Date am Donnerstag – Woche 15: Ravens gegen Jets, Zukunft trifft auf Steinzeit

Auftakt zu Woche 15 mit dem heutigen letzten Thursday Night Game der Saison: Baltimore Ravens (11-2) vs. New York Jets (5-8). Es sollte eine eher einseitige Geschichte werden, denn die Ravens treten als 14.5 Punkt Favorit an. Doch das hält uns nicht davon ab, ein paar Facetten der beiden Teams detaillierter zu betrachten.

Es sollte aber auch eine eher Blitz-lastige Angelegenheit werden: Die Ravens schicken in mehr als 50% der Fälle Extra-Passrusher aus der zweiten Reihe gen QB und führen die NFL damit deutlich an. Die Jets kommen auf fast 40% – immer noch #4 der NFL.

Ravens, Ravens, Ravens

Die Ravens bleiben nicht nur für mich faszinierend, sondern auch drüben bei PFF. Diese Woche wieder ein paar Nuggets mehr auf dem Weg, diese sensationelle Mannschaft zu durchleuchten:

#1 Lamar Jackson und der Wert von Scrambling-QBs. Dass Running-QBs dem Laufspiel helfen, ist lange bekannt. Eric Eager hat am Montag angeschaut, zu welchem Grad. Und er hat erstaunlicherweise herausgefunden, dass solche mobilen QBs wie eben Jackson schon wichtig sind, aber längst nicht so wichtig wie die anderen wichtigen Faktoren für den Erfolg von Laufspiel:

  • Pass-Blocking
  • Verteidiger in der Box
  • Spielsituation (short yardage / lange Distanz to go)
  • Qualität der Run-Defense

#2 Vergleich Lamar Jackson vs. Michael Vick. Jackson und Vick sind schon oft verglichen worden, aber noch nie so detailliert aufbereitet. Sam Monsen zeigt auf:

  1. Die Falcons haben einst starr am West-Coast Scheme festgehalten, Vick dort hineingepresst und sein Scrambling als willkommenes Optional gehandhabt (ich habe oft darüber geschrieben, wie sehr ich den damaligen Falcons-Coach Jim Mora jr. bis heute dafür hasse, so hirnlos an Vicks Talenten vorbeigecoacht zu haben). Die Ravens dagegen haben nicht das Scheme in den Mittelpunkt gestellt, sondern den Spieler zum Star gemacht – und das Scheme an seinen Stärken ausgerichtet.
  2. Vick hatte kaum Designed-Runs, fast nur Scrambles. Bei Jackson ist das Verhältnis nahezu umgedreht: Weit über 100 Designed-Runs, nur etwa zwei Scrambles pro Spiel.
  3. Vick lebte als Runner einst fast allein vom Speed, Jackson dagegen ist agiler und bricht mehr Tackles.

#3 Wandelbarkeit der Ravens-Defense. Ich habe vor ein paar Tagen über das „geordnete Chaos“ in der Ravens-Defense geschrieben. Steve Palozzolo bringt es bei PFF nun auf den Punkt: Er sieht in der Ravens-Defense eine Art „positionslosen Football“. Die Cornerbacks bleiben draußen, und in der Mitte wird zwischen den einzelnen Levels,

Defensive Line <-> Linebacker <-> Defensive Backs

munter durchgetauscht. Ein FS Earl Thomas, in Seattle ein reiner (wenn auch natürlich superber) Single-High Safety in Cover-3, ist in Baltimore zu einer Allzweckwaffe gereift und agiert nun auch häufig nahe an der Line of Scrimmage.

Die Ravens sind auch „analytisch“ gebaut: Defensive Backfield ist wichtiger als Pass-Rush. Beziehungsweise: Als „Pass-Rusher“. Es gibt kaum individuell gute Pass-Rusher in Baltimore, aber dafür wird mit eingangs besagtem Blitzing Druck ausgeübt: Die Ravens haben eine der höchsten QB-Pressure Rates in der NFL trotz des #27 Pass-Rush Ratings bei PFF.

#4 An der Stelle kann man auch noch einmal auf den Grundsatzartikel zur Ravens-Offense vom deutschen PFF-Analysten Timo Riske verweisen, dessen Erkenntnisse ich schon vor einigen Wochen zusammengefasst hatte.

#5 Und noch was: Die Ravens sind die Motion-lastigste Offense in der NFL. Hier der Graph, der auf der horizontalen Achse andruckt wie häufig im Moment der Snaps ein Mann in Bewegung („Motion“) war, und auf der vertikalen Achse, um wie viel erfolgreicher die Offense mit Motion im Vergleich zu Spielzügen ohne Motion war. Weiter rechts ist mehr Motion, weiter oben mehr Erfolg. Spoiler: Die Ravens agieren in ihrem eigenen Universum und sind trotz exzessiver Nutzung von Motion noch immer erfolgreicher als der NFL-Schnitt.

