Die finale College-Football Rundschau 2019/20

Abschluss der College Football-Saison 2019/20 mit einer ausgiebigen Rückschau! Geladen dazu sind für die Expertenrunde auch meine Stammgäste.

Es war eine College-Football Saison, die sehr langweilig begann. Mehr noch als in anderen Jahren hatte ich Mitte Oktober das Gefühl, einem geskripteten Treiben („Spektakel“ konnte man das nicht nennen) zuzuschauen – bis es dann doch noch einige Upsets und vor allem ein paar richtig knackige Partien in der „Crunch-Time“ der Saison gab.

Zugegeben: Dass die Saison bis Mitte Oktober ereignis- bzw. Upset-arm verläuft, ist nix neues. Doch die Langeweile drohte tödlich zu werden, weil erneut Alabama, Clemson, Ohio State und Oklahoma die Pace vorgaben und vorneweg marschierten. Same procedure as every year?

Mit dem kolossalen LSU-Sieg in Alabama Anfang November jedoch bekam die Saison eine angenehme Wendung. Joe Burrow und seine atemberaubende Passing-Armada drehten das Schicksal der Saison – und mit einem Offense-Monster LSU vorneweg, noch dazu einem total unerwarteten Offense-Monster!, fühlte es sich plötzlich erträglich an, dass die unmittelbare Konkurrenz wie Clemson und Ohio State ebenso ihre Gegner in Grund und Boden spielten.

Mit einem anderen Flaggschiff als dem ewigen Alabama vorneweg hatte die Aussicht auf einen „echten“ Gegner für LSU in den Playoffs plötzlich sogar etwas äußerst Positives in der Dominanz der ersten Verfolger. Das soll nicht abschätzig gegenüber Alabama klingen – ich schätze es sehr, was Nick Saban dort gebaut hat, und ich habe oft darüber geschrieben (natürlich auch entsprechend viele Möglichkeiten dazu gehabt). Aber es brauchte diese Luftveränderung.

Und, Baby: LSU hat diese Luftveränderung geboten – im wahrsten Sinne des Wortes! Am Ende hat es keine der zahlreichen Top-Defenses geschafft, Burrow auch nur vor ernsthafte, länger als ein Viertel währende Probleme zu stellen. Es mag in der 150-jährigen Geschichte des College Football das eine oder andere noch dominantere Team gegeben haben – aber in den letzten 15 Jahren? Bessere Defenses – ja. Bessere Gesamtpakete – vielleicht. Aber eine solche Offense? Ich denke nein. „Unstoppable“ ist ein im US-Football zu oft gebrauchter Begriff, doch für LSU 2019 traf er zu. Er schien geradezu wie gemacht dafür, LSU 2019 zu beschreiben.

So war das am Ende alles nicht besonders spannend, aber totale Dominanz gepaart mit ein bissl frischen Wind und der Underdog-Story, die eben auf den Namen „Joe Burrow“ hörte, machte das dann doch zu einer ganz erquicklichen Saison an der Spitze des College Football.

Doch ich habe keine 50 Spiele gesehen. Und daher bleibt die große Frage, welche Urteile die wahren Experten des College Football, Jan Weckwerth (@giannivanzetti / Triple Option Blog) und Christian Schimmel (@Chris5Sh / u.a. Der Draft), über diese abgelaufene Saison fällen – und welche Ausblicke sie auf die Zukunft geben können. Das alles natürlich wieder in Form eines ausführlichen Fragebogens.

Wer es darüber hinaus genau wissen will, für den sei auf Jan Weckwerths abschließenden Mailbag verwiesen. Nein, ich habe ihn selbst noch nicht gelesen. Ja, ich lege blind die Hand dafür ins Feuer, dass er lesenswert ist.

Und damit zum Mailbag – ich habe nur die erste Frage mit beantwortet. Danach lasse ich nur noch die Kollegen sprechen.

