NFL-Offseason Ausblick 2020: AFC East

Gestern habe ich schon einen Sprung auf die wichtigsten Eckdaten in der NFL-Offseason 2020 geworden. Lass uns ab heute auf die wichtigsten Ausgangssituationen in den 32 Mannschaften werfen – sortiert im Schnelldurchlauf pro Division.

Salary-Cap Daten kommen von OTC. Ca. 200 Millionen ist die ligaweite Salary-Cap, aber dank des angesparten „Cap-Rollover“ variiert die Gehaltsobergrenze von Team zu Team.

Beginnen wir mit der AFC East.

New England Patriots

11-5, Wildcard Runde
Power Ranking: #5
Ca. 46 Mio. Cap-Space (#17)

Es wird eine launige Offseason. Langjährige Stammspieler wie DB Devin McCourty, OG Joe Thuney, EDGE Kyle Van Noy oder LB Jamie Collins sind Free Agents, aber welchen Weg die Patriots einschlagen werden, hängt in erster Linie von QB Tom Brady ab. Der wird im Sommer 43. Geht man noch einmal mit ihm? Oder trennt man sich von Brady um einen Neubeginn anzufangen.

So richtig scheint niemand Bescheid zu wissen, aber die Tendenz geht in Richtung Verbleib, und eines gilt als gesetzt: Brady muss sich vor Free Agency entscheiden. Die Patriots scheinen ihn eher behalten zu wollen, selbst für einen Preis um die 30 Mio/Jahr. Tatsächlich scheint es sich am Ende daran aufzuhängen, ob die Pats den letztes Jahr horrenden Receiving-Corps entscheidend genug verstärken können.

Optionen sind auf dem Markt genug da: Amari Cooper, Antonio Brown (!), A.J. Green oder Emmanuel Sanders könnten Free Agents werden und die Draftklasse gilt als erstklassig besetzt. Die Pats müssen Brady wohl ihr Committment zeigen, denn alle diese Optionen kann man erst nach einem etwaigen Verbleib Bradys anlocken.

46 Mio Cap-Space sind nicht viel, aber es gibt ein paar Optionen, die man cutten könnte um weitere ca. 15 Mio. zu sparen, z.B. RB Burkhead oder WR Sanu. Und dann bleibt noch immer die Frage welche (alle?) der oben genannten Starter man ziehen lässt – Belichick liebt McCourty, aber er lässt solche Spieler lieber früher als später ziehen.

Buffalo Bills

10-6, Wildcard
Power Ranking: #17
Ca. 80 Mio. Cap-Space (#3)

Die Bills haben einen starke Saison hinter sich – vor allem vom Coaching-Staff. Letztes Jahr haben ihre Offseason-Moves Wunder gewirkt. Können sie jetzt nachlegen?

Prämisse in Buffalo: QB Josh Allen bleibt der Mann, um den herum man doktern muss. Die Bills-Mafia verteidigt ihren Quarterback mit Zähnen und Klauen, aber wir wissen nicht erst seit dem miesen Playoff-Auftritt Allens: Der Mann ist ein Problem. Aber sie können ihn nicht feuern, weil die komplette sportliche Leitung dann ihr Gesicht verliert.

Bleibt die Adressierung der wichtigsten Needs: Edge-Rusher, Guard & Center und vielleicht ein dritter Wide Receiver. Mit 80 Mio. Cap-Space hat man durchaus viel Platz unter der Salary-Cap – könnte man tatsächlich einen Angriff auf einen der etablierten Top-WRs in Free Agency oder ein paar Picks im Draft dafür verwenden?

New York Jets

7-9 Siege
Power Ranking: #29
Ca. 50 Mio. Cap-Space (#13)

Die Jets waren eine der Enttäuschungen der Saison. Die 7-9 Bilanz täuscht dabei noch über die Jets-Saison hinweg, denn auch wenn man ein paar Verletzungen auf QB erlebte: Man spielte einen verheerend schwachen Schedule und war trotzdem schnell aus allen Playoffträumen gerissen.

Headcoach Gase ist schon nach einem Jahr schwer angezählt, und auch das, was QB Darnold in den zwei Jahren bislang angeboten hat, war erschreckend. So wirklich abschreiben will man Darnold noch nicht – und kann es angesichts des horrenden Investments in ihn auch nicht! – aber es gilt als sicher, dass New York Ressourcen in den Kader investieren muss:

  1. Offense Line war quer durch die Bank horrend (u.a. #31 in PBWR) und nun sind die beiden besten Männer, LT Beachum und C Kalil, Free Agents (Kalil war 2019 schonmal zurückgetreten)
  2. Auf Wide Receiver droht man in Robby Anderson die einzige nennenswerte tiefe Waffe zu verlieren
  3. Auf Runningback schleift man den ultrateuren Leveon Bell quasi als Altlast des Regimes Maccagnans mit

Auch in der Defense gibt es zahlreiche Lücken: Im Edge-Rush hat man so gut wie nix (Safety Adams als Blitzer galt 2019 als beste Passrush-Waffe der Jets), die Cornerback-Gruppe der Jets gilt als eine der schwächsten ligaweit.

Positiv: Man hat nicht bloß 50 Mio. Cap-Space, sondern auch durchaus noch die Möglichkeit, mit Cuts den Platz noch zu vergrößern – allein auf Linebacker, Offense Line und Cornerback hat man unbrauchbare Starter mit hochdotierten Verträgen, bei denen man ohne Aufwand 20 Mio. sparen und besser investieren kann.

