Date am Donnerstag – Woche 4: Green Bay Packers vs. Philadelphia Eagles

Heute beginnt der vierte NFL-Spieltag 2019/20. Für alle Teams außer zwei – Jets und 49ers haben spielfrei – ist am Montag schon ein Viertel der Saison gelaufen. Um 02h20 machen heute die Green Bay Packers (3-0) und Philadelphia Eagles (1-2) den Auftakt (live bei DAZN).

Die Ausgangslage ist dank des Fehlstarts der Eagles spannend bis brisant, denn Philadelphia wäre mit einer weiteren Niederlage gegen die noch ungeschlagenen Packers bereits schwer in der Bredouille – in der NFC East sind die Cowboys mit 3-0 furios gestartet, und auch im Wildcardrennen scheint es zahlreiche Contender zu geben. Für die verletzungsgeplagten Eagles lautet das Motto heute schon „verlieren verboten“.

Das lädt Spannung in diese eh schon interessante Partie, in der Eagles-Headcoach Doug Pederson an die Stätte zurückkehrt, an der er nicht bloß als Brett Favres Lieblings-Backup über Jahre eine geschätzte Figur unter Packers-Fans war, sondern auch als Talk-Host in einer montäglichen Radioshow billierte.

Die Probleme der Eagles

Schauen wir mal auf die Verletzungorgie in Philly: In den letzten zwei Wochen verpassten WR Alshon Jeffery, WR Desean Jackson und TE Dallas Goedert signifikante Spielzeit bzw. fielen komplett aus – die gefürchtete 12-Personnel Offense konnte also nicht ansatzweise aufs Feld geschickt werden. Letzte Woche fielen gleich beide Left-Tackles zeitweise aus (Jason Peters / Andre Dillard) – dazu gingen DE Derek Barnett sowie CB Ronald Darby mit Verletzungen runter.

Auf Receiver war Philadelphia damit relativ horrend besetzt – WR Nelson Agholor, WR J.J. Arcega-Whiteside und Mack Hollins sind berüchtigt für ihre unsicheren Fanghände, die letzte Woche zu mehrere kritischen Drops (7 an der Zahl!) führten. Dazu gilt der Pass-Rush in diesen Tagen und Wochen als erstaunlich laues Lüftchen – und wenn die Secondary in Darby den besten Manndecker vorgeben muss, ist DefCoord Jim Schwartz mal wieder zum Improvisieren gezwungen.

Vor allem Jackson ist ein bitterböser Ausfall. Der Mann, der die Defense eigentlich mit seinem Speed auseinanderziehen sollte, wird auch heute ausfallen. Ohne D-Jax ist vor allem die 1st-Down Offense der Eagles eine totale Enttäuschung: Sie liegt auf den letzten drei Plätzen, was Yards/Play und 1st-Down Verwertungsquote angeht. Und wir wissen längst: 1st Down ist das wichtigste Down der NFL. Bist du dort schlecht, bist du in 2nd und 3rd Down nur noch am verzweifelten Aufarbeiten des anfangs Verpassten.

Und auch die Coaches sind nicht optimal: Nur 53% Pass-Quote in 1st Downs sind wenig für Eagles-Verhältnisse. Die von QB Carson Wentz angeführte Unit war bislang alles andere als perfekt – aber sie war in etwa doppelt so erfolgreich als das Laufspiel. Es gibt also viel Verbesserungspotenzial.

Und die Packers-Offense?

Das Gute für Philly: Die Packers-Offense versprüht zumindest in dieser frühen Saison-Phase noch nicht den erhofften Elan und QB Aaron Rodgers ist nach Effizienz-Stats noch immer im in den letzten Jahren gewohnten NFL-Mittelfeld nahe bei Quarterbacks wie Flacco, Derek Carr oder Andy Dalton zu finden.

