Detroit Lions 2019/20 nach dem ersten Saisonviertel

Kurz ein paar Beobachtungen zu den Detroit Lions nach dem ersten Saisonviertel.


Die Lions sind 2-1-1, und sie sehen aus wie ein Contender in einer NFC North, in der alle vier Mannschaften Potenzial angedeutet haben, aber keines wirklich komplett zu sein scheint.

Detroit vergeigte zum Auftakt der Saison eine 18-Punkte Führung bei den „Air-Raid“ Arizona Cardinals, doch dann feierten die Lions zwei knappe Siege gegen die Chargers und bei den Eagles. Vor allem der Sieg über die Chargers war relativ glücklich – er kam nur durch zwei verschossene Bolts-Fieldgoals sowie eine Rivers-Interception in der Crunch-Time zustande.

Das eindrucksvollste Saisonspiel mag tatsächlich die knappe Heimniederlage gegen die Chiefs gewesen sein: Am Sonntag verloren die Lions nur 30-34, obwohl sie gegen die fulminante Mahomes-Armada ohne ihren Star-Cornerback Darius Slay antreten mussten.

Der Game-Film zeigt eine Lions-Defense, die vorne recht aggressiv zu Werke ging, aber hinten einen Safety tief stellte (rund 20-25 Yards hinter der Anspiellinie) um ja keine Big-Plays „over the top“ zu kassieren. Matt Patricia versuchte erst gar kein Blitzing, sondern vertraute seiner Defensive Line, ausreichend Druck auf Mahomes auszuüben. Hinten stellte er hie und da einen Linebacker als Spy gegen Mahomes-Scrambling auf – was mitunter putzig aussah.

Die Chiefs-Offense blieb lange Zeit recht steril, kam nie in den gewohnten Groove mit zahlreichen tiefen Pässen in den Early-Downs. Dass Mahomes dennoch in 42 Pässen 315 Yards machte und aus insgesamt 48 Drop-Backs 346 Yards und 0.27 EPA/Play aus dem Hut zauberte, ist Testament von Mahomes‘ letztlich grandiosem Spiel, wenn er aus sauberer Pocket operieren durfte.

Detroit hatte „nur“ eine Pressure-Rate von 33% – gut, aber nicht überragend. Gemessen daran, dass man das mit meistens drei, maximal vier Leuten zustande brachte, ist das aber eine mehr als passable Quote gegen den oft kurzentschlossenen Mahomes. Der war ohne Druck sensationell: 22/29 complete.

Es reichte dennoch nicht. Am Ende hatte Detroit den einen oder anderen Redzone-Turnover zu viel. Man kann sagen: Sich selbst geschlagen. Man kann aber auch konstatieren: Verloren gegen ein bis dato nicht zu stoppendes Team, das man ersatzgeschwächt erstaunlich gut im Griff hatte. Man ist gut – aber für ganz oben fehlt noch ein bissl was.


Schauen wir einen kurzen Sprung darauf, was die Detroit Lions 2019 bislang charakterisiert:

#1 aDOT (Air-Yards pro Passversuch): Detroit ist mit 12.1 Air-Yards pro Passversuch die Mannschaft mit den zweit-tiefsten Pässen der NFL (nur Miami mit ca. 13 aDOT) geht noch häufiger tief. Das ist ein relativ krasser Wandel im Vergleich zu den letzten 2-3 Jahren, als Staffords Big-Arm mehr und mehr einsteckt und zum Kurzpassspiel gebändigt wurde.

Stafford wirft 21% seiner Pässe tiefer als 20 Yards downfield – nur das oft verzweifelte Miami hat mehr. Nur 9% seiner Targets sind hinter der Line of Scrimmage – nur zwei Teams, Arizona und Baltimore, haben bislang weniger. Fazit: Die Lions sind aggressiv im Passspiel.

Stafford ist dabei auch gar nicht „schlecht“: Sein CPOE ist mit 64% fast 3% über seiner erwarteten Completion-Rate. Stafford macht mit seinen Drop-Backs bislang 0.24 EPA/Play, #5 der NFL. Seine 7.1 Yards/Dropback sind der 7t-beste Wert in der NFL.


