Samstagsvorschauer am 19.10.2019 – Rugby und College Football

Guten Morgen. Die gestrige Magnetresonanz hat keine schwerere Verletzung bei Chiefs-QB Patrick Mahomes zutage gebracht. Mahomes soll idealerweise noch vor Woche 12 wieder einsetzbar sein. Der Untergang der Welt ist damit abgewendet und wir können uns den sportlichen Dingen des heutigen Tages zuwenden.

Rugby WM: Viertelfinale

Die Rugby-WM geht heute mit dem Viertelfinale so richtig los. Eine ausführlichere Vorschau gibt es bei Total-Rugby. Ich verweise einfach mal auf deren Preview, die ganz gut als Einstiegsdroge taugen. In short…

Sa 19.10. 9h15 England – Australien: Rugby als Brexit-Ablenkung für die Engländer am heutigen „entscheidenden“ Vormittag. Die Partie geht in ein paar Minuten los, also nur ganz kurz: England ist favorisiert. Es hat die vielleicht überzeugendste Vorrunde aller Teams gespielt. Es gibt kaum Ausfälle. In Puncto Physis und taktischer Einstellung dürften die Engländer den Wallabies heute überlegen sein – aber die sind gegen die Pomms immer besonders motiviert.

Sa 19.10. 12h15 Neuseeland – Irland: Irland schlug letztes Jahr die All Blacks in einem Testspiel 16:9, was für grenzenlose Euphorie um die grünen Jungs führte. Aber die ließen ein verkorkstes 2019 folgen. Schon die Six Nations wurden in die Binsen gesetzt, und die Vorbereitung auf die WM war nicht gut. Die letzten Illusionen hat dann die Vorrundenpleite gegen ein dominierendes Japan genommen.

Neuseeland ist die Großmacht im Welt-Rugby. Die All-Blacks haben die letzten beiden Weltmeisterschaften gewonnen. Sie sind schnell und physisch – sie kommen dem „perfekten Rugby“ am nächsten.

Irland ist noch nie über ein WM-Viertelfinale hinausgekommen, doch auch die All-Blacks hatten vor den beiden letzten Weltmeisterschaften eine Reputation als ewige „Choker“. Es wäre nicht das erste Mal, dass Neuseeland ein frühes Ei legt – mein erstes Rugby-Spiel überhaupt war 2007 ein WM-Viertelfinale Neuseeland vs. Frankreich, als eine von allen als ultradominant bezeichnete neuseeländische Mannschaft sensationell gegen eine als zerstritten geltende französische Mannschaft rausflog.

Irlands größte Hoffnung auf einen Sieg ruht auf den Schultern (und im Fuß) von Fly-Half Johnny Sexton. Der war in der Vorrunde nicht fit. Jetzt ist er wieder voll einsatzfähig – wie auch der gesamte Kader so fit ist wie lange nicht. Neuseeland gilt als klarer Favorit, aber mit einer (nicht ausgeschlossenen!) perfekten Vorstellung der irischen Schaltzentrale um Sexton und Conor Murray ist ein Upset denkbar.

So 20.10. 9h15 Wales – Frankreich: Für viele das knappste aller Viertelfinals. Wales hat in der Vorrunde Australien geschlagen und kann auf die Unterstützung von Zehntausenden Fans bauen. Doch niemand macht mehr den Fehler, Frankreich zu unterschätzten, und das, obwohl es im Lager der Bleus mal wieder Krach zu geben scheint.

In der Vorrunde hatte man einen überzeugenden Auftritt gegen Argentinien und einen Wackel-Sieg über Tonga (das England-Spiel fiel einem Taifun zum Opfer). Es wäre nicht das erste Mal, dass die Bleus plötzlich mitten im Turnier explodieren – Potenzial wurde angedeutet, wenn auch noch nie über 80 Minuten abgerufen.

So 20.10. 12h15 Japan – Südafrika: Vor vier Jahren sorgte Japan mit einem 34:32 Sieg über Südafrika für eine faustdicke Überraschung bei der WM. Zur laufenden Ausgabe machte Japan den nächsten Schritt: Man dominierte in der Vorrunde in einem physischen Spiel die überlegen eingeschätzten Iren und putzte sie verdient 19:12 weg.

Die Japaner spielen geiles Rugby: Schnell, schnörkellos, mit viel Herz. Es wird nicht lange gefackelt und angepeitscht vom fanatischen Publikum geht es stets nach vorn. Doch die Befürchtung ist, dass die Japaner den körperlich überlegenen Hünen im Sturm der Springboks nicht gewachsen sind. So gehen die Japaner trotz aller Euphorie und trotz Heimvorteil als krasser Außenseiter in die Partie.

