Date am Donnerstag – Woche 11: Last Chance Saloon für die Browns

Auftakt zum 11ten Spieltag heute 2h20 mit dem Divisionsduell aus der NFC North, Cleveland Browns (3-6) vs. Pittsburgh Steelers (5-4).

Es sind zwei Mannschaften, von denen man in der Preseason wesentlich mehr erwartet hatte als Herumkrebsen im unteren NFL-Mittelfeld. Doch während die Steelers mit der season ending injury von QB Roethlisberger gleich in Woche 2 schon eine Entschuldigung für ausbleibende Titelreife haben, bleiben die Browns eine der verblüffensten Mannschaften dieser Saison.

Man musste wohl im Rückspiegel ein paar Probleme kommen sehen, wenn ein hastig in der Offseason zusammengekauftes Team mit einem jungen QB Baker Mayfield und einem Rookie-Headcoach Freddie Kitchens nach so vielen Jahren des Elends in die Saison geht. Doch dass Cleveland nach neun Spielen nur ganze drei Siege auf dem Konto haben würde, ist dennoch eine Enttäuschung.

Die Zahlen sprechen eine bittere Sprache:

  • Die Browns sind nach EPA/Play die fünftschlechteste Offense der NFL, machen -0.08 EPA/Play.
  • Passspiel ist in dieser Statistik gar nur die #30 in der NFL, und das, obwohl keine Offensive Line Metriken à la Pass-Blocking Win Rate oder PFFs Ranking die These stützen würden, dass Mayfield hinter einer abstrusen O-Line spielen müsste – und obwohl mit WR Landry und Beckham zwei der besten Receiver in der NFL in Cleveland spielen.

Es gibt Momente in dieser Browns-Season, in denen denke ich mir „diese Offense ist broken“. Es sind die Momente, in denen Mayfield ohne Not vor lauter Angst vor Geistern nach hinten driftet und Pässe auf die Tribüne wirft (so ist ist Mayfield heuer selbst ohne Druck einer der schwächsten QBs). Oder die Momente, in denen Cleveland nur halbherzige Play-Action spielt und keine tiefen Pässe versucht. Oder die Momente, in denen die Browns an der Goal-Line aus Condensed-I Formation in vollgestopfte Boxes laufen und immer wieder vom Touchdown abgehalten werden – so wie letzte Woche gegen die Bills. So putzig, wie man es einfach nicht glauben wollte.

Aber dann gibt es auch wieder recht schöne Play-Designs, in denen die Routen schön aufeinander aufbauen, Landry-für-Beckham oder Higgins-für-Landry den Raum freilaufen und Mayfield die scharfen Bomben in enge Deckungen wirft – so wie am Sonntag beim Touchdown von Landry. Es sind die Momente, in denen ich denke, dass es Kitchens doch kann, dass die Offense Line gar nicht mal sooo übel ist (Mayfield z.B. am Sonntag in nur 7 von 34 Dropbacks unter Druck) und dass es nur eine Frage der Zeit bis zum Druchbruch ist.

Blöd nur: Der Durchbruch kam bislang nicht, und die Meute in Cleveland wird ungeduldig. Der Chef-Beatwriter der größten Tageszeitung, Tony Grossi, hat eine Privatfehde mit Mayfield und stänkert bei jeder Gelegenheit – und Mayfield sorgte vor ein paar Tagen mit Bitten, das Publikum solle bei Browns-Spielzügen doch bitte s’Maul halten damit die Kommunikation am Feld nicht gestört wird, für potenziellen Unmut in der Fan-Base.

Doch sehen wir mal die andere Seite der Medaille: Die Browns haben in Patriots (#1), 49ers (#2), Bills (#4), Rams (#5) und Broncos (#6) bislang fünf der sechs besten Offenses in meinem Power-Ranking (EPA/Play basiert) gesehen. Kann zwar sein, dass diese Defenses auch deshalb so gut gerankt sind, weil die Browns-Offense so wenig zustande brachte (die Defense-vs-Offense-Diskussion), doch Punkt ist: Diese Abwehrreihen gehören alle zu den bis dato besten.


Doch auch wenn dieser eher knackige Schedule als eine mögliche Erklärung für das Straucheln der Browns-Offense taugen sollte: Viel einfacher wird es heute nicht, denn die Steelers sind die #3 Defense nach Defensive-EPA/Play!

Die Steelers-Defense hat ein paar sehr exquisite Stärken:

  1. Pass-Rush: Man veranstaltet gewaltigen Terror ganz vorne. DE T.J. Watt spielt eine All-Pro würdige Saison und ist der Ankermann eines furiosen Pass-Rushes, aber auch sein Gegenüber Dupree hat den Durchbruch geschafft. Dieses Duo wird die Browns-Tackles heute beschäftigen.
  2. Coverage: LB Devin Bush ist einer der Kandidaten auf den Defensive-Rookie-des-Jahres Preis, und er scheint die von Ryan Shazier nach seiner schlimmen Verletzung hinterlassene Lücke endlich zu schließen.
  3. Minkah Fitzpatrick: Keine Woche, in der Fitzpatrick nicht zumindest einen Turnover erzwingt und zum Touchdown returniert. Die schiere Latte an Big-Plays machen Fitzpatricks teuren Einkauf aus Miami bereits zu einem lohnenden Geschäft für Pittsburgh.

Doch freilich leben die Steelers 2019 quasi auf Pump: Sie haben in den letzten acht Spielen satte 26 Turnovers erzwungen – eine nicht zu haltende Zahl. Und gerade diese Turnovers waren in zahlreichen der knappen Partien entscheidend um Mannschaften wie Miami (2-7), Cincinnati (0-9), Indianapolis (5-4), Chargers (4-6) oder Rams (5-4) zu schlagen – alle außer die notorisch heimschwachen Bolts übrigens zudem zuhause!