#2 Dass Detroit nach Yards/Play und EPA/Play in der Offense dennoch nur im Mittelfeld der NFL liegt, daran ist die Run/Pass Ratio schuld. Die komplette Offseason lang übertrumpften sich die Verantwortlichen in Detroit mit Huldigungen an die pound-the-football Philosophie. Sie scheinen ernst zu machen.

In 1st Downs haben die Lions bis jetzt eine 46%-Laufquote, die neunt-höchste der NFL.

In 1st und 2nd Downs haben die Lions bis jetzt eine 51%-Laufquote, die vierthöchte in der NFL. Und das trotz folgendem Early-Down Split:

  • Pass: 0.34 EPA/Pass, 8.2 NY/A
  • Run: -0.19 EPA/Run, 4.1 YPC

Bei nur zwei Teams ist das Delta im Erfolg von Run und Pass noch krasser (Chiefs und Seahawks), und beide sind wesentlich passlastiger in Early-Downs (yup… die freaking SEAHAWKS sind mit 59% Early-Down Passquote bislang im Mittelfeld der NFL!).

Auf Twitter hat dazu @LeeSharpeNFL einen Graphen mit leicht abgewandelten Kriterien gepostet: Auf der x-Achse die Teams nach Delta zwischen Erfolg von Run und Pass. Auf der y-Achse die Early-Down Pass-Rate. Sharpe hat die Plays in der Garbage-Time sowie die Plays hinter der 2-min Warning ausgeschlossen:

Die Lions sind zu konservativ!

Auch gemessen an der Spielsituation sind die Lions insgesamt sehr lauflastig:


Trotzdem: Ich bin nach vier Spielen optimistischer als vor Saisonbeginn. Die Konkurrenz in der NFC North hat ihre eigenen Probleme…

…die Bears kriegen ihre QB-Situation nicht gelöst

…bei den Packers macht Aaron Rodgers weiterhin, was er will – und die Offense steckt im Mittelfeld fest

…und die Vikings stehen vor einer Meuterei, weil die Star-Receiver um Diggs / Thielen diese establish-the-run Scheiße nicht länger mittragen wollen.

Die Lions-Defense ist bestimmt keine der besten in der NFL, doch sie hat gegen vier potenziell potente Offenses wesentlich besser ausgeschaut als befürchtet. In der Offense sieht Stafford wie neugeboren aus – das tiefe Passspiel liegt ihm und seine beiden Top-WRs Golladay/Jones sind gefährliche Waffen. Und im Schedule hat man drei der kritischsten Gegner bereits hinter sich – und gegen zwei von ihnen gewonnen!

Ich würde noch nicht soweit gehen und einen neuen Divisionsfavoriten in der NFC North ausrufen, aber die Lions scheinen mit der möglicherweise besten Offense der Staffel näher dran zu sein als man ursprünglich dachte. Wenn sie nun noch etwas häufiger auf das ineffiziente Laufspiel verzichten würden… ach, lassen wir das.

2 Kommentare zu “Detroit Lions 2019/20 nach dem ersten Saisonviertel

  1. Pingback: Montagsvorschauer – Woche 6: Green Bay Packers – Detroit Lions | Sideline Reporter - Eier, wir brauchen Eier!

  2. Pingback: Monday Night Review – Week 6 | Sideline Reporter - Eier, wir brauchen Eier!

Kommentar verfassen

Trage deine Daten unten ein oder klicke ein Icon um dich einzuloggen:

WordPress.com-Logo

Du kommentierst mit Deinem WordPress.com-Konto. Abmelden /  Ändern )

Google Foto

Du kommentierst mit Deinem Google-Konto. Abmelden /  Ändern )

Twitter-Bild

Du kommentierst mit Deinem Twitter-Konto. Abmelden /  Ändern )

Facebook-Foto

Du kommentierst mit Deinem Facebook-Konto. Abmelden /  Ändern )

Verbinde mit %s

This site uses Akismet to reduce spam. Learn how your comment data is processed.