Thanksgiving-Preview 2019

Vorschau-Quickie auf Thanksgiving 2019.

Ich bin diese Woche sehr knapp bei Zeit, also lass uns schnell durch einen mäßig interessanten Thanksgiving-Spieltag gehen.

Detroit Lions (3-7-1) – Chicago Bears (5-6)

18h30 / CBS

Duell der Enttäuschten in der NFC North. Bei den Lions hatte man vor der Saison in etwa mit einer Zwischenbilanz analog der aktuellen rechnen müssen, doch die Bears waren mit Superbowl-Ambitionen gestartet (NB: wir hatten deutlich vor solch überzogenen Erwartungen gewarnt).

So grausam wie die Bears-Offense seit Wochen spielt, grenzt die 5-6 Zwischenbilanz an ein Wunder. Doch andererseits:

  1. Man ist längst aus allen Playoff-Träumen gerissen und hat auch im NFC Wildcard-Rennen keine echte Chance mehr.
  2. QB Mitchell Trubisky ist als Bust abgestempelt und Headcoach Matt Nagy als Kaiser ohne Kleider entzaubert.
  3. Der einzige Lichtblick der gesamten Offense ist WR Allen Robinson.
  4. Die Defense ist nach wie vor gut, hat aber die prognostizierte Regression erlebt und ist „nur mehr“ in den Top-10, nicht mehr unangefochtene #1.

Die Lions auf der anderen Seite sind eigentlich gut in die Saison gestartet und hätten mit adäquatem Refereeing durchaus bei 3-1-1 Bilanz stehen können, doch dann verdaddelte man eine klare Führung in Green Bay, weil man in einen elendigen Establish-the-Run Bullshit-Modus schaltete als der Pass längst etabliert war, verletzte sich QB Matthew Stafford – und jetzt geht mit der kompletten Offense quasi nix mehr.

Bin ich darüber traurig?

Ein bisschen. Auf der anderen Seite: Ich war von Anfang der Offseason extrem negativ dem ganzen unsäglichen Gelaber von GM Bob Quinn und Headcoach Patricia gegenüber eingestellt, habe eigentlich außer einem kurzen Moment in der ersten Halbzeit im Monday Night Game gegen die Packers nie mehr als 6-10 Bilanz erwartet, weil die Offense nicht ausgelegt war ihr Potenzial auszuschöpfen, und fühle mich jetzt in allen Facetten meiner schlimmsten Befürchtungen bestätigt.

Es wird Zeit, das Quinn/Patricia Experiment zu hinterfragen, denn es hätte auch mit Stafford auf maximal 7-9 oder 8-8 geführt. 2019 ist nicht mehr die Zeit, in der man wie anno neun die Hälfte seiner Early-Downs in eine Menschenmauer rennt ohne dafür mit einer Niederlage nach der anderen bestraft zu werden.

Noch was?

Ahhhh… heute soll sogar Backup-QB Driskel fraglich sein. Weil man ihn ja trotz offensichtlicher Kompatibilität mit OffCoord Darrell Bevell nicht nehmen konnte um keinen Aufschrei der alten weißen Garde zu provozieren, holte man einen Mann namens David Blough als eventuellen Ersatz.

Dann kriegste halt auch sportlich die Scheiße, die du verdienst – und die Bears gehen vermutlich mit dem besseren QB in die Partie. Entsprechend ist Chicago auch mit 4 Punkten favorisiert.

Dallas Cowboys (6-5) – Buffalo Bills (8-3)

22h30 / FOX

Wichtige Partie für die Dallas Cowboys, die – man möchte das gar nicht meinen, wenn man die Teams spielen sieht – nur einen einzigen Sieg mehr gefeiert haben als die Bears! Dass die Cowboys 6-5 sind, gleicht angesichts einer Top-5 Platzierung im Power-Ranking (Effizienz pro Down) eigentlich einem Treppenwitz, doch die Faktoren sind längst klar:

  1. Der übervorsichtige Headcoach Jason Garrett kann nicht aus seiner Haut, doch Owner Jerry Jones, eigentlich ein sensationell erfolgreicher Business-Mann, zögert die überfällige Entlassung weiter hinaus.
  2. Establish the Run in der krassesten Form wurde zwar abgelöst, aber noch immer geht viel zu viel in Early-Downs über den ineffizienten RB Elliott anstatt den heuer fantastischen QB Prescott einfach machen zu lassen.
  3. Die Defense ist nur noch Durchschnitt.