Saison-Rückblick 2019/20

#1 Dein Wort zum National Champion LSU?

korsakoff: Team meiner Träume. LSU 2019 spielte so, wie man aus meiner Sicht Football spielen muss:

  1. Scheiß auf alle Konventionen
  2. Kompromissloses Downfield-Passing in alle Zonen des Spielfelds
  3. Fuß auf dem Gaspedal auch mit hohen Führungen

Ich weiß nicht, ob das Team das dominanteste der letzten 15 Jahre war und wie das gegen Ohio State ausgesehen hätte, aber Burrow und Co. haben genügend Top-Verteidigungen in ihre Einzelteile zerlegt – und das ist nicht im geringsten eine Übertreibung! – dass man sie schon allein deshalb in das Pantheon der großen Teams hieven muss.

Christian Schimmel: Beeindruckend. Durch den Spielplan ohne Niederlage durchzukommen, mit einer Qualität in der Offense, die wohl keiner vor der Saison hat kommen sehen. Mit Ed Orgeron einem erfahrenen Coach, der wusste, dass er etwas ändern musste und einen radikalen Systemwechsel vollzogen hat. LSU ist nie unruhig geworden. Der Moment war nie zu groß, auch nicht mit einem zwischenzeitlichen Rückstand im Finale.

Jan Weckwerth: Hochverdient.

Eine bereits jetzt legendäre Offense um einen überragenden Joe Burrow, über die man noch in zwei Jahrzehnten reden wird. Ich glaube nicht, dass ich schon einmal einen solch radikalen und zugleich erfolgreichen Bruch in der offensiven Philosophie innerhalb einer Off-Season erlebt habe.


#2 Was hat Clemson letztendlich gefehlt um Joe Burrow und seiner Pass-Armada Herr zu werden?

Christian Schimmel: Im Sport trifft man manchmal auf Teams, die schlicht besser sind als man selbst. Das ist Clemson passiert. Die Defense ist noch sehr jung hatte sicherlich nicht die Dominanz der letzten Jahre. Dazu wäre in der Partie ein Trevor Lawrence in Bestform notwendig gewesen und er hatte für seine Qualität einfach keinen guten Tag. Das war dann schlicht zu viel, gegen ein sehr, sehr gutes LSU.

Jan Weckwerth: Simple Antwort: Die Defense des letzten Jahres, die die beste Alabama-Offense der jüngeren Zeit bei 16 Punkten halten konnte. Mit den vier D-Linern Ferrell, Wilkins, Lawrence und Bryant plus CB Mullen wäre das Spiel wohl etwas ausgeglichener verlaufen, und DC Brent Venables hätte weniger stark auf Blitzes setzen müssen.

Allerdings machten Burrow und Co. in den letzten Wochen der Saison noch einmal mehr den Eindruck, als ob sie von niemandem hätten gestoppt werden können. Doch so eine Aussage unterliegt immer ein wenig dem Recency Bias.


#3 Was war, abgesehen von Burrow, deine positive Überraschung dieser College-Football Saison?

Christian Schimmel: Rein sportlich betrachtet definitiv Baylor, die sehr nah dran an einer Bowl Teilnahme waren und nun mit Dave Aranda als Nachfolger von Math Rhule einen hochinteressanten neuen Head Coach haben. Auf der positiven Seite weiterhin, Minnesota, Oregon und auch Florida, bei denen sich so langsam auch offensiv etwas tut. Generell positiv herausheben möchte ich die Qualität in der American Conference. Da gab es dieses Jahr etliche gute Mannschaften.

Jan Weckwerth: Münzwurf zwischen Baylor und Minnesota. Ich entscheide mich knapp für Baylor, obwohl mir die Gophers mehr Freude bereitet haben. Doch was Matt Rhule aus einem Programm gemacht hat, das vor zwei Jahren noch völlig daniederlag (wohlgemerkt vollkommen zu Recht), verdient allerhöchste Anerkennung. Wären die Bears nicht in zwei megaknappen Spielen an Oklahoma gescheitert, würden wir heute von dem überraschendsten Playoffteilnehmer in der noch kurzen Geschichte der CFB Playoffs reden.

