Breaking: Ron Rivera wird aus dem Riverboat geworfen

Die Carolina Panthers haben vor ein paar Minuten Head Coach Ron Rivera entlassen.

Es ist ohne Blick auf den Zeitpunkt keine überraschende Entlassung. Riveras Panthers sind 5-7 und längst aus allen Playoffträumen gerissen. Ihre Saison war quasi in dem Moment verloren, als QB Cam Newton out for season war. Newtons Backup Kyle Allen schlug sich gemessen an den niedrigen Erwartungen okay, aber Allen hatte viel zu viele negative Plays zwischen den paar positiven Plays eingestreut.

Weil in den letzten Wochen auch noch Riveras Defense kollabierte und sie am Sonntag gegen Washington fast 9 Yards/Carry kassierte, war Rivera nicht mehr zu halten. Verletzungen in der Abwehr – z.B. DTs Poe oder Short – sind ein Grund für den Einbruch, doch der Eindruck, dass spätestens am Saisonende Schluss mit Rivera sein würde, war kaum noch zu übertünchen.

Rivera war seit 2011 Chefcoach in Carolina. Unter ihm erreichte Carolina 2015/16 die Superbowl. Seine Amtszeit war eng verknüpft mit jener von QB Cam Newton, mit dem Carolina eine der markantesten Offenses der NFL spielte: Die Rushing-Bedrohung des QBs in den Mittelpunkt der Mannschaft zu stellen.

Rivera war für mich auch aus einem ganz anderen Grund immer faszinierend: Seine Ägide ist untrennbar mit 4th-Down Entscheidungen verknüpft. Rivera war der Coach, der mich einst motivierte, all meine Illusionen von wegen „meine Augen erzählen mir die Geschichte am Football“ endgültig über Bord zu werfen und einfach darauf zu vertrauen, dass die Zahlen dann eben doch recht haben.

2012 schrieb ich nach Woche 11 den Eintrag, der sogar von Brian Burke (Advanced NFL Stats) retweeted wurde:

Der Starcoach von Carolina

 

Riveras Panthers waren 2-8 nach Siegen, doch im Advanced-Stats Power-Ranking an #5 gerankt. Sie waren ein Liebling der Advanced-Stats, total dominant, aber in Clutch-Situationen so unfassbar schlecht und konservativ, dass sie ein knappes Ding nach dem anderen trotz Überlegenheit verloren. Folge: Riveras Panthers beendeten 2012 mit 5-1 Run bei 7-9.

Vor der Saison 2013 schrieb ich über die PanthersVor der Saison 2013 schrieb ich über die Panthers:

Carolina ist trotzdem viel näher an den Playoffs dran als man meinen möchte. Die Panthers waren eines der Teams schlechthin von 2012, über das man nix wusste, höchstens, dass Head Coach Rivera ein Schisshase war, der keinerlei Gefühl für die Wahrscheinlichkeiten in 4th Downs und „Clutch“-Situationen besitzt. Ein Coach kann in der Hitze des Gefechts nicht alle Entscheidungen richtig treffen, aber 100% Fehlentscheidungen? No way. Rivera macht mir Angst. Ich wette, der Mann macht grandiose Trainings- und Vorbereitungsarbeit, ansonsten hätte er nicht aus einem Trümmerhaufen innerhalb kürzester Zeit einen wettbewerbsfähigen erweiterten Titelkandidaten gemacht. Nur allzu schade, dass seine Entscheidungen an der Seitenlinie so viels kaputt machten.

Ich bezweifle, dass Rivera sich komplett geändert hat. Der Mensch ändert sein Naturell nicht über Nacht. Manche ändern sich nie. Aber vielleicht, vielleicht hat Rivera doch Wind davon bekommen, dass es eine Spur weniger Konservativismus tut um die zwei, drei engen Spiele mehr zu gewinnen, die dann für die Playoffs und Anerkennung reichen.

