Samstagsvorschauer – 2. November 2019

Guten Morgen!

Heute geht es mit Rugby los. College Football gibt es dann ab 17h – also wegen der verzögerten Winterzeitumstellung in den USA eine Woche früher als gewohnt. Die NFL morgen findet dann wieder zu gewohnten Zeiten um 19h, 22h und 02h20 statt.

Damit lass uns beginnen.

Finale der Rugby-WM (10h00): England – Südafrika. Heute der Abschluss der Rugby-WM mit dem Endspiel zwischen England und den Springboks. Beide sind auf komplett unterschiedliche Weise ins Finale gekommen – und beide spielen auch einen unterschiedlichen Brand an Rugby, was dieses Endspiel zu einem Clash of Culture macht.

England versucht zu spielen. Südafrika versucht, das Spielen zu verhindern und kommt über hohe Kick-Rate und extreme Physis zum Erfolg.

England legte im Semifinale eine unfassbare, nicht für möglich gehaltene Performance gegen den Titelfavoriten Neuseeland hin. Die All-Blacks gelten als spielstärkste Mannschaft im Welt-Rugby – doch gegen die annähernd perfekte Vorstellung der Engländer hatten sie keine Chance: 19-7 Sieg für England in einer Partie, die nur kurz in der zweiten Halbzeit auf der Kippe zu stehen schien – als Neuseeland aus einem missratenen englischen Einwurf seine einzigen Punkte erzielte.

Wer dachte, dass die Partie danach bei 13-7 kippen würde, der irrte. England dominierte bis zum Ende, Neuseeland ohne den Hauch einer Chance. Coach Eddie Jones muss sich gefühlt haben wie im siebten Himmel – schließlich hatte er die Engländer nach deren peinlichem Vorrundenaus bei der Heim-WM vor vier Jahren auf dieses eine Spiel gegen Neuseeland vorbereitet, vier Jahre lang.

Nicht nur diese fassungslose Performance macht England heute zum Favoriten. Die Engländer waren schon das ganze Turnier über die kompletteste Mannschaft. Doch Vorsicht: In Südafrika wartet ein Gegner, der dich versucht auf sein Niveau herunterzuziehen, der sich mit seiner brachialen Physis wie Mehltau auf dein Spiel legt, per Kicking eiskalt aus fast jeder Scoring-Chance drei Punkte mitnimmt, und plötzlich sind nur mehr sieben Minuten zu spielen und du brauchst aufs Verrecken einen Try um überhaupt noch zum Ausgleich zu kommen.

Schön ist das nicht, was Südafrika spielt. Doch es ist auch für Rugby-Laien ein netter Kontrast. Man kann den unterschiedlichen Spielstil schön extrahieren: England versucht zu passen und seine Angriffe zu Ende zu spielen. Südafrika kickt bei jeder Gelegenheit tief in die gegnerische Hälfte um dann Fehler zu erzwingen oder wie ein Parasit von gegnerischen Fehlern zu schmarotzen.

Südafrika kann zum dritten Mal Weltmeister werden und damit mit Neuseeland als ewiger Spitzenreiter gleichziehen. England kann zum zweiten Mal Weltmeister werden. Das Endspiel gab es schon 2007, als Südafrika ein unansehnliches Finale 15-6 gegen England gewann.

Ein erneuter Südafrika-Titel hätte auch Symbolkraft im eigenen Land, schließlich werden die Springboks von einem schwarzen Kapitän angeführt: Siya Kolisi. Rugby galt in Südafrika in der Zeit der Apartheid als „weißer Sport“, und ist erst mit der extrem politisch aufgeladenen WM 1995 (siehe den Film „Invictus“) langsam für Schwarze geöffnet worden. Dennoch schwebten danach über Jahre immer wieder Rassismus-Konflikte über dem Team der Springboks. Jetzt, mit dem ersten schwarzen Mannschaftsführer, hofft man, alte Gräben weiter zu kitten.

Für England ist der Titel trotz Brexit-Debatten eher ein rein sportliche Angelegenheit: Es geht darum, die Webb Ellis Trophäe nach 16 Jahren mal wieder – um zum erst zweiten Mal überhaupt – in die nördliche Hemisphäre unseres Planeten zu holen.

College Football

Es gibt heute ein klares Spitzenspiel, und das lautet #8 Georgia Bulldogs – #6 Florida Gators (21h30 / CBS). Bekannt ist dieses Südstaatenderby unter dem Namen „World’s Largest Outdoor Cocktail Party“, benannt nach den Saufgelagen, die sich die Studentengruppen dieser beiden Flagship-Unis bei Tag und bei Nacht in der Austragungsstadt Jacksonville liefern. Georgia – Florida ist eine der größten Rivalitäten im College Football – und eine der letzten, die wirklich permanent auf neutralem Boden ausgespielt wird.

Weil beide bereits eine Niederlage auf dem Konto haben (Florida verlor gegen LSU / Georgia gegen South Carolina), geht es hier nicht bloß um den quasi-Gewinn der SEC East und damit ums Finalticket für das SEC-Championship Game, sondern auch und vor allem ist es bereits ein Playoff-Elimination Game: Wer verliert, hat definitiv keine Chance mehr, in die College Football Playoffs zu kommen.

