Bowl-Season am Freitag, 27.12.2019 – Texas A&M, USC, Oklahoma State und ein Kampf der Kulturen

Fortsetzung der Bowl-Season heute mit der ersten Ballung wirklich größerer Namen wie Texas A&M, USC Trojans oder Oklahoma State Cowboys. Wir sehen schon: Es geht langsam ans Eingemachte.

Die Preview darauf ist wie schon in den letzten Tagen als Frage/Antwort-Runde mit den beiden Experten Jan Weckwerth (@giannivanzetti / Triple Option Blog) und Christian Schimmel (@Chris5Sh / u.a. Der Draft) gestaltet. Viel Spaß.

Hier alle Bowls von heute:

18h: UNC – Temple (Military Bowl)
21h20: Wake Forest – Michigan State (Pinstriple Bowl)
00h45: Texas A&M – #25 Oklahoma State (Texas Bowl)
02h: #16 Iowa – #22 USC (Holiday Bowl)
04h15: Washington State – Air Force (Cheez-it Bowl)

Texas Bowl

Texas A&M Aggies – #25 Oklahoma State Cowboys

#1 Texas A&M mit einer 7-5 Bilanz. Was meinst du wie lange es dauert, bis die ersten nervösen Stimmen in Richtung Jimbo Fisher aufkommen?

Jan Weckwerth: Ich glaube nicht, dass das so schnell aufgrund dieser Saison geschehen wird. Die Aggies haben einen der schwersten Spielpläne überhaupt gehabt. Man muss sich nur einmal anschauen, gegen wen die fünf Niederlagen zustande gekommen sind: Clemson, Auburn, Alabama, Georgia und LSU – nach den CFB Playoff Rankings also die #1, #3, #5, #12 und #13. Sicherlich hätte man sich gewünscht, mindestens zwei dieser Partien zu gewinnen, doch konnte man die Inkonstanz der Offense und die vielen Abgänge der Defense nicht ganz kompensieren.

Man darf zudem nicht vergessen, dass es erst das zweite Jahr von Fisher bei A&M ist und es nun mal auch wirklich leichtere Divisionen als die SEC West gibt. Als bekanntermaßen hervorragender Recruiter hat er übrigens gerade zwei Mal in Folge absolute Top-Klassen nach College Station geholt (#4 und #6 des Landes) und im talentreichen Staat Texas dem Platzhirsch Texas Longhorns aktuell den Rang abgelaufen. Von daher sollte ein wenig Geduld angebracht sein.

Christian Schimmel: Ich glaube schon, dass man noch Geduld hat, oder diese haben sollte. 2018 eine 8-4 Bilanz plus das Abschießen von NC State im Gator Bowl. Diese Saison dann fünf Niederlagen. Diese waren jedoch gegen ausschließlich gerankte Mannschaften, Clemson, LSU, Georgia, Alabama und Auburn. Viel schwerer kann dein Spielplan nicht sein, zumal es gegen Auburn und Georgia eng war.

Was aber viel stärker in die Bilanz wirkt, ist sein Recruiting. Das konnte Fisher schon bei Florida State. Seine erste eigene Klasse landete 2019 landesweit auf #4. Dieses Jahr liegt man nach der Early Signing Period auf Rang sechs und hat noch Chancen auf den ein oder anderen 4 bzw. 5 Star Recruit. Die Aggies werden schon kommen, allein durch Talent können sie auf Dauer zu LSU und Alabama im Westen mindestens aufschließen.

Natürlich wollen die Booster Ergebnisse sehen, aber man sollte Fisher schon noch mindestens zwei Jahre geben, auch wenn A&M vom Umfeld her eher zu den aufgeregteren Programmen zählt.


#2 Ich weiß nicht, ich werde mit QB Kellen Mond nicht ganz warm. Wie geht es dir?

Jan Weckwerth: Bei mir ist es eher so, dass ich regelmäßig von ihm enttäuscht werde. Monds enormes Talent blitzt ja immer wieder auf. Einige seiner Würfe, insbesondere tiefe Bälle on the move, gehören zu dem besten, was man im College Football zu sehen bekommt. Seine Voraussetzungen schreien eigentlich nach modernem NFL-Quarterback, was Armstärke, Variabilität der Pässe von bullet bis gefühlvoller touch sowie Mobilität betrifft.