Schon nach Woche 1 hatte PFF eine Analyse geschrieben, die darauf hindeutete, dass der neue Headcoach Matt LaFleur seine Offense an das anpassen würde was Rodgers in den letzten Jahren hauptsächlich spielte: Eher wenig Play-Action (nur die 18t-höchste Play-Action Quote), relativ viele Würfe an die Seitenlinien – Ergebnis: risikoarmes Spiel, weiterhin viele Throwaways (deren 11 in 3 Spielen, kein QB hat mehr), stockende Effizienz.

Es gibt zwar immer wieder Momente, in denen die alte Shanahan/LaFleur-Offense aufblitzt – mit vielen Motions, Receivern, die spät in ihre Routen starten und Play-Action Pässen, doch in den ersten Wochen waren diese noch eher eine Seltenheit.

Ist der „Fall Rodgers“ damit beendet? Ist er nach Jahren des ultra-konservativen Spiels ohne Akzeptanz von Risiken jeglicher Art „verbrannt“ oder kann er auf seine alten Tage den Schalter doch noch umlegen? Tendenziell zeigen die ersten drei Spiele eher in erstere Richtung. Gegen eine waidwunde Eagles-Defense, deren Pass-Rush zu spät durchkommt und deren Secondary ihren besten Manndecker verliert, sollte Rodgers trotz allem ein zumindest gutes Spiel bringen.

Packers-Defense vs. Eagles-Offense

Dafür klickt bislang die Defense. Nicht, dass diese in Chicago (mit QB Trubisky), Minnesota (in Selbstfindungsphase) und Denver (QB Flacco hinterm Center) bislang besonders gefährliche Offenses gesehen hätte, aber unabhängig von der Qualität der Gegner fällt auf, dass DefCoord Mike Pettine eine schematisch schwer zu durchschauende Unit gebastelt hat, mit versteckten Pass-Rushern und stetig wechselnden Coverages.

Adrian Franke (der heute Nacht übrigens bei DAZN co-kommentiert) hat dazu auf Twitter ein Beispiel gepostet – vor dem Snap wird die Box zugestellt, und es ist nicht erkennbar, welche Spieler auf Pass-Rush und welche in Coverage gehen werden. Nach dem Snap kommen effektiv nur drei Leute – und brechen trotzdem in Windeseile durch:

Es hilft, dass beide hochpreisigen Pass-Rush Free-Agents von GM Brian Gutekunst in den ersten Wochen aus allen Rohren feuern: Preston Smith hat in nicht einmal 90 Snaps schon 4 Sacks und insgesamt 15 QB-Pressures erzielt, Za’Darius Smith hat 3 Sacks und 21 QB-Pressures in nur 115 Snaps. „Hinten“ scheint sich CB Jaire Alexander in seinem erst zweiten Jahr schon zu einem legitimen CB1 entwickelt zu haben – Alexander wird zwar häufig angespielt, weil er oft die gegnerische #1 deckt, aber er lässt wenig zu, schlägt viele Bälle zu Boden.

Für die Eagles wird das kein einfaches Spiel. QB Wentz spielt wechselhaft. Er ist ein furchtloser Werfer in schwierige Deckungen, aber trotz einer guten Offense Line zögert er manchmal zu lange, gerät dadurch unnötig unter Druck und bringt die Offense zu oft aus dem Rhythmus. Ohne das deep threat eines Jackson, der die Verteidigung auseinander zieht, war die Offense in den ersten Wochen der Saison relativ einfach kaltzustellen – und damit eine Enttäuschung.

Wie wird das aussehen, jetzt, wo Philly zwar noch immer eine Top-OL aufs Feld schickt, aber auch auf einen gefürchteten Pass-Rush trifft?

Zweites Kriterium: Werden die Eagles-Receiver diesmal die Bälle sicherer fangen und festhalten?

Summa summarum

Man muss eines beachten: Trotz 1-2 Bilanz ist noch nix verloren für die Eagles. Beide Niederlagen waren knappe Dinger – Atlanta gewann nur wegen eines fantastischen 4th Downs und weil WR Agholor mit freier Bahn zum entscheidenden TD den Ball fallen ließ, und in Detroit verlor man auch nur mit 3 Punkten Differenz.

