Establish the Review – Woche 12

Ein paar unsortierte Gedanken zu einer von Defenses dominierten Woche 12. Und, nein: Kein Spoiler des Monday Night Games.


Pass Interference. Nächster Bizarro-Moment in der schon seit Wochen anhaltenden, schier unlösbaren Fragestellung „Was ist eine Pass Interference?“, als die Carolina Panthers am Sonntag in der Crunch-Time ein klares Zerren eines Saints-Defensive Backs per Video-Replay überprüfen ließen.

Eine schlechte Entscheidung von Panthers-Headcoach Ron Rivera gemessen an dem, was NFL-Referees bislang in dieser Saison an haarsträubenden Pass-Interference Instant-Replay Entscheidungen gefällt hatten: Das ganze Jahr noch waren glaube ich nur zwei oder drei von über 40 Challenges erfolgreich – bei locker fünfmal so vielen klaren Vergehen. Es geisterte schon seit mehreren Wochen der Ratschlag über die Social-Media: Niemals eine PI challengen, es wird in einer Niederlage enden.

Doch dann passierte das Undenkbare: Rivera gewann seine Challenge und Carolina bekam ein neues 1st Down. Das Witzigste am ganzen Theater: Leidtragende dieses total zufälligen Ausschlags nach unten waren die Saints. Ausgerechnet die Saints, wegen denen eigentlich diese Review-Farce überhaupt eingeführt worden war.

Fazit: Noch immer kannst du Würfel werfen, wenn einer PI-Challenge statt gegeben wird. Du musst zwei Würfel nehmen mit fünfmal nein und je einmal ja, und nur wenn beide Würfel auf JA fallen und du dich in der Crunch-Time eines knappen Spiels bewegst, gewinnst du die Challenge-Lotterie.


New England Patriots 13, Dallas Cowboys 9. Die meisten der wesentlichen Faktoren zu diesem Spiel habe ich schon am Sonntag im Liveblog geschrieben:

  • Dallas am Ende zu schlampig um zu gewinnen: Mehrere Fumbles, eine böse Interception, ein geblockter Punt in den Special Teams.
  • Dallas auch zu konservativ: Mal wieder. Jason Garrett mehr mehreren Fieldgoal-Versuchen an Stelle von Touchdowns im Schmuddelwetter von Foxboro. Keines davon war brutaler als der verheerende Versuch bei 13-6 Stand wenige Minuten vor Schluss am Spielende.
  • Dallas aber auch im Pech. Pro NFL-Saison gibt es im Schnitt ca. eine Tripping-Strafe pro zwei Wochen. Dallas wurde in Foxboro gleich zweimal in einem Spiel für dieses Vergehen bestraft. Und eigentlich müsste man es in Anführungszeichen setzen, denn beide Strafen waren mehr als haarig.
  • Jason Garrett ist noch Coach der Cowboys. Warum, weiß nur Jerry Jones. Immerhin zählte Jones im Nachgang an diese deprimierende Partie erstmals Garrett öffentlich an.
  • New England weiterhin wenig überzeugend in der Offense, aber mit einigen positiven Ansätzen. Die 11-Personnel Offense greift noch nicht, aber es gab durchaus ein paar Plays, in denen die Routenkombinationen die Defense komplett aushebelten. Auch war die Offense Line besser als in den letzten Wochen.

Ich möchte noch anfügen: CB Stephon Gilmore hatte nicht die allerbesten Coverage-Grades bei PFF, war aber atemberaubend, indem er WR Amari Cooper komplett ausschaltete und sogar eine mit-entscheidende Interception fing. Das Defensive-MVP Rennen ist immer schwer abzuschätzen und gerade Cornerbacks gegenüber nicht immer wohl gesinnt, aber Gilmore sollte definitiv in der Konversation sein.

New Englands Defense als Komplex lieferte Futter gegen all jene Kritiker, die ihre sensationellen Effizienz-Zahlen als reines Produkt des einfachen Schedules („die einzige nennenswerte Offense die sie gesehen haben (Baltimore) hat sie total an die Wand gespielt…“) abtun wollten.

Jetzt hat man die bisherige #3 Offense nach EPA/Play aussehen lassen wie die Miami Dolphins: -0.18 EPA/Play. MVP-Kandidat Dak Prescott mit gleich -0.28 EPA/Dropback. Kurzum: Es war schlicht totale Dominanz der Defense.


Philadelphia Eagles 9, Seattle Seahawks 13. Schockstarre ob der schrecklichen Performance der Eagles-Offense – insbesondere von QB Carson Wentz. Auf Twitter grassieren zahlreiche Experten, die die Wentz’sche Performance mit fehlenden Receivern, schlechtem Coaching und allerlei anderen Problemen wie mieser Protection, windigen Wetter yadda yadda etc. entschuldigen wollen.

