NFL-Draft Vorschau 2020: Defensive Backs vor der Combine

Letzter Combine-Tag 2020 mit den Workouts der Secondary.

Je tiefer Analytics in die Materie eintaucht, umso offensichtlicher wird: Defensive Backs sind die wichtigste Position der Defense.

Nicht bloß gibt es deutliche Anzeichen dafür, dass Pass-Coverage an Wert über Pass-Rush zu stellen ist, sondern jüngste Studien von @PFF_Moo legen sogar den Schluss nahe, dass zumindest Cornerbacks im Draft-Prozess viel besser evaluierbar sind als andere Positionen in der Defense.

PFF z.B. führt in seiner Top-100 Liste momentan 13 Cornerbacks und 8 Safetys und sieht um die 8 Defensive Backs (darunter ca. 6 Cornerbacks) in der ersten Runde vom Board gehen.

Cornerbacks

Wir müssen nicht lange drum herum reden: Ohio States Jeffrey Okudah ist auf jedem Board die #1. Er spielte zwar nur ein Jahr als Starter, aber er hat prinzipiell keine Schwächen in seinem Spiel – außer die eine, und die will ich mir persönlich noch etwas genauer anschauen: Eine Tendenz, in manchen Spielsituationen förmlich „einzufrieren“ und überhaupt nicht auf den Spielverlauf zu reagieren. Ansonsten ist er ziemlich sicherer Top-5 Pick. Für Cornerbacks ist diese ganz hohe Region noch immer relatives Neuland.

Hinter Okudah ist man sich recht uneinig ob der nächstbesten Prospects. Oft genannte weitere Kandidaten für eine 1st-Round Einberufung:

Kristian Fulton / LSU. Ein Senior, der schon vor einem Jahr hoch gedraftet worden wäre. Fulton gilt als charakterlich nicht einfach und hatte ein schwieriges Jahr 2019. Kein schlechtes. Aber eben auch keines, das alle Fragezeichen beantwortet hätte. Es hat eher mehr aufgemacht: Er war nie der allerschnellste, aber er ließ sich 2019 häufiger verbrennen als notwendig. War bei LSU auch nur mehr CB2 nach dem Durchbruch des jungen Derek Stingley.

C.J. Henderson / Florida. Ein seit langem hoch gehandelter Name. Henderson ist ein super Athlet, scheut aber Kontakt als wäre er homophob.

Trevon Diggs / Alabama. Stefons little Brother. Ein physisch imposanter Corner, der seit langem einen guten Namen hat. Verletzte sich 2018. Kehrte 2019 mit guten Leistungen zurück – außer gegen LSU, wo er von den fantastischen LSU-Receivern total an die Wand gespielt wurde.

Cam Dantzler / Mississippi State. Ein hoch aufgeschossener Corner mit 6‘2, aber brutal schlank. Gilt mit seinem aktuellen Kampfgewicht als ungeeignet für echte Press-Man Coverage. Kriegt er das nicht in den Griff, wird es nix mit einem hohen Pick.

Jaylon Johnson / Utah. Utah kommt oft vor in diesen Defense-Rankings, findest du nicht? Gilt als ziemlich intelligenter Spielertyp, wenn auch physisch noch nicht stark genug.

Jeff Gladney / TCU. Brutal schneller CB, der 2019 kein gutes Jahr spielte. Aber er hat vier Jahre College-Startererfahrung in der famosen TCU-Defense, musste meist gegen die #1 Receiver spielen. Er sollte eine Top-Sprintzeit einfahren, aber man muss auch noch einmal schauen, mit wie vielen Kilos sein Gewicht kurz davor abgenommen wird.


Ein bisschen abfallend, aber recht sichere Kandidaten für die zweite oder dritte Runde:

Bryce Hall / Virginia. Hall ist einer der interessantesten Case-Studys. Vor einem Jahr verzichtete er auf eine Anmeldung zum Draft – fast jeder hatte ihn damals als #1 Cornerback der Klasse auf dem Zettel.

Jetzt ist er nur noch gutes Mittelmaß. Er gilt als gebaut wie ein CB-Prototyp und ist ein Play-Maker vor dem Herrn, aber 2019 legte ein paar athletische Limitationen blank. Außerdem mit seinen Knöchelproblemen ein Verletzungsfragezeichen.

Solche Fälle wie Hall sind ja immer ganz spannend. Angenommen er wird 2nd Rounder und entwickelt sich ganz okay: Dann gilt er als guter Draftpick. Doch wäre er vor einem Jahr als Top-10 Pick in die NFL gegangen, ohne das Wissen seiner schwachen Entwicklung in 2019, er würde mit ziemlicher Sicherheit als Flop gelten.

Damon Arnette / Ohio State. #2 CB bei Ohio State. Ist Senior und hätte schon vor einem Jahr in den Draft gehen können. Blieb dann ähnlich wie Hall doch am College und nutzte das um einige technische Schwächen aus seinem Spiel zu bereinigen.

