Date am Donnerstag – Woche 5: Seattle Seahawks vs. Los Angeles Rams

NFC-West Kracher im heutigen Thursday Night Game: Seattle Seahawks (3-1) vs. Los Angeles Rams (3-1). Es ist ein Spiel, das in den letzten Jahren zahlreiche enge, hartumkämpfte Spiele fabriziert hat. In einer engen Division mit den noch ungeschlagenen 49ers als drittem Contender geht es heute schon um Weichenstellung für die nächsten Wochen.

Nicht falsch verstehen: Beide Teams sind zwar nach Bilanz gut gestartet, aber nicht perfekt. Ich habe von den Rams noch nicht so viel gesehen, daher poste ich hier mal eine Zusammenfassung dessen, was man anderweitig so analysiert hat:

  • Der Zauber der Rams-Offense ist in den ersten vier Wochen verschwunden. Sie machen mit Passspiel ca. 0.01 EPA/Pass und mit Laufspiel ca. 0.03 EPA/Run. Das ist beides nur graues Mittelmaß.
  • Schematisch hat sich Sean McVay zwar recht gut entwickelt. Die 6-1 Defensive-Fronts, die letztes Jahr von Lions und Patriots so effizient gegen die Rams eingesetzt wurden um das Outside-Zone Running zu stoppen, hat McVay ganz gut gekontert – z.B. indem er das Outside-Zone Running durch Pitches & Tosses für seine Runningbacks ersetzt hat um über die Flanken zu kommen und die überbevölkterte Pocket zu umgehen.
  • Auch setzt McVay sein Personal variabler Abkehr vom reinen 11-Personnel Fokus, hin zu mehr Rotation an der Anspiellinie um Play-Maker wie Slot-WR Kupp gegen Linebacker zu matchen. Personnel-Einsatz der Rams in den ersten vier Spielen: 11-Personnel in 85% der Snaps, 10-Personnel in 10% der Snaps, 12-Personnel in 5% der Snaps
  • Doch verminderter Einsatz von Outside-Zone nimmt McVay auch zu oft die Möglichkeit um das brandgefährliche Play-Action Passing der letzten beiden Jahre radikal durchzuziehen. Beispiel: Am Sonntag in Tampa hatte Goff satte 68 Passversuche, aber nur deren 8 aus Play-Action.

Doch die wichtigsten Problempunkte der Offense sind zwei andere:

  • Offensive Line – viel ist über sie geschrieben worden: In den letzten Jahren total dominant, aber nach Abgängen auf Guard und Center ein Torso innen. PFF sieht sie als die Sollbruchstelle schlechthin. Nach ESPNs Pass-Blocking Win-Rate sind die Rams von #1 in der letzten Saison auf #28 in den ersten vier Spielen 2019 abgestürzt:

  • Und natürlich QB Jared Goff, der zu häufig den Ball herschenkt (6 INTs, drei verlorene Fumbles) und sowohl in simplen Rankings wie ANY/A wie auch in komplizierteren wie dem ESPN QBR im unteren Liga-Drittel rankt.

Goff hatte am Sonntag 517 Pass-Yards gegen Tampa – aber das täuscht über vier Turnover und mehr als 70 Dropbacks hinweg. Goff bleibt eine relative Katastrophe unter Druck und auch sein Play-Action Passing ist eher mau – da hilft natürlich ein Scheme mit lange in der Entwicklung brauchenden Routen und einer wackeligeren Offense Line eher wenig…

Die Seahawks waren in den letzten zwei Jahren einer der Lieblingsgegner Goffs. Ihre Defense wirkte in den ersten Wochen durchaus wackelig und stand in ihrer Base-Formation mit 3 LB immer wieder am Rande des Zusammenbruchs – von Cincinnatis Passing-Offense zerlegt, gegen Pittsburghs Notfall-QB Rudolph okay, und dann von Bridgewater und Arizonas Dump-Off Offense nicht gefordert. Mir dünkt da offensive Regression zum Guten – und ein Goff, der auch auswärts mit kurzer Vorbereitung ein großes Spiel haben könnte.


