NFL Power Ranking 2019 – Woche 12

Die Baltimore Ravens ziehen im Power-Ranking davon.

Man braucht keine Umschweife machen: Baltimores Offensiv-Performance im Monday Night Game gegen die Los Angeles Rams war eine der beeindruckendsten, wenn nicht die eindrucksvollste, der bisherigen NFL-Saison. Die ersten sechs Drives, gleichzeitig die einzigen, in denen QB Lamar Jackson am Spielfeld stand, endeten so:

  1. 55 Yards, Touchdown
  2. 61 Yards, Touchdown
  3. 75 Yards, Touchdown
  4. 75 Yards, Touchdown
  5. 75 Yards, Touchdown
  6. 78 Yards, Touchdown

Die Wade-Phillips-Defense war als Top-5 Defense nach EPA/Play und mit ein paar athletischen Front-Seven Spielern in die Partie gegangen. Sie sah kein Land. Nada. Hoffnungslos wie eine Schülermannschaft ausgespielt. Damit haben die Ravens nach den Patriots (#1 Defense nach EPA/Play) und Steelers (#3 Defense nach EPA/Play) die dritte Top-Defense in dieser Saison an die Wand gespielt.

Sie ziehen damit auch im Power-Ranking mittlerweile einsame Kreise, vergrößern mit 79% Siegwahrscheinlichkeit gegen ein durchschnittliches Team auf neutralem Feld ihren Vorsprung auf die Patriots, die ihrerseits diese Woche einen Big-Win gegen ein Top-5 Team (Dallas) gefeiert haben.

Die Ravens sind brutal. Hier der EPA/Play Graph für Offense und Defense:

NFL EPA 2019 - Woche 12

Und hier der Graph für die Offense, gesplittet nach Pass (x-Achse) und Lauf:

NFL Offense 2019 - Woche 12

Baltimore stellt nach 12 Spieltagen die #1 Rushing-Offense, #1 Passing-Offense, #1 Overall-Offense sowie mittlerweile auch schon die #8 Defense nach EPA/Play. Jetzt, wo John Harbaugh und Greg Roman das ganze Programm abspulen und ihre hellste Freude daran haben, Jackson von der Leine zu lassen, spielt dieser außer Rand und Band und setzt die Liga in helle Flammen und muss nach diesem Spieltag als MVP-Favorit #1 gesetzt werden.

Ein paar Bemerkungen zu den Ravens:

  • Das Laufspiel ist sehr speziell. Die Ravens überrollten die Rams mit über 9 Yards/Lauf. Aber es ist kein konventionelles Laufspiel. Es gibt wie schon der PFF-Artikel von letzter Woche andeutete kaum traditionelle Hand-Offs an Runningbacks von Under-Center: Gegen die Rams habe ich deren 2 (in Worten: zwei) gezählt.
  • Running-Quarterbacks waren schon immer besonders erfolgreiche Trigger für ein erfolgreiches Laufspiel, aber Jackson setzt dem ganzen die Krone auf, denn er ist eigentlich mehr als ein gewöhnlicher Running-QB. Er ist das, was einst Michael Vick werden sollte, nur besser.
  • Ravens nutzen relativ hohe Rate an Heavy-Personnel: Nur 46% 11-Personnel (NFL-Schnitt: 60%), dafür insgesamt 19% der Aufstellungen in 22-Personnel und 13-Personnel (NFL-Schnitt: 7%). Das zwingt Defenses tendenziell in Base-Defense, die gegen Jacksons Scrambling zu langsam ist. Geht die Defense in zu viel Nickel- oder Dime-Defense, überläuft das vielseitige Laufspiel die zu leichtgewichtigen Defenses.
  • Die QB-Run Optionen der Ravens sind fast identisch mit jenen, die OffCoord Greg Roman Anno 2012-2013 mit Colin Kaepernick in San Francisco gespielt hat und nennen sich „Q-Teen Serien“, weil sie wie ein Früh-Teenie benamselt sind (Zahlen sind das Personnel, aus dem der Run designt ist):
  • Trotzdem ist das Passspiel der eigentliche große Erfolgsfaktor. Ich hatte im Sommer darüber geschrieben: Mit Scramling und designten Runs allein wirst du in der NFL nicht sehr weit kommen. Doch Jackson hat den erhofften, aber nicht unbedingt erwarteten Sprung als Werfer gemacht. Er ist kein kompletter Werfer à la Mahomes, aber er muss es auch nicht sein. Eine Bedrohung als Werfer in jedem Spielzug zu sein reicht.
  • Ravens gehören mit 51% Rushing-Quote zu den lauflastigeren Early-Down Teams. Der Grund dafür ist in diesem Graph versteckt: Pass-Effizienz in Early-Downs auf der x-Achse, Lauf-Effizienz auf der y-Achse:

Die Effizienz der Ravens im Early-Down Rushing wird nur von 14 Teams im Early-Down Passing geschlagen. Baltimore kann seine recht lauflastige Herangehensweise mit der fassungslosen Effizienz des Laufspiels rechtfertigen.

