NFL-Power Ranking 2019 – Divisional Playoffs

NFL Power-Ranking 2019 nach dem Viertelfinale.

Nach dem sehr engen Wildcard-Weekend mit zwei Overtimes und zwei weiteren Partien innerhalb von 8 Punkten war das Divisional-Playoffs eine klarere Angelegenheit: 17, 16, 20 und 5 Punkte Differenz in den einzelnen Partien.

Die große Rückschau hat schon gestern Herrmann geschrieben. Lass mich ein paar Punkte ergänzen.

San Francisco 27, Minnesota 10

Wie erinnerungswürdig ist ein Spiel, bei dem man schon vier Tage nach dessen Ende sich nicht mal mehr an den Endstand erinnert?

Den 49ers wird’s egal sein. Sie haben die Partie mit trockenem Laufspiel und eingestreuten, „sicheren“ Pässen dominiert. Der 14-10 Halbzeitstand hatte sich bereits viel zu knapp angefühlt und nach der Pause war Mike Zimmer viel zu konservativ um hier ernsthaft noch einmal ins Geschehen einzugreifen.

Minnesota mit desaströser Effizienz in der Offense:

  • 36 Dropbacks, -0.42 EPA/Dropback für -15.2 Punkte
  • 10 Rushes, -0.54 EPA/Run für -5.4 Punkte

Eine Offense mit sagenhaften -20.6 Punkten in einem Spiel, das mit 17 Punkten verloren ging: Man kann problemlos argumentieren, dass Minnesotas Angriff das Ding im Alleingang verloren hat.

Wie?

Vor allem mit Pass-Rush. QB Cousins stand nach PFF in 17 seiner 29 Dropbacks unter Druck – mehr als die Hälfte! In den Versuchen hatte er 3.7 Yards/Pass. Vor allem über die linke Seite Offense Line waren LT Reiff, LG Elflein und C Bradburry mit DE Bosa und DT Buckner total überfordert – just jenes „überfordert“ ist in der NFL selten eine passende Vokabel, aber für dieses Mismatch trifft es zu.

San Francisco wird am Sonntag auf eine bessere Offensive Line in den Packers treffen – schwer vorstellbar, dass die 49ers dann auch so drüberfahren werden. Dafür trifft die Niners-Offense auf eine schwächere Defense als jene der Vikings – gegen die man am Sonntag mit 45 Rushes (0.00 EPA/Play) und nur 21 Sicherheitspässen (0.07 EPA/Play) nur durchschnittlich effizient war. Man wird das Gefühl aber nicht los, dass die 49ers, wenn sie müssen, offensiv mehr anzubieten haben und eine Schippe drauflegen können.

Gegen eine letztlich zu harmlose Vikings-Offense konnte man sich den Run-lastigen Approach locker leisten. Am kommenden Sonntag muss wohl mehr kommen.

Baltimore 12, Tennessee 28

Die faustdicke Überraschung: Das Analytics-getriebene Baltimore wird zuhause demontiert, dass den Ravens Hören und Sehen verging. Der Fokus der Diskussion nach dem Spiel schien sich auf das Versagen von Lamar Jackson sowie die 195 Rushing-Yards für Derrick Henry zu konzentrieren. Das ist nicht überraschend. Bei solchen Meltdowns konzentriert sich der Mob meistens auf den Superstar der Mannschaft (eben Jackson) – und dass sich auf der anderen Seite (nicht nur) die US-Pundits bei jedem 100+ Rushing-Yards Spiel eines Runningbacks die Höschen nässen, ist hinlänglich bekannt.

