NFL Play-Calling Report 2019 – Woche 3

Der erste Blick auf die Play-Caller nach Woche 3.

1st Down Play-Calling in der 1. Halbzeit

Wir haben noch keine große Testmenge (1.180 Snaps), aber es zeichnet sich schon der Trend ab, dass die NFL in etwa so häufig Passspiel einsetzt als letztes Jahr: 52% der Snaps.

Wichtig ist dabei anzumerken, dass ich alle Plays nach der 2-min Warning aus dem Sample ausschließe, weil in dieser Zeit auch wesentlich andere Überlegungen von wegen Time-Management mit reinspielen.

Schauen wir uns die Play-Caller an:

1st Down Playcalling.png

Wir sehen: Das passlastigste Team in 1st Downs sind die Kansas City Chiefs, die losstarten wie die Feuerwehr und in satten 77% der 1st Downs vor der Pause werfen. Sie sind dabei auch unfassbar erfolgreich: 13.9 NY/A Passing und 0.84 EPA/Pass sind atemberaubend gute Werte. Die Chiefs machen damit das, was ich in der Sezierstunde gefordert hatte: Sie, die schon in den letzten Jahren immer eines der passlastigsten Teams waren, sollten noch mehr werfen – und sie tun es!

Auch die Arizona Cardinals von Kliff Kingsbury werden ihrem Air-Raid Ruf bis jetzt gerecht, werfen in 71% der 1st Down. Allein: Sie sind dabei grottenschlecht. 4.0 NY/A ist kein guter Wert.

Weitere Team, das durchaus pass-happy in die Spiele gehen:

  • Bengals 74%
  • Bills 68%
  • Chargers 67%
  • Colts und Jaguars 61%

Die Jaguars werfen dabei trotz eines Rookie-QBs wie Gardner Minshew so häufig. Das ist ungewöhnlich (wenn auch richtig), denn Teams trauen Rookie-QBs normalerweise nicht über den Weg und versuchen im Irrglauben an „Establish the Run“ dem QB Druck von den Schultern zu nehmen – obwohl sie mit hoher Lauf-Quote vor allem eins machen: Ihren jungen QB mit langen 2nd Downs eine zusätzliche, nicht notwendige Bürde aufzuerlegen.

Positive Überraschungen in den ersten drei Wochen: Texans und Packers. Die Texans wie auch Packers-Headcoach LaFleur (als OC in Tennessee) waren letztes Jahr ultrakonservativ, callen aber knapp über 50% Passspielzüge in 1st Downs.

Seattle trotz des passlastigen zweiten Saisonspiels in Pittsburgh mit einer Pass-Quote von nur 45%. Schottenheimer lernt nie.

Die 49ers sind auch interessant mit nur 44% Pass-Quote. Kyle Shanahan sieht offensichtlich nicht, wie explosiv seine Play-Action Offense auch ohne den exorbitanten Einsatz von ineffizientem Laufspiel ist.

Tragischer Fall: Die Buccs. 39% Pass-Quote, obwohl das Laufspiel für 2.8 Yards/Carry in der Mauer versandet. Ich neige schon nach drei Wochen dazu, den neuen Trainerstab um Arians & Leftwich abzuschreiben.

New England wie schon in den letzten Jahren im Mittelfeld der NFL. Die Pats wären dabei prädestiniert für eine hohe Pass-Quote: Sie sind mit 9.7 NY/A Passing bei nur 3.0 YPC Rushing so unglaublich viel effizienter im Passing. Kaum zu glauben, aber es gibt noch ein fettes Verbesserungspotenzial für das 3-0 Team, das 106 Punkte erzielt hat.

Über Atlanta habe ich schon letzte Woche geschrieben. Ein annähernd 50/50 Split zwischen Run und Pass ist ein Kündigungsgrund gegen OffCoord Koetter.

Die Ravens haben übrigens auch „nur“ 43% Pass-Quote. Sie sind allerdings zwischen Lauf und Pass relativ gleichmäßig erfolgreich: 8.2 NY/A Passing, 8.6 YPC Rushing, und jeweils hohe EPA-Zahlen.

Detroit mit 44% auch eher in der Tendenz des ganzen Off-Season Geschwafels von wegen „pound the football“.

2nd & long Play-Calling

Ganz kurz sei an dieser Stelle auch noch das 2nd & long Play-Calling angeschnitten. In diesen Situationen sollten Teams eher vermeiden, Laufspiel anzusagen, da dieses fast immer zu langen 3rd Downs führt.

