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NFL Power Ranking 2019 – Woche 16

Weihnachts-NFL Power Ranking. Heute extra detailliert.

Ich hab heute ein kleines Goodie für dich: In der Preview für Woche 10 schrieb ich über einen Podcast, in dem der mittlerweile auch auf diesem Blog bereits bekannte Ben Baldwin proklamiert hatte:

„Bold Prediction für die zweite Saisonhälfte: Die 49ers werden keine Top-10 Defense nach EPA haben!“

Baldwin hatte das damit begründet, dass Defense relativ unstabil im Vergleich zu Offense sei – ein Punkt, der in den letzten zehn Jahren immer und immer wieder nachgewiesen wurde. San Francisco, damals die #2 Defense der NFL, hatte nach neun Spielen kaum eine vernünftige gegnerische Offense gesehen.

Seither?

Woche 10: vs. Seahawks (L 27-24)
Woche 11: vs. Cardinals (W 36-26)
Woche 12: vs. Packers (W 37-8)
Woche 13: @Ravens (L 17-20)
Woche 14: @Saints (W 48-46)
Woche 15: vs. Falcons (L 29-22)
Woche 16: vs. Rams (W 34-31)

Der EPA/Play Verlauf der einzelnen Wochen sieht damit so aus – Baldwins Prognose kam vor dem Woche-10 Spiel gegen Seattle:

Nach EPA/Play haben die Niners in diesen sieben Spielen exakt 0.00 EPA/Play zugelassen. Das ist die #14 Defense in diesem Zeitraum! (hinter Defenses wie Buccs, #4 im Zeitraum, oder Falcons, #7 im Zeitraum). Baldwin liegt mit seiner Prognose von damals also auf dem haargenau richtigen Weg…

…doch noch ist die Prediction noch nicht gewonnen: Die Niners treffen am Sonntag in Seattle auf eine massiv strauchelnde Offense. Hättest du geglaubt, dass die Passing-Offense der Hawks seit Woche 10 nach EPA/Play die fünft-schlechteste in der NFL ist? -0.06 EPA/Play!

Die Seahawks reagieren auf diese Krise auf ihre ganz eigene Tour und holen das Maskottchen der Superbowl-Ära, RB Marshawn Lynch, aus dem Ruhestand. Obs hilft?

Damit zum Power Ranking.

Power Ranking – Woche 16

NFL Power Ranking 2019 - Woche 16

Zu den Spalten: Die Spalte Rank zeigt die aktuelle Platzierung. LW war die Platzierung letzte Woche. WP% ist die Wahrscheinlichkeit, dass dieses Team auf neutralem Boden gegen ein durchschnittliches NFL-Team gewinnen würde – nach diesem Kriterium sind die Teams sortiert. Bilanz ist die aktuelle Win/Loss Bilanz. Exp.Wins ist die erwartete Anzahl der Siege am Saisonende. Sie ist die Summe zwischen den aktuellen Siegen und den noch zu erwartenden Siegen aus den ausstehenden Spielen der Trams. OFF und DEF sind das Ranking in Offense und Defense. SOS ist die Stärke des bisherigen Schedules.

Kommentar zum Power-Ranking

Die Ravens bewegen sich offensiv weiterhin auf einem einsamen Planeten – und sie sind auch nach Defense mittlerweile schon die #5 der NFL geworden. Nächste Woche wird Baltimore dann mit Backups antreten, aber dieser Graph als repräsentativste Darstellung der Performance in der NFL-Saison 2019/20 sei noch einmal ausgepackt (Cowboys sind hinter den Chiefs versteckt, Packers hinter den Titans):

Offensive vs. Defensive EPA  - Woche 16.png

Die Ravens bewegen sich mit einem Performance-Index von 0.80, was einer 80%igen Siegwahrscheinlichkeit gegen ein absolut durchschnittliches NFL-Team auf neutralem Platz gleichkommt, in ihrer eigenen Stratosphäre. Sie sind Welten vor allen anderen Mannschaften – der Bulk der Teams zwischen #2 und #5 ist mittlerweile eng zusammengerückt: 49ers, Chiefs und Patriots sind nahezu punktgleich (0.69), obwohl sie alle völlig unterschiedlich gebaut sind:

  • Die Niners sind neben Baltimore, Green Bay und Minnesota (ja…) die einzige Mannschaft mit sowohl Top-10 Offense als auch Top-10 Defense über den Zeitraum der ganzen Saison.
  • Die Chiefs haben die #2 Offense, aber nur die #17 Defense nach meinen Metriken.
  • Die Patriots dagegen haben nur die #17 Offense, dafür aber nach wie vor die #1 Defense

Die Chiefs sind im Power-Ranking mittlerweile ein paar Prozentpunkte vor den Cowboys (0.66), die fast gleiche „rohe“ EPA-Stats haben. Der Grund hierfür liegt im Schedule-Adjustment, das zwar in diesem Ranking recht soft, aber an solchen Stellen doch bemerkbar ist: Kansas City hat den bislang 4t-schwersten Spielplan gespielt, was die 11-4 Bilanz der Chiefs, noch dazu zustande gekommen mit ein paar Spielen ohne Mahomes, umso eindrucksvoller macht. Die Cowboys hatten den 4t-einfachsten Spielplan. Und trotzdem und trotz starker Effizienz-Zahlen einen 7-8 Record!


Dallas bleibt auf #5 also der faszinierende Ausreißer. Ich gebe zu, ich bin durchaus erstaunt, dass Dallas nach wie vor in den Top-10 gerankt ist, wenn ich mir die trostlosen Performances der letzten Wochen anschaue. Aber bei allem Spott über die Cowboys: Sie haben nach wie vor die #3 Offense und ihre Defense ist als #16 ziemlich genau Durchschnitt in der NFL.

Prinzipiell ist Dallas 2019 vor allem ein Team, das neben steinzeitlichem Coaching für die Zufälligkeit von Close-Game Records steht:

  • 2018 war das Team 10-6 mit einer 8-2 Bilanz in 7-Punkte Spielen.
  • 2019 ist man 7-8 mit einer 0-5 Bilanz in 7-Punkte Spielen.

Über zwei Jahre ist man in Close-Games also 8-7, ziemlich genau .500. Hätten sich diese Close-Games in beiden Saisons jeweils auf ca. .500 verteilt, wäre man 2018 7-9 gewesen, und 2019 wäre man entweder 9-7 oder 10-6. But here we are.

Dallas verlor heuer mit 2 Punkten in New Orleans, mit 4 Punkten gegen Minnesota, mit 4 Punkten in New England und am Sonntag mit 8 Punkten in Philadelphia. Klar kann man das Gros der Pleiten an völlig miserablem Coaching von Jason Garrett und seiner Coaching-Crew aus der Hölle erklären – aber praktisch der gleiche Trainerstab war letzte Jahr 8-2 in diesen One-Score Games!

Man kann viele Erklärungen für Dallas 2019 finden. Die plausibelste, wenn auch nicht zufriedenstellendste ist: Sie waren ein potentes Team, das auch aufgrund von ziemlich viel Pech deutlich unter den Erwartungen geblieben ist.

Garrett sollte in einer Woche hoffentlich Geschichte sein. Er müsste schon ein sehr dunkles Geheimnis über Jerry Jones oder dessen Sohn Stephen wissen um seinen Kopf zu retten. Wer auch immer die Cowboys 2020 übernimmt, kriegt keine schlechte Situation zum Arbeiten: Obwohl die Cowboys deutlich überproportional viel Geld in die Offense Line und v.a. auch in Runningback gesteckt haben (für letzteres wäre „Geldverschwendung“ der richtige Ausdruck) und weder QB Prescott noch WR Cooper für 2020 unter Vertrag hat, hat Dallas ausreichend Cap-Space um seine wesentlichsten Leistungsträger über dieses Jahr hinaus zu halten.

Hätte man Prescott schon im Sommer verlängern müssen um am Preis zu sparen? Vielleicht – aber es gab genug Skeptiker an Dak. Ich zähle mich dazu. PFF war auch sehr deutlich negativ eingestellt. Die Cowboys haben riskiert und scheinen den Poker verloren zu haben – wobei für Dak 2020 durchaus auch wieder Regression kommen könnte. Er hat bis jetzt 4 Saisons gespielt: 2 waren super (2016, 2019), 2 nur Durchschnitt.


An #6 lauert im Power-Ranking New Orleans, das – wie ich schon letzte Woche schrieb – fast sicher unterbewertet ist. Die Saints feuern dieser Tage mit QB Brees aus allen Rohren. Wenn wir nur Brees als Erwartungswert für Offensive EPA/Play einsetzen, hüpfen die Saints hoch auf #2.


