Samstagspreview – Woche 5

Guten Morgen.

Heute nur eine eher kurze College-Vorschau, weil ich unterwegs bin und keine Minute live vom heutigen Spieltag sehen werde.

Letzte Woche wäre #1 Clemson fast gegen UNC gestolpert – nach einer verpassten 2-pts Conversion von UNC gewannen die Tigers 21-20. Diese 2-pts Conversion ist Stoff für ein paar interessante Gedankengänge:

  1. Ich finde es sexy, dass UNC-Coach Mack Brown sie versucht hat. Aufs Ganze gehen ist immer aufregender als es konservativ zu spielen.
  2. Aber die 2-pts Conversion kam mehr als 80 Sekunden vor Spielende. Clemsons Offense war nicht in bester Verfassung, bleibt aber gerade mit 4-Down Territory Football eine gute Wette für ein Comeback.
  3. Ich habe Verständnis für die Rufer, die sagen, dass der Underdog was riskieren sollte.
  4. Aber ich habe gleichzeitig auch Verständnis für diejenigen, die sagen, dass der Underdog UNC in dieser Situation mit dem PAT zum 21-21 besser dran gewesen wäre – gelungene Conversion oder nicht! – weil die Offense dann konservativer gespielt hätte und man vielleicht in die Overtime gekommen wäre.

Die anderen Big-Cows gewannen samt und sonders, und teilweise dominant. Alabama, das mit seinem 59-31 Sieg über Ole Miss an Clemson vorbei auf #1 hüpfte, sah eine Wunder-Performance von WR Devonta Smith, dem „übersehenen vierten Receiver“. #5 Ohio State war auch überragend, gewann 48-7 gegen ein hoffnungsloses Nebraska – und es sieht Woche für Woche mehr danach aus, als sei Ohio State ein ernsthafter Playoffanwärter. QB Justin Fields spielt jedenfalls wie ein Gigant, und die Defense ist brutal druckvoll.

Doch Clemson, Alabama und Ohio State sind nicht alleine. Auch Georgia und LSU, letzte Woche beide spielfrei, sind noch ungeschlagen und haben im Gegensatz zum Spitzentrio sogar schon fette Gegner im Schedule geschlagen. Dann wäre da natürlich Oklahoma, natürlich ungeschlagen, wo mit QB Jalen Hurts ein Heisman-Anwärter spielt.

Und Auburn. Die Tigers schossen letzte Woche die hoch gelobte Defense von Mississippi State komplett ab: 56-23, und QB Bo Nix mit 16/21 für 335 Passing-Yards, 56 Rush Yards und 3 TD) – die erste wirklich überzeugende Performance der Offense. Das AP-Ranking sieht jedenfalls so aus (im Klammern das S&P Ranking, das besser die Performance misst):

#1 Alabama (#1 S&P)
#2 Clemson (#6 S&P)
#3 Georgia (#4 S&P)
#4 Ohio State (#2 S&P)
#5 LSU (#5 S&P)
#6 Oklahoma (#3 S&P)
#7 Auburn (#9 S&P)
#8 Wisconsin (#8 S&P)
#9 Notre Dame (#22 S&P) – sic!
#10 Florida (#10 S&P)

Eine ziemlich fassungslose Info haben die Hawaii Warriors geliefert, die letzte Woche 54-3 gegen Nevada gewannen, 4-1 gingen, und schön langsam mit ihrer krassen Spread-Offense in den Fokus der landesweiten Analysten rücken. Hawaii hat diese Saison jeden einzelnen Offensiv-Snap mit 4 oder mehr Wide Receivern am Feld gespielt, according to PFF:

Da ist es doch schade, dass diese Jungs heute spielfrei haben. Aber das Team wird in den nächsten Wochen verfolgt, da kannste Gift drauf nehmen.