Aber Analytics schreit doch immer gegen das Laufspiel!!!!!11!!1

Falsch. Analytics ist „gegen Laufspiel“, weil das Gros der NFL-Teams hohe Run-Quoten trotz miserabler Effizienz damit rechtfertigt, dass sie Play-Action Passing vorbereiten und die Defense vorsichtig hält („Establish the Run“). Was nachweislich ein schlechter Ansatz ist.

Analytics ist generell für mehr Passspiel, weil das im Regelfall der erfolgversprechendere Weg ist. Anders: Analytics ist gegen ineffiziente Strategie.

Bei den meisten Mannschaften sind diese ineffizienten Plays im Laufspiel zu finden (NFL-Schnitt: +0.09 EPA/Play im Passing, -0.07 EPA/Play im Rushing, und hierbei ist der negative Impact von Turnovers & Fumbles schon neutralisiert). Doch jedes Team hat eigene Spieler, eigene Schemes, eigene Fähigkeiten – und somit auch einen eigenen Sweet-Spot, an dem sich Effizienzen zwischen Lauf und Pass die Waage halten.

Bei den meisten gewöhnlichen NFL-Teams liegt diese Quote bestimmt jenseits der 70% Passspiel. Bei den Ravens liegt sie niedriger (aber über den 51%, die sie an den Tag legen).

Die Ravens haben ihre ganze Offense nach dem Talent von Lamar Jackson ausgerichtet. Das Scheme, die Play-Designs und Play-Calls, die Terminologie der Offense – alles ein einheitliches Paket um den positiven Einfluss dieses einzigartigen Spielers zu maximieren.

Dass mobile Quarterbacks auch der Effizienz des konventionellen Laufspiels zuträglich sind, ist nix neues. Es ist ein Unterschied, wenn man 11-vs-11 anstatt 10-vs-11 in einer konventionellen Offense spielen kann – und es ist ein extremer Unterschied, wenn der elfte Spieler ein Athlet vom Schlage Jacksons ist – und es ist überwältigend, wenn dieser Athlet auch noch erstklassig werfen kann (Jackson: #5 PFF-Passing Grade!).

Und so maximieren die Ravens den positiven Einfluss des Laufspiels bzw. minimieren die negativen Run-Plays. Passspiel in der Ravens-Offense ist zwar immer noch erfolgreicher als Laufspiel, womit eine höhere Pass-Quote zu rechtfertigen wäre. Doch mit +0.13 EPA/Early Down Run ist 50% Run-Quote immerhin vage zu rechtfertigen. Die Waage liegt übrigens auch hier wohl bei jenseits der 60% Pass.

Aber: Die Ravens sind die Ausnahme. Oder siehst du in diesem Graph irgendeine vergleichbare Mannschaft?

Und weil das ganze so ineinander greift und funktioniert, ist für mich nicht nur Jackson momentan der MVP-Kandidat #1, sondern auch John Harbaugh der Favorit auf den Coach-des-Jahres Preis. Harbaugh hat nicht nur dieses monströse Paket der Greg-Roman Offense zu verantworten, sondern kriegt auch Bonuspunkte als sehr Analytics-affiner Head Coach.


Wer ein The Athletic-Abo hat, dem empfehle ich in diesem Zug den Artikel über den 25-jährigen Daniel Stern als wichtigsten Ansprechpartner von John Harbaugh im Analytics-Department.

Stern hat es geschafft, die seit Jahren in den Social-Media kursierenden Erkenntnisse prägnant und verständlich dem NFL-Headcoach John Harbaugh einzuflüstern.

Das ist ja auch die Qualität schlechthin: Analytics ist nicht nur rechnen und in fancy Graphs für Artgenossen posten, sondern vor allem auch erklären. Aus meiner nun auch schon mehrjährigen Erfahrung in der Prozessimplementation kann ich bestätigen: Nur weil etwas Sinn macht, kratzt es noch lange keinen.