Ich will nicht grumpy klingen, aber ich sehe die Partie vor allem als Verkettung unglücklicher Umstände für die Ravens:

  1. Drei Drops der Offense in der ersten Halbzeit
  2. Zwei gescheiterte 4th Downs und 1 Yard to go (Regular Season war man dort bekanntlich 8 von 8) in der ersten Halbzeit – und zwei weitere verpasste 4th Downs in der zweiten
  3. 3 Turnover der Offense, darunter die eine abgefälschte Interception, die nach Return und Strafe zu Starting-Fieldposition für Tennessee an der BAL 35 führte
  4. Zwei lange Drives in der ersten Halbzeit, die aus schlechter Feldposition startend zu nur 6 Punkten führten.
  5. Big-Plays der Titans in zwei der vier Scoring-Drives: Henry 66yds und der 50yds-PlayAction TD
  6. Kurze Feldpositionen für Tennessee in den anderen beiden Scoring-Drives: 35 Yards nach der INT, 20 Yards nach dem Fumble

Ich habe nachher Kommentare gelesen und gehört, die davon sprachen, dass das Endergebnis sich zu knapp angefühlt hat. Ich habe die Partie total anders interpretiert – es ist fast alles gegen Baltimore gelaufen (no pun intended), und trotzdem waren die Ravens mehrmals nicht weit davon weg, aus dem Desaster wieder eine richtige Partie zu machen.

Aber es sollte nicht sein. In Italien sagt man zu sowas: „giornata no“it ways one of these days. Das soll Tennessee nicht kleinreden. Die Titans haben Baltimore aus ihrer Comfort-Zone gedrängt, einige der Fehler erzwungen und von anderen gnadenlos schmarotzt. Sie waren in beiden Touchdown-Drives in der ersten Halbzeit aggressiv:

  • 12-yds TD Pass nach einem kurzen Drive mit 4 Henry-Läufen zum 7-0. 3rd Down und 12 vor der Goal-Line. Kein Run und sicheres Fieldgoal, sondern straight auf TD gegangen.
  • 49-yds Play-Action TD im ersten Snap (1st Down) nach der Interception. Ravens-Defense mit der besten Waffe der Offense eiskalt auf dem falschen Fuß erwischt.

Führung herauswerfen, Führung nach Hause laufen. Für meinen Geschmack war das, was Tennessee vor allem in der zweiten Halbzeit machte, zu konservativ – schließlich war Baltimore immer wieder trotz der für Titans-Verhältnisse starken Pass-Deckung und des schnell (gerade für Baltimore!) erstaunlich eindimensionalen Game-Plans (nur 9 Runs für die Runningbacks, aber 72 Dropbacks für Jackson) immer wieder tief in der Titans-Platzhälfte:

Große Scheiße, wenn man daraus nur 12 Punkte als Kapital schlägt. Ist Analytics damit tot?

Natürlich nein. Die Ravens waren eine faszinierend gute Geschichte, die mit ihrer rasanten Entwicklung 2019 weiter sind als man erhoffen konnte. Nicht vergessen:

  • QB im zweiten Jahr
  • Beide wei Starting OT im 2ten oder 3ten Jahr
  • Top-WR ist Rookie
  • Beide Top-Tight Ends sind im zweiten Jahr

Dieser Kern ist brutal jung. Die Defense ist nicht um Individualisten, sondern ein kohärentes Scheme gebaut. Das Defensive Backfield ist extrem gut und tief aufgestellt. Headcoach Harbaugh verfolgt einen Plan und zog diesen im Viertelfinale auch durch – er spielte nach dem ersten gefloppten 4th Down auch das zweite aus – trotz des drohenden Katastrophenpotenzials! Wie viele Coaches hätten das sonst noch gemacht? Zwei? Drei?

Dazu bleiben wohl beide Coordinators. Die Ravens waren diese Saison 14-2 in der Regular Season. Die meisten Preseason-Projections lagen zwischen 8-8 und 9-7. Die Offense war so dominant, obwohl sie extrem hohe Rushing-Quoten aufwies. Sie war die #1 in Pass-EPA/Play und Lauf-EPA/Play, und auch wenn der Lauf mit 0.13 EPA/Play superb war, so ist ein Passing-Game mit 0.32 EPA/Play noch wesentlich wünschenswerter.

Klar ist: Die Ravens können nicht stehenbleiben und erwarten, dass es 2020 genauso weitergehen wird. Defenses werden Gegenmittel finden um diesen Approach zu stoppen oder zumindest besser in Schach zu halten. Sie werden versuchen, Jackson als Runner besser innen zu halten und ihn zu noch mehr Pässen auf die Flanken zu zwingen.