Nächste Sargnägel für Amateurstatus sind eingeschlagen

Das Thema, das unter der Woche Schlagzeilen machte, war die Unterzeichnung des „Fair Pay to Play Acts“ vom kalifornischen Gouverneur Gavin Newsom. Dieses Gesetz, das am 1. Jänner 2023 in Kraft treten wird, erlaubt es College-Studenten, gegen die NCAA-Vorschriften Werbeverträge abzuschließen. Es ist nur ein weiterer Schritt im Prozess, den Amateurstatus der College-Sportler peu a peu abzuschaffen.

Die NCAA hatte bereits im Vorfeld angekündigt, kalifornische Universitäten vom Spielbetrieb auszuschließen, sollte das Gesetz unterschrieben werden – doch es ist wahrscheinlicher, dass die NCAA sich mit der neuen Gesetzeslage arrangiert und ein neues Rahmenwerk ausarbeitet. Sie wird prinzipiell gezwungen dazu sein.

Das Thema Student Athlete wird in den USA seit Jahrzehnten hitzig diskutiert. Es gibt die eine Fraktion, die meint, die Sportler haben mit ihrem Studien-Stipendium, das in den USA locker sechsstellige Beträge wert sein kann, genug finanzielle Zuwendung. Die Gegner des Status-quo argumentieren dagegen, dass das Stipendium allein ein Witz sei gegen die vielen Millionen, die vor allem die großen Universitäten mit den Personenrechten ihrer Stars kassieren.

Über die vielen Widersprüche in der NCAA-Argumentation und die Zwickmühle, in der sich das Dachverband des College-Sports befindet, hat Ringers Rodger Sherman am Dienstag geschrieben:

Eine gute Zusammenfassung der Situation gibt es bei ESPN.

Die Spiele von heute

Ich lese im Vorfeld des Spieltags was von möglicher Entlassung von Virginia Techs Headcoach Justin Fuente, der mal wieder enttäuschend in die Saison gestartet ist. Das Problem: Der Payout mit 15 Mio. Dollar ist zu fett – die Unis müssen langsam beginnen für die Zeit nach 2023 zu sparen.

#5 LSU Tigers – Utah State (18h / SEC): NFL-Draft-Anwärter QB Jordan Love von Utah State gegen die LSU-Defense – und dann sind die Tigers mit satten 25 Punkten favorisiert! Das liegt natürlich u.a. daran, dass auch LSU in QB Joe Burrow mittlerweile einen Quarterback von Format aufs Feld schickt. Wenn Burrow seinen atemberaubenden Level der ersten Wochen auch nur annähernd halten kann: Wann wird das NFL-Narrativ von Tank for Tua dann zu Bust for Burrow?

Auch wenn die Aggies sportlich keine Chance haben sollten, so ist das doch zumindest für Love die Chance, in der Draftbewertung Punkte zu sammeln. Schließlich ist er in den letzten Wochen in der öffentlichen Wahrnehmung bereits hinter Burrow zurückgefallen.

Kansas Jayhawks – #6 Oklahoma Sooners (18h / ABC): Oklahoma ist in Gedanken schon halb bei der Red-River Rivalry, die nächsten Samstag gegen Texas gespielt wird. Dass der ulkige Les Miles mit Kansas diesen Moment nutzen kann für ein Upset, ist eher unwahrscheinlich.

#8 Wisconsin Badgers – Kent State Flashes (18h / ESPNU): Wisconsin hat die beste Defense nach S&P+ im Lande. Riecht nicht nach vielen Punkten für Kent State.

#12 Penn State Nittany Lions – Purdue Boilermakers (18h / ESPN): Bei Purdue geht ein Playmaker nach dem anderen den Bach runter, zuletzt der hochgejazzte Rondale Moore. Penn State fand ich vor ein paar Wochen beim Heimspiel gegen Pitt brutal langweilig anzuschauen. Doch die Lions sind gefährlich: Sie haben drei gerankte Teams hintereinander geschlagen, ihr QB Sean Clifford spielt fehlerminimierend, und WR K.J. Hamler trägt die Cliffords Sicherheitspässe für lange Yards-after-Catch Runs das Feld hinunter.

