Fragerunde zum Auftakt zur Bowl Season 2019/20

Bowl Season steht an – in dem Zug wieder eine ausführliche Frage/Antwort-Runde mit den College-Football Experten #1 und #1, Jan Weckwerth (@giannivanzetti / Triple Option Blog) und Christian Schimmel (@Chris5Sh / u.a. Der Draft) – heute mit den ersten Bowls, die an diesem Wochenende bis zum Montag anstehen.

Hier sind die Bowls vom Wochenende en detail aufgelistet:

Fr 20h: Charlotte – Buffalo (Bahamas Bowl)
Fr/Sa 01h30: Utah State – Kent State (Frisco Bowl)
Sa 20h: Central Michigan – San Diego State (New Mexico Bowl)
Sa 20h30: Liberty – Georgia Southern (Cure Bowl)
Sa 21h30: SMU – Florida Atlantic (Boca Raton Bowl)
Sa 23h30: Florida International – Arkansas State (Camellia Bowl)
Sa/So 01h30: Washington – #19 Boise State (Las Vegas Bowl)
Sa/So 03h: UAB – #20 Appalachian State (New Orleans Bowl)
Mo 20h30: UCF – Marshall (Gasparilla Bowl)

Und damit zu den Fragen zu einigen ausgewählten Bowls.

Bahamas Bowl

#1 Charlotte – Buffalo. Beim Blick auf die beiden Teams kann man darauf wetten, dass die Bulls mit den Runningbacks Patterson / Marks die softe Run-Defense der 49ers überrennen werden. Oder ist irgendein anderer Spielverlauf zu erwarten?

Jan Weckwerth: Ich hoffe es zumindest. Die Bulls haben es insbesondere in der zweiten Saisonhälfte geschafft, mit einer überragenden O-Line und einem ebenso überragenden RB Jaret Patterson Ball und Uhr zu kontrollieren – ohne dass man ein vernünftiges Passing Game oder zumindest einen dual-thread QB hatte. Die gegnerischen Verteidigungen wussten also genau, was sie erwartet, dennoch konnten sie das Laufspiel nicht stoppen.

Charlotte hat ein sehr gefährliches Edgerusher-Duo mit Markees Watts und Alex Highsmith. Letzterer ist meiner Meinung nach ein unterschätzter NFL-Prospect, der in den nächsten Monaten noch einige Aufmerksamkeit bekommen wird. Nur werden die Bulls so wenig wie möglich passen – und die 49ers sind in der Front 7 undersized und haben eben einige Schwächen gegen den Lauf.

Wenn die Bulls ihr Spiel aufziehen können, winkt ihnen der erste Bowlsieg ihrer Geschichte. Das gleiche gilt allerdings auch für die 49ers, die mit ihrem blutjungen Footballprogramm in ihrem allerersten Bowl stehen.

Frisco Bowl

#2 Kent State – Utah State. Ich bitte um einen Erklärungsversuch: Was hat Utah-State QB Jordan Love sich dabei gedacht, sich nach einer total durchwachsenen Saison für den NFL-Draft zu melden anstatt seine Aktien mit einem weiteren Jahr am College noch einmal zu verbessern? Kann Love trotzdem in den früheren Runden gezogen werden?

Jan Weckwerth: Ich habe länger darüber nachgedacht und kann den Gedankengang von Jordan Love mittlerweile eher verstehen. Im Offense-System vom neuen HC Gary Andersen und seinem OC Mike Sanford wirkte er weit entfernt von dem Quarterback, der mich in der letzten Saison unter HC Matt Wells so begeistert hat, dass ich ihn zu dem QB Sleeper überhaupt ernannte. Love hatte sicherlich einen etwas schlechteren Supporting Cast, aber das erklärt den Leistungsabfall nur bedingt. Seine Entscheidungen waren oftmals extrem zweifelhaft und führten zu einer Fülle von Turnovern. Ich hatte das Gefühl, dass er zeitweilig ‚presst‘, also sich zu sehr unter Druck setzt und Player erzwingen will.

Love musste sich nun zwischen drei Optionen entscheiden: Bei Utah State bleiben und versuchen, sich in einem System zu verbessern, das ihm offensichtlich nicht so recht liegt, als Graduate zu transferieren oder für die Draft zu melden. Ich hätte von außen wahrscheinlich den Transfer genommen, doch ist eine völlig neue Umgebung für junge Spieler auch immer mit einigen Unwägbarkeiten verbunden.