Doch die meisten Probleme führen dann doch immer wieder zurück zu Wentz himself, der in den letzten Woche insbesondere @Dallas, vs. Patriots und gestern vs. Seahawks desaströse Vorstellungen ablieferte, die eines höherklassigen NFL-Starters wie Wentz (kassiert weit über 100 Mio. mit seinem neuen Vertrag) unwürdig sind.

Hier poste ich den offiziell patentierten und eingetragenen Wentz™-Pass:

Es ist ein Spielzug, den bekannte Wentz-Fans wie Dan Orlovsky vehement dem Receiver zuschreiben. Und es kann sein, dass es in einem isolierten dieser ganzen Bodenküsser schlecht gelaufene Routen gibt. Aber in jedem Play?

Es gibt kein Drumherumreden: Was Wentz gegen die Seahawks spielte, war nicht weit von Trubisky/Mark-Sanchez Niveau. Und das ist bitter, wenn man in Erinnerung hat, mit welchem Selbstverständnis Wentz in seinen besten Momenten spielte.

Doch es ist auch faszinierend, wie ein Top-Prospect à la Wentz, der 2017 mit famoser 3rd-Down Performance zu den besten QBs in der Liga gehörte, solche brutalen Probleme hat, auch nur simple Pässe an den Mann zu bringen. Es kann nicht allein das Wetter gewesen sein, wenn man Russell Wilsons tiefe Bomben gesehen hat (wobei auch Wilson nicht perfekt war!).

Es muss ganz einfach auch ein mentaler Aspekt bei Wentz sein, denn diese Fehlerorgie – 3x Fumble, Interceptions, weit offene Runningbacks angestarrt und doch übersehen, immer wieder unter Druck zu Sacks kollabiert – bei einem QB, der mal auf MVP-Niveau spielte, ist ungesehen.

Zum Spiel bleibt mir noch zu sagen: Wieder ein gelungener Flea-Flicker. Diese Double-Pässe müssen häufiger eingebaut werden – gefühlt steht jedes Mal ein Receiver weit offen! Markt-Ineffizienz galore.

Und damit zum dritten dieses Defense-dominierten Sonntagskracher mit faszinierend schlechtem ehemaligem MVP-Level QB…


…San Francisco 49ers 37, Green Bay Packers 8. Zum Teufel mit Defense-Regression! Die 49ers demolieren weiter gegnerische Offenses reihenweise. Skeptiker weisen nun natürlich drauf hin, dass die Packers-Offense vom „überschätzten QB Aaron Rodgers“ nicht als ernsthafte Offense zu bezeichnen ist, aber das würde schon etwas kurz greifen.

Denn: Egal wie man zum Thema Rodgers = Elite-QB / potenzieller Elite-QB steht: Wenn deine Defense satte -13 EPA bei -0.30 EPA/Play von der gegnerischen Offense erzwingt, dann wäre das auch gegen die Josh-Rosen Miami-Dolphins eine bockstarke Vorstellung. Gegen einen zweifachen NFL-MVP, der vor ein paar Wochen noch Defenses wie jene der Raiders in ihre Einzelteile zerlegte und dessen Offense nach wie vor in den Top-10 nach EPA/Play rankt, ist diese Leistung umso eindrucksvoller.

Niedlich, wie Green Bay 60 Minuten lang kein Gegenmittel gegen den aggressiven Pass-Rush und die hautenge Deckung fand. Rodgers mit sagenhaften -0.1 Air-Yards/Pass. Das ist dann ganz einfach auch absurd.

Die Packers sind damit im Rennen um das NFC Playoff-Bye ordentlich zurecht gestutzt. Sie haben nun zwei Spiele plus Tie-Breaker Rückstand auf die 49ers.


Tennessee Titans 42, Jacksonville Jaguars 20. Man kann es als zu kleine Sample-Size abtun und man kann durchaus berechtigt auf die ewig lange Historie von QB Ryan Tannehill von „Fegfeuer-Niveau“ hinweisen. Aber man kann, so lange der Hype hält, auch Tannehills Zahlen seit seiner Übernahme als Starting-QB der Titans hinweisen:

  • Tannehill mit 7.8 Yards/Dropback und 0.32 EPA/Dropback
  • Vergleich: Mariota mit 5.7 Yards/Dropback und -0.02 EPA/Dropback

Als Einordnung: 0.32 EPA/Dropback ist Mahomes 2018/Lamar Jackson-Prescott 2019-Niveau. -0.02 EPA ist… Eli Manning/Daniel Jones-Niveau.

Aber natürlich: Genieß das mit Vorsicht. Tannehill war sieben Jahre lang grauer Durchschnitt. Unwahrscheinlich, dass man nach nicht einmal einer Handvoll Spielen gegen AFC-Mittelmaß plötzlich vom Durchbruch der NFL-Karriere ausgehen kann.