Doch Baltimore hat den Cap-Space und die Draftpicks und einen klaren Weg zur Verbesserung vor sich: Mehr Receiving-Waffen!, lautet IMHO das Credo #1 für die Ravens. Ich denke, dass es keinen Zweifel daran gibt, dass die Offense ihr Repertoire im Passspiel erweitern muss – und dass es dafür mehr als zwei Tight Ends und einen Hollywood Brown braucht. Gerade Jacksons gute Entwicklung als Passer war der große Knackpunkt für die Ravens 2019. Vor der Saison war überhaupt nicht klar, ob diese Entwicklung überhaupt in die richtige Richtung gehen würde. Jetzt kann man diesbezüglich geradezu hoffnungsfroh in die Zukunft blicken, was Jacksons Aussichten angeht.

Dennoch ist die Niederlage ein Stoß in die Magengrube. 2019 war das Jahr. Klar sind die Aussichten für die Zukunft nicht schlecht, aber man wird sich blutig schwer tun noch einmal eine derartige Saison zu spielen. Die Sterne standen heuer annähernd perfekt: Offense feuert aus allen Rohren, Defense findet zum richtigen Zeitpunkt zu sich, Team kommt fast ohne nennenswerte Verletzungn durch die Saison. Solche günstigen Voraussetzungen so abzuschenken muss brutal bitter sein.

Ich würde die Saison so zusammenfassen: An der grundsätzlichen Herangehensweise (Offense um Jacksons Talent herum bauen, Analytics-getriebene Vorbereitung und In-Game Coaching, ganze Defense-Strategie) festhalten, aber unbedingt versuchen, die Passing-Offense weiter personell und schematisch aufzubolstern. Beides sollte machbar sein. Beides ist aber auch notwendig um in Zukunft noch einmal annähernd solche Zahlen in den Sphären der 2019-Saison zu erzielen.


Bei den Titans bin ich mir nicht sicher. Der Sieg war fett und Auswärtssiege bei Patriots und diesen Ravens kannst du nicht kleinreden. Sie haben wie oben geschrieben vor allem in Baltimore vieles richtig gemacht – aber es waren auch nur sechs Scores in 20 Drives. Jeder Scoring-Drive überdies ein Touchdown.

Aber es bleibt weiter schwer vorstellbar, dass man mit so einem Rezept auf lange Sicht erfolgreich bleiben kann. Kevin Cole hat es bei PFF am Montag eigentlich ziemlich perfekt zusammengefasst:

  1. Ja, die Titans können happy sein mit zwei Siegen, aber bei aller „Effizienz“ der Offense (7 Trips innerhalb der gegnerischen 40, 6 TD in 20 Playoff-Drives) war die Offense nach EPA/Play nur Durchschnitt.
  2. Rushing bringt im Vergleich zu Passing kaum Big-Plays: Die Titans hatten in der Post-Season 74 Runs bei 39 Dropbacks. 9 der 12 effizientesten Plays waren Pässe.
  3. Henry hatte gegen Baltimore natürlich den einen langen 66-yds Big-Play Run. Er war 5.5 EPA wert. In den anderen 29 Rushes fabrizierte Henry insgesamt -2 EPA (ja: minus zwei). Einiges war dabei natürlich Nach-Hause-Laufen in Garbage-Time, aber die 17 Dropbacks haben insgesamt 3.8 EPA produziert und damit mehr als das Laufspiel in fast doppelt so vielen Plays.
  4. Selbst die Titans vertrauen in den „Money-Downs“ im 3rd Down mehr auf den Pass denn auf den Lauf – schon bei 3rd&2 und 3rd&3 ist man sogar passlastiger als der NFL-Durchschnitt – trotz Henry!

Tennessee also ultra-lauflastig, aber müssen wir die Game-Plans vielleicht dennoch anders lesen: Hätte Tennessee, wenn es denn gefordert gewesen wäre, weiteres Tannehill-Passing ausgepackt und war es damit eher ein Fall von „nicht müssen oder nicht wollen denn nicht können“?