Nichtsdestotrotz bin ich mir relativ sicher, dass Love früh gezogen werden wird, denn seine Tools sind einfach zu verlockend. Ohne hier einen ausführlichen Scouting Report verfassen zu wollen: Love ist sehr mobil, hat einen schnellen kompakten Release, einen hervorragenden Arm, kann aber zugleich sehr genau mit Touch werfen. Seine Probleme in der Pocket, im Decision Making und den Reads sind sicherlich nicht zu unterschätzen, doch daran lässt sich arbeiten (und eventuell einiges schematisch verdecken).

Las Vegas Bowl

#3 Washington – Boise State. Irgendjemand bereit für eine kleine Eloge an Chris Petersen?

Christian Schimmel: Das Erste was mir in Bezug auf Petersen einfällt ist das Wort Integrität. Keiner kann hinter die Fassade schauen, aber er machte immer den Eindruck, gerade beim Thema Recruiting, auf die richtige Art und Weise agieren zu wollen. Das hat ihn, denke ich, so erfolgreich gemacht. Sportlich ist er ohnehin unantastbar und ich denke, man muss ihm hoch anrechnen, wie lange er bei Boise State geblieben ist, bevor der den Weg in die Power 5 fand. Petersen ist mich einer der größten Coaches der jüngeren Vergangenheit. Man darf gespannt sein, wo er weiterwirken wird.

Jan Weckwerth: Wieviel Platz habe ich? Im Ernst, ich versuche mich kurz zu fassen.

Wie viele andere habe ich Petersen beim unfassbaren Fiesta Bowl 2007 so richtig kennenlernen dürfen, als er mit dem kleinen Boise State den hohen Favoriten Oklahoma mit einem Arsenal an sensationellen Trickspielzügen in die Knie zwang und den Broncos damit eine ungeschlagene Saison bescherte. Es sollte nicht die einzige bleiben – und auch nicht der einzige Triumph im Fiesta Bowl. Dazu kamen noch drei weitere Saisons mit jeweils nur einer Niederlage. Niemals zuvor und danach ist ein kleines Programm eine so lange Zeit so groß gewesen.

Doch Petersen war immer schon mehr als nur ein erfolgreicher Coach. Er ging seinen eigenen Weg mit seinen eigenen Prinzipien. Das beginnt mit einer sehr persönlichen Beziehung zu seinen Spielern, die immer mehr waren als nur Sportler. Er diskutierte mit ihnen soziale und politische Themen, regte immer wieder einen Gedankenaustausch an und nahm so mehr als die allermeisten anderen Coaches an ihrem Leben teil.

Insofern ist es nur passend, dass er dafür bekannt war, nur an ausgewählte Spieler Scholarships zu offerieren (im Gegensatz zum „Gießkannenprinzip“ der meisten Coaches, die hoffen, dass sich schon irgendwer von den vielen Umworbenen fürs Programm entscheiden wird). Der Recruit sollte eben nicht nur vom Talent, sondern auch von der Persönlichkeit passen. Man kann sicherlich bei keinem Coach die Hand ins Feuer legen, dass er sich immer sauber verhalten hat, aber wenn ich mich für einen entscheiden müsste, dann wäre es Petersen. Gerüchteweise sind die Entwicklungen im immer härter ausgefochtenen Recruiting ja ein gewichtiger Grund, warum er sich (zumindest fürs Erste) aus dem Trainergeschäft zurückzieht.

Petersen ist in der heutigen College Football-Welt ein Unikum, das ich sehr vermissen werde.

#4 Warum hat es für Washington 2019 nicht zu Höherem als einer am Ende doch sehr enttäuschenden 7-5 Bilanz gereicht?

Jan Weckwerth: Das ist eine gute Frage, die dir wahrscheinlich nicht mal Chris Petersen hinreichend beantworten kann. Nach SP+ ist Washington übrigens an Position #16 gerankt mit einer Top 30 Offense und Defense sowie herausragenden Special Teams.

