Date am Donnerstag – Woche 9

Trick or Treat?

Ich würde die heutige Ansetzung des Thursday Night Game eher in der Kategorie „Treat“ verordnen, denn Arizona Cardinals (3-4-1) vs. San Francisco 49ers (7-0) mag zwar im Ergebnis am Ende eine eindeutige Sache sein – doch von der ganzen Herangehensweise sind das zwei der attraktiveren Teams in der NFL. Wie auch anders, wenn die Coaches Kliff Kingsbury (Cardinals) und Kyle Shanahan (49ers) heißen?

Halbzeitbericht: San Francisco 49ers (7-0)

Die 49ers sind vielleicht die größte Überraschung der Saison – und das sogar auf die überraschende Art und Weise! In meiner Preseason-Preview schrieb ich über San Francisco:

Doch es gibt zwei wesentliche Fragezeichen, die das Potenzial der 49ers im Playoff-Rennen deckeln:

  1. In der Secondary wurde so gut wie nichts getan – CB Verrettkam aus Los Angeles und er ist einer der besten seines Fachs wenn fit. Aber Verrett ist mit 3 Einsätzen in den letzten 3 Jahren nie fit! Neuzugänge ansonsten für die Secondary, die nur 2 Turnovers erzwang und die schlechteste Coverage-Grade von PFF bekam: Fehlanzeige.
  2. QB Garroppoloist mit nur 10 Starter-Einsätzen mehr Unbekannte als den 49ers lieb sein sollte. Was, wenn er doch nicht so gut ist wie alle meinen?

Klare Verbesserung von 4-12 ist also fast sicher. Doch reicht das mit zwei so massiven Fragezeichen auf zwei so wichtigen Positionen am Ende für ganz oben? Ein Play-off Run der 49ers würde nicht erstaunen. Doch es gibt bessere Kandidaten in der NFC, sich die letzte Wildcard zu holen.

Zur Saisonhalbzeit können wir konstatieren: Die Zweifel an der Offense, v.a. QB Jimmy Garroppolo waren berechtigt. Doch die Defense spielt auf verblüffendem Niveau. Es ist eine Abwehr, die im Prinzip mit nur zwei wesentlichen Neuzugängen operiert: Dem Pass-Rush Duo Nick Bosa / Dee Ford. Vor allem der Rookie Bosa ist sensationell – seine 3-Sack / 1 INT Performance letzte Woche gegen Carolina zementierte seine Favoritenstellen im Rennen auf den Defense-Rookie des Jahres Preis. Vielleicht meldete sie sogar Ansprüche auf den Defensive-MVP der NFL an.

Aus heiterem Himmel kommt aber auch die Performance der Secondary. Dass sie mehr als die zwei INTs aus der letzten Saison fangen würde, war klar, aber die 2018 an #32 der Coverage-Units gerankte 49ers-Passverteidigung ist zur Halbzeit der Saison 2019 an #2 gerankt! Es ist schon unfassbar, aber ich sehe im PFF-Coverage Ranking der Cornerbacks gleich vier Niners-DBs in den Top-15:

#5 CB K’Waun Williams
#6 CB Richard Sherman
#10 CB Emmanuel Moseley
#12 CB Akhello Witherspoon

Es wäre auch nicht, dass diese Jungs zu wenige Snaps gespielt hätten und nur dank limitierter Sample-Size so hoch eingestuft sind: Der vor einem Jahr noch so desaströse Witherspoon hat mit 180 Snaps die wenigsten von ihnen! Hier wird also munter durchrotiert – und alle Cornerbacks funktionieren.

Kurzum: DefCoord Robert Saleh hat Erstaunliches mit dieser Unit gemacht. Richtig grandiose Offenses hat diese Defense noch nicht gesehen, aber um ernst genommen zu werden reicht es erstmal aus, die mittelklassigen Gegner komplett zu dominieren. Das hat diese Unit getan. Jetzt kommt die Herausforderung Arizona.

Halbzeitbericht: Arizona Cardinals (3-4-1)

Die Cardinals sind nach acht Spielen ziemlich genau das, was man sich vor der Saison ausgemalt hatte: Eine aufregende, unkonventionelle Mannschaft, die Gegner mit ihren vielen 10-Personnel und 11-Personnel Aufstellungen vor schematisch ganz neue Herausforderungen stellt, aber Spieler für Spieler nicht den notwendigen Level an Talent aufs Feld schickt um schon jetzt wirklich eine permanente Bedrohung für das Establishment zu sein.