Zum College Football von heute

Vorab der Hinweis auf die Previews der Kollegen:

Sie haben die Partien des heutigen Tages wesentlich genauer unter die Lupe genommen. Es gibt heute nur ein richtiges Spitzenspiel. Es kommt aus der Big Ten Conference:

  • #7 Penn State Nittany Lions vs. #16 Michigan Wolverines (02h / ESPN)

Penn State ist mit 6-0 Bilanz noch ungeschlagen, während die Michigan Wolverines mit ihrer 5-1 Bilanz noch irgendwo am Eck der Big-Ten herumlungern, aber nicht mehr richtig ernst genommen werden, weil sie zu viele Offensiv-Probleme haben. Schauen wir uns die Kräfteverhältnisse vor dieser Partie an, so ist es nicht schwierig, die Schwachstelle ausfindig zu machen:

  • Penn State ist #6 in SP+ (#10 Offense, #10 Defense)
  • Michigan ist #13 in SP+ (#53 Offense, #3 Defense)

Michigans Offense gilt seit Jahren als Sorgenkind und brachte Headcoach Jim Harbaugh schon in den letzten 1-2 Jahren mehrfach in Erklärungsnot. So tauschte Harbaugh vor Start der Saison dann auch seinen Offensive Coordinator aus um einen neuen Reizpunkt zu setzen. Die Wahl fiel auf den Alabama-Assistenten Josh Gattis. Dessen Mission: Die Offense zu modernisieren, mit RPO- und Spread-Konzepten.

Gattis versprühte zu Beginn seiner Anstellung so viel Optimismus, dass er auch faule Äpfel als genießbare Angelegenheit verkauft hätte, aber die Ernüchterung kam schnell. Das Laufspiel schmierte komplett ab und ist eines der ineffizientesten im Lande – und weil QB Shea Patterson dann auch nicht der kompetenteste Werfer unter der Sonne ist, bricht immer wieder das Timing, wenn die Offense Line nicht lange genug hält – und die Offense verliert jeglichen Rhythmus.

Und just das dürfte bei Penn State zu einem massiven Knackpunkt werden, denn die Nittany Lions haben heuer schon den einen oder anderen Defense-Kracher durchgestanden. Auffällig ist die monströse Defensive Line mit NFL-würdigen Talenten wie DT Robert Windsor oder den DEs Yetur Gross-Matos oder Shaka Toney – aber selbst wenn die O-Line dieses Trio in Schach hält, ist kein Erfolg garantiert, denn die dahinter walzenden Linebackers Parsons / Brown sind ebenso physisch wie schnell.

Michigan-Laufspiel wird also eher schwierig, und wenn dieses Quintett auch im Pass-Rush das bietet, was es heuer schon des Öfteren gezeigt hat, kannste davon ausgehen, dass Patterson und Co. ohne Turnover-Glück und kurze Feldpositionen nicht mehr als vielleicht 14 oder 17 Punkte machen.

Eine solche Performance wäre schon die halbe Miete zum Heimsieg für Penn State, denn obwohl die Michigan-Defense von DefCoord Don Brown weiterhin zu den besten im Lande gehört (den Aussetzer gegen Wisconsin wollen wir nicht unterschlagen, aber sowas passiert, wenn die eigene Offense einen totalen Aussetzer hat), dürfte Penn States Offense genug Waffen haben um das zu überbieten.

Die Lions-Offense habe ich heuer zweimal gesehen. Auffällig dabei:

  • Gelaufen wird viel aus Spread-Formationen, hinein in seichte Boxes. Ein richtigen Star-Runningback gibt es nicht, aber den braucht es auch nicht: O-Line ist gut genug, und den Rest macht der niedrige „Box-Count“ der Defense.
  • QB Sean Clifford ist vielleicht kein NFL-Prototyp, aber er ist mobil und bietet als Runner wie Passer hohe Success-Rate. Das zieht jeder Defense irgendwann den Zahn.
  • Cliffords bevorzugte Waffe ist Slot-WR K.J. Hamler, der immer wieder kurze Anspiele zu langen Yards-after-Catch Tänzen verwertet.

Hamler aus dem Spiel zu nehmen dürfte der Fokus der Michigan-Defense sein. In CB Khaleke Hudson gibt es einen entsprechenden Manndecker. Ist Hamler als schnelle Notnagel-Option erstmal ausgeschaltet, kann Brown die volle Power seiner Defense entfalten, die schnellen Linebacker/Safety-Hybrids auf die Attacke loslassen.

Durchaus denkbar, dass die Michigan-Defense den Shutdown der Offense hinkriegt. Es wäre nicht das erste Mal. Ob eine fulminante Abwehr-Leistung zum Sieg reicht? Möglich, aber nicht wahrscheinlich. Michigans Offense wird ohne Turnover vermutlich nicht genügend Punkte machen um mit Penn State mitzugehen.

