Combine 2020 Notizen – Defense

Über die Eindrücke, die die Offensivspieler in der NFL-Combine 2020 hinterlassen haben, habe ich schon geschrieben. Heute ein kurzer Blick auf die Defense, nebst kurzem Combine-Fazit.

Linebacker

Isaiah Simmons – Simmons mit einer Performance, für die NFL-Twitter schon gar keine Suche nach neuen Superlativen mehr aufnahm, sondern sich schlicht fragte, ob der Mann schon von diesem Planeten sei.

Simmons, der bei einer Armspannweite von 33 Zoll 6‘4 groß ist und mit 238 Pfund Kampfgewicht gewogen wurde, spurtete die 40 Yards in sagenhaften 4.39 Sekunden und war auch beim Hoch- und Weitsprung der Konkurrenz um Längen voraus.

Simmons, der Athlet, wird damit dem Hype gerecht. Da er vor allem auch ein starkes Tape von Clemson hat, müssen wir wohl unsere „Big-Four“ im Draft 2020 auf eine „Big-Five“ erweitern:

Joe Burrow / Tua / Jeff Okudah / Chase Young / Isaiah Simmons


Auch andere Linebacker wie Patrick Queen oder Kenneth Murray erbrachten den Nachweis von viel Speed:

Es gibt noch einen weiteren, von mir bislang nicht angesprochenen Off-Ball Linebacker, der fantastische Zahlen aufgelegt hat: Willie Gay von Mississippi State. Nur minimal langsamer als Simmons, ähnlich groß – und 2018 mit einem sehr brauchbaren Tape. 2019 nicht. Denn da war er die ganze Saison von der eigenen Uni gesperrt. Warum, weiß keiner so genau, aber die Gerüchte sind ziemlich wild.

Defensive Line

DT Derrick Brown – Ein anderer hoch gehandelter Prospect dagegen mit arg enttäuschender Combine: Brown u.a. mit einem 3-cone Drill von 8.22 Sekunden. Die langsamste Zeit unter allen Defensive Tackles in diesem eigentlich eher wichtigen Drill für D-Liner.

Auch in einigen anderen Tests wie dem 40-yds Sprint, Hoch- und Weitsprung war Brown einer der schwächsten Tackles. Wenn ich mir die Post-Combine Mock-Drafts anschaue, dann scheint Brown noch immer häufig in den Top-10 auf, aber wie lange bleibt das? Ein Defensive Tackle, der möglicherweise zu wenig Explosivität für Elite-Passrush hat, ist in der heutigen NFL eher nicht mehr so gefragt – auch wenn er auf andere Weise gewinnen kann und die meisten anderen Checkboxen mit Kreuzchen abhakt.


EDGE A.J. Epenesa – Auch Epenesa, meist als #2 oder #3 Edge-Rusher gehandelt, mit auffällig schwachen Zahlen: Zum Beispiel einem 40-yds Sprint von 5.10 Sekunden mit ganz schwachem Antritt.

Epenesa wird man natürlich niemals mit einem Speed-Rusher verwechseln. Er kommt eher über die Power. Dass er so abkacken würde, hatte man nicht sehen kommen. Ich lese nun etwas von wegen „Profil-Ähnlichkeit mit Arik Armstead“. Mag vom athletischen Standpunkt aus sogar sein. Aber als Interior-Defender ist Epenesa ehrlicherweise höchstens ein Pass-Rusher für klare Pass-Downs. In Run-Defense bietet er zu wenig an als dass ihn NFL-Coaches ernsthaft dorthin stellen würde.

Außerdem: DT < EDGE, wenn wir nach Value gehen. Fazit: Epenesas Aktien dürften um einiges gefallen sein. Sein einziger Vorteil: Von den anderen EDGE-Prospects scheint sich keiner wirklich aufgedrängt zu haben.


An #1 bleibt auf EDGE eh alles klar: Chase Young machte noch nichtmal in den Drills mit. Sein Credo „ich werd doch nicht auf Combine-Drills trainieren, wenn ihr alle gesehen habe, wie gut ich gespielt habe“. Es gab kaum Widerworte zu dieser seiner Aussage.

Im Gegenteil: Die wenigen Journalisten, die nach den fehlenden Sacks gegen Ende der letzten Saison nachfragten, wurden eiskalt von Young und Journalistenkollegen niedergebuttert. Primäre Aufgabe eines EDGE-Rushers sei es, Druck auszuüben und gegnerische Gameplans zu stören. Young habe diesen Impact eindeutig gehabt. Jeder, der das Tape angeschaut hat, habe das gesehen.

Vor 15 Jahren wären solche Fragen nicht gekommen. Vor 10 Jahren hätten die Young-Kritiker recht bekommen. Heute ist die Geschichte eine andere. Wir sind schon weit gekommen.

Defensive Backs

Wir haben gelernt: Wohl auf keiner Position ist die Sprintzeit so relevant wie für Cornerbacks – auch wenn die NFL ihren Wert dort noch leicht überschätzt. Insofern lohnt sich ein Blick drauf.

