NFL Power Ranking 2019 – Woche 10

Die NFL rückt nach dem Wochenende der Überraschungen zusammen.

Es war überfällig: Nach vier sehr erwartungskonformen Wochen leistete sich die NFL am vergangenen Wochenende ein Upset nach dem anderen: Nach den Tipps dieses Power-Ranking wurden sieben von 13 Spielen vom Underdog gewonnen – und wenn man beachtet, dass der minimale Favorit Pittsburgh nur hauchdünn gegen die Rams gewann, hätte die Bilanz noch krasser ausfallen können.

Offensivorientierte vs. defensivorientierte Spiele

Eine der coolen Sachen an EPA/Play ist, dass wir den Impact von Offense und Defense auf das Endergebnis messen können. Offense und Defense tragen schließlich beide zum Scoring bei – nicht nur durch Touchdowns oder Defense-Return Touchdowns, sondern auch durch den Feldpositionskampf, Turnovers usw. die Spielzüge hängen zusammen wie eine Kette, wie auch die alteingesessensten Coaches zu sagen pflegen.

Haben wir also einen positiven Wert für EPA/Play in der Partie, so war es eine eher von der Offense dominierte Partie. War hingegen die Defense vorherrschend und bereitete Punkte mit vielen Turnovers und dominantem Feldpositionskampf vor, so haben wir negative EPA/Play.

Die beiden offensivsten Spiele der Saison waren demnach beide in Woche 7:

  • Packers vs. Raiders mit 0.37 EPA/Play
  • Lions vs. Vikings mit 0.34 EPA/Play

Das defensivste Spiel der Saison dagegen war Philly vs. Jets in Woche 5, als wir -0.37 EPA/Play sahen.

Wir haben bislang 148 Spiele in 10 Wochen gesehen. Die letzte Woche sah nur ein Spiel, das bislang zu den zehn offensivstärksten der Saison gehörte (Cowboys vs. Vikings mit 0.23 EPA/Play), dafür gleich drei Partien in den 15 offensivschwächsten Spielen des Jahres:

#135 49ers – Seahawks (-0.19 EPA/Play)
#142 Colts – Dolphins (-0.28 EPA/Play)
#146 Steelers – Rams (-0.29 EPA/Play)

Vielleicht ist ha ein Team aus diesem Sextett am Samstag beim Kaepernick-Tryout mit dabei.

Zur Analytics-Community.

Letzte Woche hat die NFL mitten in der Saison die API-Schnittstelle zum Play-by-Play geändert, was dazu führte, dass über mehrere Stunden kein Scrapen der Daten möglich war und auch die NFLscrapR-Schnittstelle blank lag.

Obwohl die fantastische Studentengruppe, die hinter NFLscrapR steht, die Probleme relativ zeitnahe fixte und auch ein hervorragender Effort gemacht wurde um weitere betroffene Schnittstellen wie von NFL.com zu Air-Yards.com (von Josh Hermsmeyer) zu bereinigen, so zeigte die kurze Krise, auf welch wackeligen Beinen die Analytics-Community steht.

Alle Daten aus dem NFLscrapR Package sind for free erhältlich, aber die Bereitstellung ist auch vom Wohlwollen der NFL abhängig. Änderungen an der API sind nicht ungewöhnlich und teilweise sogar notwendig, doch sie geschehen normalerweise in der Preseason. Dann ist Zeit zum Fixen. Mitten in der Saison geht das nur mit erhöhtem Aufwand.

Es zeigte auch auf, dass, wer wirklich vorne mit dabei sein will in der Datenanalyse-Bewegung, nicht bloß Skripts zum Auswerten schreiben können muss, sondern auch Daten scrapen. Hätte es Ron Yurko und seine NFLscrapR-Kumpels nicht gegeben, die ohne einen Cent dafür zu bekommen, die Schnittstelle gefixt hätten, wären wir jetzt vorerst ohne Daten.

