NFL-Offseason Ausblick 2020: NFC East

Lass uns die Offseason-Rundschau heute mit der NFC fortsetzen, beginnend mit der NFC East.

Philadelphia Eagles

9-7, Wildcard
Power Ranking: #16
Cap-Space: ca 41 Mio (#18)

Die Philadelphia Eagles haben nach ihrem Superbowl-Triumph von 2017/18 zwei enttäuschende Jahre hinter sich, in denen man sich zweimal mit 9-7 Bilanz gerade so für die Playoffs qualifizierte. Doch angesichts der massiven Verletzungsprobleme insbesondere 2019 könnte man dem Trainerstab fast einen Blankoscheck ausschreiben – denn die Wege zur Verbesserung der Situation sind klar aufgezeichnet.

Ende 2019 war man eine Rumpfmannschaft. Jetzt braucht man an zwei Stellen zwingend personelle Verbesserung:

  1. Deep-Threat auf Wide Receiver. Desean Jackson machte nur ein Spiel, danach war Schluss. Jackson ist mit 33 kein Langzeitplan mehr, und Philly kann sich in einer tiefen Wide-Receiver Klasse im Draft bedienen um diese Problemposition mit einem oder besser zwei Prospects aufzubessern. Denkbar wäre auch eine Investition in einen Robby Anderson, sollte der auf den Markt kommen.
  2. Cornerback. Die Cornerbacks fielen wie die Fliegen. Darby und Mills sind jetzt Free Agents. Im Jim-Schwartz System mit den sensationellen Pass-Rushern „vorne“ sind herausragende Cornerback kein Muss, aber es braucht zumindest adäquate Nach vielen misslungenen Jahren im Draft könnte 2020 das Jahr sein, in dem man 1-2 Free-Agents aus der mittleren Preisklasse verpflichtet um dem Problem Herr zu werden.

In der Offense Line kann man auf eine Rückkehr von RG Brooks und RT Lane Johnson bauen. Der 38-jährige LT Jason Peters ist Free-Agent. In Andre Dillard hat man letzten April bereits den Nachfolger gedraftet – doch sollte Peters noch ein Jahr im Tank haben, ist er mutmaßlich zu gut um ihn kampflos aufzugeben. Nicht mit 41 Mio Cap-Space.

Ansonsten… eher wenig. Receiver und Cornerback waren die großen Probleme, die man auch mit Rückkehr der Verletzten nicht in den Griff bekommt. Adressiert man diese Needs, bleibt man ein Contender 2020/21. Darüber hinaus könnte man perspektivisch auch auf Safety an die Zeit nach Malcolm Jenkins zu denken zu beginnen, wenn der richtige Spieler verfügbar ist.

Dallas Cowboys

8-8 Siege
Power Ranking: #4
Cap-Space: ca. 77 Mio (#5)

Die Cowboys sind vielleicht das interessanteste Team vor Start der Free-Agency – doch ihre Situation ist verzwackt, und sie sind selbst schuld daran. Wer dieses Blog liest, der weiß, warum: Dallas hat zwar satte 77 Mio. Cap-Space zum Arbeiten, doch gleichzeitig haben die Cowboys drei zentrale Free Agents:

  1. QB Dak Prescott
  2. WR Amari Cooper
  3. CB Byron Jones

Alle drei haben auslaufende Verträge, und ihre Verlängerung würde das Gros dieses Cap-Spaces auffressen. Alle drei sind überdies keine unangreifbaren Prospects: Cooper war jahrelang ein Hit/Miss Receiver in Oakland, ehe er letztes Jahr in Dallas explodierte. Jones ist ein sehr guter, aber kein Elite-Corner. Prescott hatte in vier Jahren als Profi zwei exzellente und zwei mittelmäßige. Er gilt nicht als transzendenter QB. Erst vor einem Jahr argumentierte z.B. PFF vehement gegen eine 30 Mio/Jahr Verlängerung von Prescott – ein Preis, über den Prescott heute lacht. Er möchte 35+.