Zum Spiel selbst: Georgia ist klar favorisiert, wenn man SP+ und andere Metriken heranzieht:

  • Georgia: #6 total, #11 Offense, #4 Defense
  • Florida: #13 total, #19 Offense, #17 Defense

Der SP+ Spread von 7 Punkten Favoritenstatus für Georgia spiegelt sich ganz gut auch in den Wettbüros wieder.

Florida hat zwar eine relativ gute, aggressive Defense, die ausgerechnet vom ex-Georgia DefCoord Todd Grantham gecoacht wird, doch die Offense bereitet Probleme: QB Kyle Trask ist eigentlich nur als Backup in die Saison gestartet, und auch wenn er besser spielt als befürchtet, so riskiert die Offense immer wieder, schnell eindimensional zu werden – und so gut ist das Laufspiel um RB Lamichael Perine hinter einer wackeligen Offensive Line nicht, dass sie ein ganzes Team im Alleingang zu tragen imstande ist.

Auf Georgia-Seite wird im Prinzip solange gelaufen wie es nur geht. RB D’Andre Swift ist der Trigger der Offense. Am liebsten würde Headcoach Kirby Smart nur Laufspiel ansagen um mit seinen physisch überlegenen Athleten jeden Gegner zu zerstören, doch das geht natürlich nicht immer – und dann ist QB Jake Fromm gefragt.

Fromm ist in seinem dritten Jahr. Vor der Saison galt er als möglicher höherer Draftpick, doch die bisherige Saison war eher bescheiden. Im Prinzip nimmt Fromm Spiel für Spiel genau die Yards, die er gratis von der Defense bekommt und vermeidet jegliches Turnover-Risiko so gut es nur geht. Das hindert die Offense ihr gesamtes Potenzial auszuschöpfen, doch gegen Florida könnte das sogar ein probates Mittel sein.

Denn der plausibelste Weg zum Erfolg heute Abend ist:

  1. Georgias dominante Run-Defense würgt Floridas Rushing total ab.
  2. Florida-QB Kyle Trask bringt nicht genug Firepower mit um Georgia über die Luft zu bezwingen.
  3. Georgia läuft und läuft und läuft, und wirft nur in den wenigen Momenten, in denen es wirklich sein muss.
  4. Ohne unnötige Georgia-Turnovers sollte sich das überlegene Talent der Bulldogs auf kurz oder lang durchsetzen.

Die Dan-Mullen Offense von Florida gilt überdies als eine, die Kirby Smart seit Jahren ganz gut im Griff hat. Daher ist bei aller Unberechenbarkeit, die es in diesem Derby in den letzten Jahren immer wieder gegeben hat, von einem Georgia-Sieg auszugehen, sofern Florida nicht absonderlich viele Turnovers kreieren kann oder mit den Special-Teams mehrere Big Plays erzielt.

Die weiteren Spiele mit gerankten Teams fürs Protokoll:

17h: Maryland – #14 Michigan
17h: #23 Wake Forest – NC State
20h30: #16 Notre Dame – Virginia Tech
20h30: Kansas – #22 Kansas State
20h30: FSU – Miami/FL
21h: #4 Clemson – Wofford
21h: Washington – #9 Utah
24h: #11 Auburn – Mississippi State
24h: East Carolina – #17 Cincinnati
0h30: #24 Memphis – #15 SMU
01h: USC – #7 Oregon
03h30: San Jose State – #21 Boise State

Für weitergehende Previews verweise ich heute auf The Sports Observer von Peter Schindler und natürlich den Triple Option Blog von Jan Weckwerth, wo es auch zu anderen Spielen ein paar detaillierte Absätze gibt.

Ich bin für heute raus.

4 Kommentare zu “Samstagsvorschauer – 2. November 2019

  1. Danke, dass du es die letzten Wochen geschafft hast, mir auch Rugby interessant zu machen.
    NFL morgen schon um 15:00 Uhr! London-Game 🙂

  2. Nächste Revolution im College Football? Ab spätestens 2023 sollen Spieler jetzt Geld verdienen dürfen, indem sie mit Namensrechten an Trikotverkäufen und Autogrammkarten mitverdienen dürfen. Außerdem dürfen sie eigene Sponsorendeals abschließen. Einerseits längst überfällig, da bislang das alles mehr an Gladiatorenkämpfe erinnert hat, da auf der einen Seite sich Funktionäre und Unis ne goldene Nase verdient haben und auf der anderen Seite diejenigen, die das Produkt erst attraktiv machen, leer ausgingen. Andererseits beinhaltet diese Entscheidung wohl eine weitere krasse Veränderung des College Sports.
    Wie siehst du die Auswirkungen dieser Entscheidung auf den College Football, korsakoff?
    https://www.google.com/amp/s/www.ran.de/amp/us-sport/college-football/news/ncaa-gibt-gruenes-licht-college-spieler-duerfen-geld-verdienen-136596

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