Black-Friday Preview 2019

Noch immer knapp bei Zeit. Muss Weihnachtsgeschenke kaufen!!!

Just kidding.

Aber ohne Scherz: Ich bin dieser Tage auf einem Englisch-Seminar, und ich durfte zu meinem Erfreuen nicht bloß feststellen, dass der Referent aus Seattle kommt, glühender Seahawks-Fan und Cowboys-Verachter ist, sondern auch den PFF-Podcast hört („I love how Sam Monson gets straight to the point: This player X is trash, that player Y is horrible“).

Eines seiner Goodies vom gestrigen Tag: In den USA herrscht am Black-Friday ein derartiger Kaufrausch, dass es in den letzten Jahren schon „Black-Friday Deaths“ gegeben hat. Die Leute werden in den überfüllten Malls einfach niedergetrampelt.

Doch keine Angst: Hier drin herrscht keine Gefahr. Lass uns also dem Sportlichen widmen, denn auch hier haben College Football und Black Friday einiges zu bieten.

Situation vor dem Rivalry-Weekend 2019

Letzte Woche gab es dann doch noch ein Upset im Playoff-Rennen, und es betraf den hoffnungsfrohesten Vertreter der Pac-12 Conference: Die #6 Oregon Ducks verloren in der Wüste von Arizona – ich hatte halbherzig vor diesen Stolpersteinen aus Arizona gewarnt. Oregon ist nach dieser desolaten offensiven Vorstellung mit der zweiten Saisonpleite im Playoffrennen eliminiert, kann aber natürlich noch die Pac-12 gewinnen und sich damit für die Rose-Bowl qualifizieren.

Die anderen Favoriten waren souverän, allen voran #2 Ohio State, das #8 Penn State keine Chance ließ und einen lockeren 28-17 Sieg nach Hause fuhr. Ohio State ist damit schon für das Big-Ten Finale qualifiziert und kann sich im Best-Case morgen sogar eine Niederlage in Michigan erlauben, weil man nach der Oregon-Pleite einen Konkurrenten weniger hat.

Im Playoff-Ranking sieht es nun so aus – es gilt „ziehe vier aus sieben“:

#1 Ohio State (11-0)
#2 LSU (11-0)
#3 Clemson (11-0)
#4 Georgia (10-1)
#5 Alabama (10-1)
#6 Utah (10-1)
#7 Oklahoma (10-1)
#8 Minnesota (10-1)
#9 Baylor (10-1)
#10 Penn State (9-2)
.…
#14 Oregon (9-2)

Ohio State vorbei an LSU, was man sportlich rechtfertigen kann – was aber auch überschätzt wird, da es sowieso nur darum geht, in die Big-Four gewählt zu werden.

Durch die Oregon-Pleite ist die Wahrscheinlichkeit von zwei SEC-Teams in den Playoffs massiv angestiegen. Alles was es wohl noch dafür braucht, ist entweder ein Alabama-Sieg morgen gegen Auburn oder ein SEC-Finalsieg von Georgia gegen LSU. LSU ist so gut wie durch, sollte es nicht morgen völlig überraschend noch stolpern.

Clemson, etwas wackelig in die Saison gestartet, aber in den letzten Wochen wieder zu großer Form aufgelaufen, hat noch South Carolina im Palmetto-Bowl im Schedule, ist dabei aber klar favorisiert.

Utah war schon immer die schwächere Wahl als Oregon, weil es keinen richtigen Qualitätssieg im Kader hatte – und jetzt kommt auch noch hinzu, dass ein möglicher Pac-12 Finalsieg über Oregon zusätzlich entwertet wird. Aber: Die Utes sind als #8 nach SP+ gar nicht so übel platziert.

Dennoch wurde im aktuellen Playoff-Ranking wurde auch schon der Ausschluss von Utah selbst bei Conference-Gewinn und 12-1 Bilanz vorbereitet, denn:

  1. Man stufte den potenziellen Utah-„Qualitätsgegner“ Oregon um satte acht Plätze von #6 auf #14 runter.
  2. Hievte man den potenziellen „Qualitätsgegner“ Oklahomas, Baylor, gleich fünf Plätze von #14 hoch auf #9.

