Unter der Lupe – Minnesota Vikings und Chicago Bears

Am Sonntag haben die beiden NFC-North Kontrahenten Vikings und Bears gegeneinander gespielt. Ein Blick auf die beiden Teams nach diesem Spiel.

Bears 16, Vikings 6. Ein Spiel mit ein paar Storylines, die man langfristig beobachten muss.


#1 Bears-QB Situation. Trubisky verletzte sich beim Versuch, grundlos aus einer sauberen Pocket zu fliehen – bezeichnend für seine Entwicklung in dieser Saison. Die Bears wechselten Backup-QB Chase Daniel ein, der die Partie fehlerlos runterspielte und der über weit bessere Autorität zu verfügen schien als der schon die ganze Saison unsicher wirkende Trubisky.

Doch bei allem Hype um Daniel („kann die Protections besser callen“, „ein Game-Manager ist genug für das, was die Bears mit ihrer Defense brauchen“, „hat weniger Bone-Head Plays“): Der Mann war die letzten acht Jahre nicht umsonst überall bloß Backup. Daniel konnte am Sonntag eine lockere Partie runterspielen – gegen eine natürlich starke Defense, doch nie wirklich in Gefahr, etwas Spezielles riskieren zu müssen.

Ich gehe d’accord mit der Meinung, dass ein Daniel in der Form von Sonntag ein Upgrade gegenüber Trubisky ist. Doch die Kernaussage ist: „Der Daniel vom Sonntag“. Dort war er nach PFF einer der best-gegradeten QBs der Woche. Doch alle weiteren seiner noch nichtmal 200 NFL-Passing Snaps seit 2010 deuten bei Daniel auf Replacement-Level hin.


#2 Kirk Cousins. Es hat sich schon zum Joke entwickelt, dass Cousins mit seiner Performance am Sonntag ein besseres Passer-Rating als Mahomes in Detroit hatte. Doch seine Performance in Chicago war trotz nicht unterirdischer Zahlen relativ schandhaft:

  • 38 Dropbacks, 0.08 EPA/Pass, 6.4 NY/A und 47% Success-Rate
  • Aber nur 3 Pässe über 15 Yards tief geworfen, und nur einer davon complete (den entscheidenden für den downfield offenen WR Thielen, der dem Spiel eine Wende gegeben hätte, hat Cousins verpasst)
  • Unterirdische Performance unter Druck

Das Kleingewichse von Cousins kann dich als Zuschauer narrisch machen. Cousins lädt mit seiner zögerlichen Spielweise geradezu den Druck der Defense ein – tödlich hinter einer eh schon schwachen Offensive Line, noch tödlicher wenn das eigene Laufspiel eine Lachnummer ist und absoluter Killer, wenn dann selbst aus Play-Action kein einziger Pass tief geworfen wird um das Geschehen zu entzerren.

Cousins war historisch ein QB, der gut mit Play-Action zu fahren kam. Er war auch immer ein QB, der unter Druck dazu neigte, besonders große Probleme zu haben – und er war immer ein QB, der immer mal wieder eine Phase hatte, in denen es ganz einfach „lief“ – in denen er aussah wie ein überdurchschnittlicher QB. Die Phasen, die ihm einen 84-Mio. fully guaranteed Vertrag in Minnesota einbrachten.

Ich schrieb schon vor 10 Tagen folgendes:

Der Approach der Vikes ist der richtige.

  1. Tiefe Routen mit WR Diggs, der konstant Manndeckung schlägt und WR Thielen, der gegen Linebacker ein Leichtes hat.
  2. Ein QB wie Cousins, der über Jahre gut bei tiefen Routen und im Play-Action Passing war.
  3. Ein RB Cook, der in diesem offenen Zone-Scheme brilliert

Mit diesem Rezept, aber schlechteren Waffen, war Cousins schon in Washington überdurchschnittlich effizient. In Minnesota sind die ersten Früchte noch nicht reif – aber gib diesen Jungs noch etwas Zeit!

In Chicago waren zwei von drei dieser Voraussetzungen nicht gegeben, weil Cousins Hosenscheißer-Football spielt. Gerade in einer Partie, in der die Offense nix zustande bringt, kannst du zwei Dinge machen: Es versuchen oder es nicht versuchen und ganz einfach hoffen auf 1-2 gegnerische Bolzen um daraus vielleicht am Ende Kapital zu schlagen. Cousins machte ersteres Letzteres. Das ist nicht gut, wenn er bezahlt wird wie einer der Star-QBs.