Im weiteren Kreis: Louisville, Florida, Navy, SMU.


#4 Deine größte(n) Enttäuschung(en)?

Christian Schimmel: USC, wobei ich dem Trainerstab hoch anrechne, mit derart vielen Verletzen das Team zusammengehalten zu haben und zum Schluss die Saison sogar noch halbwegs versöhnlich abgeschlossen. Texas ist sicherlich noch nicht da, wo sie sein wollen, dasselbe gilt, mal wieder, für Michigan. Dazu die ACC als Conference. Das hatte 2019 mit Ausnahme von Clemson absolut nichts mit einer Power 5 Conference zu tun. Achso, und Alabama hat sehr lange keine drei Spiele mehr verloren.

Jan Weckwerth: Hier würde ich mit Texas beginnen. Vor einem Jahr wurden DC Todd Orlando und seine Defense noch gefeiert, nun muss er nach einer desaströsen Saison seinen Hut nehmen. Viele erwarteten einen Großangriff der Longhorns auf den Platzhirsch Oklahoma, raus kam eine enttäuschende 7-5 Bilanz in der regular season. Da hat auch der überraschende Sieg gegen Utah im Bowl keine Linderung verschafft.

Nebraska gehört für mich ebenfalls dazu. Der Hype vor der Saison war mir etwas suspekt, aber eine zweite Saison in Folge mit negativer Bilanz hätte ich nicht erwartet.

Weitere Enttäuschungen: Michigan State, Washington, Stanford, Army, Houston, USF.


#5 Dein Spiel der Saison?

Christian Schimmel: LSU – Alabama. Es war für mich eines der am meisten herbeigesehnten Spiele der letzten Jahre und es hat alles gehalten hat. Ich glaube, dass es, allein weil Alabama nach wie vor der Platzhirsch ist, für LSU der vielleicht wichtigste Sieg auf dem Weg zum Titel war. Runner Up Clemson – Ohio State. Sehr gutes Halbfinale mit vielen schrägen Aktionen.

Jan Weckwerth: Der Fiesta Bowl zwischen Clemson und Ohio State: zwei absolute Schwergewichte mit vier herausragenden Units, eine große Aufholjagd, kontroverse Entscheidungen, mehrere Key Plays auf beiden Seiten, die das Blatt immer wieder gewendet haben und Spannung bis zur letzten Minute. Da wurde einfach alles geboten, was das College Football-Herz begehrt. Okay, Buckeyes-Fans dürften das anders sehen.


#6 Gibt es irgendeine dominierende Storyline neben Burrow, unter der du die abgelaufenen College-Football Saison in Erinnerung behalten wirst?

Christian Schimmel: Das Transfer Portal. Sofern die Regeln so bleiben wie sie sind, werden wir uns daran gewöhnen (müssen), dass immer mehr Spieler diese Möglichkeit nutzen werden. Drei von vier Quarterbacks im Halbfinale waren Transfers. Ich denke, dass wird in den kommenden Jahren eher zunehmen. Dazu ist 2019 das Jahr, in dem ein Gericht das erste Mal entschieden hat, dass College Athleten finanziell zu entschädigen sind. Zu welcher Regelung das führt, offen, aber die Grundsatzentscheidung bleibt historisch.

Jan Weckwerth: Ob dominierend weiß ich nicht, aber wahrscheinlich am ehesten eine Entscheidung, die nur mittelbar mit dieser Saison zu tun hat: der „Fair Pay to Play Act“, also das in California verabschiedete Gesetz, das es College-Spielern fortan erlauben soll, in einem bestimmten Rahmen von ihrem Namen und Bild finanziell zu profitieren. Dadurch wurde – leider mal wieder von außen – eine längst überfällige Debatte angestoßen, die die NCAA seit Jahren versäumt und die unter anderem in dieser absolut lächerlichen Sperre für Chase Young kulminiert ist. Vielleicht werden wir in einigen Jahren zurückblicken und dieses Gesetz als Ausgangspunkt für weitreichende Reformen betrachten. Nötig und wünschenswert wäre es allemal.