Du musst den Leuten diesen Sinn verständlich einimpfen, sie begleiten, ihnen Rede und Antwort stehen und auch verstehen, dass sie mit deinem Anliegen erstmal überrollt werden, weil sie eh in einer anderen Welt leben – und du musst mit anfänglichem Widerstand und Ablehnung rechnen.

Doch dass die Ravens diese ganzen Konzepte nutzen, spricht nicht nur für Stern oder die Owner, die dieses komische Dingens von oben herab absegnen und zulassen (oder fördern), sondern auch und vor allem für Harbaugh selbst. Wenn wir uns vor Augen führen, welche Weltsicht ein Jason Garrett oder ein paar Klassen tiefer wahlweise auch ein Patrick Esume an den Tag legen, dann ist Harbaughs Entwicklung umso eindrucksvoller.

Power Ranking nach Woche 12

Bemerkungen:

  • Die Ravens ziehen in Windeseile davon, sind jetzt schon 5% vor den Patriots.
  • Die Cowboys bleiben trotz einer missratenen Vorstellung in New England die #3 Offense.
  • Auch Green Bay fällt nach dem desaströsen Outing von Aaron Rodgers in San Francisco die #6 Offense und fällt im Ranking nur um einen Platz von #7 auf #8. Merke: Wir wissen nun schon recht viel über die einzelnen Mannschaften. Die Werte bleiben recht stabil.
  • Die Raiders mögen dabei die Ausnahme sein. Ihre katastrophale Performance bei den Jets (34-3 Niederlage) katapultiert Oakland um gleich zehn (!) Plätze nach unten: Von #13 auf #23.
  • Die Chargers an #12 mögen überraschen. Doch merke: Die Bolts sind 2-7 in One-Score Games. Sie haben eigentlich ein positives Punktverhältnis von +6 (224-218) und sind damit deutlich besser als die Raiders.
  • Cardinals haben jetzt die #32 Defense.
  • Gewinner der Woche: Titans (von 18 auf 13), Buccs (von 21 auf 14), Bills (von 22 auf 15), Browns (von 25 auf 22).
  • Verlierer der Woche: Raiders (von 13 auf 23), Rams (von 14 auf 17), Broncos (von 16 auf 21)

NFL Power Ranking 2019 - Woche 12

Zu den Spalten: Die Spalte Rank zeigt die aktuelle Platzierung. LW war die Platzierung letzte Woche. WP% ist die Wahrscheinlichkeit, dass dieses Team auf neutralem Boden gegen ein durchschnittliches NFL-Team gewinnen würde – nach diesem Kriterium sind die Teams sortiert. Bilanz ist die aktuelle Win/Loss Bilanz. Exp.Wins ist die erwartete Anzahl der Siege am Saisonende. Sie ist die Summe zwischen den aktuellen Siegen und den noch zu erwartenden Siegen aus den ausstehenden Spielen der Trams. OFF und DEF sind das Ranking in Offense und Defense. Schedule past ist die Stärke des bisherigen Schedules. Schedule future ist die Qualität des künftigen künftige Schedule.

Sieg-Wahrscheinlichkeiten für Woche 13

Eine wichtige Woche 13 steht vor uns. Letzte Woche waren die Siegertipps von diesem Power-Ranking in 9 von 14 Fällen richtig. Seit ich es damit veröffentliche, haben 62 von 83 Favoriten gewonnen (74%).

Für nächste Woche schauen die Tipps so aus – ein paar knappe Dinger: 4 Spiele innerhalb von 1 Punkt und insgesamt 10 Spiele innerhalb von 3 Punkten.

Wahrscheinlichkeiten - Woche 13

Cincinnati mit 0.1 Punkten „favorisiert“ gegen die Jets!

20 Kommentare zu “NFL Power Ranking 2019 – Woche 12

  1. Die Jets Spiele beinhalten jedoch auch die Luke Falk und Trevor Simian Spiele?
    Die Offensive mit einem gesunden und keine Geister sehenden Darnold sollte hoffentlich bessere Effizienz-Werte haben.
    Buffalo gegen Dallas schaut bei dir wirklich krass einseitig aus.

  2. Das kommt dadurch, dass bei diesem PR der Offensive so viel mehr Gewicht beigemessen wird als der Defensive, und dazu noch Heimvorteil.

  3. Die Ravens haben nach den beiden Pleiten in den Wochen 3/4 massiv nachjustiert beim Personal der Defense.
    Marcus Peters (CB), Josh Bynes (MLB), LJ Fort (LB) oder Benett Jackson (DB) wurden alle erst in den darauf folgenden 1-2 Wochen getradet/gesignt. Gleichzeitig entließ man auch diverse Spieler.