Kaum Elite-Zeiten bei den Cornerbacks. Jeff Okudah mit 4.48 Sekunden und Jeff Gladney mit 4.49 Sekunden waren eine Spur langsamer als erhofft. In den Drills sah Okudah aber sehr smooth aus.

Kristian Fulton mit 4.46 Sekunden im Soll – bei ihm als Prospect war der „long speed“ einer der größeren Fragezeichen. Für Fulton kommen seine guten Combine-Workouts äußerst willkommen: Es hatte schon den Anschein gehabt, dass ihn manche Scouts auch von der #2 CB Position in diesem Draft nach unten ranken wollten.

Von den Top-Prospects war C.J. Henderson mit 4.39 Sekunden der schnellste – und Hendersons Run wirkte nicht fehlerfrei.

Der insgesamt schnellste war die „Speerspitze“ Javelin Guidry mit 4.30 Sekunden. Drunter war niemand. Henry Ruggs ist damit der Sprintkönig der Combine 2020.

Dafür der als möglicher 1st Rounder gehandelte Cam Dantzler mit sehr beunruhigenden 4.64 Sekunden. Wenn Dantzler nicht verletzt war, dann dürfte das einige Fragen aufgeworfen haben – denn so gut das Tape auch sein mag: Wer in der NFL so „langsam“ ist, der hat maximal einen Wert als intelligenter Ergänzungsspieler. Aber gegen die pfeilschnellen Sprinter auf WR kannste solche langsamen Cornerbacks nicht ansetzen.

Top-10 Prospects für Mock-Draft

Wenn ich mich auf meinen Lieblingsseiten so durch die Mock-Drafts nach der Combine klicke, dann scheinen diese 10 Namen zu dominieren:

QB Joe Burrow
QB Tua Tagovailoa
QB Justin Herbert
OT Andrew Thomas
OT Jedrick Willis
OT Mekhi Becton
DT Derrick Brown
EDGE Chase Young
LB/S Isaiah Simmons
CB Jeff Okudah

Interessanterweise keine Receiver. Lamb und Jeudy scheinen nicht überragend genug zu sein um in einem extrem tiefen Receiver-Draft einen der ganz hohen Picks zu rechtfertigen. An einen 2020-Draft ohne Top-10 Receiver glaube ich aber erst, wenn ich es gesehen habe.

Auf Cornerback ein ähnliches Bild: Nur Okudah wird immer genannt, Fulton/Henderson scheinen eher was für die Range um 11-20 zu sein. DT Brown scheint in der landläufigen Meinung sein eher mäßiger Workout noch nicht weltbewegend geschadet zu haben.

Bei Tua nehmen die Auguren schön langsam alle die Sternchen weg. Die Zweifel ob seiner Einsatzfähigkeit zumindest für 2021 und darüber hinaus scheinen schön langsam beseitigt. Man kann es ihm eigentlich nur wünschen.

Wunsch Mock-Draft Detroit Lions

Und weil wir damit schon beim Stichwort sind, hier als Combine-Abschluss zu meinem Wunsch-Mock Draft 2020 für die Detroit Lions post-Combine:

Pick #3: Trade mit Dolphins für #5, #18 und #26
#5: Chase Young
#18 CeeDee Lamb
#26 Isaiah Simmons
#35 Jeff Okudah
Rd 3: Tua Tagovailoa
Rd 4: Grant Delpit
Rd 5: Trade mit Jags für EDGE Ngakoue
Rd 5: Mekhi Becton
Rd 6: Kristian Fulton

3 Kommentare zu “Combine 2020 Notizen – Defense

  1. Wie groß ist eigentlich das Gefälle auf der Rookie Pay Scale innerhalb der ersten Runde und dann zwischen den folgenden Runden?

    Ich frage weniger weil ich glaube dass jmd taktiert (lieber als später 1st Rounder zu einer Spitzenmannschaft als No1 zu den Bengals) sondern weil ich verstehen möchte unter welchem Druck die Spieler beim combine ggf stehen…

  2. Nicht so groß.

    Der Sprung runter von den Top-Picks auf außerhalb der Top-10 Picks ist wesentlich größer.

    Außerdem haben die 1st Rounder ein Option-Jahr seitens der Teams, was sie zusätzlich behindert.

    2nd Rounder haben es gar nicht so schlecht, wenn sie den Durchbruch schaffen. Kriegen dann schneller den zweiten Vertrag.

    3rd Rounder auch. Haben sogar noch kürzere Rookieverträge.

    2019:
    #2 Pick: 3.2% vom Cap
    #16 Pick 1.3% vom Cap
    #32 Pick 1.0% vom Cap
    #33 Pick 0.9% vom Cao
    #65 Pick 0.4% vom Cap

  3. hahaha, dein Mock Draft hat mich sowas von verwirrt.
    Denk mir erst, nieeemals werden die Dolphins alle ihre First-Rounder hergeben. Dann sehe ich an #5 Chase, ich so, was ist eigt los mit Korsakoff, ich glaub ich kann ihn nicht mehr ernst nehmen….
    Dann überfliege ich den Rest und musst schmunzeln. Hast mich ordentlich verarscht ^^

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