#7 Gibt es irgendwelche spielerischen Trends, die dir in der abgelaufenen Saison besonders aufgefallen sind?

Christian Schimmel: In der Defense geht der Trend, speziell bei den sehr guten Teams, wieder stark Richtung Man Coverage. Die Halbfinals waren symbolisch für die Entwicklung, da doch viele Teams sich dadurch mehr Freiheiten in der Front erhoffen. In der Offense dominieren noch mehr die Spread Konzepte, gleichwohl diese philosophisch zum Teil sehr unterschiedlich aufgebaut sind. Auch wenn ich keine Zahlen habe, wird gefühlt noch mehr aus Empty Sets gespielt.

Jan Weckwerth: In der Offense die weitere Evolution und Ausdifferenzierung von RPOs. Insgesamt gewinnen Plays, in denen (im Idealfall zu unterschiedlichen Zeiten) mehrere Optionen bestehen und damit flexibel auf die Defenses und ihre post-Snap Tendenzen reagiert werden kann, weiter an Bedeutung.

Zunächst beschränkten sich die RPOs ja auf Running Play oder quick Pass auf die Slant/In Route, ansonsten war das Feld noch weitgehend unerschlossen und bietet für kreative Köpfe jede Menge Möglichkeiten: etwa Zone Reads als Triple Option (mit einem Passempfänger außen) oder Pass-Run-Options, wie sie Oklahomas HC Lincoln Riley prominent laufen ließ. In der Hinsicht werden wir in den kommenden Jahren noch einige Highlights geboten bekommen.

In der Defense scheinen mehr und mehr Teams auf die Bear Fronts zu setzen (also eng zusammenstehende D-Liner), um dem Inside Zone Running und dem Pulling der O-Liner Grenzen zu setzen. Darüber hinaus werden viele Defenses zunehmend hybrider: weniger klare Positionen (von outside CBs einmal abgesehen), womit die Offense länger im Unklaren gelassen wird. Auch hier lässt sich allerdings weniger von einer Neuigkeit, vielmehr von einer Verbreitung und Verfestigung sprechen.

Blick in die Zukunft

#8 Richten wir den Blick nach vorn: Kann LSU 2020 ohne Burrow und Joe Brady in der SEC Schritt halten oder droht ein Rückfall in alte Alabama-Dominanz? Oder Bühne frei für die zweite Reihe um Florida und Texas A&M?

Christian Schimmel: Schwer vorstellbar. Orgeron und Ensminger sind noch da. Brady und Aranda sind weg, dazu Burrow und eine Horde Underclasmen, die sich Richtung NFL verabschiedet haben. Ich vermute, dass LSU einen genauen Blick ins Transfer Portal werfen wird, dennoch wird es eine natürliche Regression geben. Schlüssel wird sein, wie Orgeron seinen Coaching Stab aufstellt. Florida, Georgia Auburn und insbesondere Texas A&M traue ich sehr gute Rollen zu. Ich denke, es wird nicht komplett einsam um Alabama an der Spitze.

Jan Weckwerth: Ich befürchte für LSU wird es ganz schwer werden. Es fehlen ja nicht nur Burrow und Brady, sondern auch DC Dave Aranda, der Nachfolger von Matt Rhule bei Baylor wird. Zu den Senior-Abgängen (neben Burrow prominent DE/DT Lawrence und CB Fulton) haben sich weitere neun (!) Spieler für einen vorzeitigen Sprung in die NFL entschieden, und die lesen sich wie das „Who is who“ der abgelaufenen Saison (unter anderem WR Jefferson, RB Edwards-Helaire, TE Moss, C Cushenberry, OLB Chaisson, S Delpit). Sollte HC Ed Orgeron mit dieser gerupften Truppe einen großen Bowl erreichen, würde ich das schon als Riesenerfolg werten.

