NFL Samstagsvorschauer 2019 – Woche 16

Wir sind kurz vor Weihnachten – was in der NFL-Welt die Erlaubnis für Samstagsspiele bedeutet. Heute stehen also deren drei Partien an. Alle haben Playoff-Implikationen.

Tampa Bay Buccaneers – Houston Texans

19h (NFL Network mit Rich Eisen / Nate Burleson / Joe Thomas)

Eine durchaus interessante Partie: Die Texans (9-5) sind nach dem massiven Auswärtssieg letzte Woche bei den Titans einen Sieg vom Gewinn der AFC South entfernt, doch sie treffen in den Buccs auf ein gefährliches und nicht zu unterschätzendes Team: Tampa ist mit 7-7 zwar längst aus allen Playoffträumen gerissen, doch:

  • Nach meinem EPA/Play Ranking ist Tampa die #12 der NFL und mit Heimvorteil sogar leichter Favorit
  • In den Wettbüros eröffneten die Buccs auch mehr oder weniger identisch als 1 Punkt Favorit – eine Line, die nach den Ausfällen von WR Evans und WR Godwin mittlerweile zu einem 3-Punkt Favoritenstatus für Houston mutiert ist.

Punkt ist: Tampa ist nicht weit von der Qualität der Texans entfernt. Allemal sind die Buccs ein schwer auszurechnendes Team, was man nirgendwo besser ablesen kann als an der Person von QB Jameis Winston, der es zustande bringt, gleichzeitig super-konstant und total inkonstant zu sein: Konstant darin, über Jahre immer unter den Top-QBs mit den meisten Topwürfen zu sein – und gleichzeitig unter den QBs mit den meisten Bullshit-Plays:

Winstons Würfe schwanken unfassbar – aber nicht von Woche zu Woche, sondern von Snap zu Snap. Würfe wie ein Weltmeister, Decision-Making wie ein Drittklässler. Im Prinzip weiß jeder, was er an Winston hat: Playmaking mit Katastrophenpotenzial – quasi ein Brett Favre 2.0, bloß, dass Winstons Spektrum noch wilder zwischen den Extremen oszilliert als einst der Packers-Gunslinger.

Winston, der #1 Pick im Draft 2015, scheint sich aber grundsätzlich in den letzten Wochen immer besser in der Bruce Arians/Byron Leftwich-Offense zurecht zu finden – seine insgesamte Leistungssteigerung könnte gerade noch rechtzeitig gekommen sein um seinen Job als Starting-QB in Tampa zu retten: Winstons Option-Jahr läuft im März aus und er wäre dann Free Agent.

Einen langfristigen Vertrag kann man einem QB mit seinem Leistungsnachweis mutmaßlich nicht anbieten – es böte sich für Tampa aber die Chance, Winston per Franchise-Tag ein weiteres Jahr zu binden um zu sehen, ob es in Jahr 2 der Arians-Offense vielleicht mal eines dieser Ausreißer-Jahre gibt, in denen seine vielleicht 30 Harakiri-Plays im Jahr nicht in 25 Interceptions, sondern vielleicht zufällig mal nur in 12 Interceptions enden – es braucht für solche Playmaker oft nicht viel, und plötzlich findest du dich in All-Pro Range und im NFC Championship Game wieder.

Zumal Tampa sich auch sonst recht gut konsolidiert hat: Die Offensive Line bleibt ein Problem, aber man beschreibt das Scheming, das Arians und sein OffCoord-Strohmann Leftwich in den letzten Wochen designt haben, als gut genug, dass man potenziell heute Abend auch den Ausfall der beiden unangefochtenen Spitzen-Receivers Evans/Godwin einigermaßen kaschieren kann – und in der Defense bin ich sowieso verblüfft, wie ordentlich sich die Unit von DefCoord Todd Bowles gemacht hat.

Cornerback ist nicht mehr die totale Katastrophe von früher. CB Jamel Dean und auch CB Carlton Davis sollen sich ganz gut gemacht haben und zwingen nun zumindest die gegnerischen QBs zu mehr Würfen in enge Fenster als früher, wo es die 10m offenen Receiver gleich in Serie zu bestaunen gab.