    Die Defense, wie sich jetzt darstellt ist eigentlich erst ab Woche 7 valide zu bewerten. Davor hat es sich meines Erachtens um ein anderes Team gehandelt.

    Interessant wäre jetzt Folgendes: Wo steht denn jetzige Defense (das jetzige Team) im Vergleich zu allen anderen Teams, d.h. wie sähe das Power Ranking aus, falls man die ersten 6 Wochen herausnehmen würde?

    Die Einschätzung der Ravens leidet nämlich meiner Wahrnehmung nach massiv an den beiden Niederlagen und dem auf dem Papier stehenden Record von 9-2. Durch den Austausch der halben Defensive handelt es sich jedoch mittlerweile nicht mehr um das Team des ersten Saisondrittels.

    Durch das Herausnehmen der ersten 6 Spiele, könnte man nach meiner Wahrnehmung eine noch genauere Einschätzung des Leistungsstands des jetzigen Teams erreichen. Dabei ist mir bewusst, dass bereits das Power Ranking aktuelle Spiele höher wertet, in diesem Ausnahmefall des Austauschs einer solch gewaltigen Anzahl an Spielern wären es halt trotzdem interessant (und würde evtl. für diesen Spezialfall noch validere Erkenntnisse zum derzeitigen Leistungstand/-potential ergeben).

  4. Nein, auf die ganze Liga betrachtet ist es eben besser, die ganze Saison zu nehmen anstatt nur eines selbst willkürlich gewählten Zeitraums um die eigene Mannschaft besser aussehen zu lassen.

    Bei EPA gilt: Sample Size ist King.

    Ich kann die geforderte Auswertung liefern, aber bilde dir darauf nicht zu viel ein. Die anderen Teams haben auch nachgerüstet.

  5. Es wird so spannend zu sehen sein, ob SF defensiv auch nur irgendeine Antwort findet oder genauso filetiert wird. Die Leistung Jacksons gegen NE ist nicht hoch genug zu bewerten. Da hat er gezeigt, dass er selbst eine historisch gute Defense zerpflückt.

    Die Niners kommen jetzt mit viel 4-Man-Rush und werden viel auf Containment achten. Ob es das cleverste ist, sei dahingestellt.

  6. Zum Hintergrund und meinen Überlegungen in Bezug auf das Verkleinern der Sample Size:
    – Es steht außer Frage, dass eine größere Sample Size validere Ergebnisse ergibt. Impliziert wird aber hier dass sich an der Grundgesamtheit nichts ändert.
    – Es steht auch außer Frage, dass jeder Spieltag ein neuer Spieltag ist und nicht vergleichbar ist mit dem vorherigen, so dass man keine Laborzustände hat (Teams haben Verletzte, das Wetter ist unterschiedlich, jemand ist mit dem falschen Fuss aufgestanden). Analytics versucht all dies ja auszublenden, d.h. eine rationale Entscheidung zu treffen.Grundsätzlich sehe ich unter diesen Gesichtspunkten also auch das Betrachten der ganzen Saison als beste Möglichkeit an valide Ergebnisse zu erhalten.
    – In speziellen Situationen hilft es also über den Tellerrand zu schauen und die eigenen Erkenntnisse gegen zu prüfen, evtl. gibt eine Kürzung der Sample Size hier validere Ergebnisse. Das gleiche wird ja auch in Bezug auf die Garbage Time durchgeführt.

    Und du hast vollkommen recht, meine Einschätzung ist tatsächlich, dass die Ravens-Defense seit Woche 7 wesentlich besser performt als nach Einschätzung des Power Rankings. Was die Frage aufwirft, ob das Power Ranking evtl. die Vergangenheit zu hoch gewichtet? Oder liegt vielleicht doch ein Spezialfall vor? Dies zu beantworten benötigt jedoch gleichzeitig noch eine es post Analyse nach den nächsten Spieltagen, evtl.l stimmt ja Platz 8 im Kontext durchaus. Die derzeitigen Ergebnisse der Ravens lassen halt Anderes vermuten.
    Deshalb wäre es interessant, es trotzdem einmal zu sehen.