Meiner Meinung nach hat vor allem die Inkonstanz der Offense eine bessere Bilanz verhindert. Bei den Niederlagen gegen die drei schwächer eingestuften Teams Cal, Stanford und Colorado gelangen dem Angriff jeweils keine 20 Punkte. Dazu schenkte man gegen die beiden Spitzenteams Utah und Oregon nach gutem Beginn two-score-Führungen her. Insgesamt haben sich die großen Erwartungen, die mit dem ‚Rückkehrer‘ Jacob Eason nach seinem Transfer von Georgia verbunden waren, nicht ganz erfüllt. Die Offense blieb ein wenig berechenbar und konnte nicht übermäßig viele big plays generieren. Es lag wohl doch nicht alles am schwächeren Arm des Vorgänger-Quarterbacks Jake Browning, sondern einiges auch schlicht am offensiven System.

Sicherlich war darüber hinaus ein wenig Pech dabei, dass man alle fünf engen Spiele verloren hat – insgesamt übrigens mit nur 26 Punkten Differenz.

#5 Hätte Boise State an Memphis vorbei nicht als Mid-Major Neujahrs-Bowls Vertreter gewählt werden sollen?

Jan Weckwerth: 2019 war eines der stärkeren Jahre der Mid-Majors mit gleich drei würdigen Teams, doch hat das Komitee meiner Ansicht nach mit Memphis die richtige Entscheidung getroffen. Die Tigers haben sich in einer hochkarätig besetzten AAC mit nur einer – zudem sehr unglücklichen – Niederlage bei Temple durchgesetzt. Insbesondere die zwei Siege hintereinander gegen ein defensiv starkes Cincinnati nötigen mir Respekt ab.

Ich hatte in deiner Saisonvorschau zu den Mid-Majors ja schon geschrieben, dass ich Memphis trotz des Abgangs von Darrell Henderson für stärker einschätze als im vergangenen Jahr. Das hat sich gerade mit einer spektakulären Offense bestätigt, die in Lauf und Pass gleichermaßen gefährlich und wenig ausrechenbar ist.

Damit will ich aber keineswegs sagen, dass es Boise State nicht ebenfalls verdient hätte. HC Bryan Harsin hat erneut exzellente Arbeit abgeliefert, und das unter besonders schwierigen Voraussetzungen bezüglich der QB-Situation. Erst verletzt sich der hochtalentierte true Freshman QB Hank Bachmeier nach tollem Saisonstart, dann auch noch sein Backup Chase Cord. Daher musste man auf den JUCO Transfer Senior QB Jaylon Henderson zurückgreifen. Der machte seine Sache allerdings so überzeugend, dass die Broncos dennoch souverän die Mountain West Conference gewannen und er nun wohl im Bowl Game starten wird.

Alle drei Mid-Major-Kandidaten für den begehrten Platz im New Year’s Six Bowl – neben Memphis und Boise State auch noch App State – sind überzeugende Conference Champions und haben sich jeweils nur eine knappe Niederlage geleistet. Da Memphis das knackigste Programm hatte (unter anderem mit drei Siegen gegen gerankte Teams), stehen die Tigers für mich verdient im Cotton Bowl.

Christian Schimmel: Ich glaube man darf nicht unterschätzen wie gut die American Conference war, auch wenn letztlich nur drei Teams (Memphis an #17, Cincinnati an #21 und Navy an #23) gerankt wurden. Da nur mit einer Niederlage durchzukommen, plus die Souveränität von Memphis, wäre für mich auch ausschlaggebend, sie als bestes Non Power 5 Team zu sehen.

#6 Irgendwelche Gedanken zu den beiden aussichtsreichsten Boise-Draftprospects für 2020, DE Curtis Weaver und WR John Hightower?

Jan Weckwerth: Ich bin noch nicht intensiv ins Scouting eingestiegen, von daher sind die folgenden Sätze mit Vorsicht zu genießen. Curtis Weaver ist ein prototypischer 4-3 DE mit guter Size und überragender Produktion (19.5 TFL, 13.5 Sacks), der als potenzieller 1st round pick für die kommende Draft gilt: guter Getoff, gewinnt auf verschiedene Weisen, hat aktive Hände und Arme. Weaver gilt allerdings nicht als der beweglichste, der regelmäßig mit outside Speedrush und herausragendem Bend aufwarten kann. Hier werden möglicherweise die Testergebnisse bei der Combine Aufschluss darüber geben, wie hoch sein diesbezügliches Ceiling ist. Er projectet wohl eher als 4-3 DE als als standup Edgerusher.