Houston auf der Gegenseite hat sein eigenes Problem mit Konstanz – aber weniger innerhalb eines Spiels, sondern mehr Woche für Woche: Die Texans sind overall eine Top-5 Offense nach EPA/Play, aber QB Deshaun Watson streut immer mal wieder eine trostlose Performance ohne Esprit ein, die ihn mittlerweile vom MVP-Kandidaten runtergestuft hat zu „einem der besseren QBs des Jahres“.

Vorteil Houston heute aber: Man kann wie schon letzte Woche alle drei seiner Top-Receiver aufbieten – Hopkins, Kenny Stills und auch Will Fuller, dessen Präsenz als deep threat als wichtiger Matchup-Vorteil gilt.

Die Partie ist also spannend. Shootout durchaus nicht ausgeschlossen.

New England Patriots – Buffalo Bills

22h25 (NFL Network mit der NBC-Crew Mike Tirico und Kurt Warner)

Wie die Texans um 19h den Divisionssieg fixieren können, so haben auch die Patriots (11-3) drei Stunden später die Gelegenheit, per Heimsieg die AFC East einzutüten. Die Pats spielen gegen den direkten Konkurrenten Buffalo Bills (10-4), der jedoch selbst bei einem Auswärtssieg heute noch eine Patriots-Pleite nächste Woche gegen Miami bräuchte.

Die „Hinspiel-Partie“ Anfang Oktober gewann New England knapp 16-10. Jene Partie war Vorbotin für die Offensiv-Probleme, die New England über die vergangenen Wochen plagten. Sie sind mittlerweile ein wirklich kritischer Punkt, wenn man die Superbowl-Ambitionen der Pats diskutieren will.

Common-Sense ist:

  1. Der desaströse Receiving-Corps kriegt sich nicht freigelaufen, was zu vielen
  2. Die Offensive Line ist bestenfalls unterdurchschnittlich und bietet nicht mehr den gewohnten Schutz für Tom Brady
  3. Brady selbst ist auch nicht mehr so handlungsschnell und handlungssicher wie früher, was in Kombination mit den ersten beiden Problemen zu vielen früh abgebrochenen Plays und mehr Sacks als gewohnt führt.

Buffalos geschwindige Zone-Defense dürfte Brady auch heute vor Schwierigkeiten stellen. Gespannt sein darf man, wie die Bills die einzige Patriots-Waffe von Format, WR Edelman, in Deckung nehmen wird. Edelman zu neutralisieren gilt momentan als halbe Miete zum Erfolg gegen die Pats.

Doch selbst wenn New Englands Offense weiter strauchelt, muss Buffalo erstmal genug gegen die Patriots-Defense punkten. Die wurde zwar in den letzten eineinhalb Monaten gegen die Topteams der NFL wie Baltimore, Houston und mit Abstrichen auch Kansas City etwas geerdet, doch für Unsicherheitsfaktoren wie Buffalos QB Josh Allen ist sie potenziell noch immer eine sehr hohe Hürde.

Trotz leichter Verbesserungen im Lesen von Defenses ist Allen noch immer kein QB, der genug Antizipation zeigt um eine komplexe Abwehr wie jene der Pats mit all ihren Täuschungen und Tarnungen zu bezwingen. Im Hinspiel sah Allen wie ein totaler Flop aus – 4 INTs und zahlreiche verzweifelte Plays zeugen von den Schwierigkeiten. Allen schien sich dann im November gesteigert zu haben, doch in den letzten beiden Wochen gegen die Top-Defenses von Baltimore und Pittsburgh war wieder nicht viel zu sehen von einem QB, dem erstaunlich viele Experten schon „Franchise-QB Material“ nachsagen (außer Hautfarbe und Statur).

Positiv: Wenn der Gegner wie zu erwarten auch nicht viel scort, steigt die Chance, dass 2-3 kritische Plays von Allen ausreichen um hier vielleicht ein Upset zu schaffen. Die Wettbüros sehen die Patriots allerdings nach wie vor mit 6.5 Punkten vorne – mein Power Ranking ist mit 6 Punkten Favoritenstatus nicht weit davon entfernt.