    Eine Anmerkung noch zu deinem letzten Absatz: Ich finde es überraschend, dass du Esume für dessen Engstirnigkeit zu Recht abkanzelst, andererseits aber extrem negativ meine aufgeworfene Frage unreflektiert abwertest mit dem Ausdruck „etwas darauf einbilden“.
    Mit deinem letzten Satz wird nämlich eigentlich ausgedrückt, dass es keine Abweichung zwischen den Auswertungen (1-12 und 7-12) geben dürfte (da die anderen auch aufgerüstet haben, sind die Grundvoraussetzungen damit wieder gleich). Vorletzter Satz und letzter Satz widersprechen sich also in gewissen Sinne in ihren Aussagen.
    Mit einem offeneren Mindset, hätte man evtl. von selbst die Frage aufgeworfen ob das Power Ranking evtl. biased ist in Bezug auf ältere zu hoch gewertete Ergebnisse. Oder ob tatsächlich ein Spezialfall vorliegt (für den Fall dass die Ravens Defense besser abschneidet).

    All das lässt natürlich außer Acht, dass das Power Ranking ein über einen langen Zeitraum kontinuierlich verbessertes Modell darstellt, was ich sehr schätze. Die aufgeworfene Frage ist auch sehr einfach in Bezug auf die gesamte Datengrundlage.
    Somit sehe ich die von dir bei mir gesehene Naivität („der versteht die wichtigsten Grundlagen der Statistik nicht – je mehr Elemente in der Grundgesamtheit, desto bessere Ergebnisse“) vollkommen ein. Die Naivität ist aber mehr gegeben, wenn man nicht bereit ist seine eigenen Ergebnisse zu challengen und eine aufgeworfene Thematik ohne weitere Prüfung wegwischt.

    Ich finde es halt interessant, da ich hier einen „Spezialfall“ sehe, der in der Öffentlichkeit nicht wahrgenommen wird.

  7. Für mich ist einfach faszinerend, wie schnelllebig die NFL sein kann. Hier werden – völlig zurecht – die Ravens gehypt und John Harbaugh ist CotY-Kandidat #1.

    Man lese mal korsakoffs Power Ranking von Woche 9 der letzten Saison:
    Harbaugh ist eine Niederlage von der Entlassung entfernt und vielleicht täte beiden Seiten ein Tapetenwechsel gut („steht für offensive Stagnation“).

    Ab Woche 11 startete dann ein gewisser Lamar Jackson.

  8. ist ja auch eine kurze season das da ein schnelles auf und ab gibt ist verständlich. ravens spielen schon lange schlecht mit einem gewissen joe flacco und wenn lamar nicht wäre würde Harbaugh jetzt ohne job sein. so rette dieses mega talent die letze season von
    Harbaugh und stehen jetzt sogar als superbowl contender da.

  9. @Arni:

    In der Tat interessant. Hier ist der Link dazu:

    https://sidelinereporter.wordpress.com/2018/11/07/nfl-power-ranking-2018-woche-9-new-england-und-baltimore-unter-der-lupe/

    Es wurde ernsthaft eine Entlassung von John Harbaugh diskutiert (zumindest in den Medien, wie ernst es hausintern war, ist nicht ganz klar). Ich wies damals darauf hin, dass Baltimore mit 4-5 Bilanz total unterbewertet und eigentlich die #6 im Power Ranking waren und dass Regression nach oben wahrscheinlich und ein QB-Wechsel wohl unvermeidlich war.

    Dann wurde Jackson eingewechselt. Baltimore ging in den restlichen Spielen 6-1, aber nicht dank einer viel besseren Offense.

    Zum Stand bei 4-5 war Baltimore die #20 Offense und #1 Defense.

    Nach dem direkt folgenden 6-1 „Run“ war Baltimore 10-6, mit #21 Offense und #2 Defense. Die NFL ist nicht immer logisch.

    Jackson machte die Offense letztes Jahr nicht effizienter, nur anders. Sein gewaltiger Sprung nach vorn kommt überraschend, wenn man 2018 als Grundlage nimmt. Aber dass die Offense mit ihm sehr viel attraktiver werden würde als mit der personifizierten Langeweile Flacco, das war immer zu erwarten.

    Harbaugh war übrigens schon 2018 einer der aggressivsten Coaches in 4th Downs, in denen er nicht ausspielen „musste“: https://sidelinereporter.wordpress.com/2019/07/22/4th-down-aggressivitaet-2018/

  10. @Flo: Ich verstehe, woher deine Idee kommt, aber ich warne davor, „Fakten“ mit „unreflektiert“ zu verwechseln. Dass das Modell unpräziser wird, wenn man beginnt, Daten auszuschließen, ist Fakt. Je größer die Sample-Size, desto präziser das Modell.

