Sonntagsvorschauer 2019 – Woche 4

Spieltag 4 in der NFL – nach dem heutigen Spieltag haben fast alle Mannschaften schon ein Viertel ihrer Saison hinter sich gebracht!

Frühschicht um 19h

  • Atlanta Falcons – Tennessee Titans
  • Buffalo Bills – New England Patriots
  • Detroit Lions – Kansas City Chiefs
  • Indianapolis Colts – Oakland Raiders
  • Miami Dolphins – Los Angeles Chargers
  • New York Giants – Washington Redskins
  • Baltimore Ravens – Cleveland Browns
  • Houston Texans – Carolina Panthers

Die beiden Highlights der Frühschicht sind die Divisionsduelle in New England und Baltimore.


Patriots (3-0) vs. Bills (3-0). Die Patriots sind total dominant in die Saison gestartet, aber gleichzeitig haben sie gegen drei Mannschaften gespielt, die zusammen 0-9 sind. Buffalo ist die überraschendere Geschichte: Angeführt von einer Top-5 Defense war das, was QB Josh Allen in der Offense gezeigt hat, gut genug um alle drei Spiele überraschend zu gewinnen.

Bei Allen ist dabei zu beachten, dass er kürzere Pässe als 2018 wirft: Anstatt über 11 Air-Yards/Pass sind es nun unter 9 Air-Yards/Pass. Allen ist ein Fumbler und verliert zu oft den Ball, aber seine Effizienz im Kurzpassspiel war gerade gut genug um Buffalos Offense zu knappen Siegen über Jets und Bengals sowie einen klaren Sieg über die Eli-Giants zu verhelfen. Heute droht ein Blowout. Die Vegas-Wettbüros stimmen mit Lines von Bills +6 bis Bills +7.5 zu.


Ravens (2-1) vs. Browns (1-2). Ein ganz wichtiges Duell in der AFC North, wo mit Pittsburgh und Cincinnati zwei Nachzügler wohl chancenlos sein werden. Somit kann Baltimore mit einem Sieg über die Browns bereits davonziehen, während Cleveland mit einem Sieg bei den Ravens sogar die Divisionsführung übernehmen kann!

Viel wird dieser Tage geschrieben über die Quarterbacks. Baker Mayfield steht dabei mehr als alle anderen im Fokus. Ich habe seine Probleme in den letzten zwei Wochen ausführlich auf diesem Blog analysiert. Die Probleme sind relativ klar:

  • Mayfield liest die Defense nicht richtig, was zu Gehirnfurz und zu langsamer Reaktion nach dem Snap führt
  • Mayfield lädt mit seinem langen Ballhalten den Druck der Defense ein und sieht immer wieder Geister in der Pocket, flüchtet aus sauberen Pockets nach hinten in die Scheiße
  • Mayfield wirft dann zu viele Pässe in Doppeldeckungen, die wenig Erfolgschancen haben.

Es scheint mittlerweile common sense zu sein, dass nicht die Offensive Line das Problem in Cleveland ist, sondern das Play-Design und Mayfield selbst. [1][2] Für die Browns wären kürzere Pass-Routen, mehr Play-Action und quickere Releases für ihren QB von Vorteil – aber Headcoach Freddie Kitchens ist schon mehr damit beschäftigt, Kritik an seiner Unerfahrenheit abzuwehren als sich um die effektiven Probleme seiner Mannschaft zu kümmern.

In Baltimore wurde QB Lamar Jackson letzte Woche von den Chiefs wieder auf Normalgröße gestutzt. Ohne zwei unwahrscheinliche Wunder-Plays in 3rd und 4th Down hätte Jackson sehr schwache Effizienz-Stats gehabt und die Ravens hätten keine Chance gehabt. Doch die Partie zeigte immerhin eines: Jackson spielt furchtlos und kann sich im Lauf einer Partie auch wieder selbst aus dem Schlamassel ziehen – auch wenn er manchmal billigstes Glück dafür braucht.

Allein schon dieses Duell der beiden jungen QBs macht das Spiel zu must see TV. Wenn wir die Rivalität zwischen Brown & Ravens, die AFC North Konstellation und die vielen Kleinbaustellen der beiden Mannschaften auf den anderen Positionen mit einrechnen, wird es nur noch besser.


Es sind auch andere Frühschicht-Partien von Interesse:

Lions (2-0-1) – Chiefs (3-0). Patrick Mahomes in seinem ersten Dome-Spiel, und dann gleich gegen die Lions, die bis jetzt besser als befürchtet aussehen! Inwiefern die manchmal zu softer Coverage tendierenden Lions gegen die Chiefs-Armada überhaupt Land sehen, bleibt abzuwarten. Ein Auge muss man auch auf QB Matthew Stafford werfen, der am Freitag überraschend auf die Questionable-Liste gesetzt wurde und vielleicht nicht ganz fit ist.

Colts (2-1) – Raiders (1-2). Das Duell der Kurzpass-Fetischisten: QB Brissett ist die #35 nach aDOT (average depth of target), Derek Carr die #32. Jeder Pass über die gelbe 1st-Down Linie sollte in diesem Spiel mit einem Drink gefeiert werden.

