Die ersten Nachwehen von NFL-Woche 4

Gedanken zum Sunday Night Game und zum Ausschluss von Vontaze Burfict.

New Orleans Saints 12, Dallas Cowboys 10

Der nächste Arbeitssieg für die New Orleans Saints, die ohne QB Brees eine Woche nach @Seattle nun auch die bisher so mächtigen Dallas Cowboys schlagen. Aber was für einer!

QB Teddy Bridgewater war im allerbesten Game-Manager Modus. Er hatte zwar 41 Dropbacks, aber 9 davon endeten entweder in Sacks oder Scrambles. Nur 3 Pässe gingen tiefer als 15 Yards downfield.

4.4 Yards/Dropback und satte -0.07 EPA/Pass sind alles keine Zahlen, auf die ein Quarterback in der NFL 2019 stolz sein sollte – doch Bridgewater vermied bis auf eine einzige Situation die ganz katastrophalen Bolzen. Diese Situation war nicht seine Interception – diese geht eher auf seinen Receiver als auf ihn. Aber sie betrifft seinen Sack in der Crunch-Time, der Dallas in der letzten Minute noch einmal eine realistische Comeback-Chance gab.

Bridgewater bleibt total fokussiert auf WR Michael Thomas. Thomas bleibt ein Monster. Er wurde 9x angespielt. Resultat: 9 Catches. Weil er meist ohne Aussicht auf viele Yards nach dem Catch angespielt wurde, blieben Big-Plays aus, aber Thomas war neben RB Kamara der einzige Offensivspieler, bei dem was ging.

Die Saints sind mit dem Sieg 3-1. Teddy hat seine beiden bisherigen Starts gewonnen – und das nicht gegen Gurkentrupps! Das ist mehr als Sean Payton nach der Brees-Verletzung hoffen konnte. New Orleans bleibt damit ein fetter NFC-Contender, wenn Brees erstmal zurück kommt – auch wenn es spielerisch ohne Brees recht holprig ausschaut.


Die Cowboys sind auch 3-1, aber bei ihnen haben wir Woche für Woche größeren Grund zur Sorge. Die Cowboys waren nach drei Wochen die neuen Lieblinge der Analytics-Gemeinde gewesen:

  • 39% Play-Action Quote, eine der höchsten in der NFL – und mit 10.1 NY/A Passing auch eine der effizientesten
  • Hohe Early-Down Pass Rate

Im Superdome war davon nix mehr zu sehen. OffCoord-Wunderkind Kellen Moore sagte in 35 Dropbacks für QB Dak Prescott nur noch 7 Play-Action Pässe an. Diese waren außerordentlich erfolgreich (6 Completions für 65 Yards), aber es war eben nur jeder fünfte Dropback.

Dafür zeigt sich Woche für Woche ein immer Besorgnis erregender Trend hin zum Schlagwort „Feed Zeke“die Passquoten in 1st und 2nd Down in den letzten Wochen sind relativ eindrücklich:

  • Week 1 vs NYG: 69%
  • Week 2 @ WAS: 64%
  • Week 3 vs MIA: 53%
  • Week 4 @ NO: 50%

Woche für Woche höherer Einsatz für das ineffizientere Laufspiel von RB Ezekiel Elliott. Das ist nicht überraschend – du kannst nicht behaupten, ich hätte dich nicht davor gewarnt! Ein teurer Runningback ist doppelter Schaden für ein NFL-Team:

  1. Er kostet viel zu viel Geld, das anderswo besser investiert wäre.
  2. Weil er so teuer ist, wird er so oft eingesetzt – und mehr Laufspiel ist fast immer ineffizientere Offense als mehr Passspiel

Vielleicht kann Moore den Trend noch umkehren. Doch wer weiß, ob die Strategie hinter dem Play-Calling nicht doch von ganz oben herab diktiert wird. Schließlich hat Jerry Jones seinem Zeke den Megavertrag in den Arsch geschoben, und Jerry Jones macht keine Fehler.

Saisonende für den Kopfjäger #1

Jeder NFL-Interessierte hat mittlerweile den erneuten Kopfschuss von Raiders-LB Vontaze Burfict gegen einen Colts-Tight End gesehen. Die NFL reagierte gestern mit Ausschluss für Burfict für den Rest der Saison. Ich applaudiere.

Vor zwei Jahren habe ich Rob Gronkowski nach seinem hirntoten Hit gegen einen Buffalo-Bills Verteidiger einen eigenen Eintrag spendiert: „Gedanken zum Schutz gefährdeter Gehirne“. Ich schrieb damals:

Ein Vorschlag wäre die Trennung zwischen Aktion im Spiel (gefährliches Spiel) und Aktion abseits Spiel (Tätlichkeit). Gefährliches Spiel, also Kopfjäger, ein bewusster Hit gegen einen Gegner: 2 Spiele. Tätlichkeit nach dem Spiel ohne direkten KO-Punch: Ebenso 2 Spiele. Bewusste Tätlichkeit mit Ziel, den Gegner zu verletzten: 4 Spiele aufwärts, für Wiederholungstäter Saisonaus. Wer solche Strafen in Zeiten von CTE-Bewusstseinsbildung als zu lasch befindet, mag argumentieren für einen Multiplikationsfaktor – 1.5 oder 2 hätte ich im Angebot.