#19 Michigan Wolverines – #14 Iowa Hawkeyes (18h): Michigan letzte Woche wie erwartet mit dem Befreiungsschlag und einem Kantersieg gegen Rutgers, das im Nachgang prompt Headcoach Chris Ash feuerte. Doch jetzt geht schon wieder die Angst vor der nächsten Blamage gegen das an #14 gerankte Iowa um.

#10 Florida Gators – #7 Auburn Tigers (21h30 / CBS): Das erste nominelle Spitzenspiel der Runde: Auburns nicht immer beständige, aber an lichten Tagen grandiose Power-Rushing Offense gegen die knüppelharte Florida-Defense. Die Gators haben Heimvorteil, aber ihre oft lahme Offense wird in dieser Partie wohl punkten müssen, will sie mit Auburn mitgehen. Ob der Backup-QB Kyle Trask der Aufgabe wohl gewachsen ist?

#9 Notre Dame Fighting Irish – Bowling Green Falcons (21h30 / NBC): Notre Dame nur die #22 nach S&P+. Ich muss zugeben, ich bin erstaunt. Dieses Team war gegen Georgia sicher nicht das bessere, aber es war keine zwei Klassen schwächer und verlor auswärts nur knapp mit einem Score und der Chance auf einen Game-Winning Drive in der letzten Minute.

West Virginia Mountaineers – #11 Texas Longhorns (21h30 / ABC): Ästhetisch verspricht das durchaus anmutig zu werden. Letztes Jahr gewann WVU 42-41 durch einen Last-Minute TD von Will Grier. Die Longhorns sinnen natürlich auf Revanche und sind in den Wettbüros auch mit mehr als 10 Punkten favorisiert – doch in Austin geht mal wieder der Verletzungsteufel um…

Tennessee Volunteers – #3 Georgia Bulldogs (1h / ESPN): Vols-Headcoach Jeremy Pruitt gegen das College, an dem er einst als nicht unumstrittener DefCoord arbeitete.

#4 Ohio State Buckeyes – #25 Michigan State Spartans (1h30 / ABC): Das zweite Spitzenspiel. Nominell ist Ohio State mit seiner Monster-Offense um QB Fields und RB Dobbins natürlich klar favorisiert (der Spread bewegt sich momentan um die 19-20 Punkte), aber das Matchup gegen die aggressive Cover-4 Defense von Michigan State ist durchaus faszinierend: Die Sparty-Defense ist nach S&P an #2 landesweit klassiert, nur ganz knapp hinter Wisconsin.

#24 SMU Mustangs – Tulsa Golden Hurricane (1h30 / ESPNU): SMU ist überraschenderweise einer der besten Mid-Majors im Lande. Die Mustangs sind nicht nur 5-0. Sie haben die Group-of-Five Teams in ihrem Schedule im Schnitt mit 22 Punkten abgefertigt und letzte Woche als Krone das potente TCU geschlagen.

#13 Oregon Ducks – Cal Golden Bears (2h / FOX): QB Justin Herbert gegen die knackige Cal-Defense von LB Evan Weaver – klingt nach einer Partie, die im Draft-Scouting Prozess dutzendfach seziert werden wird.

Stanford Cardinal – #15 Washington Huskies (4h30 / ESPN): Stanford schwächelt heuer. Washington hat den obligatorischen Ausrutscher 2019 schon hinter sich und vor ein paar Wochen gegen Cal verloren. Die Huskies sollten hier souverän gewinnen. Eigentlich.

UNLV Rebels – #16 Boise State Broncos (4h30 / CBSSN): Hach… Boise schon hoch auf #16 in den Polls. UNLV sollte noch nicht der ganz große Test für die Broncos sein.

Ein Kommentar zu “Samstagspreview – Woche 5

  1. Pingback: Joe Burrow und seine Heisman-Komparsen | Sideline Reporter - Eier, wir brauchen Eier!

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