Miami Dolphins

5-11 Siege
Power Ranking: #31
Ca. 90 Mio. Cap-Space (#1 in NFL)

Das Tanking-Team, das 2019 besser performte als befürchtet – oder „erhofft“? Schließlich bedeutet 5-11 zwar gute Moral im Kader und Versprechen auf Headcoach in Brian Flores, aber auch, dass Miami „nur“ den #5 Draftpick anstatt der #1 zur Verfügung hat, und damit wohl einen Trade-Up einfädeln muss, will es sich einen der Top-QBs im Draft sichern.

Die Offseason der Dolphins wird natürlich unter all diesen Voraussetzungen super-spannend: Man hat 90 Mio. Cap-Space, der mit dem einen oder anderen Cut locker auf über 100 Mio. anwachsen kann – und man hat die Draftpicks #5, #18 und #26 in der ersten Runde plus zwei 2nd Rounder (und zwei weitere 1st Rounder in 2021): Das sind massive Ressourcen um eventuell andere Teams zu Trades zu bewegen.

Ziel #1 der Dolphins muss sein, bis 2021 den Franchise-QB im Kader zu haben. Die Frage ist, wie man das macht. Es gibt Stimmen, die sogar dazu raten, im Zweifelsfall zweimal QB zu draften, 2020 und 2021, um die Position mit größtmöglicher Wahrscheinlichkeit mit einer Top-Wahl zu adressieren. 2020 gibt es nun schon ein paar Zweifel:

  1. Burrow wird man nur bekommen, wenn er partout nicht nach Cincinnati will
  2. Tagovailoa ist mit seiner Hüfte noch ein Fragezeichen und bedarf wohl schon eines teuren Trade-Ups
  3. Herbert ist mit heutigem Wissen nur eine zweitklassige Lösung, auch für den QB-Entwickler Chan Gailey, der als neuer OffCoord installiert wurde.

Soll man auf 2021 und eventuell Trevor Lawrence warten und bis dahin in die Infrastruktur investieren? Das kann auch schief gehen. Nachdem Miami so viel Cap-Space hat und der Cap-Rollover wohl nicht funktionieren wird, könnte man durchaus Kohle in der Free-Agency in die Hand nehmen und ein paar eklatante Kaderlücken wie Offensive Tackle, Offensive Guard oder Cornerback auf dem Transfermarkt angehen um dann im Draft Quarterback und Wide Receiver zu denken.

Wie gesagt: Viele, viele mögliche Wege, die man einschlagen kann. Ich wäre trotzdem verblüfft, wenn sie nicht zumindest einen der Top-QBs im Draft ziehen um eine erste Option zum Arbeiten zu bekommen.

10 Kommentare zu “NFL-Offseason Ausblick 2020: AFC East

  1. Es gibt ja auch Grüchte, dass Brady nach Dallas oder zu den Chargers gehen könnte, LA wegen Marketingzwecken und Dallas weil man Dak nicht vertraut. Ich glaube nicht, dass man jetzt schon davon ausgehen kann, dass Brady bei den Pats bleibt.

  2. ich habe so ganz den Glauben an Josh Rosen noch nicht verloren, das scheint bei Miami aber keine Option mehr zu sein, oder? Könnte mir vorstellen dass dieser mit einer aufgebolsterten O-Line durchstarten könnte.

  3. Glaube nicht, daß Rosen in Miami noch eine Zukunft hat. Er ist jetzt in Arizona und Miami gefloppt, auch wenn beide Situationen schlecht waren. Aber Fitzmagic bsp. hat ja in Miami gezeigt, daß es gehen würde, und er war in einer anderen Dimension als Rosen.

  4. Tua soll ja schneller fit werden als gedacht, die Fins sind bestimmt schon scharf auf einen Trade und Tua Pick. Man könnte Fitzmagic, Rosen und Tua behalten, Tua ein Redshirt geben und schauen ob man Rosen nicht doch noch attraktiv genug für einen Trade machen kann. Den Versuch wär’s wert, wenn es schief geht, ist man immer noch kompetitiver als letzte Saison und müsste nicht mehr Fitz aufstellen.

  5. Wenn ich richtig informiert bin, würde die Dolphins das Problem mit dem Cap-Rollover nicht betreffen (wenn man die Signings ihrer derzeitigen Draft-Picks einberechnet).
    Das heißt, dass sie dann zumindest nicht gezwungen wären, das Geld schon dieses Jahr in der Free Agency zu investieren.

  6. Ich kenne den Artikel. Aber er spricht nicht über Cap-Rollover. Er spricht über die Minimal-Ausgaben der Mannschaften. Das zwei paar Schuhe.

    Cap-Rollover ist der Betrag unterhalb der Salary-Cap von Jahr n, den sie in Kahr n+1 „mitnehmen“ können.

    Minimum Cash-Spending ist ein Terminus aus dem CBA von 2011, der Teams verpflichtet, über eine Vierjahresperiode mindestens 89% der Salary-Cap in Gehalt auszuzahlen.

    Wichtig dabei ist auch: „Cash“ ist nicht gleich „Cap“. Cash ist effektiv ausbezahltes Geld zum Zeitpunkt. Cap ist die Abschreibung des Gehalts. Handgeld kann heute ausgezahlt werden, aber erst 2022 gegen die Cap gerechnet werden.

    Der Artikel deutet aber an, dass NFL-Teams möglicherweise nicht so viel Geld ausgeben werden wie gedacht, weil sie nicht „müssen“ (eben weil sie das Cash-Minimum schon erreicht haben) und weil sie mit niedrigen Ausgaben die Verhandlungsposition der NFLPA in den CBA-Verhandlungen schwächen wollen.

  7. Pingback: NFL Offseason Ausblick 2021: AFC East | Sideline Reporter - Eier, wir brauchen Eier!

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