Giants (1-2) – Redskins (0-3). Daniel Jones in seinem zweiten Spiel als Starter – Jones, den Giants-GM Gettleman im April über Dwayne Haskins (der in Washington nun auf der Bank schmort) zog, hatte letzte Woche ein fantastisches Debüt in Tampa – inklusive zweier Passing-TD und zweier Rushing-TDs.

Bei den Redskins startet wohl erneut Case Keenum. Headcoach Jay Gruden macht kein Anzeichen, seinen noch zu grünen Rookie-QB Haskins einzuwechseln – was prompt schon Gerüchte befeuert, dass Gruden bei einer Pleite heute gefeuert werden könnte. Das passt wie Arsch auf Eimer zu den Redskins: Jungen QB draften, Headcoach nach vier Wochen vor dessen erstem Einsatz feuern.

Spätschicht ab 22h

  • Los Angeles Rams – Tampa Bay Buccaneers (22h05)
  • Arizona Cardinals – Seattle Seahawks (22h05)
  • Chicago Bears – Minnesota Vikings (22h25)
  • Denver Broncos – Jacksonville Jaguars (22h25)

Das klare Spitzenspiel der Spätschicht ist Bears (2-1) vs. Vikings (2-1). Wichtigstens: Tony Romo ist bei seinem Golfturnier in Kalifornien rechtzeitig ausgeschieden und somit bereit für seinen Kommentatoreneinsatz! Zweitwichtigstens: Das Sportliche.

Chicago ist dank seiner Defense und seinen Special-Teams 2-1, hat aber totale Offense-Probleme, weil QB Trubisky sich nicht entwickelt. Gegen Mike Zimmers aggressive Defense wird Trubisky vor die bislang schwerste Prüfung der Saison gestellt. Er wird viele kurze Feldpositionen brauchen um zu punkten.

Kurze Feldpositionen bekommt man am besten durch Special-Teams Plays und Turnovers. Diesbezüglich können die Bears auf den Fumble-König QB Kirk Cousins hoffen, der zu viele Bälle auslässt.

Überhaupt wird es von Interesse, wie Minnesotas Offense gegen Chicago ins Laufe kommt. Die Vikes bauen in diesen ersten Wochen voll auf RB Dalvin Cook, dessen hohe Lauf-Quote und über 6 Yards/Carry wie gemacht für Mike Zimmers Wünsche scheint. Doch gegen die mächtige Bears-Front wird allein Laufspiel nicht reichen. Es braucht Entlastung durch Passspiel – z.B. durch tiefe Play-Action Pässe von Cousins.


Arizona (0-2-1) vs. Seattle (2-1) ist nicht nur das Duell der beiden farbigen mobilen QBs Kyler Murray und Russell Wilson. Es ist auch und vor allem ein Culture-Clash zwischen zwei völlig unterschiedlich designten Offensiv-Philosophien:

  • Hier die 10-Personnel Offense von Kliff Kingsbury, die auf hohe Passquoten setzt.
  • Da der Lauf-Fetisch von Brian Schottenheimer, der eigentlich nix anderes macht als dem überholten Credo von wegen „run to set up the pass“ nachrennt – bloß ohne das Play-Action Passing dann überhaupt in den Fokus zu setzen.

Die Seahawks sind trotz ihrer peinlichen Herangehensweise favorisiert, weil sie ganz einfach den weitaus besseren Kader haben – und weil Wilson zwar kaum in Szene gesetzt wird, aber auch nicht viele Plays braucht um daraus maximales Kapital zu schlagen.

Nachtschicht um 02h20

  • New Orleans Saints – Dallas Cowboys

Ein Nachtspiel, das definitive interessanter wäre, wenn Drew Brees spielen könnte. So aber haben die Saints (2-1) mit Teddy Bridgewater immerhin Heimvorteil gegen die Dallas Cowboys (3-0), bei denen QB Dak Prescott in den ersten drei Wochen aus allen Rohren feuert.

Prescotts famosen Saisoneinstand haben wir schon analysiert. Seine Cowboys-Offense zeichnet sich durch folgende Eigenschaften aus:

  • Viele Motions vor dem Snap
  • Viele tiefe Routen nach dem Snap
  • Hohe Play-Action Quote

Für Prescott ist das eine annähernd ideale Situation, zumal auch seine Offensive Line lange genug hält um a) ihm freie Sicht zu geben und b) einen kleinen Vorteil für das eigene Laufspiel verschafft. Die Cowboys treffen heute zwar auf keine gigantische Defense, aber eine, die immerhin etwas besser ist als diejenigen in den ersten Wochen – Miami, Giants, Washington.

Die Saints sind trotzdem Außenseiter. Letzte Woche siegte man in Seattle, doch das war mehr dank Special-Teams und Big-Plays als dank Bridgewaters Qualitäten. Die beste Wette zum Sieg ist heute für New Orleans erneut, ein paar kurze Feldpositionen für Teddy zu schaffen und einen eher schmutzigen Sieg herauszuwringen. Ich würde nicht darauf wetten.

Ein Kommentar zu “Sonntagsvorschauer 2019 – Woche 4

  1. Pingback: NFL 2019, Woche 4 im Liveblog – Frühschicht | Sideline Reporter - Eier, wir brauchen Eier!

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