Hightower ist einer meiner favorisierten Receiver der (voraussichtlich) mittleren Runden: ein langer dürrer deep threat mit starker Körperkontrolle und sicheren Händen. Solche Spieler gewinnen in den letzten Jahren nochmal zunehmend an Wert in der NFL, so dass ich mir durchaus einen kleinen Rise vorstellen könnte.

Allerdings ist es möglich, dass nicht Hightower, sondern der athletische LT Ezra Cleveland der zweite Bronco hinter Weaver ist, der in der Draft gepickt werden wird. Mit ihm habe ich mich bislang aber nur rudimentär beschäftigt.

Boca Raton Bowl

#7 FAU – SMU. 10-3 FAU gegen 10-2 SMU. Beste Saison bei FAU seit langem – und trotzdem überall schlechte Stimmung: Lane Kiffin ist schon als Headcoach weitergezogen in die SEC, und dem Favoriten der Spieler, DefCoord Glenn Spencer, wurde Willie Taggart als neuer Headcoach vorgesetzt – ein guter Move?

Christian Schimmel: Willie Taggart ist schon eine der interessanteren Figuren im Trainer-Karussell der letzten Jahre. Drei Jahre Western Kentucky, vier Jahre USF, eine Spielzeit bei Oregon und nun 1 ½ bei Florida State. Er war insbesondere bei seinen ersten beiden Stationen sehr erfolgreich. Die Saison mit zehn Siegen bei den Bulls gehört zu den Besten in der Geschichte von USF. Der Stint in Oregon wird immer mit dem Krankenhausaufenthalt einiger Spieler nach einer Trainingseinheit verbunden bleiben. Es gab schon vorher Gerüchte um die Trainingsmethoden.

Die Zeit bei Florida State ist dann bestenfalls unglücklich gewesen. Es war ein Rebuild nach der Jimbo Fisher Ära. Im ersten Jahr ohne Offensive Line 5-7, ihn dann in er Mitte der zweiten Saison zu feuern spricht auch nicht gerade für die Führungsstärke bei FSU. Taggart hat gezeigt, dass er in Florida gewinnen und recruiten kann. Der Move macht aus Sicht von FAU daher absolut Sinn. Bleibt abzuwarten, wie lange er bei den Owls bleibt.

#8 Lane Kiffin als Headcoach in die SEC. Kann man ihm im Jahr 2019 nun endlich trauen oder hat seine Offense nur funktioniert, weil er mit FAU nur in einer unterklassigen Liga gespielt hat?

Christian Schimmel: Die Fragen, die ich an Lane Kiffin habe, sind tatsächlich 0,0 schematischer Natur. Er kann Angriffsreihe bauen, ist kreativ und war damit immer erfolgreich. Selbst Nick Saban hat sich von ihm auf eine schematische Erweiterung eingelassen, auch wenn die Zeit an der Seitenlinie nicht zwingend immer von Harmonie geprägt war. Ich bin überzeugt, dass er coachen und auch recruiten kann. Die Fragen, die sich mir stellen, sind viel mehr auf einer Charakter Ebene.

Matt Luke ist, gerade was den Output der Offense angeht zurecht, kritisiert worden. Man darf jedoch nicht vergessen, dass der HC Job bei den Rebels ausgesprochen schwierig war, nach Sanktionen und dem Trümmerfeld, dass Hugh Freeze hinterließ. Ole Miss spürt die Probleme noch immer. Es wird spannend, wie Kiffin damit umgehen wird. Mal ganz abgesehen von der Konkurrenz in der SEC West.

New Orleans Bowl

#9 UAB – Appalachian State. 17 Punkte Favoritenstellung für Appalachian State und somit Ausgangslage einer klaren Sache. Doch vielleicht wird es nach dem Abgang von Mountaineers-Headcoach Eli Drinkwitz doch spannender als gedacht.

Doch bleiben wir kurz bei Drinkwitz: Ich höre sehr viel Gutes über diesen Mann, der nun bei Mizzou neuer Headcoach wird. Was ist so toll an ihm?

