Nachwehen von NFL-Woche 3

Ein paar kurze Nachwehen nach Woche 3.

Washington Redskins 15, Chicago Bears 31.

  1. Die Bears-Defense ist legit. Sie forcierte einmal mehr 5 Turnovers und nagelte Washington-QB Keenum an die Wand. Regression? Pustekuchen! (bislang)
  2. Bears-QB Trubisky war auch nicht sonderlich gut: 24 von 31 Punkten kamen von kurzen Feldpositionen nach diesen Turnovers bzw. direkt aus Defense-Returns. Trubisky hatte 4 Completions über 10 Air-Yards. Aber Trubisky limitierte diesmal immerhin die Anzahl der schrecklichen Bolzen.
  3. Chicago verteilte den Ball nun besser auf seine Targets, anstatt die Offense allein über RB Cohen und WR Robinson laufen zu lassen.

An Bears-Stelle wäre ich trotzdem besorgt: Die Defense spielte inklusive Strafen fast 80 Snaps gegen Washington. Diese Masse an Plays geht nicht lange gut. Vielleicht rettet der Schedule der nächsten Wochen die Bears: Mit Kirk Cousins/Vikings und Derek Carr/Raiders sieht man vor der Bye-Week nur noch unterdurchschnittliche QBs, und im ersten Spiele danach dürfte Drew Brees bei den Saints noch nicht wieder fit sein.

Das Spiel hätte eigentlich ein kompletter Blowout sein müssen. Doch die Bears machten es knapper als notwendig, hätten die Redskins nach dem 28-15 fast noch einmal auf einen Touchdown herankommen lassen.

Das Positive: Chicago ist 2-1. In einer NFC North, in der die Packers 3-0, die Lions 2-0-1 und die Vikings 2-1 gestartet sind, ist man noch nicht abgehängt.

Penaltys

Lee Sharpe hat sich auf Twitter die Mühe gemacht, den Schaden von Penaltys in Offense und Defense als gewonnene bzw. verlorene EPA (Expected Points Added) zu quantifizieren. Das Ergebnis sieht brutal für die Cleveland Browns aus: Letzter nach Penaltys in Offense und Defense.

Baker Mayday

Penaltys sind nicht die einzigen Probleme der Browns. Die letzte Woche analysierten Probleme von QB Baker Mayfield verstärkten sich diese Woche gegen die Rams-Defense. Mayfield hat ernsthafte Probleme:

  • Pre-Snap Read ist der Post-Snap Read: Mayfield hat Schwierigkeiten, die Defense-Umstellungen nach dem Snap als solche zu erkennen – vielleicht hat er schon Probleme, die richtigen Coverage-Reads vor dem Snap zu machen. Ändert die Defense die Deckung nach dem Snap wie es die Rams gemacht haben, ist er aufgeschmissen und es ergeben sich die drei nachfolgenden Symptome.
  • Offense Line ist nicht gut, aber Mayfield hält auch sehr lange den Ball in der Pocket (3.03 Sekunden/Wurf) – nur Rodgers und Cousins halten den Ball länger, und bei ihnen ist es qua Design.
  • Mayfield sieht erste Geister in der Pocket. Ein ohne Not nach rechts hinten driftender Mayfield ist eines der prägendsten Bilder der ersten drei Wochen NFL 2019.
  • Mayfield hat die meisten Würfe in Double-Coverage ligaweit geworfen und war dabei nicht erfolgreich.

Es sind die Anzeichen von QB-Busts: Mayfield wird schnell unruhig in der Pocket, seine Augen starren in blanker Angst auf den Pass-Rush anstatt auf seine Receiver, in völligem Misstrauen seiner O-Line gegenüber. Die Coaches helfen ihm nicht mit Play-Design. Freddie Kitchens macht auch noch keine Anzeichen, das Play-Calling an seinen OC Todd Monken (der Air-Raid Erfahrung hätte) zu übergeben.

Noch ist zu früh für Panikmache, aber die Alarmzeichen kann man nicht mehr ignorieren. Seit dem Opening-Drive gegen Tennessee ist das keine NFL-würdige Offense mehr gewesen. Die Browns sollten was umstellen!


Die Bills habe ich bislang noch gar nicht angeschaut. Sie sind interessanterweise nach der Spielen 3-0. Sind sie damit ein Wildcard-Contender?