Am kommenden Sonntag werden wir es wissen. Denn auswärts bei der Monster-Passing Offense der Chiefs wird Schluss sein mit dem Versteckspiel: Tennessees Wackel-Secondary wird Mahomes nicht unter 20, vielleicht auch nicht unter 30 Punkten halten – und dann müssen Vrabel und OC Smith ihr Playbook öffnen.

Kansas City 51, Houston 31

Freak-Partie. Die Texans führten kurz nach dem ersten Viertel und einer überwältigenden Orgie an Wendungen schon 24-0, ehe sie doch noch von der überwältigenden Chiefs-Offense an die Wand gespielt wurden und mit 20 Punkten verloren.

Patrick Mahomes hatte ein grandioses Spiel: Sieben Touchdown-Drives en suite und 44 Dropbacks für 30.0 EPA. Dreißig EPA!! Das sind 0.68 EPA/Dropback. Und das trotz fünf Drops seiner Receiver und obwohl die Chiefs fast das ganze Schlussviertel nur noch Vanilla-Offense rannten. Eine unfassbare Vorstellung – und eine, die Kansas City jetzt zum größten Superbowl-Favoriten macht.

Die Texans-Führung fühlte sich immer ein bissl betrogen an – so viele Zufalls-Plays, dass das Momentum-Pendel Amok lief, waren in der Anfangsphase in Richtung Houston ausgeschlagen:

  • 2 kritische 3rd-Down Drops der Chiefs-Receiver, für die Houston nix konnte
  • Der Coverage-Breakdown der Chiefs-Defense, der zum langen Touchdown im Opening-Drive führte
  • Geblockter Punt zum TD zurückgetragen
  • Fumble Tyreek Hill mit kurzer Feldposition zum Touchdown umgewandelt.

Bill O’Brien fühlte sich wohl ziemlich sicher als er Anfang des zweiten Viertels bei 4th&1 anstatt auszuspielen ein kurzes Fieldgoal schießen ließ. Es war der Anfang vom Ende – und jeder wusste es. Beziehungsweise: Musste es ahnen.

Denn 24 Punkte Führung ist zwar viel, aber die Mahomes-Offense ist so potent, dass man sich gegen sie nicht verlassen kann. Es gilt also gerade gegen solche potenten Gegner, jede Chance zu nutzen. Kansas City hatte natürlich seinerseits während der Aufholjagd ein paar glückliche Plays – z.B. der misslungene Punt-Fake, der Fumble der Texans beim Kickreturn, doch die seichte Texans-Defense war dieser Angriffswucht nie gewachsen – zumindest nicht, als Kansas Citys Receiver die Droppitis abstellten.

O’Brien kriegt nun zurecht auf die Fresse. Mir fehlt die richtige Vokabel um zu beschreiben warum man bei 4th&1 in der Redzone ein Fieldgoal schießen lässt und einen Drive später bei 4th&4 in der eigenen Platzhälfte einen Punt-Fake ausspielen lässt. Klar: Der Punt-Fake ist auswärts als Außenseiter im Stadion von Mahomes natürlich vertretbar (und hätte auch fast geklappt) – aber warum spielt man dann beim wesentlich wichtigeren 4th Down in der Redzone nicht aus?

O’Brien nannte als eine Entschuldigung, dass ihm ein gutes Play gefehlt habe. Aber wenn ein NFL-Headcoach ohne ein passendes Play für 4th&1 in ein Playoffspiel geht, dann Gute Nacht. Noch fast schlimmer: O’Brien verbrannte im Schlussviertel ein Timeout als er bei 4th Down in der gegnerischen Platzhälfte und 17 Punkten Rückstand ernsthaft zuerst punten wollte. WTF?

Nein: WTF?

Klaro: Einige Play-Designs der Texans-Offense sind wirklich hübsch, und hätte O’Brien in Kansas City alle „Analytics-Entscheidungen“ richtig getroffen, es hätte gegen diese Chiefs-Offense trotzdem nicht gereicht. Aber so geht es: Du verabsäumst die einfachen Gelegenheiten, deine Chancen zu maximieren – also musst du mit Kritik aus der Ecke der Community rechnen.

