Preview NFC Championship Game 2019

Es ist das dritte NFC Championship Game in sechs Jahren für die Green Bay Packers. Ziemlich gut für eine Mannschaft, die zwischendurch den Coach gefeuert hat und über Jahre eine Frage befeuert hat, die auf der anderen Seite des Ozeans berühmter ist als hierzulande “Was erlauben Strunz?!?”.

Freundschaften gingen zu Bruch, Ehen wurden geschieden, Kinder enterbt – und das alles nur, weil immer noch jemand die Frage stellen mußte: What’s wrong with Aaron Rodgers?

Diese Frage wird für immer zu Aaron Rodgers’ Karriere gehören. Aber heute sollte im Vordergrund stehen, daß dies sein viertes Championship Game ist. In den letzten 20 Jahren gab es nur vier Quarterbacks mit mehr Teilnahmen an Championship Games.

Drei der vier haben wir gestern schon angesprochen: Brady (13), Manning und Roethlisberger (jeweils 5). Der vierte? Sein Head Coach war gestern ebenso dabei: es war Donovan McNabb mit Andy Reids Philadelphia Eagles.

Hier die Liste

[2] Green Bay Packers @ [1] San Francisco 49ers

Heute nacht, 00:40Uhr: auf FOX (NFL Game Pass und DAZN) mit Joe Buck und Troy Aikman; auf DAZN mit Markus Kuhn und Sebastian Vollmer; auf Pro7 mit Marcus Spengemann und Roman Motzkus.

Seine letzten beiden Championship Games hat Rodgers verloren. 2014 war es das “Mike-McCarthy-Was-Zur-Hölle?!?!”-Spiel. 2016 fuhr Matt Ryan über die Packers drüber: 392 Yards, 4 Touchdowns. Ryans Offensive Coordinator damals: Kyle Shanahan. An seiner Seite als Assistent: Matt LaFleur.

LaFleur und Aaron Rodgers scheinen manchmal ganz gut zu harmonieren, aber gerade im Dezember waren auch wieder Spiele dabei, in denen nicht viel zusammenpaßte.

Wenn Green Bay den Ball hat

Davante Adams vs Richard Sherman

Es ist ein sehr interessantes Set-up: Green Bay hat nur einen guten Wide Receiver, ansonsten nur Lückenfüller. San Francisco hat nur einen guten Cornerback, daneben nur Lückenfüller. Während Davante Adams ununterbrochen über das gesamte Feld geschoben wird, steht Richard Sherman immer auf der rechten Seite (vom Quarterback aus gesehen).

Wird 49ers DC Robert Saleh heute von seiner Philosophie abweichen? Unwahrscheinlich. Saleh ist auch generell kein Coach, der für kreative Ideen oder besondere Schemes bekannt ist. Als er in den letzten beiden Saisons mit mäßigem Spielermaterial arbeiten mußte, sah die Defense schlecht aus und schien auch keine Fortschritte zu machen. Die Fortschritte kamen erst jetzt mit besseren Spielern.

Also: 98 % seiner Snaps hat CB Sherman auf der rechten Seite gespielt. Wenn nun Davante Adams links aufgestellt wird, was dann? Wird er gedoppelt? Es spricht nichts dagegen, ihn bei jedem Spielzug zu doppeln. Die anderen WRs Kumerow, Lazard, Valdes-Scantling und Allison kann man gefahrlos mit einem mittelmäßigen Verteidiger aus dem Spiel nehmen.

Um Adams konsequent zu doppeln, müßte Saleh allerdings von seinem System abweichen. Das tut er nur sehr ungern. Wahrscheinlich werden auf der linken Seite Emmanuel Moseley und Akhello Witherspoon wieder abwechselnd gebencht, bevor dann nach dem fünften oder sechsten Catch von Adams notgedrungen jemand zum Doppeln abgestellt wird. Seattle hat letzte Woche gezeigt, wie man es nicht machen sollte.

