Zwischenstand in der NFL Awards-Section 2019/20

Lass uns am heutigen Abend noch kurz auf das Award-Rennen in der NFL schauen.

MVP / Offensive Player of the Year

Schauen wir uns die Top-Quarterbacks einmal genauer unter Production-Standpunkt an. Es gibt da ein paar Metriken, nach denen man die Production von QBs messen kann.

  • EPA/Play = Expected Points Added pro Spielzug. Joe Tessitore hat diese Statistik im Broadcast des Monday Night Games letzte Nacht sogar erwähnt. Sie misst den Erfolg aller Spielzüge und ist eine relativ stabile Kennzahl.
  • CPOE = Completion-% over Expected. Statistik, die die Completion-Rate eines QBs in Relation zur durchschnittlichen Tiefe (Air-Yards oder aDOT) setzt.
  • DAKOTA = Kombination aus EPA/Play und CPOE. Eine Statistik von Ben Baldwin, die mit am besten künftige EPA/Play einer Offense prognostiziert.
  • QBR = ESPN Quarterback-Rating. Eine an EPA orientierte Statistik, die Pässe und Läufe von QBs bewertet. Eine Statistik, die versucht, den QB von seinen Receivern zu isolieren, Garbage-Time Performance niedrig zu gewichten und auch QB-Laufspiel mit zu bewerten.
  • DVOA = Defense-Adjusted Value Over Average. Von Football-Outsiders.
  • PFF = PFF-Passing Grades / QB-Ranking bei Pro Football Focus nach 12 Spieltagen. Fokus auf Beständigkeit und kontinuierlich gute Vorstellungen. Einzelne negative oder positive Ausreißer fallen in diesem Ranking weniger stark ins Gewicht.

Das ist natürlich kein super-wissenschaftlicher Approach, aber wir kriegen aus mehreren Sichtweisen einen schnellen Überblick. EPA misst alles inklusive Garbage-Time. CPOE misst die Präzision. DAKOTA ist am besten geeignet zur Prognose für künftigen Erfolg der Offense nach EPA/Play. QBR misst Erfolg, solange das Spiel noch offen ist. DVOA ist recht Success-based, entwertet damit ein bisschen die Big-Plays. Und PFF schätzt die Snap-für-Snap Performance unter starker Regression besonders negativer oder positiver Plays.

Hier die Platzierung der sechs Top-QBs in den einzelnen Metriken:

MVP 2019 - Woche 12

Stand jetzt muss der Favorit Lamar Jackson heißen, mit Außenseiterchancen für Russell Wilson, der in den letzten drei Wochen zwei mäßige bis schwache Partien gespielt hat und nur glücklich zweimal mit Sieg davongekommen ist. Für Wilson spräche allerdings das schwächere Coaching, der eher dürftige Receiving-Corps sowie die im Vergleich zu Jackson und anderen Konkurrenten wesentlich schwächere Pass-Protection:

Prescott sollte momentan die #3 sein, Mahomes und Watson haben nur mehr Außenseiterchancen.

Schauen wir über den Quarterback-Tellerrand hinaus, sehe ich nur noch Saints-WR Michael Thomas als nennenswerten Skill-Player Anwärter. Er führt mit 2.9 Yards pro Route-Run die NFL gemeinsam mit Minnesotas WR Diggs an, doch Thomas hat mit 430 Passing-Snaps wesentlich mehr Routen gelaufen, hat mehr 1st Downs und hat die halbe Saison als das Ziel #1 für Backup-QB Teddy Bridgewater agiert.

Defensive Player of the Year

Ein Rennen, das sich noch komplett offen anfühlt, aber es gibt ein paar exzellente Kandidaten.

DT Aaron Donald: Weiterhin der insgesamt beste Verteidigungsspieler auf Defensive Interior, wenn auch heuer noch ohne die ganz gewaltigen Sack-Zahlen.

EDGE Nick Bosa: Vielleicht der brutalste Pass-Rusher mit 54 QB-Pressures und 9 Sacks in noch nichtmal 300 Pass-Rush Snaps. Nick ist damit einen Tick besser als sein Bruder Joey, Chandler Jones oder aber auch als ein T.J. Watt.