Dieser schwache „Strength-of-Victory” (drei der Siege mit einem Score) und die nicht zu haltende Turnover-Orgie sind ein Grund wieso ich Pittsburgh für einen „Fraud“ halte: Für not for real. Bleiben einmal die Turnovers aus, wird es für dieses Team schnell eng – u.a. weil die eigene Offense mit QB Mason Rudolph nix reißt.

So ist es heute zwar durchaus möglich, dass die Browns auch beim Spiel gegen die letzte der Top-6 Defenses Probleme haben wird, aber es deutet ziemlich viel auf meinem Score-Sheet darauf hin, dass es für Cleveland dennoch zum Sieg reichen sollte.

  1. Die Steelers können nicht in jedem Spiel 3-4 Turnovers erzwingen.
  2. Rudolph ist ein Bottom-5 Starting-QB in der NFL und wäre nicht umsonst ohne Roehtlisbergers Verletzung grauer Backup.
  3. Das Browns-Laufspiel um den famosen RB Chubb trifft auf eine Defense, deren Stärke nicht unbedingt im Halten der Gaps besteht – ein paar wohlgetimte Runs können durchaus für Nadelstiche und 1st Downs sorgen.
  4. Landry/Beckham treffen draußen an der Seitenlinie auf ein gutes, aber nicht großartiges Cornerback-Pärchen in Haden/Nelson. Sie sollten die Oberhand behalten.
  5. Thursday Night Game favorisiert das Heimteam stärker als alle anderen Spiele. Das trifft auch zu, wenn das Auswärtsteam wie Pittsburgh für amerikanische Verhältnisse ums Eck wohnt (185 km).

Die Browns haben momentan nur 12% Playoff-Chance. Wollen sie diese Restchance wahren, ist ein Sieg heute Pflicht. Aber vor allem ist der Sieg Pflicht, weil sie in Pittsburgh damit einem anderen AFC-Wildcard-Contender aus der eigenen Division nochmal auf die Pelle rücken können. Hoch stehen die Chancen für Cleveland natürlich nicht (man sieht hernach u.a. noch Baltimore und @Pittsburgh und braucht wahrscheinlich ein 6-1 Finish), aber wenn nicht heute, wann dann?

12 Kommentare zu “Date am Donnerstag – Woche 11: Last Chance Saloon für die Browns

  1. James Conner ist zurück, das wird der Offense ein wenig helfen. Allerdings ist Joe Haden fraglich. Nelson/Beckham und Burns/Landry wäre eine bittere Pille für Pittsburgh. Spannend auch der Vergleich der Kaderplanung vor der Saison. Steelers entschieden sich für den Teamspirit mit dem Trade von AB. Die Browns setzten eher auf Starpower mit OBJ, Richardson, Hunt und Co. Mal sehen wer heute den Kürzeren zieht.

  2. Spoiler





    Browns gewinnen 21-7, aber kein Mensch interessiert sich dafür, nach dieser Massenschlägerei am Ende der Partie.

    QB Rudolph versucht DE Garrett, den Helm runterzureißen
    Garrett geht steil, reißt seinerseits Rudolph den Helm vom Kopf und zieht dem QB eins über die Rübe. DEN HELM über die Rübe.
    C Pouncey schaltet sich wie von Sinnen ein und prügelt und tritt gegen Garrett

    Jetzt erwarten alle wochenlange Suspendierung von Garrett & evtl. Pouncey sowie Bestrafung gegen Rudolph

    Baker Mayfield wie ein echter Leader direkt nach dem Spiel mit deutlicher Kritik am Verhalten von Garrett.

    Browns gewinnen und sind 4-6, aber konservatives Play-Calling, instabile Passing-Offense und undisziplinierte/ungebildete Defense bleiben weiterhin teuer.

  3. Irgendwie sind die Browns das Gegenteil der Dolphins: Die Phins predigen „TNT“ (takes no talent), will heissen: macht all das richtig wozu es kein Talent braucht: vor allem keine dummen Penalties. Die Browns haben alles Talent in der Welt und machen alles falsch, was nicht mit Talent zu tun hat.

    Myles Garrett symbolisiert die Browns aktuell perfekt. Leider.

  4. Wow, Garrett auf unbestimmte Zeit gesperrt, drei Spiele für Pouncey und was ich nicht verstehe 1 Spiel für Ogunjobi.

    Big White Mason Rudolph ohne Sperre.

    Kann man aber argumentieren, dass Rudolph & die Steelers genug gestraft sind, wenn er weiter drin bleiben muss, weil sportlich bringt er sowas von nix.

  5. Für die Browns ist der Sieg eine gefühlte Niederlage…
    Man darf nicht vergessen, dass es nicht das erste Vergehen von Myles Garrett war (u.a. Schlag an den Kopf gegen Delanie Walker in Woche 1). In der öffentlichen Wahrnehmung galt er bisher eher als „Schöngeist“, klar Gedichte schreiben jetzt wahrscheinlich nicht soviele NFL-Spieler. Ich würde mal behaupten, dass seine Zukunft schwierig wird. Ich glaube, zumindest im Moment, ist die Stimmung im Locker Room ihm gegenüber negativ.

  6. Weiß ich nicht, habe keine Insider Information, aber je nach Situation kann die Stimmung im Team massiv vom Common Sense abweichen (=gestört sein) da muss nicht unbedingt ihm die Schuld zugewiesen werden.

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