Sonntag in New England war eigentlich Cowboys galore: In widrigen Bedingungen eigentlich gut genug gespielt um eines der besten Teams der NFL zu schlagen, aber am Ende zu viele Eigenfehler gemacht – reihenweise Fieldgoals in der gegnerischen Platzhälfte geschossen, viele Fumbles, die eine Interception, Special-Teams Böcke, in der Schlussphase bei 7 Punkten Rückstand Fieldgoal statt 4th Down genommen.

Sogar Troy Aikman war dafür, auszuspielen.

Dass sich Garrett im Nachgang in krude Weltsichten verstrickte („Wir treffen die Entscheidungen, die unsere Organisation voranbringen, und Analytics kann uns dabei nicht helfen… Verschiedene Menschen haben verschiedene Ansichten davon, was hilfreich ist“), machte die Sache nicht besser. Im Gegenteil: Sie belegte Garretts Beratungsresistenz und fehlende Offenheit gegenüber nützlichen Tools. Da möchtest du ja in der anti-Cowboys Fraktion glatt hoffen: Bitte Jerry, lass den Mann noch 20 Jahre lang weiterwursteln!

Doch das wäre schaden, denn in der heurigen Verfassung wäre zumindest die Offense eigentlich sehenswert. QB Dak Prescott, der weiterhin keinen Langzeitvertrag hat, weil Jones unbedingt RB Elliott bezahlen musste, spielt nach Effizienz-Metriken eine durchaus MVP-reife Saison, doch sie läuft unter dem Radar, weil Dallas eine machbare Partie nach der anderen verschenkt.

Jetzt kommt Buffalo. Die Bills sind zwar 8-3, doch so richtig ernst nimmt sie niemand. Der Record wurde gegen den mit Abstand einfachsten Schedule der NFL eingefahren, die meisten Siege sind nicht überzeugend – aber in den letzten Wochen hat sich zumindest die Passing-Offense einigermaßen konsolidiert.

Dropbacks von QB Josh Allen bringen 0.06 EPA/Play ein, #19 der NFL. Es gibt Beobachter, die diese Leistungssteigerung („Explosion“ wäre deutlich zu hoch gegriffen) mit der quasi-Entmachtung von OffCoord Daboll erklären. Was auf jeden Fall hilft: Viel Early-Down Passing, wodurch man Allen nicht bloß die Chance gibt, gegen simplere Defense zu werfen, sondern auch die Optionen auf QB-Keeper behält.

Richtig im Spiel werden die Bills zumeist aber von der opportunistischen Big-Play Defense gehalten, die als #3 gegen das Passspiel zu den Top-Units 2019 gehört. Allerdings ist hier Vorsicht geboten: Die bisherigen Offenses waren mickrig. Sowas wie Prescott/Cooper hat die Mannschaft noch nicht gesehen.

Dallas ist in den Wettbüros mit 6.5 Punkten favorisiert.

Atlanta Falcons (3-8) – New Orleans Saints (9-2)

02h20 / NBC

Abschluss vom Thanksgiving-Wochenende mit einem NFC-South Duell, das seinen Thrill weniger aus der sportliche Ausgangslage zieht, sondern mehr aus dem Hinspiel. Dieses wurde von Atlanta sensationell 26-9 gewonnen.

Es war ein Ergebnis aus heiterem Himmel, denn Atlantas Saison ist seit Wochen auf dem Abfallhaufen der Geschichte: Gestartet als Anwärter im erweiterten NFC-Playoffrennen, gestrandet schon nach drei Wochen als offensichtlich wurde, dass die Defense nix reißen wird. Atlanta war dann wochenlang auf #30 oder schlechter nach EPA/Play gerankt…

…nur um ohne Vorwarnung ausgerechnet gegen die von QB-Rückkehrer Drew Brees angeführten Saints zu dominieren und die Offense über vier Viertel komplett abzuwürgen. Atlanta zeigte in jener Partie alles, was man ansonsten diese Saison vermisste: Gute Coverage, sicheres Tackling, aggressiver Pass-Rush (6 Sacks).

Die Saison bleibt zu Ende und Headcoach/DefCoord Dan Quinn ist so gut wie dead man walking, doch für Atlanta bleibt noch ein Ziel in dieser Saison: Den Saints das First-Round Playoff-Bye zu vermiesen. New Orleans ist dort noch dick im Rennen – San Francisco mit 10-1, Seattle mit 9-2, Green Bay und Minnesota mit jeweils 8-3 sind die ärgsten Widersacher. Jede Niederlage für die Saints kann in diesem hochklassigen Rennen kritisch sein.

Doch wie hoch ist die Wahrscheinlichkeit, dass die Saints noch einmal so ein Ei legen wie vor drei Wochen? Wie hoch ist die Wahrscheinlichkeit, dass „Kurzpass-Drew“ erneut trotz quickem Release einen Sack nach dem anderen kassiert und die Offense trotz 13 Catches für über 150 Yards vom MVP-würdigen WR Michael Thomas erst in der Garbage-Time zum ersten Touchdown kommt?