Christian Schimmel: Drinkwitz hat für sein junges alter im offensiven Bereich schon einiges an Erfahrung gesammelt und unter anderem unter Gene Chizik, Boise HC Bryan Harsin und Auburn HC Gus Malzahn gearbeitet. Bei NC State hat er eine sehr gute Balance aus Pass und Lauf gefunden und meiner Meinung nach, die besten Spieler in der Offense jeweils sehr gut eingebunden. Auch und gerade mit dem jetzigen Quarterback der Cincinnati Bengals, Ryan Finley.

Bei Appalachian State hat er jedoch vor dieser Spielzeit eine sehr gute Situation vorgefunden, aus der er zweifellos viel gemacht hat. Doch Missouri und die SEC East sind ein anderes Kaliber. In dieser Saison hatte ich das erste Mal das Gefühl, dass die Tigers wieder auf dem Weg nach oben waren und doch dürfte Odom nicht weiter machen. Ich bin gespannt wie Drinkwitz das meistert. Missouri hat sich in den letzten Jahren immer über die Offense definiert. Dafür scheint er der richtige Mann zu sein. Die Frage ist nur, ist er das auch als Head Coach umsetzen kann.

Gasparilla Bowl

#10 Marshall – UCF. Nur eine 9-3 Bilanz für UCF dieses Jahr – nahe am Weltuntergang, oder?

Jan Weckwerth: Gemessen an den Erfolgen der letzten Jahre schon. Dennoch täuscht die Bilanz ein wenig darüber hinweg, dass die Knights erneut eine herausragende Saison in einer wirklich hochklassigen AAC gespielt haben. Ich würde mich sogar fast zu der Aussage hinreißen lassen, dass die Leistungen nicht wirklich schlechter waren als in den vergangen zwei Jahren, als man ungeschlagen durch die reguläre Saison ging. Drei knappe Niederlagen mit insgesamt nur 7 Punkten Differenz trüben den Record mehr als eigentlich verdient.

Meiner Meinung nach hat HC Josh Heupel etwas zu sehr in die Zukunft gedacht, als er true Fr. QB Dillon Gabriel einige Male in engen Partien durchspielen ließ, obwohl der nicht seine besten Tage erwischte. Man hätte ja wirklich hochkarätigen Ersatz gehabt mit Notre Dame Transfer Brandon Wimbush (Starter zu Saisonbeginn) und dem letztjährigen Backup Darriel Mack, der Ende 2018 nach der schlimmen Verletzung von McKenzie Milton nicht unerfolgreich spielte. Wahrscheinlich werden wir erst in der kommenden Saison beurteilen können, inwiefern Heupels Entscheidung aufgegangen ist oder nicht. UCF wird nicht so schnell von der großen Landkarte verschwinden, da bin ich relativ sicher.

10 Kommentare zu “Fragerunde zum Auftakt zur Bowl Season 2019/20

  1. Es wird kurz angedeutet, das Recruiting sei schlimm geworden. Was läuft denn da gerüchteweise bei der Anwerbung der 100% Amateure ab? (System natürlich absurd )

  2. Ich bin kein Experte beim Recruiting und leite die Frage an die Kollegen weiter. Kann mir aber vorstellen, dass es um Themen wie Ca$h, Oversigning und De-Committment geht.

  3. Pingback: NFL Samstagsvorschauer 2019 – Woche 16 | Sideline Reporter - Eier, wir brauchen Eier!

  4. Das mit dem Recruiting würde mich auch interessieren.

    BTW Bin über den Ringer auf die Liberty University gestoßen, die ja heute 20:30 auch ein Bowl Spiel veranstaltet:
    https://www.theringer.com/2019/12/20/21029292/ready-set-trump-big-money-faith-football-and-forgiveness-at-jerry-falwell-jr-s-liberty-university

    Das ist ja eine schaurige Geschichte. Evagelikalenschule mit Pflichtkursen wo die Evolutionslehre diskreditiert wird, Schwulenhass, ein Uni-Präsident der für exzessiven Waffengebrauch plädiert, ein Uni Gründer dessen einzige Kritik am Vientam Krieg war dass er nicht „total“ war, ein Athletic Chef mit Baylor Sexskandal Vergangenheit und Coach der mit vielen Skandalen bei Mississippi rausgeworfen wurde.

    Die spinnen, die Amis.