So aber arbeitete die Community zusammen und hat u.a. als (indirekte?) Reaktion eine neue Homepage heraus gebracht, die alte Win-Probability-Graphs neu aufleben lässt und die Baldwin-Boxscores (EPA/Play, die allerdings von meiner Interpretation der Dinge ein klein wenig abweicht) in den Mittelpunkt stellt: HUNGRYPIGRIGHT.com. Die Seite ist schon jetzt eine wichtige Quelle für mich geworden.

Ich habe ja letztmals vor nunmehr fast fünf Jahren eine Code geschrieben um NFL-Daten über deren API anzuzapfen und bin längst aus der Übung. Ich wäre aufgeschmissen gewesen und hätte auch überhaupt keine Zeit gehabt, hätte ich mir die Daten wieder selbst besorgen müssen. Das alles nur als Erinnerung daran, wie glücklich wir uns schätzen können, so viele Informationen ohne eigenes Zutun frei Haus geliefert zu bekommen.

Performance nach Week 10

Hier er Effizienz-Graph nach Woche 10 mit Offensive und Defensive EPA/Play (inklusive Penaltys). Die Ravens sind jetzt die #1 Offense, knapp vor Dallas und Kansas City. In der Defense bleiben New England und San Francisco unangetastet. In der Defense wandern die Lions immer stärker in Richtung Liga-Bodensatz.

Offensive und Defensive EPA - Woche 10.png

Trotz der Steigerung der Defense fallen die 49ers im Power-Ranking von #1 auf #3. Daran schuldig ist die elendige Offensiv-Performance gegen Seattle. Nochmal hier die Erinnerung, dass Offense in diesem Power Ranking höher bewertet wird als Defense, weil es stabiler ist und besser mit Sieg und Niederlage korreliert.

Der Faktor, den ich errechnete, liegt je nach ausgewähltem Zeitraum zwischen 1.59 und 1.63. Ich habe es einfach gemacht und bewerte in diesem Power-Ranking die Offense um den Faktor 1.6 höher als die Defense.

Daher ist eine dominante Defense-Performance gekoppelt mit schwacher Offense hinsichtlich dieses Rankings schlechter als eine dominante Offense mit wackeliger Defense.

Auch ist das Schedule-Adjustment relativ schwach, weil EPA die besondere Eigenschaft besitzt, ohne Schedule-Adjustment zukünftige Ergebnisse besser vorherzusagen als mit hohem Schedule-Adjustment. Gut für die Ravens, die nach der Monster-Performance von QB Lamar Jackson gegen den Bodensatz-Trupp Cincinnati einfach mal von #5 auf #2 hochspringt.

Ist Baltimore mit Partien gegen Miami und Cincinnati in dieser Saison damit überbewertet? Möglich. Doch über 32 Teams ist das Ranking so stabiler als wenn ich die Ravens und alle anderen Dolphins/Bengals-Gegner für diese Gegner bestrafen würde.

Auch flott: Die Dolphins fallen wieder runter auf #32, obwohl sie mit dem zweiten Saisonsieg in Indianapolis ihre „Bust for Burrow“-Mission in ernsthafte Gefahr gebracht haben und im schlimmsten Fall der Fälle im Draft nur Tua bekommen.

Nicht unwitzig auch: Miami ist mittlerweile solide genug um von diesem Power-Ranking zwei weitere Siege bis Ende Saison vorhergesagt zu bekommen. Auch von den Bengals erwartet das Ranking noch mindestens 2, vielleicht 3, Siege. Was zugegeben hoch gegriffen scheint.

Aber man bedenke, dass dieses Ranking schon vor einigen Wochen 2 Saisonsiege für Miami prognostizierte, wo alle anderen über Wettbewerbsverzerrung von wegen freiwilligem 0-16 jammerten.

Hab ich noch was?

Vielleicht den großen Ausreißer in den Top-10: Dallas. An #5 im Ranking, aber trotz des dritteinfachsten bislang gespielten Schedule nur eine 5-4 Bilanz. Für die, die sich fragen, warum ich so häufig auf Jason Garrett rumhacke…

Umgekehrt stechen die Bills mit 6-3 Bilanz ganz tief unten als #26 im Ranking als eines der glücklicheren Teams der Saison heraus. Das nächstschlechteste gerankte Team mit mindestens 6 Siegen ist Seattle an #14, und die Hawks haben Russell Wilson.