Jenes Oklahoma ist die Unbekannte am Hinterhofeck. Die Sooners haben noch zwei Siegchancen gegen respektable Gegner: Morgen im Bedlam-Derby gegen Oklahoma State und nächste Woche im Big-12 Finale gegen Baylor, dem man dann „Top-10“ Material nachsagen wird.

Oklahoma ist ein nicht uninteressanter Case-Study: Die Offense ist mindestens gleich effizient wie in den letzten beiden Jahren unter Heisman-QBs und #1 Draftpicks wie Baker Mayfield oder Kyler Murray, wenn auch etwas weniger variabel. Die Defense ist sogar deutlich besser. Und trotzdem fühlt sich Oklahoma wie ein schwächerer Contender als 2017 und 2018 an.

Wie gesagt: Es bleiben noch zwei Chancen, Glaubwürdigkeitspunkte zu sammeln. Aber dann bleibt noch immer die Frage: Kann Oklahoma wirklich an Alabama / Georgia vorbeirutschen oder ist der SEC-Bias im Playoff-Komitee so groß wie gedacht?

Programm von heute

Damit zu den Spielen von heute. Es geht nicht um Playoffs, aber die Partien sind dennoch unterhaltsam.

18h: Texas – Texas Tech (FOX)
18h: Virginia – Virginia Tech (ABC)

Texas und Virginia Tech haben jeweils eher enttäuschende Spielzeiten hinter sich. Texas ist eigentlich gut gestartet und konnte in LSU im September auch einem der absoluten Spitzenteams lange Zeit Paroli bieten, doch am Ende war ein QB Sam Ehlinger zu wenig um einen lauwarmen Skill-Player Corps und eine desaströse Defense durchzuschleifen.

Bei Virginia Tech galt Headcoach Fuente zur Saisonmitte schon als lame duck. Dann fand die Hokies-Offense doch noch zu sich. Jetzt sind beide 8-3 und 5-2 in den ACC-Spielen, Virginia Tech ist sogar mittlerweile an #24 gerankt. Womit auch klar ist: In diesem Derby in Charlottesville wird der ACC-Endspielgegner von Clemson ausgespielt.

20h30: Nebraska – #17 Iowa (BTN)

Für Nebraska geht es mit 5-6 Bilanz darum, sich doch noch für die Bowl-Season zu qualifizieren. Für Headcoach Scott Frost ist diese Qualifikation aber keine Job-erhaltende Maßnahme – sein Vertrag wurde erst vor kurzem für weitere zwei Jahre verlängert, obwohl die Huskers heuer keinen wirklichen Schritt nach vorne gemacht haben, wie das SP+ Ranking beweist:

  • 2018: Overall #49, Offense #42, Defense #52
  • 2019: Overall #52, Offense #41, Defense #55

Das Rebuilding ist dann doch größer als gedacht. Hauptproblem der Mannschaft heuer war die mangelhafte Entwicklung von QB Martinez.

Iowa ist 8-3, war aber nur ein Big-Ten Mitläufer trotz #21 Platzierung im SP+. Aus Draftsicht kann man sich EDGE A.J. Epenesa anschauen, den einige als höheren 1st-Rounder werten. Man kann sich dabei im Hinterkopf halten, dass man Edge-Rusher für gewöhnlich relativ gut vom College auf die NFL projizieren kann. Epenesa galt im Sommer noch als möglicher #1 Passrusher, ist in dieser Kategorie heuer aber von Ohio States Chase Young deutlich abgehängt worden.

21h30: #18 Memphis – #19 Cincinnati (ABC)
21h30: Colorado State – #20 Boise State (CBSSN)

Drei gerankte Mid-Majors ab 21h30 im Einsatz. Auf dem Spiel steht u.a. eine Einladung in die New Year’s Bowls, die mutmaßlich an eine dieser drei Mannschaften gehen wird. Im SP+ Qualitätsranking stehen die Mannschaften wie folgt:

Memphis (10-1) als #13 mit der 7t-besten Offense!
Boise State (10-1) als #28
Cincinnati (10-1) als #33

Das SP+ impliziert übrigens eine Favoritenstellung von Memphis gegen Cincinnati von satten 14 Punkten.

