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NFL Power Ranking 2019 – Woche 7

Nächster Schritt beim NFL Power-Ranking 2019/20.

Erinnern wir uns an eine der Erkenntnisse des letzten Jahren im Analytics-Feld: Wir haben nach 7-8 Wochen bereits eine hervorragende Vorstellung von Offenses, wie dieser All-Timer von @PFF_Moo zeigt:

Defense bleibt als der unwichtigere Teil einer Footballmannschaft eher unstabil. Also: Mach dir keine Illusionen mehr – die Teams, die jetzt gute Offense haben, sind vermutlich wirklich gut!

Zum Power-Ranking selbst

Ich habe nach wie vor Zweifel an den von NFLscrapR gelieferten Daten und habe mich nun zu einem leichten „Re-Class“ entschieden.

Ich gebe zu, die Daten weichen von anderen auf Twitter publizierten Werten von smarteren Leuten wie mir (Ben Baldwin und Co.) ab, doch ich habe mir die EPA-Werte en detail angeschaut und komme immer stärker zum Schluss, dass ich ihre Werte nicht replizieren kann. Baldwin z.B. hat eine Beschreibung abgegeben wie er seine Daten klassifiziert. Trotzdem stimmen wir nicht überein.

Ein Beispiel: Für das Giants-Cardinals Spiel am Montag weißt Baldwin in 50 Pass-Snaps -0.20 EPA/Play für die Giants-Passing Offense aus. Das wären in totalem -10 EPA. Ich finde die 50 Plays, doch sie haben in Summe nur -5 EPA, also -0.10 EPA/Play. Für EPA gibt es natürlich viele verschiedene Auslegungen. Doch theoretisch nutzen wir mit NFLscrapR in diesem Fall die exakt gleiche Datenquelle. Mir ist nicht klar, auf welcher Basis sein Resultat errechnet wird.

Ich habe nun zugeordnet:

  • Passspiel / Dropbacks: Alle Plays, deren Beschreibung „pass“, „scramble“ oder „sacked“ enthalten (ohne Freak-Plays wie abgelehnte Strafen bei „pass formation“)
  • Laufspiel: Alle Plays, deren Beschreibung „left end“, „left tackle“, „left guard“, „up the middle“, „right guard“, „right tackle“ oder „right end“
  • Other Offensive Yards: Alle Fumble-Plays, die nicht anderweitig zugewiesen sind („aborted“)
  • Offensive Penaltys: Alle sonstigen akzeptierten Penaltys der Offense, die weder dem Pass-Spiel noch dem Laufspiel zuzuordnen sind, z.B. False-Starts, Delay of Games usw.
  • Defensive-Penaltys: Alle sonstigen akzeptierten Penaltys der Defense, die weder dem Pass-Spiel noch dem Laufspiel zuzuordnen sind, z.B. Offsides ohne Kennzeichen von Run/Pass Plays, usw.

Gerade Strafen sind schwierig zu greifen, weil aus dem Play-by-Play nicht immer ganz klar ist, ob sie den effektiven Spielzug ersetzen oder ob sie oben drauf gegeben wurden (z.B. ein Roughing-the-Passer könnte obendrauf gegeben werden).

Weil ich False-Starts nur von der Offense abziehe, nicht aber der Defense zuschreibe (ähnliches bei anderen nicht einem Lauf oder Pass zuweisbaren Penaltys), kann es sein, dass Offense/Defense in diesem Power-Ranking kein Nullsummenspiel ist.

Letztlich bewegen wir uns in einem Bereich in der zweiten Nachkommastelle. Es geht mir bei diesen Spielchen um Datensicherheit, nicht um absolute Genauigkeit. Ich bin im Herzen Controller. Ich muss keine 100%ige Genauigkeit liefern, aber ich muss meine Daten erklären können und mit vertretbarem Aufwand ein so präzise als mögliches Resultat liefern. Oder wie ein Kumpel von mir immer sagt: Doing is better than perfect.

