5xJ: Greg Cosell über die zweite Reihe unter den Draft-Quarterbacks 2020

Taufrisch reingetröpfelt: Das Board der NFLPA hat vor wenigen Minuten beschlossen, den CBA-Vorschlag der Owner an die Spieler zur Abstimmung weiterzugeben. Eine Zustimmung des CBA noch in dieser Woche gilt damit als ziemlich fix. In Football-Sprache: 1st & Goal an der 1 Yard Line für das CBA.


Ansonsten?

Es ist Mittwoch. Morgen gibt es die Workouts der Quarterbacks auf dem Feld der NFL-Combine. Über die Top-Prospects habe ich schon am letzten Samstag etwas genauer geschrieben. Heute schauen wir uns an, was Film-Guru Greg Cosell im RFTP-Podcast über die zweite Garde an Quarterbacks zu sagen hat. 

Wir können sie die J’s nennen: Jordan, Jacob, Jake, Jalen und Jake.

Kurzer Dämpfer voraus: Es mag lustig sein, sich mit den QBs aus der zweiten Reihe zu beschäftigen. Die Erfahrung jedoch lehrt, dass es hinter den Top-Prospects schnell zu einem Tappen im Dunklen kommt, welcher QB-Prospect denn noch etwas wert sein wird.

Dieser Punkt hängt mit allen in den letzten Tagen diskutierten Themen zusammen:

  1. Es gibt nur sehr wenige wirklich system-unabhängige Quarterback-Prospects
  2. Es gibt sehr viele verschiedene Faktoren, auf die man in der QB-Bewertung achten kann, und mit mittlerweile so vielen verschiedenen Spielsystemen gibt es auch immer mehr Skills, die von Vorteil sein können
  3. Prospects aus der zweiten Reihe sind meistens stark abhängig von zwei Dingen: Coaching und Zufall. Kommen sie in ein Team, das einen längerfristigen Plan verfolgt und weiß wie man seine Talente entwickelt? Und gibt es dann überhaupt die Chance darauf, dass man eingesetzt wird und seine Talente zeigen kann?

Genug der Vorrede. Lass uns auf darauf schauen, was Cosell zur zweiten Reihe zu sagen hat…


Jordan Love / Utah State – Love vermurkste seine letzte Saison, nachdem er 2018 eigentlich recht gut ausgesehen hatte. Er ging dann überraschend in den Draft. Cosell meint: Mit seinen Voraussetzungen in Sachen Körperbau, Wurfarm und Beweglichkeit ist er ein 1st Rounder, weil er für einen QB-Coach viele wünschenswerte Attribute zu einem Top-QB mitbringt.

An Love gefällt ihm, dass er im Gegensatz zu einem Justin Herbert eindeutig als Ballverteiler agieren kann, der mit Rhythmus und Timing eine Offense das Feld runtertreiben kann. Herbert sei dagegen vielmehr der Typ QB, bei dem man sich auf sein Playmaking fokussieren müsse.

Aber bei allem Lob gibt es an Love auch einige sehr griffige Kritikpunkte:

  1. Seine ganze Technik ist nicht ausgefeilt. Seine Beinarbeit ist unsauber, was zu Streuungen in Loves Pässen führt. Sein Ball-Placement ist nur manchmal fantastisch. Zu viele Pässe zwischendurch fliegen nicht genau dorthin, wo sie sollen.
  2. Mangelhaftes Spielverständnis: Es gab Spiele, in denen er Underneath-Verteidiger ganz einfach ignorierte und Interceptions gleich in Serie warf ohne sich jemals an die Spielverhältnisse anzupassen.
  3. Seine letzte Saison war ganz einfach mies.

Cosell sagt in Summe: „I like Jordan Love”. Aber das sagt er im gleichen Atemzug auch über Josh Allen und das lässt mich manchmal an Cosells Einschätzungen zweifeln…


Jacob Eason / Washington – Ein spannender Prospect, der letztes Jahr von Georgia hoch zu den Washington Huskies transferiert ist, dort aber nichts Weltbewegendes als QB gerissen hat. Doch Eason kriegt in den letzten Tagen einigen Hype ab. Cosell teilt diesen – aber mit Vorbehalten.

Eason sei gebaut wie ein QB-Prototyp der alten Schule: Physisch imposant, mit starkem Wurfarm. Er ist keiner dieser richtig mobilen QBs, die man auch als Scrambler und bei Rollouts einsetzen kann. Vielmehr ist er der klassische Pocket-Passer, der durchaus mobil genug ist um Tom-Brady Style in der Pocket zu navigieren und den Pass-Rush aussteigen zu lassen, und der auch 2nd-Reaction Plays machen kann, wenn die ersten Reads mal abgedeckt sind.

Das Problem an Eason: Dieser Typ QB ist mittlerweile fast schon ein wenig überholt, weil er nur als echter Pocket-Passer funktioniert. Dazu soll es bei ihm nicht näher spezifizierte charakterliche Probleme geben.


Jake Fromm / Georgia – Fromm war der QB in Georgia, an dem Eason nicht vorbeikam, weswegen er überhaupt erst nach Washington gewechselt war. Fromm ist auf den meisten Draftboards aktuell noch über Eason angesiedelt – und er kriegt erstaunlich viel Hype für einen Spieler, der am College nur als recht blasser „Game-Manager“ gegolten hatte. Fromm ist etwas kleiner und hat längst nicht den Wurfarm von Eason.