Wie letzte Woche sollten die Packers gleich zu Beginn Adams so stark wie möglich einbinden. Establish the Adams. Der Rest folgt dann.

Aaron Jones, Jamaal Williams & Tyler Ervin

Zum Beispiel Aaron Jones. Jones ist in seinem dritten Jahr und endlich der klare RB1, nachdem Mike McCarthy lieber dem unscheinbaren Jamaal Williams die größere Rolle gegeben hat. Jones, obwohl so klein (1,75m), ist ein explosiver Läufer, der aber auch in Power Situations wertvoll ist (16 TD auf dem Boden) und extrem gefährlich im Paßspiel ist. Er wäre schon ein bekannter Superstar, wenn er nicht so viele Pässe unaufmerksam durch seine Hände fallen ließe. So wird er wahrscheinlich nächste Saison, sein viertes Jahr, ligaweit bekanntwerden und das nächste Beispiel für die moderne Gretchenfrage werden: wie hälts’t Du’s mit Megadeals für Running Backs?

Williams’ Rolle wird bei LaFleu immer kleiner. Sechs Wochen ist es schon her, daß er das letzte Mal zehn Touches hatte. Viel interessanter ist Kick- und Punt Returner Tyler Ervin. Der hatte letzte Woche zwei Laufversuche, als er als WR im Slot aufgestellt war.

Schon im Spiel davor, gegen Detroit, hat er viele Snaps bekommen. FaFleur experimentiert viel mit dem “Pony Package”, also Aufstellung mit zwei RBs. Dabei können diese sowohl zusammen im Backfield stehen, aber eben auch als WR aufgestellt werden. Man kann damit viele kreative Dinge tun, vor allem, wenn die Defense vorhersehbar ist, wie eben diejenige Salehs.

Offensive Line vs Pass Rush

Warum ist diese Defense denn aber trotzdem so stark? Weil sie vor allem in der Defensive Line so starke Einzelspieler hat. Arik Armstead, Nick Bosa, DeForest Buckner, Dee Ford und mit Abstrichen auch Solomon Thomas können jede Offensive Line kollabieren.

Die starken Pass Rusher sind klassischerweise in dritten Versuchen am wertvollsten, wenn sie sich nicht mehr um das gegnerische Laufspiel sorgen müssen, sondern mit Scheuklappen straight auf den Quarterback gehen. San Fran hat denn auch die zweitbeste 3rd Down Conversion Rate der Liga: nur 32 % der gegnerische Versuche werden zu einem 1st Down verwandelt.

Diese Offensive Line der Packers ist gut, außer Frage. Aber diese Offensive Line ist nicht mehr über jeden Zweifel erhaben, wie noch vor drei oder vier Jahren. Gerade die beiden Superstars Bakhtiari und Bulaga haben ihre Aussetzer gegen Superstar-Pass Rushers. Die beiden müssen heute schon spielen wie früher, damit Aaron Rodgers hier nicht Arm- und Beinbruch erleidet.

Ziel für GB muß sein, nicht in lange 3rd Downs zu kommen. Das birgt aber auch die Gefahr, zu konservativ in Early Downs zu spielen. Die interessanteste Frage hier also: nutzt LaFleur Davante Adams und Aaron Jones in Early Downs für aggressives Paßspiel – oder versucht er, möglichst sicher zu spielen? Die Auguren sind sich noch nicht ganz einige, aber die Meinung tendiert dahin, LaFleur eher positiv zu beurteilen, gerade auch weil er mit hoher Paßquote in 1st Downs spielen läßt.

Wenn San Francisco den Ball hat

Nickel-Pettine vs Laufspiel

Green Bays Defensive Coordinator Mike Pettine mag keine Base Defense. Green Bay spielt fast ausschließlich Nickel und Dime, also mit mindestens fünf oder sechs Defensive Backs. Wird sich Pettin rauslocken lassen von viel Laufspiel aus Aufstellungen mit zwei Tight Ends?