    Viele vor mir haben das nachgewiesen. Ich kann dir Ergebnisse bestätigen. Auch DVOA ist kaum besser, wenn man an jüngste Ergebnisse adjustet als Total-Season DVOA. And so weiter.

    Muss das für alle 32 Mannschaften gelten? Natürlich nein. Aber wo setzen wir die Grenze, bei welchen Teams wir beginnen, Adjustments zu machen? Bei den Ravens, die ein paar neue Spieler gekauft haben? Bei den Lions und Jets, die mit Backup-QB auflaufen? (was sehr viel mehr Impact hat als die Besserung bei den Ravens)

    Müssen wir dann auch beginnen, die Gegner der Lions und Jets zu downgraden, weil sie nur gegen Driskel und Falk antreten „durften“? Oder die Rams nach oben ziehen, weil sie gegen die „gute“ Version der Ravens antreten mussten, während die Chiefs noch gegen die „schlechte“ drauflosspielen durften?

    Müssen wir ein Team runterziehen, weil anstatt des Backup-DE der third-stringer ein paar Downs gespielt hat und daher das Team „geschwächt“ war?

    Wie wir es drehen und wenden: Es führt immer wieder zum gleichen Ergebnis zurück – keine gesonderte Behandlung für einzelne Teams ist besser als damit zu beginnen (zumindest für alles, was außerhalb von QB-Verletzungen liegt). Zumindest, wenn man nicht unendlich Zeit und Geld hat um in diese Auswertungen zu investieren.

    Noch einmal: Ich habe es geprüft und auch darüber schon geschrieben. Sorry, wenn meine vorherige Antwort im falschen Ton angekommen ist. Aber ich habe die Frage längst aufgeworfen: https://sidelinereporter.wordpress.com/2019/10/16/nfl-power-ranking-2019-erstausgabe/

    NB: Ich werfe niemandem Naivität vor. Ich bin selbst kein studierter Statistiker. Aber ich muss den Vorwurf, „nicht zu hinterfragen“ entschieden zurückweisen.

  11. Hier das Ranking von Woche 7-12

    Bitte hinterher nicht jammern, wenn das obige, originale Ranking sich am Ende als besser herausstellt
    90% Win-Probability hatten noch nichtmal die 2007 Patriots als eines der drei besten Teams aller Zeiten.

  12. @Torki: Ja, beinhalten die Falk/Siemian Spiele. Alle Spiele, alle Spielzüge.

    RE: Dallas vs. Buffalo. Eine Line von 6.9 Punkten entspricht relativ genau dem Public von 6.5 Punkten.
    PFF Greenline sieht z.B. auch identisch wie dieses Ranking 6.9 Punkte Vorsprung:

  13. @49ersflo: Es ist schwierig zu prognostizieren wie eine Defense sich gegen die Ravens-Offense macht, da deren Laufspiel so speziell ist. Kannste nicht in konventionellem Wege verteidigen.

    Aber theoretisch hätte ich gesagt, dass Patriots, Steelers und Rams als Defense besser aufgestellt waren um Jackson zu stoppen. Sie haben athletischere Linebacker und bessere Safetys als Run-Support.

    Aber verschiedene Teams werden verschiedene Dinge probieren, und irgendjemand wird ein Mittel gegen Jackson finden. Vielleicht nicht, ihn kaltzustellen. Aber zumindest, ihn einzubremsen.

  14. Die Cowboys wären mit einem anderen HC und sei es nur McCarthy sicher noch besser als unter Garrett. Mal wieder profitiert BB und die Pats von der Unfähigkeit anderer.

    Die D# Positionen beachte ich nicht großartig, die sagen nachdem was ich gehört habe wenig(er) über die Zukunft aus als die Offensive.

    Und bei Jackson und Harbaugh als MVP würde ich zustimmen.

  15. Mal profitieren die Patriots vom schwachen Spielplan, mal profitieren Sie davon, dass der Gegner ausgerechnet gegen die Patriots Fehler macht. Und das seit fast 20 Jahren! Was muss das für eine glückliche Franchise sein. Mit annähernd so viel Glück, hätten die Browns in der gleichen Zeit auch mindestens 6 SB gewonnen! Aber jetzt mal ganz im Ernst: eventuell waren auch die Patriots jahrelang einfach das Team, welches mit Abstand am wenigsten Fehler gemacht hat. V.a. auf Coaching Seite. Okay, der Spielplan ist seit einigen Jahren wirklich oftmals recht leicht.