Green Bay 28, Seattle 23

Trotz Seahawks-Aufholjagd und knappstem Endstand aller Viertelfinals eine recht langweilige Partie zum Abschluss. Die Packers waren einmal mehr Schnellstarter und führten 21-3. Seattle verschlief mal wieder den Start in die Partie.

Ich glaube nicht, dass es diesmal zwingend am Play-Calling vom Grusel-Duo Carroll/Schottenheimer lag: Schon in der ersten Halbzeit war die Run/Pass Ratio in Early-Downs eher passlastig: 9 Dropbacks, 6 Runs in 1st und 2nd Downs vor der 2:00 Warning. Die Offense war schlicht den Tick zu ineffizient. Russell Wilson war nicht gut genug als Passer, und Marshawn Lynchs Early-Down Runs brachten 14 Yards in 5 Carries – und obendrein einen Nuller in einem 3rd&1.

Natürlich bleiben diese total fußlahmen „Runs“ von Lynch mitten hinein ins Herz der Defensive Line prägend im Gedächtnis, aber das ganze Spiel war weit entfernt von der suizidösen Vollkatastrophe wie letztes Jahr in Dallas.

Doch „keine Vollkatastrophe“ heißt nicht „gut“ – und so muss sich der Coaching-Stab auch bei solcher Effizienz-Verteilung von 72% Pass in einem Comeback-Spiel natürlich Fragen gefallen lassen:

  • 43 Dropbacks, 38 EPA/Dropback macht trotz der eher mauen 1ten Halbzeit am Ende immer noch +16.3 EPA für die Passing-Offense.
  • 17 Laufspielzüge über die Runningbacks verloren -3.5 Punkte (-0.21 EPA/Run)

28% Run-Quote ist nicht hoch, besonders nicht für einen Schottenheimer, aber gemessen daran, dass jeder sehen konnte, dass diese Runs über Lynch nix anderes machen als der Offense zu schaden, muss die Frage erlaubt sein wieso man seinem Maskottchen mit Bauchspeck zwingend 12 Carries geben musste.

Carroll ist mit Ende 60 beratungsresistent geworden und macht nicht mehr den Eindruck als würde ihn irgendeine neuere Erkenntnis aus der Analytics-Ecke überhaupt noch interessieren. Schottenheimer hat sich 2019 gebessert zu einem durchschnittlich passlastigen Coach (nach dem fast schon historisch lauflastigen 2018) – aber mit einem QB wie Russell Wilson sollte man die Offense ganz einfach mehr von der Leine lassen. Selbst ein eher mauer Wilson wie jener in der 1ten Halbzeit in Green Bay ist wesentlich besser als hirnlos wieder und wieder in eine Menschentraube hineinlaufen um des Hineinlaufens willen.

Am Ende kann man bei den Seahawks konstatieren: Es hat…

  1. …am notwendigen Spielerpersonal gefehlt
  2. …und das Coaching war, wenn auch nicht mehr prähistorisch wie 2018, nicht aggressiv genug um den Talent-Nachteil zu kompensieren.

Man hätte also gewinnen können. Aber mal ehrlich: Dieser letzte Zacken Aggressivität war von diesem Coaching-Stab nicht zu erwarten – und daher kann ich die Rufe nach einem Trainerwechsel in Seattle auch nachvollziehen. So gut Carroll im Fundamentals-Coaching sein mag, so sehr sich Wilson seit dem Wechsel auf OffCoord Schottenheimer entwickelt haben mag: Das Ziel ist nicht, sich mit tausend knappen Siegen ins Viertelfinale zu wursteln. Nicht mit einem QB wie Wilson. Das Ziel ist der Superbowl. Und dafür muss man im Jahr 2020 alle Register ziehen.


Green Bay? Keine überwältigende Performance, aber es reichte. Mal wieder funktionierte das Opening-Skript. Die Packers führten schnell und deutlich, auch weil Seattle WR Adams nicht gedeckt bekam.

QB Aaron Rodgers mit einer fehlerfreien Performance in den 21 Dropbacks, in denen er keinen Druck bekam, und mit ein paar spektakulären Würfen als Befreiungsschlägen. Rodgers produzierte 0.42 EPA/Dropback, ein exzellenter Wert.