Die Vikings warden sich hinterfragen müssen. Sie ticken nach dem überholten Mantra „establish the run to set up play-action”. Das ist nachweislich ein Denkfehler. Ihre Rushing-Offense wird hinter einer schlechten Offensive Line nicht auf Dauer funktionieren – und umso wichtiger wäre ein konsequenter Einsatz vom Play-Action Passing aus 12-Personnel. Doch das wagte man in den ersten Wochen zu selten.


#3 Bears-Defense. Ich schrieb im Sommer über die zu erwartende Regression der Bears-Defense. Nehmen wir das Defense-Ranking nach EPA/Play als Grundlage, mag es stimmen, dass Chicago nach vier Wochen Regression hinnehmen musste: Sie ist „nur“ die #4 der NFL, nachdem sie letztes Jahr noch unangefochtene #1 gewesen war.

EPA 2019 Woche 4 - Total Game

EPA 2019 Woche 4 – Total Game

Doch:

  • Ihre EPA/Play ist mit -0.11 EPA/Play identisch mit der Performance aus dem letzten Jahr
  • Sie haben 4 Yards/Play kassiert, #3 der NFL. Letztes Jahr waren es 5.4 Yards/Play.
  • Sie haben in vier Spielen 8 Turnovers erzwungen. Das sind zwei Turnover pro Spiel. Letztes Jahr waren es über die ganze Saison 36, also 2.25 Turnovers/Spiel

Es ist noch früh in der Saison, aber die Defense ist zumindest bis jetzt keine Welten von der Vorjahres-Performance entfernt und hat mit Packers und Vikings zwei zumindest ansonsten passable Offenses komplett abgewürgt und in Denver eine ansonsten überraschend mäßige (im positiven Sinne) Offense ebenso ausgeschaltet. EDGE Khalil Mack spielt auf Defensive-MVP Niveau.

Das Bears-Passrushing ist bei PFF nach vier Wochen als #1 bewertet. Die Coverage ist #10. Run-Defense ist #4. Defense overall ist #2. Alles noch früh, aber positive Anzeichen.

Die Patriots thronen im Defense-Ranking nach EPA/Play nach vier Wochen über allen anderen, doch sie haben auch gegen Miami, die Luke-Falk-Jets sowie Josh Allen gespielt. San Francisco erzwang gegen Jameis Winston einen Interception-TD-Return nach dem anderen. Diese beiden Defenses sind bei aller vermutlich vorhandener Qualität auch Kandidaten für eine Regression zur Mitte.

7 Kommentare zu “Unter der Lupe – Minnesota Vikings und Chicago Bears

  1. Wie wäre dein Ranking innerhalb der NFC North?
    3 recht gute Defenses (Oder? man sieht GB/Lions oben nicht).
    mMn hätte GB noch die beste Offense von den 4en.

  2. Möglicherweise bin ich nicht genug im Thema drin, aber kann es sein dass die Grafik „Performance nach EPA/Play“ entweder falsch beschriftet ist oder du die Grafik falsch wiedergibst? In der Grafik sind die Bears #4 bei Offensive EPA/Play, nicht bei Defensive, wie es im Text steht.

  3. Nein, die stimmt schon. Je höher, desto bessere Defense. Je weiter rechts, desto bessere Offense. Die Achsenbeschriftung ist vielleicht ein wenig irreführend platziert.

  4. @Kelzama:

    Ist noch sehr früh. Die rohen Zahlen sind noch etwas stark abhängig von den Gegnern, aber ein Opponent-Adjustment noch etwas volatil.

    Bzgl. Defenses:
    Bears: #4 nach EPA/Play, #3 nach Yards/Play
    Packers: #9 nach EPA/Play, #12 nach Yards/Play
    Lions: #16 nach EPA/Play, #18 nach Yards/Play
    Vikings: #6 nach EPA/Play, #5 nach Yards/Play

    Auf Seiten der Offenses eine grobe Einordnung:
    Bears: #25 nach EPA/Play, #30 nach Yards/Play
    Packers: #18 nach EPA/Play, #24 nach Yards/Play
    Lions: #14 nach EPA/Play, #13 nach Yards/Play
    Vikings: #17 nach EPA/Play, #12 nach Yards/Play

    Gerade in der Offense können wir schön langsam Tendenzen erkennen. In 1-2 Wochen können wir dann schon recht zuverlässige Aussagen über die Qualität der Offenses treffen.

  5. Pingback: Date am Donnerstag, Woche 8: Minnesota Vikings – Washington Redskins | Sideline Reporter - Eier, wir brauchen Eier!

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