22h: Washington – Washington State (FOX / „Apple Cup“)

Apple-Cup in Seattle mit Washington und Washington State. Vor allem Washington wird 2019 als krasse Enttäuschung abhaken. Headcoach Chris Petersen schafft es einfach nicht mehr, die 2016 so vielversprechende Mannschaft im Spitzenfeld festzusetzen. Heuer dachte man, dass es mit dem aus Georgia geholten QB Jacob Eason einen Trumpf verpflichtet hätte – aber obwohl Eason als möglicher hoher Pick 2021 gilt, krankte die Offense gehörig.

Washington State wird immer ein bissl Freak-Team bleiben, solange Mike Leach dort coacht. Ergebnisse mit 50+ Punkten für beide Teams sind eher Regel als Ausnahme. Sportlich wird man mit durchschnittlichem Talent so schnell nicht mehr an die Pac-12 Spitze gelangen, aber immerhin ist man unterhalten – wie z.B. bei einem epischen Shootout gegen UCLA in der frühen Saisonphase.

24h: Troy – #24 Appalachian State (ESPN+)
02h: UCF – USF

Ein paar ambitionierte Mid-Majors auch in den frühen Morgenstunden. Appalachian State ist mit 10-1 Bilanz nicht weit von Boise State und Co. entfernt, und ist als #32 Team nach SP+ auch durchaus respektabel genug um eventuell noch durch die Hintertür eine Einladung in eine größere Neujahrsbowl zu bekommen.

UCF (Orlando) vs. USF (Tampa) ist das Derby der beiden wichtigsten Mid-Major Footballteams aus Florida. Beide sind eher enttäuscht mit dem Saisonverlauf 2019. UCF hat „nur“ eine 8-3 Bilanz – mit einem solchen Abschneiden wären die meisten Teams zufrieden, aber Josh Heupels Truppe cruiste die letzten beiden Jahre mit nur einer Niederlage insgesamt durch die Regular Season.

Ein #17 SP+ Ranking impliziert weiterhin eine gewisse Stärke der Mannschaft. Warum also nur 8-3? Nun, man verlor mit einem Punkt @Pitt, mit drei Punkten @Cincinnati und mit drei Punkten @Tulsa. Kurzum: Es fehlte wieder nicht viel für eine Perfect-Season.

USF? Not so much. Die Bulls sind 4-7 und spielen noch nichtmal mehr um eine Bowl-Season.

8 Kommentare zu “Black-Friday Preview 2019

  1. Je öfter ich mich mit dem CFB Playoff System auseinander setze, desto mehr finde ich die Ausweitung der Playoffs für notwendig und sinnvoll. Auf der einen Seite will man den unangefochtenen Top CFB Teams aus der SEC (letztes Jahr Georgia und Alabama, dieses Jahr LSU, Georgia und Alabama) die Playoffs nicht verwehren, auf der anderen Seite haben es meiner Meinung nach auch die Champions der Big-12 oder Pac-12 verdient, in die Playoffs zu kommen. In der Big-10 spielt Minnesota dieses Jahr auch geilen Football und hat per se keine Chance, weil Ohio State so gut wie durch ist.

    Wenn man die Playoffs einfach auf 6 oder sogar 8 Teams aufweiten würde, hätte man die Möglichkeit, die Conference Champions der 5 großen Conferences in die Playoffs zu lassen plus die weiteren 1-3 best gerankten Teams.
    Ich verstehe nicht, wie ein CFB Noob wie ich auf so eine Idee kommen kann, die Verantwortlichen von NCAA oder FBS aber nicht…

  2. „Man kann sich dabei im Hinterkopf halten, dass man Edge-Rusher für gewöhnlich relativ gut vom College auf die NFL projizieren kann.“

    Kannst du das noch etwas genauer erklären?
    Wieso sind Edge Rusher leichter zu prognostizieren als andere Positionen und was sind dort die entscheidenden Traits, die man schon so früh festmachen kann?