EDGE Khalil Mack: Mack ist als Pass-Rusher bislang weniger produktiv als Bosa (52 Pressures in über 350 Pass-Rush Snaps), aber er ist etwas kompletter, hat mehr Fumbles freigeschlagen und ist besser in Run-Defense und auch ab und an einsetzbar in Coverage.

CB Stephon Gilmore: Cornerbacks werden fast nie zu den DPOYs gewählt, und Gilmore ist im PFF-Ranking auch außerhalb der Top-10. Ich würde ihn dennoch als den wichtigsten Verteidiger in der epischen Patriots-Defense sehen: Er schaltet die #1 Receiver aus, lässt keine 50% Completion-Rate zu. Er fing auch schon 4 Interceptions der ballhungrigen Patriots-Defense.

S Minkah Fitzpatrick: Bestimmt nicht der kompletteste Spieler, aber mit fünf Interceptions, mehreren kritischen Return-TDs in engen Spielen einer der entscheidensten Abwehrspieler der NFL-Saison 2019.

S Jamal Adams: Sensationeller Blitzer mit 20 QB-Pressures in noch nicht einmal 70 Blitzes. Sicherer Tackler mit nur 4 Missed-Tackles und

Rookie des Jahres

Kyler Murray, Nick Bosa. Bosa ist bislang der dominanteste der Rookies, aber Murray spielt die wichtigere Position und hat in den letzten Wochen extreme Fortschritte gemacht. An Murray gefällt seine rasanter Entwicklung Woche für Woche. Er scrambelt jetzt auch intelligenter und begeht als Passer kaum schwere Fehler.

Coach des Jahres

John Harbaugh/Belichick. Belichick läuft im Prinzip jedes Jahr als automatic qualifier mit. Im Prinzip müsste man in den meisten Jahren eine „non Belichick Kategorie“ eröffnen um aus dem COTY-Rennen eine spannende Angelegenheit zu machen, und in 2019 bringt Belichick mit seiner Monster-Defense wieder gewichtige Argumente mit.

Aber Harbaughs Vorstellung 2019 ist vielleicht auch verglichen mit der Messlatte Belichick noch größer. Er hat es geschafft, die Ravens-Offense mit out of the box-Denken zu etwas Außergewöhnlichem zu machen.

Die ganze Offense ist so sensationell auf die Talente Jacksons zugeschnitten, dass man nicht anders kann als anzuerkennen, dass sich hier eine ganze Organisation ausgehend von einem Big-Picture wirklich etwas gedacht hat. Dass der Headcoach dort mitmacht: Chapeau. Harbaugh ist keiner dieser jungen Hüpfer. Er ist in seinem 12ten Jahr NFL-Coach, hat schon eine Superbowl gewonnen, und hat sich jetzt noch einmal neu erfunden. Das ist nicht normal.

Die Ravens waren quasi seit Lamars Einberufung im Draft 2018 sowas wie mein „1b-Team“ oder „1c-Team“, weil ich diesen QB-Athleten so lange schon so abgöttisch verehre. Dass sie nun über das Offense-Design hinaus auch noch Analytics in aller Konsequenz nutzen und dazu öffentlich stehen, macht Harbaugh für mich heuer zur #1.

7 Kommentare zu “Zwischenstand in der NFL Awards-Section 2019/20

  1. Interessant.

    Wilson würde ich im MVP Rennen noch über LJ ranken, wegen miesem Coaching und mieser OL. Aber kein Jammern über LJ.

    Danke für die Harbaugh Gedanken.

    Und danke für die DPOY Gedanken. Lese oft, daß TJ Watt oder Chandler Jones auch Kandidaten sind, kann das aber nicht so gut beurteilen weil Verteidiger kaum zu lesen sind. Es muss wohl jemand aus der Pats Defense werden.

  2. Bezüglich MVP habe ich immer wieder den Namen Christian McCaffrey gehört. Seltsam, dass der hier nicht mal erwähnt wird…

  3. Habe ich das Quarterback efficiency tableau richtig gelesen? Rodgers mit der ligabesten Passprotection und der Typ ist einfach nur AVERAGE???
    Bruh…
    Wie kann das nur passieren, heul.

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