  16. Was ich eigentlich sagen will: Ich glaube nicht, dass Coaches und Spieler gegen die Patriots mehr Bullshit Entscheidungen treffen oder Fehler machen als gegen andere Teams. Andy Reid hat nicht nur gegen die Patriots beim Time Management scheisse gebaut, genauso wenig ist Garrett gegen andere Teams progressiver und fällt erst gegen die Pats solche miesen Entscheidungen. Bill Belichick schafft es halt nur seit Jahren, diese Fehler der anderen auch auszunutzen und so umso sichtbarer zu machen, während andere Coaches halt den selben Müll zusammen callen und somit kein Profit daraus schlagen.

  17. Die Ravens sind schon stark. Wahrscheinlich aktuell das stärkste Team der NFL. Und trotzdem ist es lächerlich, wenn die Medien darüber spekulieren, wen Baltimore wohl im Superbowl demütigen wird. Bleacher Report fantasiert sich schon was von einer „Superbowl-garantie“ zusammen. Die Überflieger-Ravens-offense ist exakt eine Verletzung von „ganz gut“ entfernt. Natürlich drücke ich Lamar die Daumen, dass er gesund bleibt, aber die Statistik sagt ihm als mobilem QB was anderes voraus.
    Ich sehe grad: RGIII ist Backup in Baltimore. Gar nicht übel, wenn man mal vergleicht, wen andere Teams als Starter haben.

  18. Komisch, daß die Fehler „der anderen“ immer nur gegen die Patriots auffallen. Könnte vielleicht dran liegen, daß BB die wenigsten Fehler macht. Das reicht schon um die #1 zu sein. Oder die #2…

    Traue immer noch am ehesten BB zu, den Lamar Cheat Code im Wiedersehen im Jänner zu knacken. Hätte aber mit einem Lamar MVP, Harbaugh COTY und Ravens SB Win keine Probleme. Die AFC hat drei ganz heiße Eisen im Feuer, vielleicht mehr als in der NFC.

    Patriots, Chiefs, Ravens in der AFC. Saints & Niners in der NFC, oder glaubt jemand ernsthaft daß die Packers ODER COWBOYS (müssen ja 3 PO Games gewinnen, davon 2 auswärts) da mitmischen können?

  19. @Korsakoff: Vielen Dank für dein Engagement hier Zeit und Mühe zu investieren, so dass interessante Aspekte zum tieferen Verständnis gegeben sind.

    Mein Ersteintrag ließ darauf schließen, dass ich als Mitglied des RavensFlock eigentlich nur meine eigene Mannschaft besser dastehen sehen will, das ist aber eigentlich nicht ganz richtig.

    Deshalb ein bisschen Background zu meinem Post:
    – Ich bin seit meinem ersten Besuch im M&T Bank Stadium 2009 tatsächlich ein eingefleischtes Mittglied des Raves-Flock und beobachte dieses Team im Speziellen natürlich genauer. 🙂 🙂 🙂
    – Darüber hinaus bin ich aber ebenfalls seit geraumer Zeit (wahrscheinlich rd. 7-8 Jahre) einer der vielen tausenden stillen Verfolger diese Blogs und der Power Rankings der Vergangenheit. Hier ist mir des Öfteren aufgefallen, dass gegen Mitte der Saison Mannschaften anders gerankt werden als ich sie einschätze und sich das erst im Laufe der Zeit korrigiert gegen Ende der Saison.
    – Der Ravens-Aspekt in diesem Jahr war also eigentlich nur ein Trigger für die tiefer greifende Frage, ob das Power Ranking evtl. Ergebnisse falsch gewichtet. Ein einfacher Vergleich hat sich hier durch die Bitte des Abschneides der ersten 6 Spieltage im Power Ranking ergeben.

    All das bezieht übrigens im Speziellen die Grundüberlegungen deines Blogs vom 6. Oktober mit ein, in der Herrmann überspitzt gesagt den September noch zur Pre-Season zählt (https://sidelinereporter.wordpress.com/2019/10/06/sonntagsvorschauer-2019-woche-5/).

    Meine These lautet nämlich wie folgt: Das Power Ranking gewichtet die einzelnen Spieltage falsch und könnte bessere Ergebnisse erzielen, wenn aktuellere Entwicklungen höher gewichtet werden würden.

    Ein bisschen Datenmaterial gebe ich dazu auch noch rein, indem ich die Power Rankings 1-11 und 7-12 vergleiche und auf zwei Themen eingehe wie Upsets und größte Unterschiede. Das ist natürlich falsch, da in 7-12 bereits die Ergebnisse/Erkenntnisse von 12 enthalten sind.

