Die am Wochenende spielen – und die zuhause von alten Zeiten träumen

Guten Morgen.

Seit gestern weiß ich um die Tücken in der Installation eines Unify-Netzwerks. Der heutige Eintrag fällt daher etwas kürzer aus…

Ich wollte eigentlich etwas detaillierter auf einige Aspekte der Mannschaften im Divisional Playoff eingehen – aber dafür bleibt mir jetzt keine Zeit mehr.

Lass uns also mal schnell durchgehen und mit dem Mann beginnen, der nicht im Divisional-Playoff am Wochenende mit dabei ist. David Gettlemans neuer Headcoach Joe Judge hatte gestern seine Einführungspressekonferenz – und Judge lieferte Parolen, die für einen Steifen in Gettlemans Unterwäsche sorgten.

“What I’m about is an old school, physical mentality.”

[Gettleman: “Ok – Joe du bist eingestellt! Aber sprich ruhig weiter. Ich könnte dir stundenlang zuhören”]

 “We will play every play like it has a history and a life of its own”

“The only culture we’re gonna have in that building, period, is a winning culture.”

“We’ll punch you in the nose for 60 minutes.”

“It’s a contact sport. You can’t get around that. It’s for tough people.”

“You’re sick, in a bit of pain, discomfort, you’re upset, you’re mad? You put all that aside. you come in, you put the team first.”

Wir wissen nun also, warum die Wahl der Giants auf Judge gefallen ist. Und Gettleman weiß, warum er Judge angestellt hat. Seriously, das ist heiße Scheiße:

Man muss ihm eines lassen: Er bleibt sich treu. Dave Gettleman ist die Konstante in unserer schnelllebigen Welt. 

Damit zu den Teams, die mehr mit sportlichen Erfolgen als mit Parolen aus der Footballsteinzeit von sich reden machen.

Baltimore Ravens

Der Sprung von den Gettleman-Giants zu den Baltimore Ravens ist trotz hoher Laufspiel-Quoten ein Sprung von einem Extrem ins andere. Die Ravens sind die Analytics-Lieblinge #1 dieser Tage. Ja – sie sind lauflastig. Nein, sie sind total anders gebaut als das, was Dave Gettleman in New York predigt.

Ich habe diese Saison immer wieder davon gelesen, dass Baltimore das Totschlagargument für „Laufspiel ist tot“ sei. Doch das ist ein Strohmann-Argument, denn niemand behauptet, dass Laufspiel tot sei. Doch Punkt ist:

  1. Passspiel ist wichtiger als Laufspiel, weil es wesentlich effizienter ist (ca. 0.10 EPA/Dropback vs. -0.08 EPA/Run).
  2. Laufspiel ist u.a. so ineffizient, weil es sich im Gegensatz zum Passspiel in den letzten Jahrzehnten recht wenig weiterentwickelt hat und Defenses gegen Standard-Rushing Offenses kaum mehr Probleme haben, die Gaps zu decken wenn sie denn wollen (und nicht wie New England alles in Pass-Defense zurückziehen um den Pass zu stoppen)
  3. Die Ravens laufen viel – aber sie laufen auch völlig anders. Ihr Team, ihre Offense ist um ein einzigartiges Offensivtalent in Lamar Jackson gebaut. Sie taugen nicht als Blaupause für andere Mannschaften.
  4. Und Lamar Jackson ist nicht nur der besten Runner, sondern auch der effizienteste Passer der NFL: 0.32 EPA/Dropback (vs. 0.12 EPA/Run für die Rushing-Offense der Ravens, die Lamars designte Runs schon inkludiert).

Es gibt natürlich gute Rushing-Teams in den Playoffs. Doch die meisten dieser Teams sind vor allem gute Passing-Teams und gute Passing-Defenses. Das Erschreckende an den Ravens: Ihre Passing-Offense ist so dominant, dass Baltimore durchaus noch deutlich mehr werfen könnte – hier liegt noch etliches Potenzial brach!


Was machen die Ravens in Offense und Defense also zuallererst anders:

Für Punkt 1 und 2 braucht man nix außer Hirn. Für Punkt 3 wurde das Personal nahezu perfekt zusammengestellt. Und dann sind da ja noch die höchsten 4th-Down go for it-Quoten ligaweit.


Hier noch einmal der Verweis auf einige wunderbare Artikel zur Ravens-Offense:

Dazu sind die Ravens eine der motions-lastigsten Mannschaften (Finde die Giants!):

 

Ravens-Defense? Auch gut. Wir haben diesen Grundsatzartikel von Steve Palozzolo: Er sieht in der Ravens-Defense eine Art „positionslosen Football“. Die Cornerbacks bleiben draußen, und in der Mitte wird zwischen den einzelnen Levels,

Defensive Line <-> Linebacker <-> Defensive Backs

munter durchgetauscht. Ein FS Earl Thomas, in Seattle ein reiner (wenn auch natürlich superber) Single-High Safety in Cover-3, ist in Baltimore zu einer Allzweckwaffe gereift und agiert nun auch häufig nahe an der Line of Scrimmage.