Die Vikings bleiben trotz der absurd schwachen Vorstellung im Monday Night Game einen Platz vor den Packers.


Tampa ist nun schon an #11! Die Buccs sind ein gigantischer Sleeper für 2020: Ihr QB Winston pulverisiert zwar alle Interception-Rekorde, aber wenn er nur mal ein Jahr etwas Glück mit den Turnovers hat, sind die Rahmenbedingungen stark:

  • Ein Offensiv-System, das mittlerweile greift.
  • Eine Defense, die nach Wochen als Gespött der NFL zu sich gefunden hat und dank hervorragendem Coaching von Todd Bowles schon eine Top-10 Unit nach EPA/Play ist – u.a. die klare #1 in Run Defense.

Seattle stürzt nach einer desaströsen Heim-Performance gegen Arizona von #11 auf #16 ab. Die Hawks wurden am Sonntag sogar nach der Auswechslung von Cards-QB Kyler Murray „ge-outscored“: Arizona gewann souverän 27-13. Aktuell also keine guten Voraussetzungen dafür, dass Seattle am kommenden Sonntag zuhause gegen die 49ers bestehen kann, wenn es um den #1 Seed geht.


Philly bleibt auch nach dem letztlich verdienten 17-9 Heimsieg im „vorgezogenen Endspiel um die NFC East“ die #18 im Ranking. Die Iggles sind in meinem Power-Ranking allerdings in ihrem Woche-17 Spiel erstaunlicherweise „nur“ mit 57% bei den Giants favorisiert – das ergibt eine 63% Playoffchance für die Eagles nach meinem Modell (weil Dallas auch „nur“ in 86% der Fälle gegen Washington favorisiert ist und jede Cowboys-Niederlage Philly in die Playoffs bringt).

Fast alle Modell sehen Philly jetzt klarer in den Playoffs:

Also Achtung: Philly ist noch nicht durch!


Dahinter arbeiten sich noch die Raiders wieder in die Respektabilität: Oakland ist nun wieder die #21 der NFL nach EPA/Play. Die Raiders haben bekanntlich noch eine kleine Playoffchance, aber auch sie sind am Sonntag nur Außenseiter in ihrem eigenen Spiel: Denver ist zuhause mit 58% favorisiert.

Oakland tauscht im Ranking diese Woche die Plätze mit den Bears, wo Trubisky gegen die Chiefs das bestätigte, was wir eh alle vermutet hatten: Seine „Leistungssteigerung“ im November und Anfang Dezember war vor allem einem extrem einfachen gegnerischen Schedule geschuldet.


Auch Pittsburgh ist relativ down auf #22. Wenn wir uns die AFC-Wildcardkandidaten dann mal anschauen…

#9 Tennessee
#21 Oakland
#22 Pittsburgh

…dann wäre alles andere als eine Qualifikation der Titans schon ein ziemlicher Treppenwitz. Aber es wäre nicht das erste Mal, dass es nicht das stärkste Team schafft: Vor zwei Jahren kegelten Freak-Touchdowns in der letzten Minute in Woche 17 die potenten Chargers und Ravens raus und bugsierten die nahe dem Liga-Bodensatz klassierten Bills in die Playoffs.

Weiterführende Statistiken

 

Wahrscheinlichkeiten für Woche 17

Letzte Woche ist dann doch durchaus überraschend verlaufen. Wir hatten 8 Außenseitersiege nach den Metriken dieses Modells und folglich eine 8-8 Bilanz.

Über die bisher getippten Wochen ist das Modell 104-44. Das sind 70% korrekte Siegertipps, obwohl es keinerlei Adjustments für Verletzungsausfälle und „hot stretches“ gibt. Nur mal so als Vergleich: Der SPOX-Kollege Adrian Franke, der fassungslos gute Arbeit leistet und nach fundierter Analyse jede Woche seine Tipps bei SPOX abgibt, kommt im Vergleichszeitraum seit Woche 7 auf 101 richtige Siegertipps.

Doch Vorsicht! Siegertipps allein sind noch lange kein Merkmal der Qualität einer Analyse – und nicht falsch verstehen: Dieser Vergleich ist keine Kritik am Kollegen Adrian! Es ist vielmehr die Feststellung, wie knapp es in der NFL zugeht, wie viel Zufall herrscht, aber auch wie gut am Ende die Nummern dastehen im Vergleich zu sämtlichen weiterführenden Tape-Studien.