Sehenswert ist das Spiel allemal. Es geht für Michigan mutmaßlich schon ums Eingemachte – mit einer weiteren Niederlage kann man sich einen Divisionsgewinn bereits jetzt abschminken. Und wenn dich das Spiel nicht so anmacht, kannste dir immer noch die Atmosphäre im Stadion geben: Nachtspiel im Beaver Stadium ist immer etwas ganz Besonderes. Hunderttausend Leute in weißen T-Shirts unter Flutlicht – da kannst du schonmal die Gänsehaut kriegen.

Frühschicht um 18h

Louisville – #3 Clemson
#5 Oklahoma – West Virginia
Illinois – #6 Wisconsin
South Carolina – #9 Florida
Arkansas – #11 Auburn
#23 Iowa – Purdue

Für Clemson ist auch ein verbessertes Louisville Pflichtprogramm – jede Niederlage würde die Playoffambitionen der bislang offensiv so mauen Tigers zerschießen. Oklahoma gegen WVU klingt wie eintausend Yards und 55-30 Punkte. Wisconsin ist ebenso Pflichtsieg.

Die beiden SEC-Verfolger Florida und Auburn haben Auswärtsspiele, die sie eigentlich gewinnen müssen. Die Gators spielen bei South Carolina, die letzte Woche die Mega-Sensation bei Georgia geschafft haben – aber mit wie viel Glück! Das gelingt denen kein zweites Mal. Auburn halten viele für ein gefährliches Dark-Horse, aber die Tigers haben mit bereits 2 Saisonpleiten wohl nur noch die Funktion eines gefährlichen Stolpersteins für einen der Top-Contender wie Bama und LSU.

Spätschicht ab 21h30

21h30: Mississippi State – #2 LSU (CBS)
#25 Washington – #12 Oregon (ABC)
#19 SMU – Temple (ESPN)
Rutgers – #20 Minnesota (BTN)
#21 Cincinnati – Tulsa (ESPNU)
#24 Appalachian State – ULM (ESPN+)
22h: Oklahoma State – #18 Baylor (FOX)
22h: Vanderbilt – Mizzou (SEC)

LSU ist letzte Woche nach dem überzeugenden Sieg über Florida auf #2 hochgeschossen – zu Recht! Was Joe Burrow spielt, ist Heisman-würdig. Auf diese Offensiv-Explosion bei LSU gibt es zwei Sichten:

  1. Geil, dass sie endlich aufgewacht sind und ihre phänomenalen Skill-Player von der Leine lassen.
  2. Hass darauf, dass LSU in der Les-Miles Ära so lange „Uralt-School“ tickte und mit dem ideenlosen ground & pound u.a. die Blütezeiten von Talenten wie Jarvis Landry oder Odell Beckham verpennte.

Mississippi State sollte der Offensivgewalt von LSU nicht viel entgegenzusetzen haben. Die Defense galt im Sommer als potenziell Top-10 Unit, doch jetzt wird immer offensichtlicher, dass die Bulldogs ein Übergangsjahr spielen.

Das andere Spiel mit zwei gerankten Teams ist #25 Washington vs. #12 Oregon. Pac-12 Football! Und damit nie berechenbar. Washingtons Saison ist nach zwei frühen Pleiten diese Saison schon den Bach drunten. Oregon hat sich nach der bitteren Auftaktniederlage gegen Auburn berappelt und ist im Prinzip die letzte Außenseiterchance der Pac-12 für eine Playoff-Qualifikation durch die Hintertür (sprich: „oben“ fallen die Upsets wie die Fliegen und nehmen sich die Granden gegenseitig die Siege weg).

Oregon spielt eine ungewöhnliche Saison. Die Offense strauchelt, weil sich der vermeintliche 1st-Round QB-Prospect Justin Herbert nicht wirklich weiterentwickelt. Dafür plättet die Defense alles, was man ihr in den Weg legt. Sie ist bis jetzt total dominant und in Advanced-Metrics wie SP+ an #2 gerankt.

Nach Mitternacht…

24h: #10 Georgia – Kentucky (ESPN)
24h: #13 Utah – #17 Arizona State (PAC12)
1h: #15 Texas – Kansas (Longhorns)
02h: #7 Penn State – #16 Michigan (ABC)
03h: #1 Alabama – Tennessee (ESPN)
04h15: BYU – #14 Boise State (ESPN2)

Neben oben beschriebenen Big-Ten Topspiel im Beaver Stadium: Wundenlecken für Georgia. Pflichtsiege für Alabama und Texas, und ein weiteres dieser Random-Pac-12-South Duelle, die bei der Auswürfelung der Pac-12 Finalteilnehmer relevant sein könnten. Konjunktiv mit Absicht gesetzt.

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