Leider kann er das nur nicht konstant auf den Platz bringen: In einem Play agiert er hervorragend gegen Pressure, im nächsten sind Footwork und Mechanics wirklich schlecht. Ähnlich verhält es sich mit der Genauigkeit der Pässe. Nach dem starken Ende der letzten Saison war ich zuversichtlich, dass er dieses Jahr einen gewaltigen Schritt nach vorne macht, doch ist der leider ausgeblieben.


#3 Die Oklahoma-State Offense mit QB Spencer Sanders und RB Chuba Hubbard gehört für mich zu den positivsten Entwicklungen 2019, für die sich niemand zu interessieren scheint. Breakout 2020 in-coming?

Jan Weckwerth: Ich würde nicht sagen, dass sich niemand für die Cowboys Offense interessiert, immerhin war Chuba Hubbard einer von drei Finalisten für den Doak Walker Award, der den besten RB im College Football kürt. Du hast aber sicherlich recht, dass deren Entwicklung in der Big 12 ein wenig unter dem Radar gelaufen ist.

Spencer Sanders hat in seiner redshirt Freshman Saison wirklich alle überrascht: ein echter dual-threat QB, der noch etwas roh im Passing ist, aber sehr vielversprechende Ansätze gezeigt hat. Sanders fiel die letzten Spiele wegen einer Daumen-OP aus, soll nun allerdings wieder einsatzbereit sein.

Chuba Hubbard ist als Nachfolger von Justice Hill (nun Ravens) voll eingeschlagen, was man Ende letzter Saison bereits erahnen konnte: ein spektakulärer Runner mit starken Moves und veritablem long speed, daher eine dauernde big play-Gefahr. Hubbard hat in jedem Spiel (außer gegen FCS-Team McNeese State, das sehr früh entschieden war) mindestens 100 Yards erlaufen und kann im Texas Bowl die 2000 Yard-Marke knacken (aktuell steht er bei 1936 Yards).

Über einen Großteil der Saison bildeten Sanders, Hubbard und WR Tylan Wallace eines der talentierteren Triplets des Landes. Ich habe selten einen so ‚kleinen‘ Receiver wie Wallace erlebt (angegeben mit 6‘0, 185), der derart physisch spielt und eine solche Waffe bei contested Catches ist. Leider hat er sich vor einigen Wochen das Kreuzband gerissen. Ob bei OK State ein Breakout-Jahr ansteht, hängt stark davon ab, ob Hubbard und eventuell auch Wallace sich dafür entscheiden, für ein weiteres Jahr nach Stillwater zurückzukehren. Wenn ja, dürften wir 2020 mit einem gereiften Sanders eine der potenziell spektakulärsten Offenses im College Football erleben.

Holiday Bowl

#16 Iowa Hawkeyes – #22 USC Trojans

#4 USC behält für 2020 Headcoach Clay Helton – eine gute Entscheidung?

Jan Weckwerth: Jein. Ich bin nicht so ein deutlicher Kritiker von Helton wie viele andere. Kaum ein Team war in den letzten zwei Jahren derart verletzungsgebeutelt wie die Trojans, von daher finde ich es schwierig, ein abschließendes Urteil über Helton zu fällen.

Problematisch ist zum einen, dass Helton kein großer Name ist und daher nie den Stand im erfolgsverwöhnten Umfeld von USC hatte, und zum anderen, dass er aktuell wie ein lame duck Coach auf Abruf wirkt.

Insgesamt ist bei den Trojans momentan viel zu viel Unruhe drin, unter anderem durch den Wechsel auf der Position des Athletic Directors von Lynn Swann auf Mike Bohn. Bohn hat nun meiner Meinung nach die schlechteste Entscheidung getroffen, nämlich Helton zu halten, ohne ihm klar und eindeutig über die kommende Saison hinaus den Rücken zu stärken. Sowohl eine Entlassung als auch ein klares Statement, langfristig mit Helton arbeiten zu wollen, wären bessere Optionen gewesen.

Das sieht man nun besonders augenscheinlich am Recruiting, wo USC aktuell auf einem desaströsen Rang #78 liegt – hinter schlechten Mid-Majors wie beispielsweise East Carolina, North Texas und Bowling Green (teilweise allerdings mit der Gesamtmenge der Commits zusammenhängend). Dass Helton grundsätzlich gut recruiten kann, hat er 2017 und 2018 bewiesen, als die Trojans jeweils Rang #4 landesweit belegten. Doch welcher talentierte Spieler will zu einem Programm, bei dem mehr als unsicher ist, ob der HC die kommende Saison überlebt?