Die Ravens sind auch „analytisch“ gebaut: Defensive Backfield ist wichtiger als Pass-Rush. Beziehungsweise: Als „Pass-Rusher“. Es gibt kaum individuell gute Pass-Rusher in Baltimore, aber dafür wird mit eingangs besagtem Blitzing Druck ausgeübt: Die Ravens haben eine der höchsten QB-Pressure Rates in der NFL trotz des #27 Pass-Rush Ratings bei PFF.

Wie krass ist das Blitzing in der Ravens-Offense? Dieser Graph gibt die Antwort: Sie haben die meisten Pass-Rusher der NFL pro Passing-Down. Und sie erzwingen mit ihrer starken Coverage trotzdem eine durchschnittlich lange Wurfdauer bei gegnerischen QBs (nein – das ist weniger „Qualitätsmerkmal“ als vielmehr stilistisches Merkmal):

(Gettleman: We are build through the trenches: to pound the football and to stop the running game.)

Kansas City Chiefs

Die Ravens sind das Monster, über das alle reden. Doch die Chiefs sind nicht weit hinten dran: Sie haben die Passing-Offense mit dem höchsten „Floor“: Heuer nicht so oft in Bestbesetzung zusammengespielt, aber mit Mahomes auf QB die einzige Passing-Offense der NFL, die in keinen 200 aufeinanderfolgenden Passspielzügen unterdurchschnittliche EPA/Dropback hatte. Das macht die Chiefs-Offense brutal scary.

Was noch? Antwort: Mahomes ist der einzige Quarterback, der nicht unterzukriegen ist – kein anderer QB geht in 3rd&long Situationen annähernd so oft tief. Während der durchschnittliche NFL-QB in 3rd&long 0 bis 2 Air-Yards wirft (null = Ballempfänger steht an der Anspiellinie) und damit quasi weißes Fähnchen wedelt, feuert Mahomes furchtlos tief und hält sein Team damit im Spiel.

In der stark verbesserten Defense hängt vieles an FS Tyrann Mathieu. Was genau, hat Doug Farrar herausgearbeitet.

Ich weiß nicht, aber ich würde die Chiefs auch in Baltimore nicht abschreiben. Für mich wären sie maximal sehr leichter Außenseiter. Aber erstmal müssen natürlich die Pflichtaufgaben im Viertelfinale gelöst werden – keine Selbstverständlichkeit, wie wir in der NFL immer wieder erleben.

San Francisco 49ers

Wer ein Abo bei The Athletic hat (ich empfehle das, auch wegen der Werbefreiheit des Portals), für den habe ich ein paar Film-Studien zur wirklich schön designten und auch schön anzuschauenden 49ers-Offense:

Seattle Seahawks

Iss mir klar: Brian Schottenheimer ist ein einfaches Ziel und auf diesem Blog seit Jahren eine Punch-Line. Und nicht jeder Vorwurf ist immer fair – auch weil Schotty sich 2019 a bissi gebessert hat. Aber dieser Video-Ausschnitt aus dem Seahawks-Spiel in Philly ist einfach zu geil als dass ich ihn hier nicht posten könnte:

Coache deinen Coach – Russell Wilson ist mit 35 Mio/Jahr unterbezahlt. Und daher sind die Seahawks auch auswärts bei den Packers nicht ganz chancenlos.

14 Kommentare zu “Die am Wochenende spielen – und die zuhause von alten Zeiten träumen

  1. Die am Wochenende spielen…. (und welche Vorlieben der Hausherr pflegt)

    10% Gettleman-Bashing (zu recht)
    50% Ravens abfeiern
    30% Chiefs (Mahomes) bejubeln
    5% 49ers erwähnen
    5% Seahawks

    Packers werden mit dem drittletzten Wort des Artikels erwähnt, Vikings, Texans und Titans kommen gar nicht vor.

    Wer richtet sich auch während der Playoffs ein neues Netzwerk ein? 😉

  2. Sein Blog, seine Schwerpunktsetzung.

    Und wenn er nur über Texans, Titans und Vikes geschrieben hätte, hätte ich das blöd gefunden, aber im Endeffekt wäre auch das völlig in Ordnung gewesen.

  3. Ja gut ich muss zugeben als ich angefangen habe den Post von heute zu lesen da hab ich mich schon auf meine Packers gefreut und war dann etwas enttäuscht dass nix mehr kam…. aber wer einmal versucht hat ein Netzwerk einzurichten der weiß dass man da kurz vor dem Suizid steht 😀

  4. Unklar ist mir, welchen Vorteil die Ravens hätten, wenn sie noch mehr auf Pass gehen würden als bisher. Wäre es nicht besser, solange es gut läuft, alles beizubehalten und nur in engen Spielen Richtung Ende hin, das ganze zu ändern. Denke mir, dass sie dadurch immer noch die Option haben eine Schippe draufzulegen und sich dieser Option (hoffentlich) auch bewusst sind.
    Alternativ knickt der Gegner dann zur Halbzeit vielleicht schon ein und hat sich mit der Niederlage abgefunden, was im Weiteren die Intensität des Spiels vermindern könnte, wodurch Verletzungsgefahr, Erschöpfung, etc vielleicht vermindert wird.

