NFL-Rundschau nach Woche 5

Rückblick auf Monday Night Game, die Buffalo Bills und Seahawks sowie ein kurzer Blick auf die Effizienz der 32 Mannschaften nach fünf Wochen. Wir kriegen langsam ein rundes Bild vom Geschehen.

San Francisco 49ers 31, Cleveland Browns 3. Fette Vorstellung der 49ers.

Eine der Storys der Nacht war sicher die Passrush-Gewalt, die von Rookie-DE Nick Bosa und DE Dee Ford ausging, die Mayfields Pocket in schöner Regelmäßigkeit zerbröselten und ihn mehrfach sackten und Strip-Sacks erzwangen.

Clevelands Offense fiel wieder in die Form der ersten drei Wochen zurück – Doug Farrar beschreibt das Szenario ganz gut:

Längere Dropbacks hinter einer schlechten Offense Line mit einem Receiving-Corps, der noch nicht aufeinander abgestimmt ist: Das Resultat ist eine völlige hit&miss-Offense. Mal geht es gut und dann sieht es über ein paar Phasen fantastisch aus. Dann wieder ist völlige Lähmung.

Einen anderen Blickwinkel auf das Problem hat @PFF_Moo auf Twitter geworfen: Er zeigt, dass die Browns-Coaches Routen für ca. 9.3 Yards Tiefe pro Route designen – fast genauso viele wie Seattle oder Houston, die auch als Teams mit großen Pass-Protection Problemen gelten. Doch sowohl Texans als auch Seahawks haben tiefere Targets und deutlich bessere Passing-Offenses. Im Prinzip deutet dieses Ergebnis darauf hin, dass das Problem eher beim Quarterback (also Mayfield) denn den Coaches (Kitchens/Monken) liegt.

Ein zusätzliches Problem, das aber häufig durch blanke Regression zur Mitte behoben wird, ist die Redzone-Offense: Dort ist Cleveland horrend. Mayfield ist heuer dort 6/24 für 32 Yards mit 2 TD und 3 INT. Am Montag warf er eine Interception, nachdem ein Receiver einen nicht 100%ig präzisen, aber locker fangbaren, Ball durch die Finger flutschen ließ – direkt in die Arme der Verteidigung. Da haste dann auch Pech im Spiel.

San Francisco hatte als Folge mehrere kurze Feldpositionen und verwertete diese eiskalt. Die 49ers-Offense sieht nun aus wie eine typische Shanahan-Offense. Laufspiel ist in hohen Dosen eingesetzt, aber auch hochprozentig effektiv. QB Garroppolo muss, weil die Defense alles wegputzt, auch nie viel im Passspiel riskieren und kann sich auf das Verwalten beschränken – und wenn er mal einen schwierigeren Pass versucht, ist er gut genug, dass diese öfters gelingen als nicht (siehe 22-yds Pass für TE Kittle).

Alles in allem: San Francisco ist 4-0 und sieht mächtig aus. Es war natürlich ein Spiel, in dem von Anfang bis Ende alles für die Niners lief, die auch noch Heimvorteil und zwei Wochen Vorbereitung hatten. Doch dieser Sieg war kein Zufall. Vielmehr erhoffen wir uns das immer von Contendern: Dass sie in der Lage sind, problematische Teams einfach wegzuputzen. Habense gemacht und sind damit 4-0.

Am Sonntag geht es im anonymen 22h05-Slot gegen die Rams. Die NFC West scheint tatsächlich die Division zu werden, die man sich vor der Saison im im „Best-Case“ Szenario ausgemalt hatte:

  • 49ers (4-0), die endlich klicken und aus allen Rohren feuern
  • Seahawks (4-1) mit einem Russell Wilson in absoluter Höchstform
  • Rams (3-2), die zumindest schematisch auf der Höhe bleiben und bessere Defense als zuletzt auffahren
  • Cardinals (1-3-1), die immerhin für Unterhaltung sorgen und hie und da Nadelstiche setzen können

Apropos Seahawks: Alle feiern nun QB Wilson – und das zurecht. Aber Seattle bleibt weiterhin ein Mysterium mit ihrem Festhalten am immer noch ineffizienten Laufspiel. Ein Wilson ist zu gut um ihn über 50% des Spiels zu verstecken – nach CPOE (Completion% over Expected) sowie EPA/Play ist er die #1 unter den Quarterbacks nach einem Saisonviertel:

Seattle ist 4-1, was fantastisch ist. Doch es waren kaum überzeugende Siege dabei: Gegen Cincinnati gewann man zuhause nur mit +2, in Pittsburgh profitierte man vom Ausfall Roethlisbergers und am letzten Donnerstag verschossen die Rams in letzter Sekunde das entscheidende Fieldgoal. Es könnte gut und gerne auch ein 2-3 Start sein – was mit einem so dominanten QB wie Wilson eine Bankrotterklärung des Coaching-Staffs ist.


Ein anderes 4-1 Team, das mich weiterhin nicht überzeugt: Die Bills. Ihre einzige Saison-Pleite war mit dem 10-16 gegen die Patriots zwar eine der „besten Niederlagen“ der Saison – aber ihre Siege sind sowas von Zufallsprodukte:

  • Aufholjagd gegen die Jets zum 17-16 mit einem katastrophalen Darnold im Schluss-Drive
  • Comeback gegen die Bengals
  • Sieg mit einem TD gegen die Titans, die gleich vier Fieldgoals verschießen!

