Ein Blick auf das Trainerkarussell im College Football 2019/20

Ich hatte es schon am Vormittag angekündigt: Kurzer Blick auf ein paar Trainersituationen im College Football.

Rücktritt von Coach Pete

Chris Petersen tritt in Washington zurück. Überraschungsmove. Petersen war seit 2014 bei Washington am Werke und schaffte 2016 den Sprung in die Playoffs. Er gewann zwei Conference-Titel mit den Huskies und spielte in drei Neujahrs-Bowls, und doch fühlt sich seine Amtszeit nach der gigantischen Zeit bei Boise State wie eine kleine Enttäuschung an.

Petersen soll ganz einfach ausgebrannt gewesen sein. Es hört sich momentan nicht so an, als dass er so schnell wieder coachen wird, und Interesse an einem größeren Job wie z.B. bei USC hat er schon in Vergangenheit nicht gehabt. Er soll also vorerst im Athletic-Department der University of Washington eine Beraterrolle einnehmen.

Petersen ist mein All-Time Favorit unter Footballcoaches, seit er 2007 in der megamäßigen Fiesta Bowl gegen Oklahoma einen Trick-Play nach dem anderen aus dem Ärmel zog um in der Crunch-Time erst gegen den Favoriten auszugleichen und ihn dann in der Overtime sensationell zu schlagen. Nie hatte ich zuvor einen Coach mit so dicken Eiern gesehen. Petersen schliff sie nur noch über das Spielfeld.

Petersen war einer der einflussreichsten Coaches in den letzten 15 Jahren. Wer es genau wissen will: Ihm habe ich vor sechs Jahren schon einmal eine kleine Ode spendiert:

Sein Nachfolger wird mit Jimmy Lake der bisherige Defensive Coordinator. Um ihn zu fördern, hatte „Pete“ schon im Sommer seinen langjährigen Kumpel und DefCoord Pete Kwiatkowski gefeuert.

USC Trojans

Bei USC bleibt es vorerst ruhig. Headcoach Clay Helton wurde noch nicht gefeuert – wobei das Wörtchen *noch* durchaus mit Vorsicht zu genießen ist. Der neue Athletic-Director Mike Bohn ist schwer zu lesen, betonte in den letzten Wochen aber immer wieder, keine vorschnelle Entscheidung treffen zu wollen.

Eine Entlassung Heltons käme aber mit Ansage. Helton fühlte sich nie als mehr als eine Billiglösung an – zu klein, zu wenig glamourös für die University of Southern California, wo sich die Spieler mit dem Hollywood-Sternchen umgeben und keinen Respekt vor „kleinen Lösungen“ haben.

Helton ist bei USC in fünf Spielzeiten zwar immerhin 40-21 und hat zwei Top-Ten Rankings abgestaubt. Aber abseits der einen dominanten Saison mit QB Sam Darnold waren die Vorstellungen eher bescheiden – und vor allem gilt das Publikum in L.A. als gelangweilt. Letzte Saison lag der Zuschauerschnitt bei rund 55.000. Zahlreiche Fußballbundesligisten würden für so einen Schnitt morden, aber das riesige Coliseum in Downtown L.A. wirkt mit solchen Zahlen fast leer.

Möglich, dass USC noch zuwartet, ob die „große Lösung“ Urban Meyer Interesse hat. Meyer gewann zuletzt bei Florida und Ohio State National Titles, trat aber auf beiden Stationen vorzeitig zurück, weil er Motivationsprobleme und Burnout-Risiko hatte.

Gefeuert

Ole Miss hat Headcoach Matt Luke gefeuert. Luke war in drei Jahren 15-21, aber mit der falschen Tendenz: 6-6 im Debütjahr konnte man nach dem Desaster um Hugh Freeze noch als Erfolg verkaufen, aber dann folgten 5-7 und 4-8. Vor allem 2018 war enttäuschend, weil man mit Leuten wie WR DK Metcalf, WR AJ Brown, OT Greg Little oder TE Dawson Know so gut wie nix offensiv auf die Reihe brachte.

USF feuert Headcoach Charlie Strong. Auch Strong mit der falschen Richtung: 10-2, dann 7-6, dann 4-8. Bevor man nächstes Jahr bei dem Tempo auf 1-11 landen konnte, nun die Reißleine für Strong, der schon vor ein paar Jahren eine sehr erfolgreiche Zeit bei USF hatte nutzen können um kurzzeitig Texas-Coach zu werden.

Jenes Texas tauscht die Coordinators aus. Sowohl DefCoord Todd Orlando als auch OffCoord Tim Beck wurden von Headcoach Tom Herman rausgeworfen. Es sind zwei auffällige Moves, und ich frage mich wie Smart-Football, ob Herman bei den Longhorns nach drei Spielzeiten und 24-15 schon so schwer unter Druck ist, dass er Bauernopfer brauchte:

Becks Aus ist faszinierend, weil jetzt nicht mehr klar ist ob Texas 2020 eventuell sogar eine neue Art von Offense spielen möchte. Orlandos Abgang ist mehr Zeichen von Schnelllebigkeit des Business: Letztes Jahr noch als Big-Thing gefeiert, jetzt vom Campus gejagt.

Boston College feuerte das personifizierte Mittelmaß Steve Addazio (44-44 in sieben Jahren, sechs Bowls, aber nie besser als 7-5).

Mizzou warf Headcoach Larry Odom raus. Odom war 25-25 in vier Jahren. Das ist für Missouri schon nicht mehr gut genug!

Dürfen wohl bleiben

Nicht gefeuert: Arizona-Headcoach Kevin Sumlin trotz einer 4-8 Bilanz (nach 5-7 letztes Jahr). Auch Mississippi States Joe Moordhead darf wohl bleiben.

Verlängert

Matt Campbell bei Iowa State. Campbell gilt seit Jahren bei vielen Trainersuchen als heißer Anwärter, aber Iowa State schaffte es dennoch, seinen Vertrag vorerst bis 2025 zu verlängern. Das riecht zwar schwer nach „Preis nach oben treiben“, erhöht aber die Chance, dass Campbell 2020 wirklich bei den Cyclones bleibt.

Neu eingestellt

Greg Schiano in Rutgers. Acht Jahre, 32 Mio. Schiano hat relativ gute Konditionen im Vertrag, aber keine Ausstiegsklauseln, falls Rutgers die kaputten Facilities nicht upgradet.

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