  5. @Korsakoff: Bro, just continue doing your thing. Heulsusen gibt es immer im Internet.

    Bin ja Packers Fan, Betrachter der Spiele und Leser von US-Sportseiten zum Team und wollte mal zu denen meine Meinung kundtun.
    Ehrlich gesagt gibts zu den Packers nichts spezifisches zu berichten das einem oberflächlichen und regelmäßigen Betrachter mehr oder weniger Hoffnung machen würde als man in den Spielen gesehen hat.
    A-Rod nimmt nur was er kriegt, sprich ohne Sorge vor turnovern!, und das ist leider wenig bei den WRs/TEs…
    Das Run-Game ist gut aber wir alle haben von der allgemeinen Effektivität genügend in diesem Blog gehört…
    Der Pass-Rush ist stark und effizient (Siehe Chart oben zur Ravens Defense)…
    Die Run-D ist gefühlt Zeit meines Fan-Lebens schwach bis katastrophal. Für die Analytiker unter uns nicht schlimm, aber ich habe einfach zu sehr die Playoffs vs 49ers 2013 im Kopf *heul…
    Die Pass-D ist grundsätzlich gut aufgestellt, spielt aber zu inkonstant und gönnt sich zu viele Klöpse(damn Kevin King).
    Ich dachte mir Anfang der Woche noch „Wenigstens spielen wir in Green Bay, das wirds den Seahawks bestimmt schwieriger machen“. Alter, die Seahawks haben nur ein Auswärtsspiel verloren.

    Zumindest kann ich mit der Einstellung ins Spiel gehen, dass es spannend wird weil ausgeglichen.

  6. Kommentar eines bekennenden nerds (nat wiss): keine Zeit, aber mal schnell 600 Wörter (???) rausjagen? Ich bin grün vor Neid:-) ! So ein Blog eintrag wie heute wäre nur an einem freien Tag ohne weiteren Stress möglich :-/ … Höchster Respekt!! 🙂

  7. @ahmser: 1/2 Stunde, wenn man voll im Thema ist und die Linksammlung über die Tage und Wochen schon parat hat.

    Ohne tägliches Schreiben ginge es nicht.

    Aber um halb 1 Uhr nachts noch sinnvolle Sätze über die Packers zu schreiben, die ich schon dutzendmal behandelt hatte, war mit Augen auf Halbmast gestern nicht mehr drin…

  8. Kurzfassung zur Packers Offense:
    Rodgers Gamemanager+
    D#
    Durschnitt
    Vorteil
    Wetter nicht groß, da die Hawks auch draußen spielen und kein gutes Wetter haben.
    Werden gegen Seattle allerdings verlieren.

    In den anderen Spielen werden die Texans, Vikings und Ravens gewinnen.

    Zu Judge
    Panikanstellung. Rhule verloren und sonst wollte wohl auch keiner.
    Abwarten wie gut er ist und wer OC/DC wird.

    @korsakoff
    Was ist ein Unfy-Netzwerk?
    Ist eigentlich auch egal, schön dass du trotz Zeitmangel was geschrieben hast.
    Zumal alles zu den PO Team eh eigentlich alles gesagt ist, außer wenn es um direkte Matchups geht.

  9. @Klappflügel – Verkürzt:

    In meinem Hotel brauche ich nicht nur Internet, sondern auch die Möglichkeit, in den verschiedenen Stockwerken und Räumen unterbrechungsfrei verbunden zu sein.

    Es gibt dort mehrere Access-Points (Punkte, an denen man einsteigen kann), da ein einziger nicht das ganze Haus ausstrahlen könnte. Ohne ein Netzwerk, das mit dem Verlassen des einen Raums dynamisch zum nächsten springt, hätte ich das Problem, dass meine Gäste ständig aus dem Netz fliegen würden. Das Unify-System ist meine technische Umsetzungslösung.

    Ich am Donnerstag ein technisches Upgrade vorgenommen (zuvor noch mit Fritz-Box gearbeitet). Weil diese Anbieter aber auch ständig Upgrades machen und ich nicht alle Newsletter lese, haben wir uns ein paar unerwarteten neuen Featuers gegenüber gesehen und hatten doch zahlreiche technische Probleme bis spät in die Nacht hinein.

  10. @korsakoff
    Danke für die Erklärung!
    Bestätigt mal wieder das Updates durchaus lästig sind.

  11. Aber gerade im Internetbereich mit allen potenziellen Sicherheitslücken unverzichtbar.

    Fritz-Box hatte zudem das Problem, dass sie keine Adressen automatisiert wieder freigegeben hat. Ich hatte quasi jeden Sonntag parallel zur NFL-Schicht am Abend die nette Aufgabe, Dutzende Adressen manuell wieder freizugeben. Unify gibt sie nun automatisiert frei.

  12. Pingback: AFC Conference Championship 2019/20: Kansas City Chiefs – Tennessee Titans im Liveblog | Sideline Reporter - Eier, wir brauchen Eier!

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