Wenn ich mehr als 0.1 EPA/Play von Resultaten wie jenen Baldwins abweiche, sehe ich mich genötigt, die Diskrepanz zu erklären. Vielleicht hat jemand eine Idee, woran es sonst liegen könnte. Auf Nachfragen habe ich bislang keine Ideen oder Anregungen dazu bekommen.

Die Nummer 1

New England thront über allen an #1. Die Patriots sind 7-0 gestartet, und es ist ein verdienter 7-0 Start. Man kann natürlich mit der Qualität der Gegner argumentieren, doch eines der Merkmale von dominanten Teams ist es, inferiore Konkurrenz abzuschießen. Und die Patriots haben sie alle abgeschossen:

Steelers 33-3
@Dolphins 43-0
Jets 30-14
(null Punkte der Jets-Offense)
@Bills 16-10

Redskins 33-7
Giants 35-14
(ein Defense-TD der Giants)
@Jets 33-0

Sie gewinnen im Schnitt mit 25 Punkten Differenz! Die Patriots-Defense hat in dieser Saison am Feld 18 Punkte mit Return-TDs gescort und nur deren 27 (inkl. Extrapunkte) zugelassen. Auch wenn ihre INT% nicht zu halten ist und auch wenn es mit ein paar ernst zu nehmenderen Gegnern in der zweiten Saisonhälfte unweigerlich Regression geben wird, sind die Vorstellungen der Pats-Verteidigung sensationell.

Aus einer anderen Perspektive geschaut: Bisherige Offenses gegen die Pats – und gegen alle anderen Gegner:

OFF vs NE non NE

Die Patriots-Offense ist noch nicht perfekt geölt, doch a) hat sie Verletzungsprobleme, b) ist sie mit vielen Führungen im Rücken relativ lauflastig, was effizienz-mindernd ist und c) beschleicht mich in den Momenten, in denen es gehen muss, immer wieder das Gefühl, dass sie problemlos einen Gang höher schalten könnten.

Surprise!

Schauen wir auf dieses Tableau, so sehen wir einige vielleicht überraschende Platzierungen:

Vikings auf #4: Nicht bloß fährt Minnesota bis jetzt die 6t-beste Defense auf. Vor allem haben die Vikes die 5t-beste Offense der NFL. Wer hätte das gedacht? Wer hätte gedacht, dass Kirk Cousins ein „borderline MVP-Kandidat“ sein könnte? Schauen wir kurz auf die einzelnen Facetten der Vikings-Offense:

Dropbacks/Passing = 0.32 EPA/Play, 7.6 NY/DB, 51% SR
Rushing = -0.01 EPA/Run, 5.4 YPC, 36% R

Vikings laufen in 1st Downs in der ersten Halbzeit in 54% der Fälle. Damit sind sie das 12t-lauflastigste Team der NFL in diesen Situationen.

Nach Early-Down Passing in spiel-neutralen Situationen (zwischen 20% und 80% Siegwahrscheinlichkeit) haben sie nur 51% Passquote. Das ist nur die 26t-höchste Passquote. Dass Cousins also so famose EPA-Werte einfährt ohne in den günstigsten Momenten überhaupt werfen zu dürfen, kann man als Plus werten. Aber am wichtigsten ist die hohe Play-Action Quote der Vikes: 36% Play-Action Quote, nur Indy hat gleich viel.

Cousins mit Play-Action: 11.1 Yards/Pass (ohne Sacks)
Cousins ohne Play-Action: 7.8 Yards/Pass


Dallas auf #4: Mit der #1 Offense. Noch suspekter ist mir das #11 Ranking der Defense.

New Orleans nur auf #8. Trotz 6-1 Bilanz und 5-0 Record für Teddy Bridgewater. Doch die Offense der Saints ist ohne Brees längst nicht so dominant. Die Saints brauchen Brees zurück, andernfalls wird das in der NFC nix!