Die Seahawks dagegen sind in der Offense heuer überraschenderweise eines: Ohne klare Identität. Das von Schottenheimer geforderte „establish the run“ durch möglichst hochprozentige Rushing-Quote wurde nicht immer konsequent durchgeführt – schauen wir uns die Early-Down Rushing-Quoten der Seahawks in den ersten vier Wochen an (jeweils 1. Halbzeit ohne Plays nach der 2-min Warning):

  • Woche 1 vs. CIN: 7x Pass, 10x Run
  • Woche 2 @PIT: 13x Pass, 11x Run
  • Woche 3 vs. NO: 10x Pass, 12x Run
  • Woche 4 @ARI: 11x Pass, 7x Run

Laufspiel ist dabei mit 28% Success-Rate und unfassbaren -0.45 EPA/Run in den Early-Downs vor der Pause besonders desaströs – man fragt sich natürlich schon, warum Schottenheimer nicht einfach QB Russell Wilson von der Leine lässt. Doch andererseits können wir auch konstatieren: Zwei Spiele mit mehr als 50% Pass-Quote in 1st und 2nd Downs zum Einstand der Spiele sind immerhin zwei mehr als erwartet.

Gegen die Rams-Defense ist alles möglich. Diese ist gegen beide Phasen der Offense überdurchschnittlich gut – aber gegen Seattle bist du als Defense fast völlig davon abhängig, was Schottenheimer gerade durch den Kopf geht. Ist es nicht viel, zerbröselt dich Wilson mit seinem Playmaking. Doch wenn Schottenheimer einen seiner typischen Game-Plans auspackt, hat jede Defense relativ Leichtes, indem sie einfach mit acht Mann die Box zustellt.

7 Kommentare zu “Date am Donnerstag – Woche 5: Seattle Seahawks vs. Los Angeles Rams

  1. Du schreibst, dass die Rams durch den verminderten Einsatz des Outside-Zone Running Games ihr Play-Action Game nicht mehr so radikal durchziehen können. Warum wird Play-Action daruch geschwächt? Das sollte doch unabhängig vom tatsächlichen Laufspiel gut funktionieren?
    Oder übersehe ich hier etwas?

  2. „verminderter Einsatz von Outside-Zone nimmt (…) zu oft die Möglichkeit um (…) Play-Action Passing (…) radikal durchzuziehen“
    Das ist mir unklar: Verminderter Einsatz von Laufspielzügen sollte doch keinen Einfluss auf Playaction-fakes haben?

  3. Doch, insofern, dass das Laufspiel nicht mehr in jedem Snap gleich aussieht. Wenn du mehr Runs mit Tosses und Pitches spielst, hast du weniger Gelegenheiten, Play Action zu spielen und v.a. zu verkaufen.

  4. Off topic

    SI entlässt 40% von seinem Staff…

    Blogger. Qualitativer Verfall. Wenn die „Journalisten“ so einen guten Job wie der Blogger auf diesem Blog machen würden, hätten sie kein Problem.

  5. Zum Spiel: Tolles Spiel! Auf jeden Fall nach-sehenswert. Meine persönlichen Schlüsse:
    – Wilson ist unbezahlbar. Diese Coolness mit Verteidiger im Gesicht noch den superpräzisen Pass anzubringen. Wow.
    – Schiris waren sehr sehr mäßig. Da muss die Liga was tun. Schon wieder einen INT-return abgepfiffen. „Incomplete“ war doch complete. „Kein TD“ war wohl doch ein TD. Peinlich.
    – Clay Matthews gehört doch nicht zum alten Eisen: 6 Sacks.

    Die Seahawks sind stark.
    Die Rams wären stark, wenn sie Wilson als QB hätten.

    @Georg: Kommt ganz drauf an, wer da jetzt schreibt. Ein gut recherchierender Fachjournalist in Vollzeit mit über Jahrzehnte gepflegten Kontakten und Quellen ist mMn nicht durch einen freien Mitarbeiter zu ersetzen, der mal für diese und mal für jene Zeitung einen Schnipsel schreibt.
    Wobei freie Mitarbeiter Themen deutlich breiter und aus anderer Perspektive sehen können. Man darf gespannt sein, wen SI da einstellt.

  6. @GreenTom: Dein Kommentar war leider in der Spam-Schleife stecken geblieben. Sorry – habe ich erst jetzt bemerkt, da ich ein paar Tage unterwegs war.

    Antwort auf deine Frage siehe im Kommentar zu Dizzy.

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