San Francisco 49ers – Los Angeles Rams

02h20 (NFL Network mit der FOX-Crew Kevin Burkhead / Charles Davis)

Auch die dritte Partie hat wichtige Playoff-Implikationen für beide Mannschaften: Für die Rams (8-6), weil es ums nackte Überleben gilt – nur mit einem Sieg hat man noch Restchancen bis Montag, und sollten die Vikings dann zuhause gegen die Packers nicht verlieren, wäre auch das zu wenig. Für die längst qualifizierten 49ers ist ein Sieg zentral, weil man damit das Rennen um den #1 Seed in eigener Hand behält.

49ers vs. Rams ist auch das Coaching-Duell der Wunderkinder Kyle Shanahan vs. Sean McVay. Beide bauen auf Zone-Running und hohe Play-Action Quoten mit effizientem Passspiel, sind allerdings etwas unterschiedlich in ihren Personnel-Packages:

  • Shanahan ist ein Verfechter des 21-Personnel mit zwei Runningbacks (Fullback und Halfback) und einem Tight End in der Aufstellung (trotz mehrwöchigem Verletzungsausfall von FB Jusczyk 25% der Snaps werden in dieser Aufstellung bestritten, nur Minnesota kommt da mit 21% annähernd ran)
  • McVay dagegen setzt vor allem auf 11-Personnel (3 WR, 1 RB, 1 TE), wenn auch durch Verletzungen gezwungen nicht mehr so stark wie früher (heuer 75%, nur Cincinnati mit McVays Zögling Zac Taylor auf Headcoach hat mit 78% etwas mehr).

Die 49ers-Offense ist über die Saison nach EPA/Play irgendwo zwischen unteres Ende der Top-10 bis oberer NFL-Durchschnitt zu finden. An guten Tagen zerlegt man New Orleans in seine Einzelteile. An schlechten verpasst QB Garroppolo einfache Pässe und schenkt einen Drive nach dem anderen unnötigerweise ab.

Probleme mit inkonstantem QB-Play kennen die Rams 2019 nur allzu gut. Ihr QB Jared Goff leidet extrem unter Passrush-Paranoia und kollabiert noch immer schnell im Angesicht von Druck. Das machte sich heuer besonders schlecht, weil die Rams-Offense Line nach Abgängen und Verletzungen von einer der besten zu einer der schwächeren Units in der NFL mutierte und somit wesentliche Bestandteile des Playbooks nicht mehr wie gewohnt funktionierten. Im letzten Monat hat die Offense allerdings besser zu sich gefunden und hatte auch wieder rhythmische Spiele.

Doch heute muss sie auswärts gegen den gefürchteten Edge-Rush mit DE Nick Bosa und DE Dee Ford sowie einer über die Defensive Tackles sehr druckvollen antreten. Vor zwei Monaten machte Goff in einer 20-7 Pleite dagegen keinen Stich. Man kann durch die Verbesserungen davon ausgehen, dass es heute Nacht etwas besser aussehen wird – aber ob das reicht um die Niners in deren Stadion zu schlagen?

Call me not convinced. Wettbüros sehen San Francisco mit 6.5 Punkten vorn. Mein Power-Ranking sieht 7 Punkte.

Bowl Season

Natürlich gibt es heute auch College Football mit fünf Bowls. Einen ausführlichen Mailbag mit Fragen an Experten dazu habe ich schon gestern geschrieben. Folgende Bowls gibt es heute:

Sa 20h30: Liberty – Georgia Southern (Cure Bowl)
Sa 21h30: SMU – Florida Atlantic (Boca Raton Bowl)
Sa 23h30: Florida International – Arkansas State (Camellia Bowl)
Sa/So 01h30: Washington – #19 Boise State (Las Vegas Bowl)
Sa/So 03h: UAB – #20 Appalachian State (New Orleans Bowl)

2 Kommentare zu “NFL Samstagsvorschauer 2019 – Woche 16

  1. Danke für die Gedanken zu Winston, und Zustimmung. Winston ist nicht vergleichbar mit Bortles oder Trubisky, das gute in seinem Spiel hat genug Upside um mit dem schlechten zu leben.

  2. Pingback: NFL am Samstag live: Tampa Bay Buccaneers – Houston Texans | Sideline Reporter - Eier, wir brauchen Eier!

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