Die Defensive Line mit mehr als 50% QB-Pressure Rate gegen Wilsons Passversuche – aber die Dominanz scheint trügerisch: Obwohl die Smith-Rushers Preston und Zadarius sowie DT Clark alle für sich jeweils 7 oder mehr Pressures hatten, müssen viele Pressures von Wilsons selbst ausgegangen sein, denn die Pass-Block Win-Rate, die nach 2.5 Sekunden ohne Pressure einen „Sieg der O-Line“ ausruft, sieht ein gut geblocktes Spiel der Hawks-OL:

Weniger trügerisch war das Coaching mit Eiern: In der Crunch-Time den tiefen Pass ausgepackt um aus eigenen Stücken die Partie zu beenden anstatt auf Feldposition und Defense gegen Russell Wilson zu setzen.

Ich bin weiterhin nicht davon überzeugt, dass die Packers die Qualität mitbringen um einem sehr kompletten (und wandelbaren!) 49ers-Team am Sonntag in deren Stadion die Stirn zu bieten, aber mit Wegen zu einem möglichen Upset können wir uns in den nächsten Tagen noch auseinandersetzen.

Zum Power-Ranking.

Der Gap ganz vorne ist kleiner geworden: Das ausgeschiedene Baltimore bleibt weiterhin auf #1, aber Kansas City rückt mächtig auf: Letzte Woche noch 10 Prozentpunkte hinter den Ravens, diese Woche nur ein Spiel später nur noch deren 5%.

NFL Power Ranking 2019 - Divisional

Wahrscheinlichkeiten für die Conference-Finals

Wir kriegen damit am Sonntag zwei Partien mit zwei Favoritenstellungen der Heimmannschaften:

  • Kansas City 65%, Tennessee 35% (Spread: 4.0 Punkte)
  • San Francisco 68%, Green Bay 32% (Spread: 4.7 Punkte)

In den Wettbüros scheinen die Favoritenstellungen klarer zu sein: Kansas City gilt als Favorit mit 8, San Francisco mit 7 Punkten. Dabei scheint es den Buchmachern egal zu sein, dass die Chiefs mit ihrer suspekten Run-Defense heuer schon einmal trotz starker Mahomes-Vorstellung gegen Tennessee verloren haben. Ebenso wird nicht auf der ultradominanten 49ers-Heimsieg über die Packers in der Regular Season (37-8 Sieg) überreagiert.

Die Siegertipps dieses Rankings waren in der Post-Season bislang 4-4. 1-3 Bilanz zum Auftakt, aber am Divisional-Wochenende haben 3 der 4 Favoriten gewonnen. Die besten Wetten stehen jetzt auf einem Superbowl zwischen Chiefs & 49ers. Nach den Metriken dieses Rankings sind die Final-Wahrscheinlichkeiten wie folgt:

44.2% Chiefs – 49ers
23.8% Titans – 49ers
20.8% Chiefs – Packers
11.2% Titans – Packers

Alle Matchups im Finale sehen tendenziell knapp aus: Die Chiefs wären im Endspiel minimaler 51% Favorit gegen San Francisco, aber 62% Favorit gegen Green Bay. Die 49ers wären ein 57% Favorit gegen die Titans. Tennessee wäre ein knapper 54% Favorit gegen Green Bay. Das impliziert folgende Titelchancen:

35.4% Chiefs
35.2% 49ers
16.3% Titans
13.1% Packers

Green Bay gewinnt in ca. einem von 8 Szenarien die Superbowl. In mehr als 2 von 3 Fällen lautet der Champion aber Kansas City oder San Francisco.

2 Kommentare zu “NFL-Power Ranking 2019 – Divisional Playoffs

  1. Prognosen gefallen mir. Mit Chiefs als Sieger könnte ich gut leben. Wenn es nach dem 54. Super Bowl in der 100. Saison zwischen AFC und NFC 27:27 (Super Bowl Siege) stehen würde, wäre das schon was feines.

  2. Der Titans play action TD kam direkt im nächsten Play nach dem 4th Down stop.
    und ja, es folgte ein Titans TD auch auf den zweiten 4th Down stop.

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