NFL 2019 Preview Woche 5: Ravens @ Steelers

Die Luft ist raus. Nix mehr mit Prime Time Football mit Spielern von der Balls-So-Hard-University.  Die Mutter der modernen Rivalries wird an diesem Sonntag unmotiviert auf einen 1pm-slot geschoben. Zu sehen sein wird dort aber die junge Tochter, die man zwar schon lange flüchtig kennt, von deren plötzlichem Erwachsenensein man dann aber doch überrascht ist.

RPOs, Wildcat, Option-Plays mit Quarterbacks, Running Backs, Tight Ends und – na klar! – auch Fullbacks. Shovel Passes zur Jet Motion, gerne auch aus der Wildcat – hereinspaziert! Y-Cross, Mesh Concept, Tunnel Screens und Shot Plays mit 8-Men-Protection und nur zwei Receiver-Routen? Ja, doch: da sind sie hier in der AFC North völlig richtig!

Was Baltimore (2-2) aus voller Überzeugung macht mit dem ungewöhnlichen Talent Lamar Jackson, macht Pittsburgh (1-3) eher aus der Not heraus nach der Verletzung Ben Roethlisbergers.

Steelers-QB Mason Rudolph kommt auch nicht zufällig aus der Big XII und einem Air Raid System. Als seine Karriere bei Oklahoma State zu Ende ging, wurde er mancherorts als 1st-rd pick gehandelt. In der ersten Runde 2018 wurde dann aber fünf andere QBs gezogen – unter anderem Lamar Jackson. Rudolph ging in Runde 3 nach Pittsburgh und ist in dieser Preseason zum QB2 geworden.

OC Randy Fichtner hat das Spread System seines Vorgängers Todd Haley übernommen. Das ist an sich schon recht modern gewesen: sehr breit angelegt, viele tiefe Bälle und vor allem auch eine sehr hohe Pass-/Run-Ratio in 1st Downs (70/30).


Im Monday Night Game diese Woche gegen Cincinnati kam dann einerseits viel Wildcat und viele Shovel Passes zu verschiedenen Spielern in Motion dazu; andererseits wurde die Komplexität im Paßspiel stark reduziert, um Druck von Rudolphs Schultern zu nehmen, der in seinen ersten beiden Einsätzen gegen Seattle und San Fran teils arg überfordert aussah. Zumal auch das WR-Korps bedenklich dünn wirkt. Antonio Brown weg, Donte Montcrief von Lederallergie befallen: schon sehen die Schuhe als 1-2-Combo für JuJu Smith-Schuster und James Washington (auch OK State) ein bißchen groß aus.

Gegen Cincy am Montag wurde das Paßspiel reduziert auf Slants, Go Routes und tiefe Routenkombinationen mit nur zwei oder drei Paßempfängern und Max Protection. Rudolph war dabei 24-von-28 für 229 Yards, aber die Bengals haben es ihm auch sehr leicht gemacht.

Der wichtigste Spieler war hier Jaylen Samuels als Mr Vielseitig. Acht Catches bei acht Targets plus zehn Läufe und drei erfolgreiche Pässe (Shovel Passes als Wildcat-QB). Das sieht alles interessant und modern aus, aber ein Feuerwerk konnten sie noch nicht abfackeln. Vielleicht braucht es aber nur etwas mehr Zeit zum Einstudieren.


So wie bei den Ravens: da studiert man das komplexe Laufspielsystem von OC Greg Roman nun schon seit fast einem Jahr. Es sieht noch nicht ganz so furtcheinflößend aus wie die Höllenmaschine, die er bei den 49ers vor einigen Jahren konstruiert hatte (und nebenbei Aaron Rodgers mindestens einen Ring und Dom Capers jedes Ansehen gekostet hat), aber es reicht für 200 Yards pro Spiel und knapp sechs Yard pro Lauf.

Pittsburghs Run-D ist gut, sah aber gegen das sophisticated running game der 49ers in Woche 3 langsam im Kopf aus. Baltimore ist ebenso sophisticated im Laufspiel. Auf der anderen Seite sah Baltimores Run-D letzte Woche gegen Cleveland ungewöhnlich verplant aus.

Jacksons Paßspiel ist eher hit or miss. Trifft er häufiger, kann es schnel sehr spektakulär werden. Trifft er seltener, kann es auch schnell frustrierend werden. Bei Rudolph war  bisher kaum ein großer hit dabei, bis auf den langen Touchdown auf die tiefe crossing route bei der Cincys Defensive Backs den Receiver aus den Augen verlieren.


In Kurz: zwei sehr “moderne” Offenses gegen zwei Defenses, die noch Schwierigkeiten haben, “nicht-traditionellen” Football zu verteidigen. Gewinner ist auf jeden Fall der aufgeschlossene Zuschauer. Bei den Mannschaft sollte der Vorteil leicht bei Baltimore liegen.

Wenn jetzt sogar in der AFC-Balls-So-Hard-North diese modernen Offenses angekommen sind, dann kann man sich fast schon wieder auf die Suche nach der nächsten (r)evolutionären Entwicklungsstufe machen. Die Goldene Generation dieser Rivalry um Ray Lewis, Haloti Ngata, Ed Reed, Jarrett Johnson, Troy Polamalu, Brett Keisel, Ike “Swaggin” Taylor und James Harrison sitzt derweil mit Mutti bei Kaffee und Kuchen; nur “Sizzle, Balls So Hard University” spielt noch – mit Kyler Murray in einem von Kliff Kingsbury trainierten Team. Welcome to the future.

Sonntag 19.00Uhr live nur im GamePass.

Ein Kommentar zu “NFL 2019 Preview Woche 5: Ravens @ Steelers

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