Es macht dabei erstmal wenig Unterschied ob es 104:101 bei Siegen oder 104:106 oder 104:108 stünde: Punkt ist, dass es letztlich immer um 10-20 Matchups geht, die wirklich knapp sind – und dass diese relativ „ausgeglichen“ 50:50 enden. Sich noch weiter ins kleinste Detail jedes Matchups zu fräsen, bringt auf lange Sicht erstaunlich wenig Zugewinn an korrekten Tipps, denn es wird immer einen beträchtlichen Teil der Spiele geben, die vom Außenseiter gewonnen werden (ca. 40% bis rauf zu fast 50%)!

Dasselbe Phänomen mit den Tipps habe ich schon vor Jahren an mir selbst feststellen können: Wie gut ich mich auch immer vorbereitete und wie intensiv ich mich mit Duellen befasste, so sehr ich auch versuchte, anhand gewisser schematischer Matchups vielleicht doch trotz einen 56% Favoritenstatus dem „Underdog“ des Power-Rankings den Vorzug zu geben: Das Ranking hat mich über die ganze Saison fast immer „outperformt“ – und wenn, dann war ich trotz großer Vorbereitung über die Saison 1-2 Tipps besser.

Das ist auch der Grund, warum ich schon ca. 2012 oder 2013 damit aufgehört habe, selbst großartig zu tippen. Ich lasse die Zahlen für mich arbeiten – es ist ein ziemlich guter und vor allem schneller Breakdown um das Leistungsvermögen einzelner Mannschaften abzuschätzen.

Offseason-Projekt ist dann, vielleicht ein paar Stellen zu finden, die die Predictability des Modells verbessern: Garbage-Time, Redzone, 3rd Down vs. Early Down, vielleicht nochmal Schedule, Turnover-Adjustment, Strafen usw.

Auch in Woche 17 ist das Modell immer mit einer gewissen Vorsicht zu genießen, da viele Mannschaften nur noch im Freundschaftsspiel-Modus auflaufen und ihre Starter entweder schon für die Playoffs oder für nächstes Jahr schonen.

Die Ravens z.B. sind nach meinen Metriken mit 11.7 Punkten gegen Pittsburgh favorisiert, laufen aber mit Backup-QB RG3 sowie ohne ein paar andere Starter wie FS Thomas oder RB Ingram auf. Sagen wir, diese Ausfälle machen in etwa 6 bis 6.5 Punkte aus (behaupten zumindest die Wettbüros), dann ist Baltimore immer noch favorisiert, aber eben „nur“ mehr mit 6 bis 6.5 Punkten.

Wahrscheinlichkeiten - Woche 17.PNG

8 Kommentare zu “NFL Power Ranking 2019 – Woche 16

  1. Was wäre denn deiner Meinung nach ein geeigneter HC Kandidat für Dallas? Finde die ganzen angeregten College Optionen wie Lincoln Riley usw. schwierig einzuschätzen.

  2. Vorausgesetzt die Packers und die Saints gewinnen beide am Sonntag und die Eagles holen sich die Division. Wäre es dann für die Seahawks vielleicht sogar besser auswärts bei den Eagles (#18 im Power Ranking)zu spielen, anstatt zu Hause die Vikings (#7) empfangen zu müssen?
    Zudem könnte man dann noch gegen die 49ers die Starter schonen.

  3. Das ist ja mal ein interessanter Gedanke! Glaube aber nicht, dass irgendein Team lieber auswärts in den PO aufläuft als zuhause. Zumal man als #5 wahrscheinlich schneller zur #1 muss als wenn man als #3 in den PO geht…

  4. @FloJo:

    Ich denke da ähnlich. Möglicherweise reicht es, einem Defense-orientierten Headcoach die Schlüssel in die Hand zu drücken und in der Offense einfach Kellen Moore ohne Dreinreden mal machen zu lassen.

    Problem bei den Defense-Coaches ist oft nur ihr Hang zu über-konservativem Football.

    Vielleicht ist der Baltimore-DC ja ein Mann. Oder *yadda yadda* Ron Rivera?

  5. Ich werfe einfach mal Jim Harbaugh in den Ring. Weiß nicht, ob das realistisch ist, aber würde mich freuen.

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