Green Bay auf der anderen Seite hat seine beiden One-Score Games gewonnen: Mit +7 gegen Chicago und mit +5 gegen Minnesota. Es wäre also nicht so, dass die Packers ihre Gegner samt und sonders aus dem Stadion geschossen haben. Sie sind heute aber mit 4.5 Punkten favorisiert – das ist etwas mehr als der normale Heimvorteil (3 Punkte), den Wettbüros vergeben würden.

Es wird vermutlich nicht das schönste Spiel der Saison – aber durch die Ausgangslage ist das eines der interessantesten in dieser frühen Saisonphase. Ein richtungsweisendes Thursday Night Game – was besseres könnte man sich nicht wünschen!

7 Kommentare zu “Date am Donnerstag – Woche 4: Green Bay Packers vs. Philadelphia Eagles

  1. Packer Offense ist bis jetzt eine Enttäuschung. Habe irgendwo gelesen, daß Rodgers 37% seiner Pässe nicht mal über die LOS wirft. Solange sie gewinnen, wird es ruhig bleiben.

    Aber wehe, da gehen zwei Games schief. Da bleibt es sicher nicht ruhig.

  2. Diese ständigen Läufe bei 1st Down in ne vollgestellte Box tun als Packersfan so weh. Kein Play Action, einfach nur stumpf rein für nix… Sehr schade, gerade wo Rodgers heute eigentlich gut drauf ist…

  3. Scheint so als ob der neue HC konservativer ist als McCarthy. Man schafft dann den TD kurz vor der Pause und stellt auf 21:19. Für mich eine Situation wo man die 2pt machen muss, aber die Packers nehmen den PAT.
    Dazu vorher noch ein kurzes FG bei 4&2 aus der Redzone, so wie Kingsbury es vorgemacht hat.

    Und im letzten Viertel schaffen sie es von der 1yds Linie nicht in die Endzone, dabei 4 mal Passspielzüge. Ich habe keine Ahnung warum und wieso dieses Playcalling bezwecken soll.
    Ebenso lohnen sich DPI Challenges nicht.

    Aber das ist alles völlig egal nachdem insgesamt zwei Spieler mit einem Stretcher vom Feld gefahren wurden. Und beim Spieler der Eagles hat sich außer seinem Mund nichts bewegt. Ich hoffe beide sind ohne schwerwiegende Verletzungen.

  4. Die early-down-Läufe in die Mauer verstand ich schon die ersten Woche nicht, wenn man den Blog hier liest war das anscheinend schon immer LaFleurs Fetisch.
    In den ersten 3 Spielen hat es v.a. die D# durch TO gerichtet. Heute hat die D# keinen einzigen generiert(nebst keinem Sack) und prompt haben wir verloren.

  5. Wobei interessanterweise die Offense vor der Pause einen 7/7 Split und nach der Pause einen 15/5 Pass/Run Split hatte. Und die Offense die Punkte *vor* der Pause gescort hat.

    Lag auch an den Turnovers.

    Aber:

    1. Halbzeit 7.7 Yards/Play (26/9 Run/Pass)
    2. Halbzeit: 5.6 Yards/Play (37/6 Run/Pass)

    LaFleur ist schon richtigerweise weggegangen vom Lauf, aber wenn man sich die Qualität des Laufspiels in dieser Partie anschaut, womöglich noch immer nicht weit genug weg.

  6. Wobei man sagen muss, dass dieReceiver der Packers außer Davante Adams ziemlicher Schrott sind. Wenn Tide End Graham einen seiner zwei contestet catches in der Endzone fängt, beschwert sich keiner mehr über das Playcalling oder das Kicken des Extrapunktes von LaFleur.
    Selbes gilt für Allison und Valdes-Scantling, die unter dem Spiel, bzw. auch beim letzten Play, zugegeben schwierige, aber fangbare Bälle nicht sichern konnten

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