Akademische Viertelstunde – Stand nach Woche 12

Es war ein Wochenende im College Football, das von der einen schweren Verletzung überschattet wurde. Natürlich ist dabei die Rede von Alabamas Superstar-QB Tua Tagovailoa.

Tua verletzte sich bei diesem Spielzug schwer an den Hüfte:

Die Diagnose lautet schwere Hüftverletzung (für Mediziner: „hip fracture with posterior wall fracture”). Die Saison ist damit vorbei, aber die viel wichtigere Frage bleibt offen: Was wird aus Tuas NFL-Zukunft?

Tua galt quasi seit seiner Einwechslung im National Championship Game 2017/18, als er Alabama von einem 13-Punkte Rückstand noch zu einem Sieg führte, als angehender Top-5 Draftpick. Das einzige richtige Manko an diesem Prospect war die permanente Verletzungsanfälligkeit – sie war auch der Grund, weswegen ich seit Monaten fest damit rechnete, dass Tua nach überstandenen Regular Season seine College-Karriere beenden würde um nix mehr zu riskieren.

Die Schwere einer Hüftverletzung ist nun aber nächste Eskalationsstufe. Auch wenn die Medizin mittlerweile imstande ist, solche Schäden auch dauerhaft zu reparieren, so ist nun denkbar, dass Tua durch das Draftboard fällt, weil sich niemand getraut seine Franchise um ein ernsthaftes Verletzungsrisiko herum aufzubauen.

Es wäre ein Drama für den Außenstehenden. Für Tua selbst ist es noch schlimmer. Er, der am College nur ein Gratis-Stipendium dafür bekam, dass er Alabama zu einem National Title und in ein zweites National Championship Game führte und dabei quasi nebenbei den kompletten Spielstil der kalten Erfolgsmaschine Alabama zu einem attraktiven Offensiv-Team verwandelte, könnte durch die Verletzung Millionen verlieren – Bühne frei für all diejenigen, die wen schon kein Gehalt, dann zumindest mehr Vermarktungsrechte für die größten College-Stars fordern.

Die andere Kritik an der Tua-Verletzung richtete sich gegen Nick Saban, der Tagovailoa trotz 35-7 Führung aufs Feld zurückschickte. Ich kann verstehen woher die Kritik rührt, gebe aber zu bedenken:

  • Es war noch erste Halbzeit.
  • Tuas vorherige, nicht völlig auskurierte Knöchelverletzung steht meines Wissens nach in keinem Zusammenhang mit der am Samstag erlittenen Hüftverletzung.
  • Ein paar Stunden später schaffte Oklahoma ein 25-Punkte Comeback, was überall Abfeiern von wegen „kein Footballspiel ist jemals zu Ende bevor die fat-Lady singt“ heraufbeschwörte.

Nur bei Saban/Tua wollen die Pundits schon immer gewusst haben, dass das Spiel entschieden war und Tua mit seinem lädierten Sprunggelenk die Gesundheit seiner Hüfte riskierte.

Anyhow: Backup-QB Mac Jones führte die Partie am Ende souverän, aber glanzlos nach Hause. Alabama gewann 38-7 und wird wohl die #5 im Playoff-Ranking bleiben. Dennoch hat sich die Playoff-Aussicht für Bama verschlechtert. Zum einen gilt Alabama – ob fair oder nicht – ohne Tua auf QB als kleineres Kaliber im Semifinale.

Doch noch wichtiger: Durch den souveränen Georgia-Sieg über Auburn (Endstand 21-14) wird der potenziell noch anstehende „Qualitätssieg“ Auburn nach unten gezogen – und zudem ist Georgia mit dem Sieg fix im SEC-Finale. Die Bulldogs sehen sportlich gut genug aus um den wahrscheinlichen Finalgegner LSU (müsste schon beide verbleibenden Spiele verlieren) zu schlagen – jenes LSU, das zwar mit 58-37 gegen Ole Miss gewann, dabei aber über hunderte Yards Laufspiel aufgab. Laufspiel ist rein zufällig die Stärke schlechthin von Georgia.

So leidenschaftlich Gary Danielson bei CBS eine Einberufung von Alabama ins Playoff forderte, so gibt es am Ende nur einen Weg: Alabama muss seine verbleibenden Spiele überzeugend gewinnen, am besten in historischen Dimensionen, Georgia darf aufs Verrecken nicht gegen LSU die Conference gewinnen, und kein anderes 1-Loss Team darf überzeugend seine Conference gewinnen.