Kingsbury ist dabei durchaus aggressiv / lernfähig und nicht allein passlastig. Ich hatte schon im Sommer darüber geschrieben, dass ich von den Cards nicht zwingend die passgewaltigste Offense der NFL erwarte – zu vielversprechend ist das Laufspiel, wenn es in eine Defense mit fünf, sechs Leuten hineinlaufen darf. Arizona wirft in 65% der Fälle. Das ist #7 der NFL. In Early-Downs in game neutral situations ist man mit unter 60% Pass-Rate nur im Liga-Mittelfeld.

Dabei könnte man dem QB-Grünschnabel Kyler Murray schön langsam immer mehr Verantwortung aufbürden: Murray wirkt in den letzten Wochen immer souveräner, immer mehr „angekommen“ in der NFL. Keine flüchtigen Füße mehr in der Pocket, wenn Pass-Rush zu früh herannaht.

Murray ist ein gleichwohl mutiger Passer, wie er auch die gefährlichen Dinger vermeidet. Cardinals-Offense gehört jede Woche zu meinem All-22 Standardrepertoire, und Murray wirft nur wenige haarsträubende, abfang-gefährdete Pässe. Zu seinen Schwächen gehört noch das manchmal zu optimistische Hinauszögern von Spielzügen im Bestreben, ein Big-Play zu erzielen (Resultat dabei: Sacks), doch gleichzeitig ist Murrays Improvisationstalent bei solchen Plays immer wieder offensichtlich.

Passabel funktioniert auch das Cards-Laufspiel, das beginnend aus Spread-Formationen häufig in seichte Boxes hineinläuft und relativ hohe Success-Rate und EPA/Play (-0.04 EPA/Run ist #8 der NFL) auffährt.

So ganz überzeugt scheint das Front-Office aber dennoch noch nicht vom Scheme allein zu sein – weil die beiden Stamm-Runningbacks David Johnson & Chase Edmonds verletzt sind, gab GM Steve Keim unter der Woche einen Mid-Round Draftpick auf um RB Kenyan Drake aus Miami zu holen. Ein bizarrer Move: Im Prinzip kannst du jeden Athleten mit halbwegs passablem Antritt dort hinten reinstellen – er wird dir gegen entblößte Defense einiges reißen.

Und heute Nacht?

Die große Frage gegen San Francisco heute ist für Arizona aber, ob man überhaupt viel zum Laufen kommt, denn gegen die 49ers droht baldiger Rückstand und die Notwendigkeit, „von hinten“ zu spielen. Das bedeutet viel Passspiel – und dort dürfte man gegen den bislang mächtigsten Gegner wackelig aufgestellt sein.

Denn nicht nur sehen die Offensive Tackles gegen Bosa/Ford überfordert aus – auch die eingangs beschriebene Deckung dürfte in der Form der bisherigen Saison einen Tick zu mächtig sein um die vielen Jungspunde aus Arizona wirklich zur Entfaltung kommen lassen.

Auf der anderen Seite des Matchups ist Arizonas Defense in fast allen Aspekten außer Pass-Rush nahe des NFL-Bodensatzes klassiert – und just den Pass-Rush neutralisiert die Shanahan-Offense so gut wie kaum eine andere: Hohe Play-Action Rate, und ohne Play-Action ein sehr quickes Passspiel, in dem QB Garroppolo den Ball innerhalb Sekundenbruchteilen los wird.

Das lässt den Pass-Rush ins Leere laufen und macht Druck auf die Deckung – ein CB Patrick Peterson allein als Unterstützung für den Jungspund CB Byron Murphy wird nicht reichen um die zahlreichen Receiving-Optionen der 49ers auszuschalten. Die beste Hoffnung für Arizona ist ein negativer Abend für QB Garroppolo, der nicht immer einen sattelfesten Anführer gibt.

Donnerstagsspiele tendieren dazu, die Heimmannschaft stärker zu favorisieren als Sonntagsspiele. Doch in dieser Partie sehe ich für Arizona nur dann eine Chance, wenn San Francisco wirklich einen kompletten Stinker hinlegt – nach den bisherigen Vorstellungen ist das eher unwahrscheinlich.

2 Kommentare zu “Date am Donnerstag – Woche 9

  1. Pingback: Montagsvorschauer, Woche 10: Spitzenspielalarm bei San Francisco – Seattle | Sideline Reporter - Eier, wir brauchen Eier!

  2. Pingback: Sonntagsvorschauer mit Nebengeräuschen – Woche 11 | Sideline Reporter - Eier, wir brauchen Eier!

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