Kyle Shanahan läßt sehr gerne laufen. Alle drei RBs Raheem Mostern, Tevin Coleman und Matt Breida haben diese Saison mehr als 130 Carries bekommen. Kaum eine Mannschaft läuft häufiger als die 49ers.

Er wäre gar nicht das schlechteste für GB, wenn SF hier viel laufen würden. Denn je mehr SF läuft, desto weniger werden ihre beiden gefährlichsten Waffen eingesetzt: Yards after Catch und Shanahans maßgeschneiderte Angriffe auf einzelne schwache Spieler.

San Francisco YACs

Wilder Split: Nach aDOT (Average Depth of Target) ist die 49ers-Offense die kürzeste der Lige; nach YAC (Yards after Catch) die längste.

RB Mostert, WR Deebo Samuel und TE George Kittle gehören alle drei mit zu den athletischsten Spielern auf ihrer Position. Kombiniert mit Shanahans Magic im Spielzugdesign ist das Ergebnis immer wieder ganz viel Platz für den Ballfänger nach dem Catch.

Es könnte sogar noch besser sein, wenn nicht Jimmy Garoppolo immer wieder Ungenauigkeiten in seinen Pässen hätte. YAC bekommt man vor allem, wenn der Ball höchst akkurat in den Lauf der Paßempfänger geworfen wird. Muß der Fänger bremsen, sich umdrehen oder verrenken, um den Paß zu fangen, geht viel von der Explosivität verloren.

Dazu kommt bei Garoppolo noch, daß er anscheinend Shanahans Playdesigns zu sehr vertraut. Er guckt manchmal gar nicht, ob sich ein Verteidiger anders verhält als geplant. Und so kommt es immer wieder zu schlimmen Interceptions. Exemplarisch dafür letzte Woche die INT gegen die Vikings, als Eric Hendricks sich in die Route schleicht und Garoppolo ihm direkt in die Arme wirft, weil er gar nicht damit gerechnet hat, dort könnte jemand stehen.

Shanahans Opfer

Speed kills! Und Speed hat San Frans Angriff überall. Erstes Opfer sind also langsame Spieler: zum Beispiel ein 36 Jahre alter Cornerback. Tramon Williams im Slot kann nicht mithalten mit Deebo Samuel oder Emmanuel Sanders oder George Kittle.

Generell könnte sich San Frans Angriff hier auf die Mitte konzentrieren und weniger an den Seitenlinie operieren. Rookie Safety Darnell Savage gefällt mit aggressiver Spielweise, springt aber auch immer mal wieder übermotiviert ins Leere oder ist zu optimistisch in der Wahl seiner Winkel auf den Ballträger.

Green Bays Linebackers sind eher semi. Blake Martinez ist zwar smart und recht phýsisch, aber er ist nicht mehr als guter Durchschnitt. Neben Martinez spielen Oren Burks, B.J. Goodson und Ibraheim Campbell (halb Safety) die Snaps. Da kann SF viele Crossers und Drag Routes durchlaufen lassen.

Was macht Pettine dagegen? Pettine hat unter Rex Ryan gelernt, daß man Quarterbacks am besten bremst, wenn man vielseitig in der Coverage ist und vor dem Snap etwas anderes zeigt, als man danach spielt. Ebenso vorne: vor dem Snap mit unklaren Aufstellungen (“Ameoba Fronts” oder “Psycho Fronts”) die Block-Schemen der OLine durcheinanderbringen und den Quarterback verwirren. Das sollte gerade gegen Jimmy G ein gutes Rezept sein, aber macht natürlich auch anfällig, wenn er sich nicht verwirren läßt, weil er weiß: Kyle hat mir hier den richtigen maßgeschneiderten Spielzug entworfen.