Seattle trotz 5-2 Bilanz nur an #13: Defense ist nur die #17 im Ranking, und die Offense bringt trotz Russell Wilson nur 0.01 EPA/Play auf das Parkett! So geht es dir, wenn du mit diesem Run/Pass Split…

…EPA/Dropback: 0.22
…EPA/Run: -0.28

…nur in 59% der Fälle Passspiel ansagst. Nur acht Teams haben weniger.

Hier das Ranking:

NFL Power Ranking 2019 - Woche 7

NB: LW ist das Ranking letzte Woche. WP% ist die erwartete Sieg-Wahrscheinlichkeit gegen ein durchschnittliches Team auf neutralem Platz. Wins ist WP% x 16. OFF und DEF sind das Ranking der Teams in Offense und Defense (inklusive zuweisbare Penaltys). Hinten habe ich den Schedule drangehängt: Der bisher gespielte (past), und der zukünftige (future). Dabei gibt es keine Unterscheidung zwischen Heim- und Auswärtsspiel.

Können wir damit Spiele prognostizieren?

Ich habe mal ein wenig in den Rückspiegel geschaut: Wie gut hätte das Power-Ranking in den letzten Wochen die Resultate prognostiziert? Letzte Woche gewannen interessanterweise alle 14 Favoriten nach den Metriken dieses Power-Rankings ihre Spiele – in der Woche vor Veröffentlichung wäre das Ranking 9-5 gewesen.

Hier also mal ein schneller Blick auf die Wahrscheinlichkeiten für nächste Woche. Phillys „Favoritenstellung“ in Buffalo gehört zu den knappsten überhaupt.

NFL Wahrscheinlichkeiten 2019 - Woche 8.png

Noch nicht umgesetzt sind die Reports, die letzte Woche angefragt wurden. Für weitere Fragen und Anregungen bin ich offen. Gerne her damit!

5 Kommentare zu “NFL Power Ranking 2019 – Woche 7

  1. Wir hatten glaub ich vor ein paar Jahren schonmal diskutiert (bin mir nicht sicher):
    Aber gewichtest du die letzten Spiele höher als die ersten?

  2. Ich finde dein Power Ranking sehr, sehr geil. Verdammt viel und verdammt interessante Informationen auf einen Blick. Und teils überraschende, aber dennoch plausible und nachvollziehbare Einstufungen.

    Eine Anregung: Die beiden Spalten WP% und Wins sind ein bisschen redundant. Hast du mal drüber nachgedacht, statt der Wins z. B. die tatsächliche Prognose für die laufende Saison zu ergänzen (also aktueller Rekord + exp. Wins gegen remaining Schedule)?

    …und eine Anmerkung, zum Tweet bzw. zur Analyse von Moo: Es ist zwar eindeutig richtig, dass die Offense-Performance deutlich robuster zu prognostizieren ist als die der Defense, aber auch die R-Squares der Offense sind absolut gesehen eher bescheiden.

  3. @Josef:

    RE: Exp*16
    Danke, die Anregung hatte ich schon letzte Woche bekommen. Man könnte evtl. eine „Prognostizierte W/L-Bilanz“ auf Basis des bisherigen Records + verbleibende Spiele einführen.

    RE: R^2
    Für Footballstatistiken, die traditionell wegen ihrer geringen Sample-Size sehr volatil sind, ist ein R^2 = 0.35 schon sehr eindrucksvoll.

    Prediction von Weekly-Performance ist z.B. laut einer sehr ähnlich angelegten Studie von Josh Hermsmeyer R^2 = um die 0.10. Auch das klingt erstmal nach wenig, ist aber durchaus für ein einziges Spiel signifikant.

  4. Pingback: Montagsvorschauer – Woche 8: Pittsburgh Steelers vs. Miami Dolphins | Sideline Reporter - Eier, wir brauchen Eier!

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