J-E-T-S

Kannste unschwer erraten, wer mit am wenigsten Motion hat? Rüschtüsch: Die Jets, die im Verbund mit Mannschaften wie Eagles oder Falcons eine der Enttäuschungen der NFL-Saison sind: 5-8 Bilanz, und man wundert sich ob der beißenden Negativität, die diese Mannschaft und ihren höchst umstrittenen Headcoach Adam Gase umgibt, dass noch kein marodierender Mob durch das Clubhouse der Gang Green gezogen ist.

Die Zahlen hinter der noch geschönten Saisonbilanz?

  • #31 Offense nach EPA/Play
  • #30 Passing-Offense nach EPA/Pass
  • #27 Rushing-Offense nach EPA/Run
  • #32 Schedule und dennoch weit unter .500
  • #29 im Power Ranking nach EPA/Play
  • 3-1 in Close-Games
  • Punktdifferenz von -75, nur sieben Teams sind schlechter, obwohl niemand anderes einen annähernd so einfachen Schedule hatte

Dass man in einer Saison, in der man mehrere Spiele mit Luke Falk als Starting-QB antreten musste und insgesamt vier Spiele gegen Dolphins, Bengals, Jaguars und Browns verlor noch auf fünf Siege kommt, zeigt auch: Es wäre so viel mehr möglich gewesen – auch die Playoffs, hätte man zumindest die Gurkenteams im Schedule geschlagen.

Dass das nicht passiert ist, bringt Headcoach Gase schon vor Ablauf seines ersten Jahres als Cheftrainer in Bedrängnis, denn es wirft kein gutes Licht auf seine Arbeit. Ausgerechnet die Defense vom umstrittenen DefCoord Gregg Williams war gar nicht mal das Problem. Sie ist nach EPA/Play in den Top-10 gerankt, und bei PFF als eine der 12 besten Defenses bewertet. Heute allerdings ist der Superstar der Abwehr, S Jamal Adams, wohl mit Knöchelproblemen nicht einsatzfähig.

Jets-Offense

Aber viel Hoffnung brauchen wir den Jets heute sowieso nicht zu machen, weswegen wir einfach noch einen kurzen Blick auf die Offense-Misere werfen. Die Offense, Gases Offense, ist der Grund, warum es bei den Jets nicht läuft. Und das fällt nach einer Offseason voller teurer Investments durchaus schnell auf Gase zurück:

#1 Sam Darnold hat sich nicht wie gewünscht entwickelt. Darnold, gehypter #3 Pick im Draft 2018, hatte mit Pfeifferischem Drüsenfieber und allerlei Trallala so seine Entschuldigungen, aber Punkt ist: Junge QBs tendieren, im zweiten Jahr einen mächtigen Sprung nach vorne zu machen. Bei Darnold steht dieser Sprung bislang aus.

Er hat eine relativ hohe Anzahl an Big-Plays, aber tendiert viel zu häufig zu stupiden, rücksichtslosen Hochrisikopässen, die von gegnerischen Verteidigern zu einfach abgefangen zu werden. PFF hat Darnold heuer mal wieder mit fast 5% „Turnover-worthy Plays“ gechartet. In vier Spielen, in denen ich Darnold selbst gechartet habe, kam ich sogar auf 6%.

#2 Adam Gase hat horrendes Play-Calling. Gase war in Miami schon streitbar, doch zumindest war er dort ein eher aggressiver Passer in Early-Downs. Als Jets-Coach ist er bislang einer der konservativeren Early-Down Playcaller:

  1. Seine Pass-Quote ist mit nur 56% in 1st und 2nd Downs unter „neutralen“ Spielbedingungen (Siegwahrscheinlichkeit zwischen 20% und 80%) eine der niedrigsten in der NFL, obwohl das Jets-Passing deutlich effizienter als das Jets-Rushing ist.
  2. Noch schlimmer: In 2nd&long Situationen (2nd Downs mit mehr als 8 Yards to go) sind die Jets das konservativste Team in der NFL: Sie callen dort in 44% der Spielzüge einen Laufspielzug und verschwenden damit zahlreiche Gelegenheiten auf kurze 3rd Downs oder 1st-Down Conversions.

#3 LeVeon Bells Einkauf war ein Bust. Aber das wussten wir bereits vor der Saison. Ein Fun-Fact? Letzte Woche fiel Bell aus, und in den Minuten nach der Bekanntgabe dieser News bewegten sich die Over/Under in den Wettbüros nach oben. Anders: Die Wetter, die schlauer sind als viele NFL-Offizielle, wussten, dass die Jets ohne Bell mehr werfen würden und somit höhere Chance auf mehr Punkte hatten.