A.J. Terrell / Clemson. Der Top-CB von Clemson. Man sollte sich nicht zu sehr von seiner Fiasko-Performance im letzten National Championship Game gegen LSU blenden lassen: Ein Jahr davor war er einer der Matchwinner gegen Alabama.

Noah Igbinoghene / Auburn. Ein Spieler, den ich mir selbst schon ein bisschen angeschaut habe, weil er so viele Press-Man Snaps wie sonst nur Fulton gespielt hat:

Fazit: Athletik und Speed sind da. Ist aber ein ziemlicher Fuchtler an der Anspiellinie und lässt sich recht einfach verarschen. Ich bin gespannt ob die NFL bei ihm mehr sieht als einen ungestümen Rohdiamanten.

Safety

Die Safety-Klasse von 2020 gilt nur in der Spitze als gut besetzt. Die Tiefe ist relativ fragwürdig, und so soll Safety eine der insgesamt schwächeren Positionen im Draft sein.

Der Top-Prospect bleibt LSUs Grant Delpit, ein athletisches Wunderkind, das die abstrusen in ihn gesteckten Erwartungen 2019 aber nicht erfüllen konnte. Vor allem im Tackling gab es Probleme. Der Top-10 Hype um Delpit ist erstmal verflogen, aber dass er in der 1ten Runde vom Board geht, gilt als ziemlich fix.

Die Alternative ist Xavier McKinney von Alabama. Er ist etwas kleiner als Delpit, aber schwerer. McKinney gilt weniger als athletisches Wunder, ist dafür recht vielseitig einsetzbar. Vor allem: Er hat ein Näschen für Big-Plays.

Ashtyn Davis von Cal wird oft noch als ein möglicher Top-Safety genannt. Er ist ein relativ alter Prospect, wird zum NFL-Start fast 24 sein. Davis ist als Spielertyp recht klar definiert: Brutal schnell, sehr gute Richtungswechsel für einen echten Deep-Safety. Aber zu wenig physisch um es mit dem Wirrwarr an Blocks in der Box aufzunehmen.

5 Kommentare zu “NFL-Draft Vorschau 2020: Defensive Backs vor der Combine

  1. Ich wollte mir gerade CJ Hendersons körperloses Spiel anschauen, musste aber mal wieder feststellen, dass Youtube-„Highlights“ eine ausgesprochen ironische Sache sind:
    Szene eins: CJ steht mutterseelenallein herum, der WR ist längst vorbeigerannt, da fällt ihm der Ball in die Arme.
    Szene zwei: er sackt den QB. Untouched.
    Szene drei: eine weitere INT im luftleeren Raum; da grad keine Offense weit und breit ist: TD! usw

    „Highlightreels“?? Walk-in TDs durch busted Coverage? Scheunentorlöcher in der D-line durch die Peter Altmaier winkend in Pirouetten laufen könnte? Deflected Passes mit folgendem Pick-6?

    Respekt an alle, die sich durch diesen Szenenwust schauen, um Collegespieler zu beurteilen. Im Vergleich dazu kommt mir Sisyphos‘ Job gleich gar nicht mehr so übel vor.

  2. Dantzler 4.64 im Sprint. Das ist bitter.

    Okudah mit 4.48 auch nicht so schnell wie erwartet-
    Fulton 4.47, für ihn ganz okay.
    Henderson eine Granate mit 4.39.

  3. @Dizzy: Für gewöhnlich wird auch nicht das Highlight-Tape gescoutet, sondern die TV-Übertragung. Bei Youtube existieren zusammengeschnittene Clips mit den relevanten Spielzügen des Prospects.

    z.B. hier von Henderson gegen Florida 2019:

    Bleibt natürlich etwas mühselig, wenn der Spieler vor dem Snap nicht markiert wird.

    Und natürlich ist die TV-Übertragung gerade für DB alles andere als ideal.

  4. @Dizzy: Ich bin zwar auch kein großer Tape-Grinder, aber – sofern nicht bekannt – als Tipp: bei der Suche in YouTube am besten immer den Spieler vs. eingeben (z.B. C.J. Henderson vs). Dann findet man im Normalfall direkt die von Korsakoff angesprochenen Zusammenschnitte diverser Spiele.

  5. Weil es Korsakoff auch angesprochen hat: die Utah Defense war vergangenes Jahr bockstark unterwegs. Im Pac12 Championship Game dann Safety Julian Blackmon wegen ACL Verletzung verloren, da gings dann den Bach runter.
    Für mich klares Zeichen für die Klasse und das Leadership von S Blackmon aber aufgrund der Verletzung im Dezember redet jetzt niemand über ihn. Ich hoffe, dass er in den späten Runden zu einem Team kommt, dass ihn vernünftig rehabben lässt und dann einsetzt.

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