  5. @Ahmser: Ich kann dir ehrlicherweise nicht sagen, was sich aktuell verschlimmert haben soll, dazu sind wir hier auch zu weit weg. Korsakoff hat die wichtigsten Punkte schon angesprochen: Es wird weiterhin viel mit unlauteren Mitteln hantiert, insbesondere was verdeckte Bezahlungen angeht. Bei dem einen oder anderen Team (hust, Ole Miss, hust) nahm das schon fast offensichtliche Formen an, siehe etwa das Posting von Laquon Treadwell zur Zeit seines Recruitings. Inwiefern das das Recruiting von integren Coaches wie Petersen im Vergleich zu 5 oder 10 Jahren erschwert, kann ich nicht beurteilen. Insgesamt ist festzuhalten, dass das Recruting immer ‚früher‘ beginnt, also oft schon zwei, drei oder gar noch mehr Jahre im Voraus.
    Roster Management ist ein weiteres Problem, etwa das angesprochene Oversigning und (damit verbunden) sicherlich auch der eine oder andere freundliche Hinweis an Spieler, sich ein neues Team zu suchen, wenn sie sich nicht durchgesetzt haben. In diesem Bereich (oder auch mit grayshirts etc.) ist in den vergangenen Jahren nicht immer fair gegenüber den Spielern agiert worden.
    Wie gesagt, es wird ja auch nur kolportiert, dass die Entwirklungen im Bereich Recruiting einen Einfluss auf Petersens Entscheidung gehabt haben. Sicher weiß ich das nicht.

    @FloBlogs: Das hatte ich auf meinem Blog vor einiger Zeit einmal aufgegriffen. Jerry Falwells Statement von der „Fox News of Academia“ sagt schon alles. Ekliges Programm.

  6. Aber sind nicht auch die Spieler selbst ein bisschen mitschuldig an dem ganzen. Georgia bsp. hatte so wie ich das verstehe ja u.a. zeitgleich die QB Jake Fromm, Jacob Eason und Justin Fields im Kader. Das müssen 3 Top Recruits gewesen sein, und wenn sie alle zugleich bei Georgia unterschreiben dann kann man der Uni ja auch keinen Vorwurf machen?

    Oder werden alle 3 so hoch bezahlt für ihr Signing. Wie viel Geld fließt dann? Sechsstellig oder sogar höher, und woher kommt so viel Geld überhaupt. Klar sind Booster da, aber wie ist es möglich, dass dann solche Summen für so viele Spieler gezahlt werden ohne dass jemand etwas merkt? Gibt es keine fiskalischen Prüfungen? Agieren die Booster losgelöst vom Programm und rein nach Goodwill?

    Fragen über Fragen…

  7. Bei Cam Newton 2010 war z.B. eine Summe von rund 180.000 USD in Diskussion, wenn ich mich recht erinnere. Viel Geld für einen Studenten, aber weit entfernt von den Summen in der NFL.

    Grundsätzlich ist der gordische Knoten des Recruitings sowieso nicht zu lösen – hier mal kurz das Beispiel „Cash“.

    Jeder weiß, dass unlauter gearbeitet wird. Jeder weiß, dass die Head-Coaches längst keinen Bildungsauftrag mehr verfolgen, sondern sich rein um den Football-Part ihrer Arbeit kümmern – das ist seit 100 Jahren so.

    Und weil sich das Business aktuell auch mit den explodierenden Coaching-Gehältern für die meisten Teams rentiert, drücken Verwalter in den Uni-Präsidien alle Augen zu.

    Zahlungen an die Spieler offiziell freigeben geht nicht, weil dann die Legitimation von College-Sport grundsätzlich infrage gestellt würde: Wenn die Uni ihre Studenten bezahlt anstatt umgekehrt, wovon sprechen wird dann noch? Von Studenten? Von Angestellten?

    Punkt 2:
    Oversigning wäre für meinen Begriff mit Regularien besser in den Griff zu bekommen, weil man ganz einfach Obergrenzen definieren könnte, die einfach zu kontrollieren sind. Aber dafür bräuchte es eine Instanz, die das überwacht. Die NCAA hat nach dem, was ich weiß, nicht die Kompetenz dafür.