Cosell charakterisiert Fromm fast wie einen „Tagovailoa für Arme“: Seine beste Überlebenschance in der NFL ist eine Timing&Rhythmus-basierte Offense, in der er vor allem mit kurzen und mittellangen Bällen operieren kann. Eine Stärke Fromms ist seine Antizipation und sein Spielverständnis: Er hat am College schon drei Jahre als Starter gespielt und dabei ein echtes Spielgefühl entwickelt. Weil die NFL heute weniger nach Big-Arms lechzt als noch vor 10-15 Jahren, könnte Fromm durchaus in einigen Front-Offices attraktiv sein.

Was sie bei ihm auch loben: Seinen Leadership. Im Gegensatz zu Eason soll man Fromm auch zum Kaffeekranz mit der Lieblingsschwiegermutti einladen können.


Jalen Hurts / Oklahoma – Hurts ist ein Fall für die Footballphilosophen. Cosell vergleicht ihn ein bissl mit Dak Prescott, als der vor vier Jahren in die NFL kam: Teams müssen sich bei ihm entscheiden, welche Richtung sie mit Hurts gehen sollen?

#1 Soll man mit ihm in Richtung konventionelle Offense gehen?
#2 Oder soll man ihn als Lamar Jackson für Arme betrachten?

Punkte 2 bedeutet, Hurts‘ läuferische Fähigkeiten und nicht seine Skills als Ballverteiler in den Fokus zu setzen. Cosell sieht durchaus Playmaking-Fähigkeiten. Als Runner ist er längst nicht so elektrisierend wie Jackson und kann nicht 1:1 wie Jackson eingesetzt werden. Doch Hurts ist als Läufer trotzdem sehr, sehr gut.

Aber als Passer hat Hurts klare Limits. Seine ganze Wurfbewegung sieht ein bissi künstlich aus. Wenn Druck auf die Pocket heranrauscht, hat Hurts die Tendenz, sehr schnell unruhig zu werden und sich unnötig immer tiefer in die Scheiße hinein zu manövrieren. Hurts ist auch einer der QBs, der sehr schnell Pressure antizipiert und damit Rhythmus und Timing des Spielzugs unnötig stört.

Kurzum: Hurts ist eher so ein Fall für die mittleren bis späten Runden. Er ist ein Entwicklungs-Prospect. Wer ihn draftet, muss sich für einen der beiden obigen Wege entscheiden. Tendenziell klingt das alles als ob man sich für Weg 2 entscheiden sollte.


Jake Luton / Oregon State – Ein mir bislang total unbekannter Name. Cosell meinte, er habe ihn sich nur angeschaut, weil er zur Combine eingeladen wurde. Und er sei ziemlich begeistert gewesen.

Luton ist mit 6‘7 ein Hüne und ziemlich genau das, was John Elway seit Jahren nach Denver holt bevor es auf dem Baum ist. Luton ist groß, kräftig, hat einen Wurfarm um alle notwendigen Pässe anzubringen. Für seine Größe ist er sogar auffällig athletisch.

Luton ist bestimmt kein Day-1 Starter. Cosell meint, ein plausibler Weg ihn in die NFL zu integrieren wäre, ihn schrittweise in eine Sean-McVay-artige Offense einzubauen: Viele quicke Play-Action Pässe, Rollouts, eingestreut tiefe Shots. Damit wäre Luton natürlich erstmal ein echter „System-QB“, aber Cosell deutet an, dass man mit Luton eventuell mehr machen könnte als einen ewigen Backup.

Also klassischer Fall von Mid/Late Round Prospect, der nur dann eine Chance hat, wenn er zufällig im richtigen Team landet und sich zufällig der Starting-QB verletzt (oder z.B. Trubisky heißt) und er selbst zufällig gleich in seinen ersten Einsätzen sehr vielversprechend aussieht.

11 Kommentare zu “5xJ: Greg Cosell über die zweite Reihe unter den Draft-Quarterbacks 2020

  1. Anhebung des Mindestgehalts ist wohl der ausschlaggebende Punkt und nachdem die allermeisten der Player nahe diesem spielen, ist klar wie die Abstimmung ausgehen wird.

    Dein Punkt scheint recht zu behalten: Spieler haben nicht alle das gleiche Ziel. Owner schon.

  2. Was mich interessieren würde sind alle NFL Spieler in den Verhandlungen involviert oder nur die bradys und brees. Also was ist wenn andere Spieler mit dem Angebot zufrieden sind die anderen aber nicht.

  3. Involviert ist vor allem ein Komitee der NFLPA, das meiner Erinnerung nach zum Teil gewählt ist.

    Dass verschiedene Gruppierungen unter den Spielern unterschiedliche Meinungen vertreten, ist letztendlich das Hauptproblem für die Spieler. Die am unteren Ende der Skala denken nicht 10 Jahre weit, sondern sind froh um ein 17. Spielgehalt und Anhebung des Mindestlohns. Die oben sind in der Unterzahl, wenn es um eine Abstimmung geht.

    In diesem Fall ist Demokratie wahrscheinlich nicht das insgesamt beste für die Spielerseite gewesen.

  4. Schon klar, ist natürlich nicht besonders viel vor allem für die Belastungen und die generellen Unsicherheiten in einem solchen Beruf.
    Ich hätte schreiben sollen, ich hätte mit NOCH weniger gerechnet 😉

  5. Mal am Rande: Greg Cosell finde ich gut, auch die Beiträge zum CBA (von Brant?) waren wirklich informativ aber ansonsten geht mir der Rest vom RTFP ziemlich auf die Nerven.

  6. Pingback: Sonntagsvorschauer – NFL Woche 10 | Sideline Reporter - Eier, wir brauchen Eier!

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