Sonntagsvorschauer 2019 – Woche 5

Es ist Oktober. Die Preseason ist vorbei.

Von jetzt an bis Thanksgiving ist die Zeit, in der die Mannschaften ihre Identität voll ausbilden, mit der sie dann in die Playoffs ziehen. Oder eben merken, daß sie keine zukunftsfähige, erfolgreiche Identität finden und bestimmte Spieler, Trainer oder gleich das Management auswechseln müssen, um in Zukunft neue Hoffnung zu haben.

In der Preseason und September wird noch viel ausprobiert, viele neue Spielzüge und generelle strategische Ideen. Vor allem aber gewinnen Coaches hier die Erkenntnis, ob sie das, was sie sich in den letzten Monaten seit Januar für ihren jeweiligen Kader überlegt haben, erfolgreich ist. Ob sie wenig, mittel oder viel ändern müssen an ihrem ursprünglichen Schlachtplan. Gute Coaches passen den Plan an, die anderen stehen mit Mike Zimmer bockig in der Raucherecke.

Viele überraschende Ergebnisse gab es im September, pundits stellen wie jedes zweite Jahr um diese Zeit die Frage “IS ANYONE GOOD”; große Volatilität der Mannschaften von Woche zu Woche. Das sollte aber erwartestes Verhalten sein.

Ziel ist es für die guten Mannschaften, die Volatilität zu reduzieren. Mehr Dinge zu finden, die funktionieren; und von Woche zu Woche mehr Dinge zu eliminieren, die einfach nicht funktionieren wollen.

Was im August nur als Idee in den Köpfen war, mußte sich im September auf dem Platz bewähren. In welche Platzecken können wir heute schauen? Wo findet sich eine Offense, wo verläuft sich eine Defense und wo stürzt um den Coach bereits jetzt schon alles zusammen? Ah ja: Antwort auf Frage drei ist Washington.

Frühschicht 19.00Uhr

 

Patriots (4-0) @ Redskins (4-0) (0-4)
Bills (3-1) @ Titans (2-2)
Falcons (1-3) @ Texans (2-2)

Hauptaugenmerk hier: können vielleicht DeShaun Watson und Josh Allen bitte endlich mal den Ball wegwerfen, verdammte Axt!?! In Atlanta gibt es schon einen Schwelbrand unter Dan Quinns Stuhl. Watson könnte da heute Benzin reingießen.

Atlantas Defense paßt nicht zusammen und das größte Fragezeichen steht hinter Quinn selbst. Nach der letzten Saison hat er  DC Manuel entlassen und zeichnet jetzt wieder höchstselbst für die Verteidigung verantwortlich. Und nun hat diese trotz weniger Verletzungen als letzte Saison auch weniger Linie.

Jets (0-3) @ Eagles (2-2)

Angriff sollte nur besser werden in Philly, auch wenn es manchmal unrund aussah. Aber sie haben gezeigt, daß die laufen können, daß sie viel über Tight Ends spielen können, daß DeSean Jackson immer noch fliegen kann, und daß Carson Wentz Carson-Wentz-Dinge tun kann.

In der Defense kann man hier qua Verletzungen in der Secondary wohl nur gucken, ob Jim Schwartz das Problem mit Blitzes lösen will – oder einfach den grünen Quarterback Luke Falk seine Fehler machen läßt. Richtig gute Teams erkennt man daran, daß sie schlechte Teams an die Wand spielen. Das sollte hier so sein.

Vikings (2-2) @ Giants (2-2)

Richtig gute Teams spielen schlechte an die Wand. Eigentlich sollte Minnesota ein richtig gutes Team sein, aber hier paßt in der Offense einfach gar nichts zusammen. Anfang Oktober schon wieder die gleiche Frustration wie letzte Saison mit Mike Zimmers Betonschädel. Diese Giants bieten die perfekte Möglichkeit für Minny, den Knoten zu durchschlagen. Kann Zimmer über seinen Schatten springen?