Rundschau im Playoffrennen

Das neue Playoff-Ranking sieht relativ unverändert aus:

#1 LSU (10-0)
#2 Ohio State (10-0)
#3 Clemson (11-0)
#4 Georgia (9-1)
#5 Alabama (9-1)
#6 Oregon (9-1)
#7 Utah (9-1)
#8 Penn State (9-1)
#9 Oklahoma (9-1)
#10 Minnesota (9-1)

Hier die Playoffchancen nach dem ESPN FPI:

Die Top-3 sind mit jeweils 85% Playoffchance dotiert. Geht LSU mit 12-0 Bilanz ins SEC-Finale, kann es sich nach meinem Gefühl dort auch eine Niederlage erlauben – ein Schedule mit Auswärtssiegen bei Texas/Alabama sowie Siegen über Auburn und Florida sollte auch bei einer Niederlage ausreichen.

Clemson muss mit seinem Wischi-waschi Schedule ohne echte Qualitätssiege fast sicher ungeschlagen bleiben. Ohio State ist das Team mit dem heftigsten Restspielplan:

23.11. vs. Penn State
30.11. @Michigan
07.12. Big Ten Finale (optional)

Natürlich sind die Buckeyes in jeder Partie haushoch favorisiert (am Samstag z.B. mit satten 19 Punkten gegen #9 Penn State!), aber sollten Ohio State gegen Penn State tatsächlich verlieren und damit das Big-Ten Finale verpassen, könnte es durchaus Rufer nach einer Alternative geben – denn welche nennenswerten Gegner hätte Ohio State dann besiegt – und wie könnte man dann ein non-Big Ten Championship Team anderen etwaigen 1-Loss Conference-Champs vorziehen?

Denn sollte Penn State tatsächlich bei Ohio State gewinnen und mit einem Conference-Finalsieg die Saison bei 12-1 beenden, gibt es kaum ein vernünftiges Argument, um Ohio State an den Nittany Lions vorbei reinzuwählen.

Alabama bekommt 44% Playoffchance, Georgia 39%. Der Unterschied: Georgia hat sein Schicksal in eigener Hand. Wenn es das SEC-Finale gewinnt und Georgia Tech nächste Woche putzt, ist man durch. Ich sehe in einem Georgia-Upset von LSU durchaus kein Ding der Unmöglichkeit – das Runnnig-Game um D’Andre Swift gegen die windelweiche LSU-Defense ist eine potenzielle Sollbruchstelle.

Ich sehe das Rennen so: LSU, Ohio State, Clemson, Georgia und Penn State haben ihr Schicksal in eigener Hand. Alabama ist die erste Alternative, wenn eines der Teams drüber stolpert – es sei denn, eines der drei nachfolgenden Teams legt noch eine speichelproduzierende, sensationelle Performance à la Cardale Jones/Ohio State 2014 hin um dem Komitee die entscheidenden Argumente zu liefern:

Oregon 28% Playoffchance
Oklahoma 11% Playoffchance
Utah 8% Playoffchance

Oregon ist eine so viel bessere Wette als Utah, weil es die wesentlich bessere Niederlage (vs. Auburn) hat als die Utes (vs. USC) – und weil es um den einen Tick besseren Schedule gespielt hat. Vor allem ist Oregon aber die bessere Wette, weil die Ducks qualitativ um xxxxxxxx Punkte über Utah zu stellen sind und in einem etwaigen Pac-12 Finale deutlich favorisiert wären.

Oklahoma bleibt das schwer einzuschätzende Team am Eck des Hinterhofs. Die Sooners bleiben auf Kurs, mit 12-1 Bilanz die Big 12 zu gewinnen und sie hätten den notwendigen „Brand-Name“ um in einem potenziellen Tie-Breaker wie Oregon oder auch Alabama nicht per se hoffnungslos zu sein (wie es z.B. Baylor wäre). Doch der ganze letzte Monat war nicht überzeugend. Die Pleite gegen K-State wiegt schwer.

Mutmaßlich brauchen aber sowohl Oregon als auch Oklahoma wie Utah einen turmhohen Kantersieg im Conference-Finale, wenn sie als 1-Loss Champion eine echte Alternative zu Alabama darstellen wollen.


Morgen gibt es folgende Spiele:

  • #1 LSU – Arkansas (1h / ESPN)
  • #2 Ohio State – #8 Penn State (18h / FOX)
  • #4 Georgia – Texas A&M (21h30 / CBS)
  • #5 Alabama – Western Carolina (18h / ESPN)
  • #6 Oregon – Arizona State (1h30 / ABC)
  • #7 Utah – Arizona (4h / FS1)
  • #9 Oklahoma – TCU (2h / FOX)

#3 Clemson hat spielfrei.

Ein Kommentar zu “Akademische Viertelstunde – Stand nach Woche 12

  1. Sieben Jahre nachdem Texas A&M in die SEC gewechselt ist, schaffen sie es dann doch mal gegen die Bulldogs zu spielen 😉

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