    Punkt 3:
    Weil es eben Oversigning gibt, müssen Spieler-Transfers erlaubt sein. Hier wurden die Bedingungen für einen Wechsel bereits gelockert, aber solange Coaches, Medien und Fans einen Pakt schließen, die bei jedem Teamwechsel eines Spielers nicht auf das „System“, sondern auch den „egoistischen Spieler“ draufhauen, weil der nicht im Sinne „der Mannschaft“ agiert, wird es auch dort schwer.

    Zusammenfassend:
    Am besten fährt man also dann, wenn man College Football als das akzeptiert was es ist…

    – ein Big Business mit vielen verlogenen Seiten, das, wenn man die Probleme beseitigen würde, die Legitimation verlieren würde
    – eine große Tradition mit vielen schönen Seiten am Feld und auf den Rängen

    …anstatt der romantischen Vorstellung von wegen „Student Athlete“ und „Amateursport“ und dem Ideal von „Mens Sana in Corpore Sano“ nachzuhängen.

    Es gibt einige gute Dinge im College-Sport. Es gibt auch viele schlechte. Mit diesem Widerspruch muss man als Fan dieses Sports leben. Aber das ist bei Themen wie Doping nicht anders, und ehrlicherweise sind auch hierzulande die meisten großen Sportverbände problematisch.

  8. Ich kann mir gut vorstellen, dass Petersen irgendwann auch die legalen Aspekte am Recruiting sauer aufgestoßen sind. Viele Entscheidungen werden nicht mehr nur nach dem sportlichen Wert gefällt, sondern immer auch mit Blick auf das Image der Uni bzw auf das Recruiting. Sei es die Ausstattung der Umkleiden, neue, ausgefallene Jersey- und Helmdesigns oder irgendwelche Aktionen, um einzelne Recruits von sich zu überzeugen. Über die sozialen Netzwerke verbreiten sich solche Dinge natürlich schnell, was einen regelrechten „Coolness“-Wettkampf nach sich zieht.

    Mich würde bei dem Thema auch interessieren inwiefern sich das College-Football-Geschäft in den letzten Jahren geändert hat, ich bin noch nicht so lang in der Thematik drin, dass ich das seriös beantworten könnte.
    Mein Eindruck ist, dass man sich von einer selbstbewussten, eigenständigen Liga immer mehr in Richtung Durchgangsstation auf dem Weg in die NFL entwickelt hat. Es wird kurzfristiger gedacht, die guten Spieler wollen vor allem möglichst schnell und gesund in die NFL, um dann tatsächlich auch Geld zu verdienen. Der Draft scheint generell eine deutlich größere Rolle in den Planungen der Spieler – und damit auch der Recruits – zu spielen als noch vor ein paar Jahren, als der Erfolg am College das höchste Ziel war. Falls ich mit meinem Eindruck richtig liege, kann man auch davon ausgehen, dass soeine Entwicklung nicht spurlos an der Arbeit der Coaches vorbeigeht, gerade bei einem HC wie Petersen

  9. Ich glaube, dass ihr das insgesamt schon gut zusammengefasst habt. Was hier tatsächlich in der Aufzählung an Recruiting Tricks noch fehlt ist negatives Recruiting.
    Beispiel. Ich bin im Staff von Oregon. Was sage ich Kids aus Los Angeles?
    Schau dir USC an. Lame Duck Coach, neuer AD, wer weiß für wen du in zwei Jahren spielst.
    Schau dir UCLA an: Sportlich seit Jahren irrelevant, teils sehr leere Ränge und ebenfalls ein angeschossener Coach.

    Recruiting ist im College Football sehr, sehr viel. Es eine der ganz stabilen Konstanten die direkt mit dem Erfolg eines Programmes korrelieren. Daher werden die Teams alles tun, um sich zu verbessern.

    Neben Cam Newton möchte ich hier auch nochmal den Namen Jeremiah Masoli rein werfen. Auch um den gab es damals wohl ein Wettbieten von mindestens Ole Miss und Oregon.

    Abschließend sei noch ein Artikel der SBNation aus 2014 verlinkt. Hat an aktualität nichts verloren: https://www.bannersociety.com/2014/4/10/20703758/bag-man-paying-college-football-players

  10. Pingback: Weihnachtsfootball 2019: Aloha! | Sideline Reporter - Eier, wir brauchen Eier!

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