Ich würde sagen: Kleiner als 30%. Anders: Saints sind klarer Favorit – in den Wettbüros mit 5.5 bis 7 Punkten.

17 Kommentare zu “Thanksgiving-Preview 2019

  1. Die Lions starten heute wirklich David Blough. *pffff*
    Ich hoffe nur das Spiel wird besser als es das jetzt befürchten lässt.

  2. Danke für die Vorschau!
    Nur eine kurze Anmerkung: Die übertragenden Networks stimmen (leider) nicht. Das Spiel um 18:30 wird von FOX und das um 22:30 von CBS übertragen.

  3. Deswegen zeigt pro7maxxx das 18 Uhr thanksgiving Game auch nicht weil sie wohl die rechte von fox spielen nicht haben.

  4. Ich mag die Bills wie die Titans – einfach weil sie graue Mäuse sind. Unspektakulär, aber effizient in gewisser Weise, was auch wieder auf einen gewissen positiven Teamgeist hinweist.
    Den Durchbruch werden sie wahrscheinlich nie erreichen, aber für mich als Zuseher bieten sie die Unterhaltung, gepaart mit Spannung bei dem kaum vorhersagenden Ausgang ihrer Spielweise.
    Bin neugierig, ob Dallas mit ihrer vorhandenen spielerischen Qualität durchstehen bis zum Schluss, oder ob Buffalo sie auf ihr Level nieder drücken kann. Dann ist der Ausgang offen.

  5. Establish the preview, danke für den unterhaltsamen Artikel. Unterhaltsam nicht nur inhaltlich, sondern auch sprachlich und voller Spitzen! Liest sich prächtig!
    Lions-Bears 18:30 auf DAZN, falls jemand das Duell der QB-Superstars anschauen mag.

  6. Zwei Drives, zwei Tauchdowns

    Läuft bei David Blough und den Lions. Jetzt auch mit dem Onside? Kick?!

    Aber es fällt schon auf, dass bei Rookie QBs die ersten Spiele meist gut laufen, bis die Teams sich das Tape angeschaut haben. Oder kommt mir das nur so vor?

  7. Ich gucke den Sport gerne & lese hier gerne. Aber ich verstehe gefühlt nix. Der lions qb ist undrafted und seit sehr kurzem beim Verein. Trotzdem kann er mithalten??? Dachte, laut Lehrmeinung sollten selbst top10 draft qb erstmal hinter erfahrenen qb monatelang lernen????

  8. Ahmser, eine weitverbreitete Erklärung ist, dass die Defense kein Gametape bei Rookie-QBs hat. Auf Gametape kann man sehen, ob ein QB gern läuft, gern kurze Pässe spielt oder geniale tiefe Bomben wirft. Ob er gern nach rechts oder links wirft, wer sein bevorzugter Receiver in Crunch time ist. Oder wie ein typischer Gameplan von ihm aussieht. Evtl. sogar, welche Ticks er hat, welche Anzeichen er zeigt für bestimmte Spielzüge.
    Bei nem Rookie hat die Defense erstmal nichts und der Gameplan ist nicht auf den QB getrimmt.

    Und natürlich ist jeder Spieler anders. Für die meisten Rookie-QBs ist das Spiel erstmal wahnsinnig schnell in der NFL und sie erkennen Defenses sowie (bald) offene) Receiver zu spät.
    Manche QBs lesen das Spielgeschehen schon recht schnell, dann sehen sie besser aus.
    Und natürlich liegt es auch am Coach/OC: Ein guter Coach macht einen Gameplan, der es seinem QB leicht macht. Schnelle Reads vor allem, wo der QB nur ein oder zwei D-Spieler lesen muss, bevor er entscheidet, wo der Ball hingeht.

  9. Vor dem Schlussviertel in Dallas. Den Bills kann man mangelndes Selbstvertrauen nicht vorwerfen. Nicht schön, aber effizient die Chancen nutzen. Bravo dem gesamten Team aus Buffalo.
    Kann einer das „Erfolgsrezept“ der Bills erklären ohne sich zu sehr auf die Gegner zu beziehen?
    Wahrscheinlich werden sich aber die Schlagzeilen sowieso auf die Cowboys beziehen, die Messer medial gewetzt werden nach dem Game, egal wie das Endresultat lautet.

  10. Die Bills könnten noch die Patriots überholen wenn die ne Pleiten Serie hinlegen würden😁😁😁😁😁😁

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