Alabama und Georgia werden sicherlich erneut die beiden Topfavoriten in der SEC sein. Texas A&M hat unter Jimbo Fisher in den letzten zwei Jahren hervorragend rekrutiert – die Frage ist, ob er das ganze Talent langsam aufs Feld bekommt. Florida hat etwas unbemerkt eine herausragende Saison gespielt. Wenn die Gators die Abgänge insbesondere im Passrush kompensiert kriegen, traue ich ihnen durchaus eine Überraschung zu. Voraussichtlich wird die SEC wieder die qualitativ hochwertigste Conference mit den meisten Top-Teams sein.


#9 Die Verfolger-Conferences und ihre Power-Houses: Clemson in der ACC, Ohio State in der Big Ten, Oklahoma in der Pac-12 – droht auch 2020 dort Langeweile?

Christian Schimmel: Die gute Nachricht, die ACC kann gar nicht so schlecht sein, wie 2019, dennoch ist Clemson turmhoher Favorit. Die BIG TEN sehe ich ausgeglichener mit den üblichen Schwergewichten. Vielleicht ist ja 2020 das Jahr von Michigan, wer weiß. In der BIG12 wird es ein Schlüsseljahr für Texas und HC Tom Hermann, der gewinnen muss. Ich bin zudem sehr auf Baylor gespannt, vielleicht kann Aranda direkt an den Erfolg von Rhule anknüpfen.

Jan Weckwerth: Man sollte mit Statements über ein halbes Jahr vor der nächsten Saison vorsichtig sein, ich befürchte es allerdings ein wenig. Clemson steht weiterhin deutlich über allen anderen Teams in der ACC und bekommt nun noch eine mörderische Recruiting Class obendrauf (#1 des Landes). Wenn man bedenkt, was HC Dabo Swinney aus weniger talentierten Klassen schon so alles gezaubert hat, schwindet die Hoffnung auf eine spannende ACC noch weiter.

Ohio State hat in der deutlich kompetitiveren Big Ten ein paar andere Kaliber vor sich als Clemson, doch auch die Buckeyes haben eine exzellente Class an Land gezogen (#4 des Landes). In der Defense muss man abwarten, inwiefern die Topstars Young und Okudah ersetzt werden können. Die Offense bleibt von Dobbins und ein paar Veränderungen in der tiefen WR-Rotation abgesehen fast komplett zusammen. Dennoch werden Teams wie Penn State voraussichtlich eine gute Rolle spielen.

Bei Oklahoma wird viel davon abhängen, wie gut der gehypte QB Spencer Rattler einschlagen wird. Die Skillplayer dürften auch ohne CeeDee Lamb zu den talentierteren des Landes gehören – und Defense ist in der Big 12 ja eh zu vernachlässigen. Doch wer weiß, ob es nicht ein neues Baylor geben wird, das ein wenig Feuer in die Sache bringt.


#10 Irgendeine Chance, dass die Pac-12 mal wieder ein ausreichend komplettes Team für ernsthafte Playoffambitionen schicken kann?

Christian Schimmel: Die Conference kann nur über USC, Oregon und Washington gehen. Die haben alle genug Talent, um einen Lauf hinzulegen. Allerdings haben auch alle Fragezeichen. Die Ducks müssen Justin Herbert ersetzen, werden aber 2020 eine sehr brachiale Defense haben. Sie recruiten außergewöhnlich gut. Washington verliert ebenso den Starting Quarterback und Talent aus der Defense, dazu bleibt die Frage, welche Folgen der Abgang von HC Chris Petersen hat. USC hat einen Head Coach unter massiven Druck. Auch keine einfache Ausgangslage.

Jan Weckwerth: So weit waren Oregon und Utah diese Saison ja gar nicht weg, und viel schlechter als Oklahoma hätten sie sich wohl auch nicht angestellt. Die Ducks sind – Stand jetzt – in der kommenden Saison sicherlich einer der Topfvoriten in der Pac-12. In der Offense muss man Justin Herbert und einen Großteil der genialen O-Line ersetzen, dafür haben sich in der Defense gleich drei Schlüsselspieler für einen Verbleib entschieden. Sollte der neue QB (ob Tyler Shough oder ein anderer) einschlagen, stehen die Chancen gar nicht mal so schlecht.