Jaguars (2-2) @  Panthers (2-2)
Buccaneers (2-2) @ Saints (3-1)

Ganz interessanters scheduling hier: diese vier Mannschaften spielen nächste Woche über Kreuz, dann: Panthers @ Buccaneers und Saints @ Jaguars. Und alle vier haben eine ähnliche Quarterback-Situation. Jeder der Quarterbacks Gardner Minshew, Kyle Allen, James Winston und Teddy Bridgewater hat Fans mit großen Hoffnungen, auch wenn die Gründe unterschiedliche sind.

Bridgewater mit sympathischer Comeback-Geschichte, der jetzt die Saints über Wasser halten soll, bis Brees zurückkehrt. Winston weckt Hoffnungen, daß er jetzt mit Bruce Arians sich selbst gefunden hat und richtig explodiert. Kylen Allen, der als UDFA direkt Back-up geworden ist, mit interessanter Story als landesweit bestes Prospect seines High-School-Jahrgangs, dann aber viele College-Wechsel. Jetzt sieht er zeitweise wie ein erfahrener NFL-QB aus und pundits müssen die Frage beantworten, wieviel Dead Cap eine Entlassung des körperlich gebeutelten Cam Newtons mit sich bringen würde. Und Gardner Minshew, der keine Introduction mehr braucht.

Welcher dieser Quarterback kann die Erwartungen längerfristig erfüllen? Oder andersrum: wer enttäuscht die Hoffnungen als Erster?

Ravens (2-2) @ Steelers (1-3)
Cardinals (0-4) @ Bengals (0-4)
Bears (3-1) @ Raiders (2-2) (in London)

Ravens, Steelers, Cardinals und Bengals decken beinahe alle Elemente moderner Offenses ab (Steelers und Ravens hatten wir hier Freitag schon in der Vorschau). Von der Air Raid über Spread über die wiederbelebte Wildcat bis hin zur Shanahan-/McVay-Schule mit Zac Taylor in Cincy. Allein: wirklich gefährlich scheint dieses Jahr nur Baltimore werden zu können.


Spätschicht 22.05Uhr / 22.25Uhr

 

Broncos (0-4) @ Chargers (2-2) 

Die LA Chargers beginnen die Saison wie die letzten 326 Saisons: mit vielen Verletzungen und dämlichen Niederlagen in knappen Spielen.

Denvers Offense war in den letzten beiden Wochen gar nicht so schlecht, wie anfangs befürchtet. Leider hat die Defense in den letzten beiden Heimspielen Comeback Victories von Mitch Trubisky und Gardner Minshew zugelassen. Oh je. Jetzt ist auch noch Pass Rusher Bradley Chubb verletzt, CB Bryce Callahan immer noch verletzt und Chris Harris mault rum. 

Das sieht erstmal schlecht aus auf dem Papier. Aber Vic Fangio traue ich hier immer noch viel zu. Kann Denver sich fangen und fehlerfreien Football auf beiden Seiten spielen? Das Potential dafür haben sie. Sie liegen trotz 0-4-Start auch nur zwei Spiele hinter einem Playoffplatz, aber weil sie in den nächsten vier Wochen gegen vier direkte Playoff-Konkurrenten aus der AFC spielen (Titans, Chiefs, @Colts, Browns), ist das hier auch die letzte Möglichkeit sich zu fangen. Für die Chargers geht es um das Gleiche: Fehler abstellen und bessere Abstimmung in der Secondary finden.

Packers (3-1) @ Cowboys (3-1)

Hier gibt es genau einen Aspekt, auf den man ein oder eher zwei Augen werfen muß: das Verhältnis von Aaron Rodgers und Matt LaFleur. Zeitweise war Rodgers im September on fire – immer dann, wenn er sein schnelles, improvisierendes Ding durchgezogen hat. Wenn er versucht hat umzusetzen, was LaFleur geplant hat, rumpelt und ruckelt es wie eine Tram in den 90er Jahren.

Klar kann Green Bay immer wieder mal Spiele gewinnen, wenn Rodgers die ihm eigene Magie locker aus dem Handgelenk schüttelt. Aber konstant gewinnen kann man so nicht in der NFL, nicht wenn Quarterback und Coach unterschiedliche Vorstellungen haben. Heute auch ohne Davante Adams.