    Bei zwei der Upsets der letzten Woche gibt es aber eklatante Unterschiede in den Erwartungshaltungen, jeweils dahingehend, dass die Prediction mit 7-12 näher an der Wahrheit gewesen wäre (1-11/7-12):
    – Washington (0,24/0,24) gegen Detroit (0,48/0,39)
    – New York Jets (0,27/0,42) gegen Oakland (0,52/0,39)

    Des Weiteren sind bei den eklatantesten Unterschiede (mehr als 10%) zwischen den Rankings 1-12 und 7-12 Werte die 7-12-Werte näher an der Wahrheit. Ich nehme jetzt da mal die Ravens raus, da die 90% tatsächlich sehr abstrus aussehen (auch wenn ich im Inneren etwas daran glaube 😉 ):
    – Tennessee +0,1 (0,52/0,62): Der Unterschied in der Offense (von 17 auf 3) spiegelt zwar für mich einen zu krassen Ausreißer nach oben, aber genau die Tendenz, welche ich eingangs beschrieben habe. Mit Tannehill auf QB sind die Titans eher eine echte Macht als eine graue Maus im Mittelfeld der Offenses. Da passt auch der Bezug zu Hermanns Kommentar, dass sich Sachen erst unter der Saison herausbilden nach September bis Thanksgiving. Passt aber auch zu deinem Kommentar, dass Changes bei den QB im Ranking nicht berücksichtigt werden. Den „Fehler“ könnte man hier aber abmildern.
    – Carolina -0,11(0,44/0,33): Die Panthers sind absolut overrated, was die letzten drei Spiele super gezeigt haben. Deine Worte wären im Allgemeinen: Regression zur Mitte. Meine Worte hier: Regression zum tatsächlichen Leistungsvermögen.
    – Jets +0,10 (0,32/0,42): Die Jets haben sich gefangen und nähern sich wieder dem durchschnittlichen Niveau eines NFL-Teams, 0,32 sehe ich insbesondere nach den letzten drei Spielen absolut nicht.
    – Miami -+0,13 (0,19/0,32): Ähnlich wie bei den Jets, nur zwei Stufen tiefer. Hier hieß es nicht am Ball bleiben, sondern erst einmal zum Ball hinkommen.
    Betrachtet man alle Ausschläge, dann erscheint auf jeden Fall keiner der Ausschläge (außer den Ravens evtl.) abstrus, sondern ähnlich wie bei den Upsets scheint die 7-12-Einschätzung einfach näher dran an der Wahrheit zu sein.

    Ich weiß, dass man sich jetzt darüber tot diskutieren kann und für beide Sichtweisen Argumente finden kann, d.h. du in deinem nächsten Post mir diese Einschätzung mit Beispielen evtl. wieder zu widerlegen versuchst. Ich will auch gar nicht darauf hinaus, dass ich mir sicher bin, dass mein Ansatz der bessere Ansatz ist. Es würde mich einfach sehr freuen, wenn du ex post einfach einmal die Gedanken aufgreifst, in deinem Modell ein bisschen spielst und wir dann entweder wissen:
    – Meine Gedanken sind einfach vom Momentum beeinflusst, da man Vergangenes leichter verdrängt. Das würde das Power Ranking noch wertvoller machen, da die Validität einmal mehr gezeigt worden wäre oder
    – das Power Ranking noch verbessert werden kann, was ja Ziel unserer aller sein sollte, da wir ja grundsätzlich gemeinsam den gleichen Ansatz verfolgen.

    Lange Rede kurzer Sinn: Schau dir doch einfach mal die Gewichtung der einzelnen Spieltage unter meinen Anregungen (welche ja eigentlich identisch mit denen deines Freunds Hermann sind) an, vielleicht wird das meines Erachtens jetzt schon exzellente Modell noch ein Stückchen exzellenter.

    PS: Ich habe noch ein paar andere statische Ansätze geprüft, wie z.B. Standardabweichung zwischen Erstausgabe Woche 6 und Woche 12, welche mich zu dem Schluss lassen kommen, dass die ersten Spieltage zu hoch gewichtet sind. Bei Interesse an einer tieferen Diskussion wäre dann vielleicht eine PN dann am Besten. Und auch wenn sich das durch den Begriff Standardabweichung jetzt wissenschaftlich anhört, das waren auch nur sehr laienhaft, ich bin auch kein studierter Statistiker.

  20. Pingback: Establish the Review – Eine launige Woche 13 liegt hinter uns | Sideline Reporter - Eier, wir brauchen Eier!

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