Burficts Hit ist Grauzone zwischen Spiel und dead ball. In der Wiederholung sieht eine Aktion wie die seinige immer bitter aus, doch der Receiver lag am Boden und wäre mit einer einfachen Berührung „dead ball“ gewesen, und Burfict kommt volle Pulle mit Kopf voraus angerauscht.

Was unstrittig ist: Burfict ist Wiederholungstäter. Der geforderte Ausschluss für den Rest des Jahres ist mehr als gerechtfertigt. Dass Burfict einen solchen Monster-Hit setzen würde, sollte niemanden überraschend: Er ist schon 13x für dreckiges Spiel bestraft worden – fast 5 Mio. in Strafen, darunter 4 Suspendierungen.

Die Raiders wollten Kultur bilden. Sie haben bekommen, was sie wollten.

11 Kommentare zu “Die ersten Nachwehen von NFL-Woche 4

  1. Ich begrüße ausdrücklich das Saisonaus für Burfict. Aber was ist mit Jonathan Jones von den Patriots? Er bekommt nicht mal eine Strafe für diesen dreckigen Hit gegen Josh Allen. Das finde ich unmöglich.

  2. Der Jones Hit ist nicht vergleichbar mit dem von Burfict. Dass es dafür ne Flagge gab geht meiner Meinung nach klar. Aber der Unterschied ist halt, dass bei dem Jones Hit, zumindest aus meiner Sicht, nicht die ABsicht vorlag, Allen mit Helmet-to-Helmet abzuschiessen… Ich finde sogar, dass man erkennen kann, dass die Intention von Jones ist, mit der Schulter voran einen legalen Hit zu setzen… Helmet-to-Helmet kommt erst dadurch zu stande, dass Allen eben schon von nem anderen Verteidiger getackelt wird und selbst seinen Kopf runter nimmt. Zumindest hab ich das so wahrgenommen…

  3. Der Jones-Hit war sicherlich übel genug, allerdings sieht man eindeutig, dass Allen seinen Kopf beim seitlichen Tackling von Harmon den Kopf runter nimmt und Jones dann im vollen Lauf der Aktion, sein Tackle durchzieht. Er wollte ihn ganz sicher hart hitten, aber nicht ausknocken. Da bin ich mir bei Burfict nicht ganz so sicher.

  4. Ich würde die beiden Hits auch nicht miteinander vergleichen wollen – wie von euch meiner Meinung nach richtig dargestellt.
    Was man überdenken könnte, wäre das „Offsetting“.
    Unnecessary Roughness vs. Holding…
    In dem Fall gilt ja unter anderem, dass sich nur 5 und 15 Yard-Strafen nicht aufheben.

  5. Das Saints Spiel war nicht sehr ansehnlich, aber die dürften damit mehr als zufrieden sein.
    Bridgewater macht das was ein Backup QB machen soll. Damit dürften die Saints, wenn Brees wiederkommt noch um die POs mitspielen.
    Dallas dagegen sah schlimm aus, auch wenn sie fast noch gewonnen hätten.
    Könnte Dak der nächste QB sein der unter der Tag spielt? So oder so sehr seltsam dem QB zuletzt den Vertrag zu gehen, das könnte noch sehr teuer werden.

    Und gemessen an schlimmeren Aktionen anderer Spieler und deren Strafen finde ich die Strafe von Burfict als zu hart.

  6. Burfict ist nicht wegen dem einen Hit aus dem Verkehr gezogen worden, sondern wegen der schieren Masse.

    Lernfähigkeit ist nicht vorhanden.

    Die Sperre ist um ein paar Jahre zu kurz, wenn man mich fragt. Der Mann ist nachweislich eine Gefahr für die anderen, und wird sich nicht mehr ändern.

  7. Warum rennt Allen eigentlich Kopf runter in einen Verteidiger und bekommt dafür keine Strafe? Genau diese Aktionen sind dieses Jahr „Point of Emphasis“ und alle Punkte für „Use of Helmet“ sind erfüllt.

  8. Etwas OT: Das County von Oakland hat den As (Baseball) ihren Teil des Colliseum für 85 Mio angeboten. Dagegen wehrt sich allerdings die Stadt, weil ihr vorher kein Angebot gemacht wurde.
    Die As wollen das Land entwickeln um damit ohne Steuergelder ein neues Stadion zu bauen.
    Mehr steht hier:
    https://www.sfchronicle.com/bayarea/article/Oakland-s-curveball-City-sues-county-over-14481751.php

    Es wirkt so als ob Oakland, dass wohl eher pleite ist keine Major League Teams haben will.
    Die Warriors und Raiders sind ja schon weg.
    Mal schauen wie das Drama um das Colliseum weitergeht.

  9. „Weil er von hinten getacklet wurde,“

    Vor Kontakt Allen mit Jones, wann erfolgte der tackle ? so 0,3 Sek. vorher oder war es doch 0,8 Sek. ?

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