  3. Hallo patpick! Im Fernsehen kannte einer der deutschen NFL-Exprofis einen aktuellen Spieler von gemeinsamer Reha in der Offseason. Zitat: „Hälfte der NFL-Profis wird in der Offseason operiert.“ Soweit zur körperlichen Belastung von Football. Die College-Jungs spielen für lau – da kannst Du die körperliche Belastung nicht zu sehr hochfahren. Bei einem Standard von 13 Saison-Spielen macht da ein Spiel mehr oder weniger schon prozentual viel aus…

  4. @patsix:
    Wine Ausweitung der Playoffs läuft ggf den Interessen der Bowl-Games entgegen. Im Schatten der Playoffs verliert ein Bowl-Game an Wert, je größer die Playoffs werden umso mehr werden die übrigen Bowl-Games zu Trostpreisen. Und das ist nicht im Interesse der Vermarkter… Es sei denn, dein Bowl-Game ist plötzlich Playoff Finale oder Halbfinale 😉

    Die Ausweitung ist also eine Frage der Verhandlung und Interessenabwägung zwischen diversen Akteuren, nicht nur der sportlichen Attraktivität.

  5. Virginia – Virginia Tech
    Nebraska – #17 Iowa
    waren zwei emotionale Spiele mit allem was das Footballherz wünscht.
    Kein Team konnte sich entscheidend absetzen bis kurz vor den Schlussminuten/Sekunden die Entscheidung fiel.
    Zu den vorab Infos nebst dem Sidelinereporter @korsakoff schaue ich auch bei College FB bei
    Jan Weckwerth https://tripleoptionblog.wordpress.com/ vorbei.
    „Herzlich Willkommen zur Hate Week, meinem persönlichen footballerischen Höhepunkt des Jahres! Zwei Tage voll mit erbittert geführten, traditionsreichen, teilweise ins vorletzte Jahrhundert zurückreichenden Rivalitäten. Hier kann man eine enttäuschende Saison retten, indem man seinem großen Rivalen kräftig in die Suppe spuckt, oder alles verlieren, weil man den vermeintlich unterlegenen Gegner unterschätzt hat. Alles ist drin, am allermeisten Feuer!“

  6. Pingback: Rivalry-Saturday Preview 2019 | Sideline Reporter - Eier, wir brauchen Eier!

  7. @Ahmser: an den Punkt mit Zusatzbelastung/ Verletzungsrisiko hab ich zugegebenermaßen nicht gedacht. Ist natürlich ein valides Gegenargument.

    @milaidin: Die Kombination der Playoff Games mit Bowl Games wäre doch super. Ich hatte den Eindruck, dass die Halbfinals in den letzten Jahren sowieso Bowl Games (Orange Bowl usw) waren. Dann bräuchte man für die Viertelfinals eben noch weitere Bowl Games. Allerdings wird es da sicher schwierig, da die Bowl Veranstalter nicht dieselben Teams hintereinander durch die Bowls voranschreiten lassen wollen, sondern unterschiedlichen Teams die Chance auf dein Bowlgame bieten wollen…

  8. @patpicksix
    Die Playoff-Spiele sind Bowl Games, jepp. Das Problem ist ja eher, dass ein Sieg bisher wie ein Pokalgewinn wahrgenommen wird. Die Spiele sind für die eingeladenen Teams Höhepunkt der Saison und dementsprechend wichtig für Fans und TV. Wenn Du mit deinem Bowlgame dann plötzlich nur noch Playoff Viertelfinale bist ist dieser Status für den Sieger verschwunden. Ob dein neuer Status als Playoffspiel das ausgleichen kann weißt Du im Vorhinein nicht, deshalb muss erstmal jemand bereit sein das Experiment mit zu machen. Und viel schwieriger: es ist auch sehr gut denkbar, dass es sich für die Bowl Games die Teil der Playoffs sind auszahlt, für alle anderen aber nicht…

    Wie gesagt: viele Akteure mit unterschiedlichen Interessen, die einen Kompromiss finden müssen. Als Veranstalter eines Bowl Games wäre mein Verdacht, dass die Playoff Ausweitung kommt und ich nur die Wahl habe ob ich dabei bin oder nicht. Ich wäre also gesprächsbereit. Aber ob das alle so sehen?

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