Hier die Aufstellung:

NFL Power Ranking 2019 - Woche 10.png

 Zu den Spalten: Die Spalte Rank zeigt die aktuelle Platzierung. LW war die Platzierung letzte Woche. WP% ist die Wahrscheinlichkeit, dass dieses Team auf neutralem Boden gegen ein durchschnittliches NFL-Team gewinnen würde – nach diesem Kriterium sind die Teams sortiert. Bilanz ist die aktuelle Win/Loss Bilanz. Exp.Wins ist die erwartete Anzahl der Siege am Saisonende. Sie ist die Summe zwischen den aktuellen Siegen und den noch zu erwartenden Siegen aus den ausstehenden Spielen der Trams. OFF und DEF sind das Ranking in Offense und Defense. Schedule past ist die Stärke des bisherigen Schedules. Schedule future ist die Qualität des künftigen künftige Schedule.

Sieg-Wahrscheinlichkeiten für Woche 11

Letzte Woche wie gesagt nur 6-7 Bilanz. Über die Saison 42-13. Für das kommende Wochenende werden zahlreiche enge Spiele prognostiziert (Chargers vs. Chiefs habe ich als Neutral-Site Spiel gewertet).

Ich überlege weiters, mir mal das Thursday Night Game anzuschauen, bei dem der Heimvorteil größer ist als für Sonntagsspiele. Vielleicht sollte ich den einen Extrapunkt addieren für Heimteams, die am Donnerstag ranmüssen. Diese Woche wäre das Cleveland. Die Browns sind in den Wettbüros mit 3-3.5 Punkten favorisiert. In diesem Ranking sind die Außenseiter mit 1.7 Punkten. Das ist eine der größten Diskrepanzen diese Woche.

Und wie ich sehe: Auch Watson vs. Lamar Jackson reloaded. Am College haben die beiden einen Klassiker gegeneinander geliefert.

Wahrscheinlichkeiten - Woche 11.PNG

6 Kommentare zu “NFL Power Ranking 2019 – Woche 10

  1. Könntest du die Bilanz in engen Spielen wieder reinhängen? Ich fand daran hat man auch oft gesehen, warum ein gutes Team nen schlechteren Record hat oder umgekehrt 🙂

  2. Kleine Anmerkung: Die Cardinales stehen 3-6-1, nicht 3-6, wie in der Tabelle angegeben. Weiß nicht, ob das an deinem Modell etwas ändern würde

  3. Pingback: Date am Donnerstag – Woche 11: Last Chance Saloon für die Browns | Sideline Reporter - Eier, wir brauchen Eier!

  4. Als Cowboys-Fan kann man aktuell irgendwie nur maximal frustriert sein.
    Nun hört und liest man viel von Tony Romo seinen exzellenten Analysen als Kommentator.
    Wäre es nicht denkbar jemanden wie Romo im Trainierstab zu installieren? Ich kann schwer einschätzen wie realistisch das ist, aber Romo zumindest als Offense Coordinator zum anlernen, fände ich spannend.

  5. Wird nix helfen, solange Jerry an sich und Garrett festhält. Kelle Moore hatte ja exzellente Ansätze, wurde dann aber eingebremst.

    Von wem?

    Fast sicher von seinen in puncto Kompetenz fragwürdigen Vorgesetzten.

  6. Logisch, Garrett muss weg. Meine Hoffnung geht eher in Richtung „ein blindes Huhn findet auch mal ein Korn“. Für Jerry wäre es ein leichtes Romo durch seine Cowboys-Vergangenheit zu verpflichten. Da müsste man nichtmal besonders kreativ sein.
    Klar, Jerry wird immer als Problem bleiben, solange er sich nicht mehr zurück nimmt. Aber irgendwo muss man ja ansetzen.

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