QB Josh Allens Performance gegen Tennessee wurde als okay bezeichnet, was jedem Football-Ästheten blanken Angstschweiß auf den Rücken treiben muss, denn das sah weiterhin horrend aus. Die Bills sind in Selbstfindungssuche: Sie sehen, dass Allen mehr Athlet als QB ist und wollen seine schreckliche Accuracy mit kürzeren Routen kaschieren – doch diese intensivieren nur das Problem. Aktuell tut man sich schwer zu sagen, was die Identität der Bills-Offense ist.

Aber die fantastische Defense reißt alles raus. Noch. Denn Defenses sind wie wir wissen, nicht stabil.

EPA/Play Chart

Abschließend noch das EPA/Play Chart nach fünf Spieltagen. Nicht irritieren lassen: X-Achse (horizontal) ist die Offense, y-Achse (vertikal) die Defense. Rechts oben sind Teams mit guter Defense und guter Offense. Links unten sind die Mannschaften mit schlechter Offense und schlechter Defense.

Penaltys sind weiterhin nicht ganz sauber drin. Ich muss daran mal arbeiten, wenn ich dazu komme.

My oh My Browns… (und Defensive-Falcons… die Rufe nach Dan Quinns Entlassung sind verständlich)

EPA per Play Woche 5

EPA per Play Woche 5

18 Kommentare zu “NFL-Rundschau nach Woche 5

  1. Hola!

    Du hast recht: Die Jets sprengen alle bisherigen Maßstäbe.

    Habe die Grafik nun mit einer nach links verlängerten Achse neu eingefügt.

  2. Dafür das Defenses nicht stabil sind, ist die der Bills aber schon sehr lange stabil, mit Allen hast du Recht, aber erzähl das mal auf Bills Fan Seiten, da wirst du gelyncht ich sag da schon nichts mehr zu, ich würde die Bills gerne mal mit einem einfach nur durchschnittlichen QB wie zB. Dalton sehen.

  3. @svenko: Das Problem gibt es mit jeder Fan-Base. Erzähl den Bears, dass Watson & Mahomes die besseren Picks waren. Erzähl den Seahawks, dass Russell Wilson nicht der beste QB seit Erfindung des Football ist usw.
    „Non QB Huldigung“ ist Majestätsbeleidigung.

  4. Schöner Artikel- Wie immer!
    Für mich interessant als Vikes-Fan: Sowohl das Team (Top-10 OFF, Top 5 DEF) als auch Cousins (TOP 10 in beiden) mit ansehnlichen Statistiken. Erklärt sich das durch die 3 Siege gegen „Kanonenfutter“?
    Weil die für mich relevanten Spiele gg Greenbay und Chicago sahen nicht mal im Ansatz nach guter Offense aus.

  5. Wie sehr beeinflusst das Spiel gegen die Pats das Offensive-Rating der Bills? Wären sie ohne das Spiel wieder irgendwo im Mittelmaß?

  6. Warum haben die 49ers so viel Erfolg im Laufspiel und wie sehen da die EPA aus?
    Das wiederspricht doch der Aussage, dass die NFL eine Passing League ist.

  7. also wenn ich das richtig deute dann leben die 49ers von frühen Führungen und „zwingen“ die Gegner somit dazu, früh aggressiver zu werden, was wiederum dem diese Saison bis dato ausgezeichneten Pass Rush entgegenkommt. Ergebnis: bessere Feldposition. 49ers erkennen auch die sich auftuenden Lücken in der DL so dass sie ihr Laufspiel erfolgreich umsetzen. Und, war ja schon angesprochen: Regression zur Mitte bei Interceptions. Wobei die echten Härtetests noch folgen. Bin gespannt was passiert, wenn die Niners einen Rückstand aufholen müssen. Da wird sich zeigen wie es um das Passing Game bestellt ist.

  8. @BarrTender
    RE:Vikings

    Minnesotas Offensiv-EPA Week-by-Week:

    Sehr wechelhaft Woche für Woche und man könnte auf die Idee kommen, dass es mit der Qualität des Gegners zu tun hat.

  9. @peregrine
    RE: Bills

    Bills ohne das Patriots-Spiel: -0.02 EPA/Play

    Die Offense wäre also tatsächlich relativ viel näher am NFL-Durchschnitt.

  10. @Klappflügel:

    49ers Pass EPA/Play = 0.27 (#3 NFL)
    49ers Run EPA/Play = -0.02 (#11 NFL)

    Fazit: Die Passing-Offense ist bislang extrem effizient. Das liegt natürlich auch daran, dass man relativ risikolos spielen kann.

    Das Laufspiel ist besser als Liga-Durchschnitt (der liegt momentan bei -0.07 EPA/Run), aber wesentlich ineffizienter als das Passspiel.

    Laufspiel ist nicht das, was San Franciscos Offense effizient macht! Man konnte bis jetzt aber viel laufen, weil man meistens schnell führte.

  11. Die Falcons haben 2016 wirklich den besten OC der Liga rausgeschmissen und Dan Quinn behalten, der immer noch Mist ist. Völlig überraschend das Kyle Shanahan auch woanders Erfolg hat.

  12. Shanahan wurde nicht gefeuert sondern hatte den 49ers HC Job vor SB 51 sicher. Wenn ich mich richtig erinnere wurde der DC gefeuert

  13. Der DC war aber 2016 ab Saisonmitte sowieso nur noch pro forma im Team gewesen. Dan Quinn hatte zur Saisonmitte das Play-Calling übernommen – und direkt im Anschluss kam die Defense plötzlich groß auf und spielte in den Playoffs mächtig auf.

    Das spielte damals eine Rolle, warum viele Quinn vielleicht mehr Credit gaben als er letztlich am ganzen Superbowl-Run hatte.

  14. Ja, nachvollziehbar.
    Wäre schön wenn das klappt. Ich habe die letzten Jahre immer auf deine Mittwochs-Rankings gewartet. 😅

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