Akademische Viertelstunde – College Football 2019 nach Woche 9

Ich habe heute Vormittag schon recht detailliert auf das Playoff-Rennen im College Football geschaut. Hier noch ein kurzer Rückblick auf die letzte Woche – Fazit: Die College-Footballsaison 2019/20 nimmt Fahrt auf!

Upset Special: K-State vs. Oklahoma

Mit den #5 Oklahoma Sooners ist zum dritten Mal en suite ein ungeschlagenes Top-10 Team gestolpert: Die Sooners verloren überraschend mit 41-48 bei den Kansas State Wildcats, die schön langsam zu einem Außenseitertipp in der Big-12 Conference mutieren.

Es war eine bizarre Partie: Oklahoma legte eigentlich gut los, führte auch zwischen durch 20-14, aber K-State rollte mit Turnovers drüber und legte einen sensationellen 34-3 Zwischensprint ein.

13 Minuten vor Schluss führte K-State sensationell 48-23, doch dann legten QB Jalen Hurts und seine Offense einen monströsen Comeback-Versuch hin. WR CeeDee Lamb trug direkt im ersten Spielzug des Aufholversuchs einen kurzen Screenpass „in traffic“ über 70 Yards zum TD, und Oklahoma kam 109 Sekunden vor Schluss per Fieldgoal auf 41-48 heran.

Onside Kick – recovert von Oklahoma! Doch der Review zeigte leichte Ballberührung eines Sooners bevor der Ball die imaginäre 10-Yards Line downfield überkullert hatte – also Ballbesitz K-State, und Game Over.

Die Pleite ist für die Sooners schon sehr bitter: Natürlich schossen im Nachgang zahlreiche Bekundungen durchs Netz von wegen „eine Niederlage ist noch kein Beinbruch“: 12-1 Bilanz und Gewinn der Big 12 Conference könnten unter Umständen noch immer reichen um sich für die Playoffs zu qualifizieren, gerade weil sich die SEC-Granden LSU/Alabama und die Big-Ten Granden Penn State/Ohio State noch gegenseitig die Siege wegnehmen.

Doch die nackten Zahlen bestätigen: Oklahomas Playoffchancen sind mit der Pleite auf mickrige 10% heruntergerauscht. Das ist mehr ein sehr deutlicher Dämpfer.

Ohio State (85% Playoffchance) sieht brutal mächtig aus – es ist momentan das wohl beste Team im Lande. Clemson (79% Playoffchance) ist noch ungeschlagen, hat einen einfachen Restspielplan vor sich und hat dem Nimbus des Titelverteidigers. Ein SEC-Team wird wohl mit maximal einer Niederlage durchkommen… womit schon drei Plätze vergeben wäre. (Als Ohio State-Backup könnte das ebenso noch ungeschlagene Penn State mit momentan 50% Playoffchance fungieren, dessen Leistungsbilanz mit jeder Woche potenter aussieht).

Bleibt ein vierter Platz. Um den wird ab sofort gekämpft. Oklahoma ist noch in der Verlosung, aber die Argumentation pro Sooners hat sich mit der überraschenden Pleite vom Samstag erschwert. Die Vergangenheit hat bereits gezeigt, dass ein Conference-Titel für das Komitee keinen überaus hohen Stellenwert hat.

Für die neue sportliche Leitung der K-State Wildcats war der Sieg natürlich ein fantastischer Einstand. Der Headcoach Chris Klieman trat als Nachfolger von Legende Bill Snyder kein einfaches Erbe an, aber er ist nun 5-2 und hat ein exzellentes Spiel gecoacht – mit seinem QB Skyler Thompson direkt hinein ins Herz der Sooner-Defense.

Sonstige Spiele

LSU 23, Auburn 20. Eine spannende Partie, in der Auburn im dritten Viertel sogar noch 13-10 führte. Doch die Tigers hatten zu wenig offensive Firepower um den LSU Tigers wirklich gefährlich zu werden: QB Bo Nix ging 11-für-27 für 145 Yards. Mit einem besseren QB als dem Freshman wäre gegen ein starkes LSU ein Upset drin gewesen, doch Nix erlebt eine harzige Debütsaison am College. Trotzdem scheint man sich in Auburn auf ihn festgesetzt zu haben – sein ebenso sehr hoch eingestufter Backup verließ unter der Woche frustriert die Uni.

Die LSU-Offense war das ganze Spiel über besser, doch die fetten Drives spielte sie erst im dritten und vierten Viertel. QB Joe Burrow hatte für einmal keine spektakuläre Partie – und dennoch gefiel mit Burrow recht gut. In den schwierigen Phasen der Partie wurde er nicht nervös, erzwang keine Hauruck-Pässe in Doppeldeckungen hinein, sondern sezierte die Defense Schritt für Schritt, mit Seelenruhe, immer den sich bietenden offenen Mann nehmend.

LSU sprang mit diesem Sieg im AP Poll auch hoch an #1.


Michigan 45, Notre Dame 7. Befreiungsschlag für Jim Harbaugh! Michigan mit der ersten wirklich kompletten Performance des Jahres – totale Dominanz im strömenden Regen über das in den Top-10 gerankte Notre Dame. Es war ein Sieg auf allen Ebenen, in Sachen Physis wie in Sachen Game-Plan. Für Michigan, das schon zwei Pleiten kassiert hat und damit wohl schon aus allen Playoffträumen gerissen ist, war dieser Sieg auch bitter notwendig um die Stimmung im Laden zu retten. Harbaugh, so er denn überhaupt bleiben will, hat nun wieder Argumente auf seiner Seite: Offense kann also doch klicken, wenn man ihr nur genug Zeit gibt!

Für Notre Dame ist die Saison damit so gut wie zu Ende. Nur noch mit etwas Glück kann man eine Neujahrsbowl retten.


Michigan State 7, Penn State 38. Von der vor dem Spiel verbreiteten „Upset-Gefahr“ war in East Lansing nix zu sehen: Penn State dominierte von Anfang an und war mit drei schnellen Touchdowns gegen die lahme Michigan-State Offense nie in Gefahr.


Oregon 37, Washington State 35. Zittersieg für Oregon gegen die Air-Raid Schule von Mike Leach. Es bedurfte eines Last-Minute Comeback-Drives von QB Justin Herbert. Doch positiv immerhin: Die Passing-Offense kommt langsam in einen Groove. Es war „nur“ Wazzous Defense. Aber immerhin.


Ohio State 38, Wisconsin 7. Krasse Dominanz von Ohio State, das Wisconsin in allen Phasen an die Wand spielte. Wisconsin hatte keine 200 Yards Offense! Dabei spielte sich bei Ohio State EDGE Chase Young in den Fokus der ganzen Nation: In einer Partie, die in den USA die höchste Zuschauerquote aller College-Footballspiele des letzten Samstags hatte, legte Young drei Sacks und zahlreiche Tackles for Loss auf.

Young galt schon vor der Saison als möglicher Top-5 Draftpick u.a. bei PFF – doch nun wird er auch von zahlreichen Medien im Rennen um die Heisman-Trophy gehypt. Das ist außergewöhnlich: Die Heisman-Trophy ist in seiner eintausendjährigen Geschichte erst einmal an einen Verteidigungsspieler gegangen!

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