Der Saisonstart 2013 ging dann erneut total in die Hose, als die Panthers nach zwei weiteren völlig vercoachten Spielen bei 0-2 standen – ehe Rivera den berühmten Spruch machte, sich ins „Riverboat“ zu setzen und dann tatsächlich bis zum Ende der Saison ein 4th Down nach dem anderen ausspielen ließ, was die Panthers zu einem 12-2 Finish, einer 12-4 Bilanz und dem #2 Seed der NFC umwandelten und Rivera zum Trainer des Jahres werden ließ – aus meiner Sicht zurecht.

Auch bei mir. Fortan genoss Rivera bei mit Kultstatus, und auch wenn seine erst heuer getätigten Sprüche über Analytics eher davon zeugten, dass er niemals ein echter „Riverboat Ron“ im Sinne eines kühlen Analysten (dafür vielmehr als wahrer Abenteurer) war, so bleibt mir diese Periode zwischen 2012 und 2013 auf ewig in Erinnerung.

Was nun?

Jetzt also der anstehende Wechsel in Carolina – so früh getätigt, wohl um einen Vorsprung in der Trainersuche zu bekommen. Panthers-Owner Tepper gilt als Typ, der Analytics-Methoden durchaus nicht abgeneigt, ja eher sehr offen gegenüber steht. Gut möglich, dass die Panthers einen unkonventionellen Coaching-Move machen oder sich sogar auf dem College-Markt umsehen. Vielleicht wird es auch ein großer Name wie Jim Harbaugh.

Interimscoach wird derweil Perry Fewell. OffCoord Norv Turner kriegt sowas wie eine Assistenz-Rolle des Headcoaches. Was mit GM Marty Hurney passiert, ist nicht ganz klar – Hurney ist eigentlich ein Mann vom alten Schlag („wer braucht schon Analytics, ich habe siebenundzwanzig Runningbacks zum Bezahlen“), und er wird im offiziellen Statement der Panthers nicht erwähnt.

Auch unklar: Was wird aus der Zukunft von Cam Newton? Ein neuer Coach bedeutet vielleicht das endgültige Aus von Newton als Carolinas Franchise-QB.

6 Kommentare zu “Breaking: Ron Rivera wird aus dem Riverboat geworfen

  1. Wow, hattest du Insider Infos? So schnell einen so starken Artikel rauszuhauen, Respekt!

    Fand Rivera immer einen guten Typen, schade dass es in Carolina vorbei ist. Vielleicht sollte er zu seinem alten Buddy Gettelman zu den Giants gehen, das wäre der beste von Old Dave.

  2. Kann mich Johannes nur anschließen – wow, das war das erste mal, dass ich eine solche info über meinen Lieblings-Football-Blog erhalte 🙂
    Ich bin nicht geschockt über den Fakt an sich (Rivera und Cam waren irgendwie symbiotisch), aber doch irgendwie über den Zeitpunkt. Ich kann ausser einem jetzt kurzzeitig einsetzenden Medientumult, keinen Mehrwert an sich und schon gar nicht für die Suche nach einem neuen HC sehen… Good luck und besser wird es für ein Cam Comeback auch irgendwie nicht.

  3. Kommt der GM von Tepper oder ist das eine Altlast?
    Mal schauen ob es ein erfahrener NFL Coach wie Gruden oder McCarthy wird oder jemand anderes. Der Zeitpunkt spricht eher für einen Colllege Coach.

  4. Rivera ist ein guter HC. Wäre ich Jerry, würde ich Garrett noch in der laufenden Saison feuern und Rivera nach Dallas holen. Spätestens für 2020. Kellen Moore behalten, Rivera coachen lassen, Cowboys sind ein NFC Contender.

    Auch Norv muss ein guter OC Candidate sein. Hat seine Offense modernisiert und muss unbedingt irgendwo unterkommen.

  5. Pingback: Akademische Viertelstunde 2019 – College Football vor dem Championship Weekend | Sideline Reporter - Eier, wir brauchen Eier!

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