Die Historie zeigt: Dallas hat keine Angst vor Megaverträgen: Letztes Jahr verlängerte man schon DE Lawrence für 21 Mio/Jahr, LB Jaylon Smith bekam fast 13 Mio/Jahr und natürlich die größte Sünde: RB Zeke Elliott für 15 Mio/Jahr (dazu kommt OG Zach Martin mit 14 Mio/Jahr).

Jeder „Analytics-Guy“ wusste, dass Zeke reine Geldverschwendung ist. Jerry Jones machte es trotzdem… und hat nun vermutlich nicht die Kohle um die wichtigsten der drei jungen Cornerstones zu halten.

Wir haben über die NFL gelernt: Pass-Offense ist das wichtigste überhaupt, und Quarterback ist die entscheidende Position dafür, gefolgt mit deutlichem Abstand von Wide Receiver. Offense ist wichtiger als Defense, aber in der Defense ist es im Zweifel besser, eine gute Coverage-Unit aufs Feld zu schicken als einen starken Pass-Rush. Run-Defense kannst du fast vernachlässigen.

Dallas ging diese Prioritätenliste von hinten an. Anders: Sie haben es beim Arsch angegriffen. Not good. Jetzt muss man damit leben. Geht Prescott, hat man eine gigantische Lücke auf QB – eine, die man Jerry-like mit einem Big-Name à la Brady schließen könnte, aber nicht für lange und nicht billiger als Prescott. Geht Cooper, hat man einen unterirdischen WR-Corps. Geht Jones, bricht die Secondary auseinander. Hält man alle drei, hat man auf zahlreichen Positionen Top-Verdiener und keinen Platz mehr um sowas wie Kadertiefe zu bekommen.

Im Zweifel glaube ich an eine Verlängerung von Prescott und Cooper und den Versuch, ein paar andere Schwachstellen wie Tight End oder Defensive Line mit drittklassigen Free Agents sowie die Secondary via Draft zu adressieren.

New York Giants

4-12 Bilanz
Power Ranking: #28
Cap-Space: ca. 62 Mio (#7)

Die Giants haben zumindest Sicherheit, wer bei ihnen auf QB starten wird: Daniel Jones. Ob Jones sportlich was wert ist, steht auf einem anderen Blatt. Von Jones ausgehen ist zumindest die Offense mittlerweile recht klar besetzt – auch wenn es auf Offensive Tackle noch Fragezeichen gibt, die man mit einem Top-Pick adressieren könnte, und auch wenn man auf Receiver etwas Tiefe gebrauchen könnte.

Doch angenommen, Jones ist besser als das, was er 2019 angeboten hat, ist die Defense die dringendere Baustelle für 2020. Dort geht den Giants jeglicher Pass-Rush ab. Man hält den #4 Pick und man wird EDGE Chase Young dort nur bekommen, wenn vorne die Redskins und/oder Lions QB-Trades einfädeln.

Die zweite große Sollbruchstelle in der Defense ist Cornerback, wo man händeringend nach Verstärkung schreit. Hier könnte z.B. ein CB Okudah eine Option werden, wenn die Teams „vorne“ andere Richtungen einschlagen.

Doch was New York genau unternehmen wird, ist sowieso kacke zu analysieren, denn Dave Gettleman zieht seinen eigenen Weg ohne Rücksicht auf Verluste durch. Und damit erleben wir vermutlich Offensive Line und interior Defensive Line bis zum Vergasen.

Washington Redskins

3-13 Bilanz
Power Ranking: #32
Cap-Space: ca. 53 Mio (#9)

Nicht unspannend sind auch die notorisch schlecht geführten Redskins, die mit der Verpflichtung von Headcoach Ron Rivera eine angenehme Richtung einzuschlagen scheinen: Rivera gilt als einer der wenigen Männer, die das Standing haben um dem Chaos in D.C. ein Ende zu bereiten.

Washington hat den #2 Pick in jeder Draft-Runde und die Möglichkeit mit Cuts / Trades von Leuten wie TE Reed oder LT Trent Williams auf rund 73 Mio Cap-Space zu kommen.  Das ist ein guter Startpunkt zum Arbeiten. Der schlechte: Man startet von ganz unten.