Gespannt bin ich zudem auf Washington (im ersten Jahr unter Jimmy Lake) und USC (mit einer potenziell atemberaubenden Offense). Wahrscheinlich wird aber jedes gute Pac-12 Team mindestens einmal zu viel stolpern.


#11 Welcher neue Head Coach ist für dich der spannendste zur neuen Saison?

Christian Schimmel: Mike Norvell bei Florida State. Man muss Jimbo Fisher keinesfalls mögen. Aber unter ihm waren die Semnoles ein permanenter Contender und natürliches Gegengewicht zu Clemson. Nach ihm war FSU vor allem eins, Chaos. Der Anspruch, ist es jedes Jahr, um Meisterschaften zu spielen. Norvell hat bei Memphis gewonnen, auch wenn er jedes Jahr viel Talent verloren hat. Rein aus Unterhaltungsgründen ist der Staat Mississippi mit Lane Kiffin (Ole Miss) und Mike Leach (Mississippi State), sicherlich der spannendste 2020.

Jan Weckwerth: Aus Unterhaltungsgründen müsste ich mich zwischen Lane Kiffin (Ole Miss) und Mike Leach (Mississippi State) entscheiden. Ich kann mit beiden persönlich zwar wenig anfangen, aber sie bringen eine Menge zusätzliches Flair in eine diesbezüglich eh schon prall gefüllte SEC West. Der Egg Bowl zwischen den beiden Mississippi Schools verspricht spektakulär zu werden und dürfte sogar den pissenden Hund der vergangenen Ausgabe und die Massenprügelei von 2018 in den Schatten stellen.

Rein sportlich würde meine Wahl wohl auf Mike Norvell bei FSU fallen. Wie ich auf diesem Blog schon öfter ausgeführt habe, halte ich viel von Norvell, und ganz so schlecht ist das Talent in Tallahassee nicht. Mal schauen, ob ihm bereits im ersten Jahr der Umschwung gelingt.


#12 Gibt es ein Team außerhalb des üblichen Favoritenkreises um Alabama, Georgia, Ohio State oder Clemson, das 2020/21 die Phalanx der Dynastien sprengen und für eine Überraschung à la LSU 2019 sorgen kann?

Christian Schimmel: Auf Texas A&M bin ich sehr gespannt. Das ist ein Team mit viel Talent, unter einem Coach, der bewiesen hat, zu gewinnen. Dazu sage ich eine Playoff Teilnahme eines PAC12 Teams voraus. Wer das sein wird, weiß ich allerdings nicht.

Jan Weckwerth: Michigan!

Im Ernst: Wenn, dann kenne ich das Team noch nicht. Meiner Ansicht nach hat sich niemand in den letzten Wochen so wirklich aufgedrängt, in diese Phalanx reinrutschen zu können. Aber wer hätte vor der abgelaufenen Saison erwartet, dass ausgerechnet LSU alle Offensivrekorde bricht? Lassen wir uns also überraschen.

2 Kommentare zu “Die finale College-Football Rundschau 2019/20

  1. Mein Bauchgefühl sagt, dass die Texas Longhorns die kommende Saison den Durchbruch schaffen mit QB Sam Ehlinger. Warte jetzt schon 2 Jahre, wenn nicht in 2020, dann kann man diese Organisation abschenken.
    Zitat Jan: „In der BIG12 wird es ein Schlüsseljahr für Texas und HC Tom Hermann, der gewinnen muss“.

  2. „Nur 50 Spiele“???

    Skandal 😀

    Jedenfalls danke für die grandiose CFB Coverage all die Jahre, wird mit den ganzen verschiedenen Formaten nie langweilig. Ich liebe diese Kombination aus Insidern und fachlich fundiertem distanzierten Blick von aussen.

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