Als Ballfänger hat Bell natürlich einen gewissen Wert: 63 Anspiele, 55 Catches, 400 Yards, davon 386 nach dem Catch. Aber seine ca. 7.3 Yards/Catch zeigen auch: Pässe auf Bell sind reine Notfalloption, Alibipässe für den Quarterback, dem nichts besseres einfällt, weil downfield nicht viel frei ist.

#4 Offensive Line: Bei PFF unter den schlechtesten Lines der Liga, bei ESPN im Pass-Blocking Win-Rate auch nur die #20.

Seit der einzige Offense Liner von Format, C Kelce Kalil, Ende Oktober runter musste, gibt es nicht einen passablen Vorblocker mehr. Backup-Center Harrison z.B. hat in der halben Saison schon 15 QB-Pressures aufgegeben – mehr als doppelt so viele wie Kelce Kalil.


Die Lichtblicke bei den Jets waren eher in der Defense, die eine der besten in Run-Defense ist und wo sich Rookie-DT Quinnen Williams ganz gut zu machen scheint. Doch wird diese Run-Defense heute helfen, wenn das total anders gestrickte Laufspiel der Ravens drüberläuft?

Können die wachsweichen Corner gegen die Ravens-Tight Ends gegenhalten, wenn Jackson zwischen all der Rushing-Extravaganza seine bildhübschen Play-Action / RPO Pässe für seine Tight Ends auspackt?

Die Wetten stehen natürlich auf nein.

8 Kommentare zu “Date am Donnerstag – Woche 15: Ravens gegen Jets, Zukunft trifft auf Steinzeit

  1. Besonders das stupide in die Mauer laufen bei 1st und 2nd Down bringt mich als Jets-Fan oft sehr auf die Palme. Und plötzich steht man dann wieder mit 3rd and long da. Welch ein Wunder, hätte man ja nicht ahnen können…
    Ich glaube nicht an ein enges Spiel. Zumal auswärts die Leistungen des Teams oft noch einmal katastrophaler ausfallen.

  2. Endlich ein geiles thursday night Game,ein Spiel wo die ravens die Jets ordentlich abschlachten😂😂😀😀

  3. Sorry, aber was ein schlecht recherchierter Artikel ist dat denn? Jets hatten n Center der Kelce hiess diese Season und gut war? Alleine in diesem Themenbereich sind 2 Fehler … Oder warum wird die DEF von Greg als „überraschend nicht das Problem“ des Teams dargestellt? Dass die DEF Top 10 abschließt wusste ich vor der Season – Talentierte Jungs und n Monster-DC … Ohne Verletzungen Safe Top 5 – DEF der League. Also wer auch immer diesen Blog schreibt (Spiel Samariter) – bisl Recherche vor dem Schreiben täte wohl gut.

  4. Extrem unnötiger Kommentar von Mark. Das ist eine der best recherchierten Footballseite die ich kenne. Kelce oder Kalil, ein verschmerzbarer Ausrutscher, und erstens lese ich weder daß Kalil „gut“ war sondern nur daß er der einzige von Format war (nach PFF Pass Blocking war er der klar beste Jets O Blocker) und zweitens ist Gregg Williams seit vielen Jahren mit seiner Angel Defense berüchtigt gewesen, und die Browns Defenses unter ihm waren immer unter den Erwartungen.

    Wenn hier etwas schlecht recherchiert ist, dann der Kommentar.

  5. Sorry, aber was ein schlecht recherchierter Kommentar ist dat denn? Bisl Recherche vor dem Schreiben täte wohl gut. Korsakoff gibt Interviews in den auflagenstärksten (seriösen) deutschsprachigen Zeitungen, steht im regelmäßigen Kontakt mit professionellen Analytics-guys und ist „Safe“ Top5 Football-Analytics Blogger in Europa.

    Und:
    Man darf auch nicht vergessen, dass Korsakoff in seiner Freizeit im zwei-drei Tagesrhythmus wirklich umfangreiche und unter analytischen wie taktischen Aspekten tiefe Artikel zu allen (!) 32 Teams produziert. In einer Sportart, die in OnField-regelwerk, Taktik und Business-seite ausgesprochen komplex ist. Das Ganze ohne Bezahlung.
    Egal, ob es um Fifth-year Option, EPA, WIN-probability, „Was ist ein Catch?“ oder Vereinsgeschichte/Relocations/Owner-verhältnisse und Abstimmungsregularien geht.

    Abschließend: Wenn jemand meint, er könnte etwas auch nur ansatzweise Vergleichbares bloggen: immer gern!

  6. „Monster-DC“ pff… Hollywood im Slot mit 50 Yds Downfield Route und Gregg bleibt in Tampa 2 sitzen als sei es 2001.

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