Abwarten. Zwei Siege kamen gegen absurde Gegner (Jets-Kollaps und Eli-Manning-Giants), und letzte Woche brauchte man einen Last-Minute Touchdown um die sieglosen Bengals zu schlagen. Aber: Buffalos Start war vielversprechend. QB Josh Allen ist besser als befürchtet und auch auf Intermediate-Pässen kein völliger Ausfall mehr.

Drei Siege sind im AFC-Wildcardrennen auf alle Fälle schon einmal ein Faustpfand. Miami und die Jets sind in der AFC East offenbar keine Konkurrenz, in der AFC South haben wir momentan mehr Wildcards als echte Contender und die Chargers verlieren einen Leistungsträger nach dem anderen durch Verletzung.

Performance-Chart nach EPA/Play

Hier ein Rohentwurf nach Expected Points Added per Play (EPA/Play) getrennt nach Offense und Defense nach den ersten drei Spielen. Die Daten kommen von NFLscrapR und sind noch nicht sauber geputzt – z.B. sind die Penalty-Daten noch nicht perfekt auf Offense und Defense umgelegt, weswegen ich in der nächsten Woche noch ein paar Cleaning-Services einschalten muss.

Aber grundsätzlich haben wir schon eine erste Richtung nach drei Wochen (weiter rechts ist gute Offense, weiter oben ist gute Defense):

EPA 2019 Woche 3 - Total Game.png

Vier Teams sind bislang richtig scary: Patriots, Chiefs, Ravens, Cowboys. Doch wie immer müssen wir noch die eher geringe Sample-Size mit anschauen – und wir müssen beachten, dass sich 1. und 2. Halbzeit doch massiv unterscheiden: Drei dieser Teams sind so dominant vor der Pause, dass sie in der 2. Halbzeit nur die Verwalter geben müssen. Schauen wir uns nur die erste Halbzeit an, ergibt sich folgendes Bild:

EPA 2019 Woche 3 - HZ1

Die Chiefs sind Monster. Sie schießen ihre Gegner vor der Pause in den ersten drei Wochen förmlich ab – um dann nach der Pause mehr oder weniger im Schlafwandeln dem Spielende entgegen zu dösen, ohne sich überhaupt noch die Finger schmutzig zu machen.

Auch auf die Patriots trifft das in abgeschwächter Form zu: 0.27 EPA/Play in der Offense vor der Pause, aber nach der Pause nur noch eine Nullnummer ohne besondere Aufregungen.

Dallas dagegen spielt von Anfang bis Ende souverän durch. Aber wie schon geschrieben: Noch ist aufzupassen. Es waren erst drei Spiele – und wir sollten noch zumindest ein oder zwei abwarten, ehe wir ein verlässliches Urteil abgeben können. Doch hingewiesen sei auch auf Folgendes: Du kannst noch 2-3 Wochen lang träumen, dass das für dein Team was wird. Aber für gewöhnlich wissen wir Mitte Oktober relativ gut, welche Teams was wert sind und welche nicht.

Später im Verlauf des Tages werde ich noch einen ersten Blick auf das Play-Calling werfen.

4 Kommentare zu “Nachwehen von NFL-Woche 3

  1. Monday Night war das erste Spiel, das ich von den Browns gesehen habe und ich war ziemlich schockiert von Mayfield. Aufgescheuchtes Huhn trifft es wohl sehr gut.

  2. Ich finde, die AFC North ist bislang überraschend. Bislang sieht nur Baltimore for real aus und von den Steelers und Bengals erwarte ich diese Saison nicht mehr all zu viel..

  3. Es wäre bereits zu diesem frühen Zeitpunkt ultraspannend die Chiefs-Offense auf die Patriots-Defense treffen zu sehen…

  4. Ja, die Patriots können noch fast den ganzen Oktober lang schlafwandeln.

    Chiefs sehen aber in den nächsten Wochen durchaus interessante Defenses: Detroit, das bislang mehr Gegenwehr als gedacht bietet und eher viel Manndeckung spielt, am Sonntag.
    Und dann Ende Oktober/Anfang November hintereinander Packers und Vikings. Alle drei könnten durchaus knackig sein.

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