Auf der anderen Seite wird der neue Chef des Quarterbacks langsam, aber sicher immer weiter in die Vergangenheit zurückgezogen. Nach überraschendem Pass- und Play-action-heavy Start mit vielen Pässen in First Downs, robbt sich Kellen Moores Playcalling immer weiter zurück richtig Scott Linehan.

Wird dieser Trend heute gebrochen? Unwahrscheinlich. Denn Mike Pettines Defense wurde letzte Woche überlaufen von Philly. Dabei spielt er konsequent Nickel-D. Nachdem er dieses Game Tape gesehen hat, wird Jason Garrett seinem jungen OC ganz klare Order gegeben haben: feed the franchise. Also hingucken hier: stellt Pettine um auf Base in 1st Downs?

Die beiden besten Spieler der Cowboys haben ihre eigenen Probleme. Leidet DeMarcus Lawrence am Big Contract Syndrome? Nachdem er im Sommer dick abgecasht hat, ist er blaß. Letzte Woche gegen New Orleans war er sogar ein Totalausfall. Allerdings hat er sich wohl auch verletzt; kann heute aber wohl pielen.

Nicht spielen kann Left Tackle Tyron Smith. Dieser hat letzte Woche Marcus Davenport in Grund und Boden gerammt. Wobei “gerammt” das falsche Wort ist. Mit eleganter Leichtfüßigkeit, sauberster Technik und beeindruckender Balance für einen Mann seiner körperlichen Ausmaße hat er Davenport am langen Arm verhungern lassen. Gegen Ende hat er sich am Knöchel verletzt. Erster Snap von Ersatzmann Cam Fleming: Sack Davenport.

Hingucken hier: die Smiths aus Green Bay gegen Ersatz Fleming und den angeschlagenen Right Tackle Le’el Collins. Und auf der anderen Seite auch sehr interessant: Bakthiari und Bulaga gegen erwähnten Lawrence und Neuzugang Robert Quinn, der scheinbar immer noch seine alte Explosivität hat.

Sunday Night Football

Colts (2-2) @ Chiefs (4-0)

Hingucken hier: Auf welche Art und Weise werden Reid & Mahomes die Mitte der Colts-D attackieren? In der Mitte fehlen DROY Darius Leonard und die Safeties Malik Hooker und Clayton Geathers. Allerschlechteste Voraussetzungen um den wilden Mahomes zu bremsen, der Kurs auf die 6000-Yard-Saison genommen hat.

Auf der anderen Seite sieht es ganz gut aus für Indy. Die Run-D der Chiefs sind drei Scheunentore, vor denen man sich eines aussuchen kann. Aber das ist ja egal, wenn Mahomes hier in den ersten 20 Minuten drei Touchdowns durch die Mitte wirft.

Hingucken hier: Kann Steve Spagnuolo einen Weg finden, die gegnerische Mannschaft nicht bis zum Ende im Spiel zu halten?

8 Kommentare zu “Sonntagsvorschauer 2019 – Woche 5

  1. Wieso denkst du bei Green Bay, dass es gut läuft für die Offense, wenn Rodgers improvisiert? Ist es nicht eher so, dass solange die gescripteten Plays am Anfang des Spiel laufen, funktioniert es gut und ab dann irgendwie so gar nicht mehr?

  2. Herrmann ich schätze deine Analysen sehr, aber selten so einen Schmarn gelesen „Dieser hat letzte Woche Marcus Davenport in Grund und Boden gerammt.“

    Diese Aussage kann man nur treffen wenn man sich allein an der Sack Statistik orientiert. Dabei sind es gerade die Quarterback Pressures die den Quarterback zu Fehlern zwingen. PFF beschreibt Davenports Leistung am Sonntag so:

    …it seemed like only a matter of time before Davenport became a consistent pocket collapser. After Sunday night’s game against Tyron Smith, it appears that time is now. Davenport collected seven pressures on the day, handing Smith his first five of the season. How often do you see the All-Pro left tackle get walked back like this?

    Seine bisherige Saison läuft so:
    Davenport has turned 117 pass rushes through his first four games into 24 pressures on opposing quarterbacks: 1 sack, 6 hits, and 17 hurries. That’s a rate of one pressure every 4.9 pass rushes, which is ridiculous for an NFL pass rusher

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