Christian Schimmel: Es wirkt zunächst wie eine Verlegenheitsentscheidung. Immerhin stehen für Helton Teilnahmen in Rose und Cotton Bowl nach den Spielzeiten 2016 und 2017 zu Buche. Wobei der Anspruch USC ist, dort jedes Jahr zu spielen.

2018 mit 5-7 der totale Ausreißer nach unten, 2019 immerhin 8-4 nach einem 2-3 Start. Die Pleiten bei BYU und Notre Dame waren vermeidbar. Ich hatte den Eindruck, dass die Spieler nach wie vor mit sehr viel Einsatz, auch für Helton, gespielt haben, gerade zum Saisonende hin. Das spricht definitiv für ihn, zumal USC dieses Jahr auch mit massiven Verletzungssorgen zu kämpfen hatte.

Ich kann es sportlich nachvollziehen, dass man ihn hält, fürs Recruiting ist es jedoch problematisch. 2017 und 2018 jeweils die #4, 2019 nur noch die #20 liegt man derzeit auf Kurs #79. Hinter Programmen wie Toledo, Appalachian State und Troy. Helton braucht in jedem Fall eine Starke 2020er Saison.


#9 Wie ist das erste Jahr der Air-Raid Offense unter Graham Harrell bei USC zu bewerten?

Christian Schimmel: Unvollständig, aber für erste durchweg positiv. Zumindest was eine Bewertung angeht. Ich empfand den Schritt als überfällig. Eine Offense, die auf Geschwindigkeit und Athletik setzt, ist für meine Begriffe bei einer Uni mit den Recruiting Möglichkeiten wie USC sie, in der Theorie hat, genau die richtige Wahl.

Jahr für Jahr kann man in Kalifornien entsprechende Athleten in den Kader ziehen und die aktuell starken Receiver haben auch 2019 schon gezeigt, dass eine ganze Menge möglich ist. Die Offense hat einen gewaltigen Schritt nach vorne gemacht, trotz großer Verletzungssorgen auf Quarterback.

Harrell hat bei North Texas hervorragende Arbeit geleistet und mit Mason Fine auch einen Quarterback entwickelt. Mit Kedon Slovis hat er mit einem Freshman als Spielmacher bemerkenswertes erreicht. Ich bin wirklich gespannt, wo es Harrell noch hinzieht. Texas ist seine Heimat, aber USC hat durch die Vertragsverlängerung ein deutliches Zeichen gesetzt.

Cheeze it Bowl

Washington State Cougars – Air Force Falcons

#6 Triple-Option Rushing-Offense Air Force gegen Air-Raid Wazzou: Was kann es überhaupt noch schöneres an College Football geben als diesen Clash der Kulturen?

Jan Weckwerth: Dieses Duell zeigt exemplarisch, was ich an College Football so sehr schätze. Im Gegensatz zum ‚Einheitsbrei‘ NFL bekommt man hier eben regelmäßig einen echten Kampf der Systeme.

Ich gebe gerne zu, dass ich mit den Academies so gar nichts anfangen kann und mir auch Mike Leach nicht sonderlich sympathisch ist (was die allermeisten anders sehen), doch darum geht es letztlich gar nicht. In diesem Spiel treffen die aktuell äußersten Enden der schematischen Fahnenstange aufeinander: die Flexbone von Air Force, in der die Receiver größtenteils Staffage oder Blocker sind gegen die beinahe ursprüngliche Version der Air Raid von Leach, in der gefühlt zu 80% geworfen wird und selbst der RB vornehmlich ins Receiving eingebunden ist.

Air Force wird Ball und Uhr kontrollieren wollen, Wazzu wird schnell und viel punkten wollen – und die jeweiligen Defenses sind auf die Offense des Gegners mal so gar nicht eingestellt. Ich bin sehr gespannt, wer sich da durchsetzen wird.


NB: Damit sind die Bowls für heute abgehakt. Gegen Mittag oder frühen Nachmittag folgt die Fragerunde zu den morgigen Bowls inklusive den beiden Playoff-Halbfinals.

Ein Kommentar zu “Bowl-Season am Freitag, 27.12.2019 – Texas A&M, USC, Oklahoma State und ein Kampf der Kulturen

  1. Pingback: Bowl-Season am Samstag, 28.12.2019 – Playoff-Zeit! | Sideline Reporter - Eier, wir brauchen Eier!

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