Als Franchise-QB ist Dwayne Haskins eingeplant. Also wohl kein „Double-up” mit Tua an #2 oder dergleichen – auch wenn so ein Move aufgrund der Bedeutung der Quarterback-Position durchaus nachvollziehbar wäre. Die beiden wahrscheinlichsten Szenarien mit dem #2 Pick sind: Trade mit einem Tua-geilen Team oder Ziehen von Top-EDGE Prospect Chase Young.

Jetzt einmal von Haskins als QB ausgehend gibt es in der Offense folgende Prioritäten:

  1. Stärkung des Receiving-Corps. Terry McLaurin, ein Mid-Round Pick von 2019, war als Rookie eine Offenbarung, aber hinter ihm gibt es nix und niemanden, und TE Reed ist seit drei Jahren immer verletzt und ein Kandidat für einen Cut.
  2. Offensive Tackle: Trent Williams wollte letztes Jahr um jeden Preis gehen und ist mit ca. 15 Mio/Jahr nicht billig. Sein Abgang könnte eine Lücke auf Offensive Tackle aufreißen, doch vielleicht kann die neue sportliche Leitung Williams auch zum Bleiben bewegen.
  3. Offensive Guard: OG Brandon Scherff, einer der besten im Business, ist Free-Agent.

In der Defense gilt die Secondary als offenes Scheunentor. Der einzige Cornerback von Format ist CB Quinton DunbarJosh Norman wurde bereits zum Fall für die Axt um Cap-Space zu sparen. An dieser Position riecht vieles nach dem einen oder anderen Einkauf von Free-Agents. Wenn wir jedoch die Riveras Geschichte als Grundlage nehmen, so priorisiert er die Front Seven im Vergleich zur Secondary – seine Defenses haben immer mit eher unbekanntem Secondary-Personal überlebt.

5 Kommentare zu “NFL-Offseason Ausblick 2020: NFC East

  1. Ich mag Peters sehr (trotz seiner False Starts…), er ist eine absolute Eagles-Ikone und wird nicht vergessen werden. Aber ich denke, dass es Zeit ist weiterzugehen. Das Geld sollte man mehr in die Problemzonen investieren, WR und CB gehören eigentlich nicht nur verbessert, sondern nahezu komplett ausgetauscht. Allerdings wird man Jeffrey nicht wegbekommen, was mMn sehr wichtig wäre – nicht nur aus sportlichen Gründen. Die enttäuschende Saison hängt auch damit zusammen, dass die Teamchemie nicht passte. Erst als es in den letzten Wochen Ausfall um Ausfall regnete, änderte sich das und das Team wirkte wesentlich leidenschaftlicher, fokussierter. Evtl spielt da auch die komplett vergeigte Scandrick-Nummer mit rein, die das Team wenigstens weiter zusammengeschrieben hat.
    Auch Mills ist da so jemand den ich ein Stückweit satt habe, der mir zu egoistisch wirkte, wenn er sich selbst für Fehler der Offense abfeierte und dann zwei Würde später den 40 Yard-Pass vergeigte.

  2. Jeffery war aber mit 1.7 Yards/Route in den letzten beiden Jahren jeweils durchaus produktiv. Er mag überbezahlt sein, aber in fittem Zustand eher nicht der Problemfall. Es fehlt eher an einem Speed-Receiver neben Jeffery. Jackson wäre einer, aber er ist 33 und hat seit vielen Jahren nie mehr die ganze Saison durchgespielt.

    OT Peters: Kann deine Meinung verstehen, aber wenn Peters und Vaitai gehen, fehlt irgendwann auch die Tiefe in der O-Line.

  3. Mein Problem bei Jeffrey ist da auch eher abseits des sportlichen. Vom Talent her steht er sicher weit über den anderen WRs.

    Auf der Line Stimme ich zu, da würde ich aber eher Vaitai halten. Billiger, weniger Verletzungsgebeutelt. Dillard muss man halt auch einsetzen, noch ein Jahr Bank bringt ihm denke ich nicht so viel.

  4. Pingback: Philadelphia Eagles in der Sezierstunde | Sideline Reporter - Eier, wir brauchen Eier!

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