drew Brees für 4-6 Wochen vorgeben – das Backup-Tandem bestehend aus Teddy Bridgewater und Quarterback-Pendant zum Schweizer Taschenmesser Taysom Hill muss nun versuchen, das Geschäft am Leben zu erhalten.

Die Partie ist schon allein deshalb sehenswert, weil kein Schwein weiß wie Sean Payton seine Offense ohne Brees designen wird. Der superbe Seth Galina hat auf Twitter eine, wie ich meine, sehr schlaue Beobachtung gemacht:

Die Offense wird mit Bridgewater was völlig anderes spielen als mit Brees: Es wird plötzlich RPO geben um dem QB die Reads zu vereinfachen – was im Übrigen notwendig ist, denn Teddy war in Los Angeles überfordert. Richtig wild könnte es werden, wenn sich Payton was mit Hill einfallen lässt – der ja alles macht, von tiefen Bomben bis zu spektakulären Catches, harten Hits und Special Teams.

Payton hat sich nicht auf einen Starter festgelegt. Es wäre schon sehr, sehr geil, wenn die Saints sogar Plays aus einem 2-QB System bringen – ich habe just letztes Jahr über so eine Offense-Option geschrieben:

Der Artikel schaut sich dann auch noch ein Element von RPO an, das in der NFL noch gar nicht angekommen ist: Das 2-QB System, der z.B. Princeton am College einsetzt: QB übergibt an den mobilen Backup-QB, der im Prinzip eine Rolle als Runningback innehat. Der übernimmt den Ball und wirft tief.

Ich wüsste ein Team in der NFL, bei dem ich nach Lektüre des Artikels nicht überrascht wäre, wenn so ein Play in einem kritischen Moment aus dem Ärmel gezogen wird (New Orleans mit QB Taysom Hill). Doch man kann sich auch ausmalen, dass – sollte sich so ein Element in der NFL als erfolgreich erweisen – durchaus ein neuer Typ Spieler in der NFL in Mode kommt: Der athletische Backup-QB. Zu schwach um das Standard-Playbook zu orchestrieren. Aber genau der richtige Mann für solche, immer wieder eingestreuten „Trick-Plays“.

Die Seahawks wissen also nicht genau, worauf sie sich vorbereiten müssen. Doch natürlich ist alles besser als Brees. Sollten sie die Offense komplett im Würgegriff halten, ist ein einfacher Sieg für Seattle drin.

Doch wenn die Saints mit ihrem Personal überraschen können, wird für Seattle wieder der „Schottenheimer-Watch“ zentral: Letzte Woche war man zum ersten Mal in der zappendusteren Schottenheimer-Ära sogar in 1st-Downs ein pass first team. Was Schottenheimer nicht davon abhielt, die Stärken seines QBs Russell Wilson mit kindergeburtstagigen Play-Designs weiterhin zu neutralisieren.

Nachtschicht um 02h20

  • Cleveland Browns – Los Angeles Rams

Das Sunday Night Game ist ein Spiel der großen Namen, riskiert aber, unterwältigenden Football zu bieten. Beide Teams hatten in den ersten beiden Spielen massive Protection-Probleme und zu zögerliche Quarterbacks.

QB Jared Goff sieht unter Druck weiterhin wie er Chef einer überrumpelten Schülermannschaft aus, und Baker Mayfields Saisonstart ist gut dokumentiert: Hält zu lange den Ball (über 3 sek im Schnitt), was sich hinter einer Wackel-O-Line nicht gut macht und zu zahlreichen Sacks, Strafen und Pressures führt. Mayfield ist einer der am häufigsten niedergeschlagenen QBs der ersten Wochen. Dass das ausgerechnet gegen DT Aaron Donald besser wird, ist eher unwahrscheinlich.

8 Kommentare zu “Sonntagsvorschauer – Woche 3

  1. Danke für die Analyse zur Mariota Situation. Viel zu viele in der Titans Community verteidigen Marcus bis auf die Zähne, dabei ist längst offensichtlich dass Mariota selbst das Problem ist. Auch ich liebe diesen Typen, aber als QB bringt er es leider nicht.

    Für 2019 leider keine besseren Optionen, Tannehill ist auch ne Graupe. Aber 2020 muss Jon Robinson (wenn er seinen Job behalten darf) einen QB draften, andernfalls wird das Fenster der D total verschwendet.

    Bis dahin werden wir jede Woche 5 unnötige Mariota Sacks bestaunen dürfen…

  2. Die o Line der Titans ist aber auch lausig.

    Wer so viel ein stecken muss wird nicht lange auf dem Platz stehen.

  3. Die Titans haben viel in ihre OL investiert. Beide OT sind #1 Draftpicks, Saffold ist ein teurer Einkauf und auch Jones ist kein schlechter Center.

    Die Titans haben auch massivst in den Skill Corps investiert.

    Möglich, dass alle Investments Fehler waren und kein einziger Spieler eingeschlagen hat. Aber irgendwann kommt der Punkt an dem man sich eingestehen muss dass Mariota das Problem ist, und die Titans wären gut beraten das baldigst zu tun.

  4. Die Titans Oline wird sicher besser wen Tyler Lewan von der Doping sperre zurück kommt in Woche 5(?)

    Die Titans haben auch einfach seit Jahren grausames Coaching und playcalling

  5. „Aaron Rodgers mit seinem zögerlichen Sicherheitsfootball gegen den aggressiven Edge-Rush der Packers.“
    Ich muss die NFL-Trades unbedingt aufmerksamer verfolgen. 😉

  6. Pingback: NFL 2019/20, Woche 3: Kansas City Chiefs – Baltimore Ravens im Liveblog | Sideline Reporter - Eier, wir brauchen Eier!

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