Über die ersten drei Viertel sind folgende Teams die passlastigsten in 2nd & longs (Schlussviertel ausgeschlossen, wegen Run/Pass Splits mit Führungen):

  1. Bills 95%
  2. Lions 94%
  3. Raiders 85%
  4. Packers 83%
  5. Jaguars 82%
  6. Steelers 81%
  7. Falcons 80%
  8. Ravens / Rams / Saints / Patriots 79%

Dagegen sind die Teams mit der geringsten Pass-Quote in diesen 2nd & long Plays:

  • Vikings 38%
  • Colts 55%
  • Seahawks 58% (natürlich)
  • Chargers 59%
  • Jets 60%

Merke: Die Vikings machen ernst mit ihrem ultra-aggressiven Running.

8 Kommentare zu “NFL Play-Calling Report 2019 – Woche 3

  1. Wie siehst du den Zugang der Vikes?
    In Spiel 1 und 3 lief Cook alles über den Haufen, kn Spiel 2 war man auf Cousins angewiesen und er versagte.

    Siehst du‘s als Resultat seiner schlechten Leistung?
    Oder als generellen Zimmer old-school approach?

    Und vor allem: Ist es auch erfolgsversprechend?

  2. Wie sind die hohen EPA-Zahlen und die hohen NY/A & Y/C Werte bei den Ravens zu erklären? Liegt das an den guten Laufqualitäten von Lamar Jackson? Ebenso wundern mich auch die Zahlen von Detroit…Stafford ist ja nicht unbedingt für seine läuferischen Qualitäten bekannt.

    Für mich am spannendsten sind aber die Chargers, die ja bekanntlich von Analytics gar ncihts halten. Liegt die hohe Passing-Quote 67 % an dem Streik von Gordon und der variablen Waffe Ekeler? Und wieso werfen sie dann bei 2nd & long deutlich seltener? Fragen über Fragen

  3. Eine mögliche Antwort: Sample Size.

    Eine andere: QB Scrambles sind Passspielzüge, weil sie als Dropbacks designt sind. Stafford wird nie per Design zum Laufen geschickt.

  4. @Mario

    Aus dem Play-Calling allein sollte man noch nicht zu viel schließen. Es deutet sich aber an, dass man die von Zimmer vorgegebene lauflastige Offense durchziehen möchte – wenn auch die Testmenge noch total vom Ausreißer-Spiel gegen die Falcons verwässert wird.

    Generell zur Ausrichtung: Ich würde bei den Vikings darauf zurückkommen, was ich am Sonntag Vormittag geschrieben habe:

    — — — — — — — — — — — —

    Vikings – Raiders: QB Cousins kriegt viel auf die Fresse, aber bei aller Schlechtigkeit seiner Performance letzte Woche: Der Approach der Vikes ist der richtige.

    1. Tiefe Routen mit WR Diggs, der konstant Manndeckung schlägt und WR Thielen, der gegen Linebacker ein Leichtes hat.
    2. Ein QB wie Cousins, der über Jahre gut bei tiefen Routen und im Play-Action Passing war.
    3. Ein RB Cook, der in diesem offenen Zone-Scheme brilliert

    Mit diesem Rezept, aber schlechteren Waffen, war Cousins schon in Washington überdurchschnittlich effizient. In Minnesota sind die ersten Früchte noch nicht reif – aber gib diesen Jungs noch etwas Zeit!

    — — — — — — — — — — — —

    Das Spiel am Sonntag gegen Oakland war dann auch so schlecht nicht.

  5. Manchmal, wenn ich nicht einschlafen kann, stelle ich mir Russell Wilson in einer Offensive mit einem modernen Play-Caller vor.

    Es ist unfassbar traurig. Ich verstehe es nicht. Oder wie es ein Tweet am Sonntag zusammenfasste: Der einzige, der Russell dauerhaft stoppen kann, ist Brian Schottenheimer.

  6. @simba ja das ist voll zutreffend, willson ist eine pure one men Show wenn er bei den Patriots spielen würde hätte er wohl schon mehr als ein Superbowl Titel.

  7. Pingback: Date am Donnerstag – Woche 4: Green Bay Packers vs. Philadelphia Eagles | Sideline Reporter - Eier, wir brauchen Eier!

  8. Pingback: Montagsvorschauer – Woche 5 | Sideline Reporter - Eier, wir brauchen Eier!

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