Washington Redskins 19, Detroit Lions 16. Die Medien konzentrierten sich im Nachgang an das Spiel auf die Selfie-Aktion von Redkins QB-Rookie Dwayne Haskins, aber dabei vergaßen sie völlig auf einen der größten Bullshit-Momente am ganzen Spieltag.

Die Situation: Washington in Fieldgoal-Range, spielt mit 26 Sekunden den letzten Pass – ein quicker Pass links raus für WR McLaurin, an die DET 21 getragen. Und dann ziehen die Redskins sofort das letzte Timeout um mit 20 sek auf der Uhr den finalen Sieg-Kick zu versuchen anstatt…

…a) die Uhr auf fast null runterzubringen für den finalen Kick
…b) zumindest noch einen quicken Play zu laufen um dann die Uhr runterzubringen.

Wenn jemand in Zukunft Andy Reid für sein Clock-Management kritisiert, bitte immer dran erinnern, dass es noch schlimmer geht – und dann an den Namen „Bill Callahan“ denken.

AFC-Wildcardrennen

Es ist ein Schneckenrennen, aber es ist zumindest richtig wild: Das AFC-Rennen um den sechsten Playoff-Seed sieht nach ESPNs Wahrscheinlichkeiten so aus:

Bills (8-3) mit 85% Playoffchance
Chiefs (7-4) mit 98% Playoffchance
Texans (7-4) mit 89% Playoffchance
Colts (6-5) mit 35% Playoffchance
Titans (6-5) mit 24% Playoffchance

Steelers (6-5) mit 28% Playoffchance
Raiders (6-5) mit 15% Playoffchance
Browns (5-6) mit 25% Playoffchance
Jaguars (4-7) mit 1% Playoffchance
Chargers (4-7) mit 0.4% Playoffchance
Jets (4-7) mit 0.3% Playoffchance

(In fett: Die vier AFC-South Teams, von denen einer als Divisionssieger durchkommen und den #3 oder #4 Seed besetzen wird. In kursiv die Teams der AFC West, deren Gewinner den anderen #3 oder #4 Seed holen).

Buffalo, lange Zeit jenseits der #25 im Power-Ranking, wird diese Woche zum ersten Mal seit längerer Zeit wieder die Top-20 in meinem Power-Ranking knacken. Ein Sieg über die Broncos (3-8) ist zwar nach wie vor nix womit man einen müden Hund aus seiner Hütte bringen könnte, aber immerhin war es deutlich: 20-3 Sieg und nie einen Zweifel an der eigenen Qualität gelassen.

Die Bills sind mit 8-3 Bilanz und zwei Spielen Vorsprung auf die Konkurrenz in einer exzellenten Ausgangslage und erreichen in den Simulationen in rund 85% der Fälle die Playoffs. Aber Vorsicht: Der Restspielplan ist unschön. Nach den Metriken meines Power-Rankings ist es der zweitschwersten der NFL. Die Bills brauchen vermutlich aber nur noch zwei, im Optimalfall sogar nur mehr einen, Sieg um durchzukommen.

Dahinter?

Kansas City mit 7-4, aber als turmhoher Favorit auf den Gewinn der AFC West für mich eher isoliert im Wildcardrennen anzuschauen – zumindest wenn sie am Sonntag zuhause Oakland schlagen.

Raiders, die sich von den Jets 34-3 abschlachten lassen? Steelers, wo die Offense mit dem third-string QB Duck Hodges so viel besser aussieht als mit Mason Rudolph? Colts, wo man Brissett quasi überhaupt nicht vertraut und total lauflastig (ergo: verschreckt) spielt? Titans mit Tannehill, der nach Regression schreit?

BROWNS?

JETS???

Wie ausgeschlossen ist eine Siegesserie von Jets oder Browns gegen durchaus machbare Restspielpläne? Sehr vieles ist noch offen, v.a. wenn ein 9-7 reichen kann. Es ist nicht hochwertig, aber es ist unübersichtlich – und damit zumindest spannend.

Schon der nächste Spieltag…

…wird relativ aufregend. Eine Auswahl an kritischen Matchups:

  • Do 22h30: Cowboys – Bills
  • So 19h: Ravens – 49ers
  • So 19h: Colts – Titans
  • So 22h25: Chiefs – Raiders
  • So/Mo 02h20: Texans – Patriots
  • Mo/Di 02h15: Seahawks – Vikings

2 Kommentare zu “Establish the Review – Woche 12

  1. Was man sagen muss, die Offensive der Bills sieht seitdem Daboll nicht mehr an der Seitenlinie steht, sehr viel besser aus.

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