Es ist ganz ähnlich wie bei Green Bay. Man muß dringend lange 3rd Downs verhindern, weil dort der gegnerische Pass Rush um Za’Darius Smith zu stark ist. Aber wie geht man das an in Early Downs? Läuft man viel gegen “leichte Boxen” – oder bleibt man aggressiv und paßt viel? Wird viel und aggressiv gepaßt, sollte der Vorteil eher bei Aaron Rodgers liegen als bei Jimmy Garoppolo. Andererseits liegt auf der Coaching-Seite der Vorteil eher bei Kyle Shanahan als bei Matt LaFleur.

Is there actually something wrong?

Oben stand, daß es das vierte NFC Championship Game für Aaron Rodgers ist. Das stimmt nicht ganz. Es ist sein viertes als Starter. Aber er war auch in einem fünften dabei, 2007 als Back-up von Brett Favre. Es war das legendäre “Tom-Coughlin-erfriert-das-Gesicht-Spiel”.

Wie heute die Packers waren damals die gegnerischen Giants auswärts der 7,5-Punkte-Underdog. Dieser Underdog gewann und spielte zwei Wochen später gegen die scheinbar unbezwingbare Offensivmaschine der AFC.

Seltsame Parallelen: 7,5 Punkte Underdog, auswärts, es wartet später: die scheinbar unbezwingbare Offensivmaschine der AFC. Vielleicht ist ja heute mal nichts wrong, sondern im Gegenteil alles all right with Aaron Rodgers? Ich würde es ihm gönnen.

Es wird ein knappes Spiel.

6 Kommentare zu “Preview NFC Championship Game 2019

  1. „San Francisco hat nur einen guten Cornerback, daneben nur Lückenfüller.“
    Keine Ahnung, warum K’Waun Williams fast überall unter den Tisch fällt. Ist für mich ein Top 5 Slot Corner und hat eine überragende Saison gespielt. Dazu ist besonders Ward in Coverage einer der besten Safeties, auch Tartt hat sich enorm gesteigert. Mit Warner, Alexander und Greenlaw (der eine irre Entwicklung genommen hat) steht da außerdem vielleicht die beste Coverage-LB-Gruppe auf dem Platz. Ich sehe die Coverage der Niners deutlich besser als hier zumindest angedeutet wird. 😉

  2. Re: K’waun Williams

    Nach PFF Defense-Grades ist er heuer der #8 Cornerback. Das spricht für ihn. Es war aber auch seine bislang beste Saison (2014 hatte er schon einmal Elite-Grading, aber unter 250 Coverage-Snaps), die es zu bestätigen gilt.

    Er ist natürlich mit 97% Slot-Snaps ein reiner Slot-Corner.

    BTW: Yards/Snap ist ein bissl gefährliche Statistik, aber in Slot-Defense lesen sich seine Coverage-Stats gar nicht einmal so überragend:

    Nach Slot-Receptions/Coverage-Snap ist Williams die #30
    Nach Slot-Yards/Coverage-Snap die #16

  3. Klar, er ist ein Spezialist. Keine Frage. Doch der Slot-CB wird immer wichtiger. Er lebt sicher auch davon, dass neben ihm jetzt überragende Coverage-LB spielen.

    Yards/Reception finde ich irgendwie relativ aussagelos. Sprich wenn er geschlagen wird, dann relativ tief?

    Yards/Cov Snap dagegen ist sicher ein guter Indikator. Da sieht man, er ist kein Lockdown-Corner. Aber ich würde schon sagen, dass er eben deutlich mehr ist als Replacement-Level. Moseley ist da schon die klarere Schwachstelle meiner Meinung nach.

  4. Hier steht auch nicht Yards/Reception, sondern Slot-Receptions pro Coverage-Snap. Aufgegebene Slot-Receptions pro Passspielzug mit Williams als Slot-Corner.

  5. 49erflo
    Fair. Williams kam hier zu schlecht weg. Nicht, daß er ein Superstar wäre, aber das ist Ziel für GB sollte sein, Adams gegen Moseley/Witherspoon zu schicken.

  6. Pingback: NFC Conference Championship 2019/20: San Francisco 49ers – Green Bay Packers im Liveblog | Sideline Reporter - Eier, wir brauchen Eier!

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