Ein Blick auf den Quarterback-Markt 2020

Am Montag geht es mit der Tampering-Periode der Free Agency 2020 los. Vor allem der Quarterback-Markt ist momentan noch recht unübersichtlich.

Hier die Liste der möglichen QB-Optionen auf dem Transfermarkt:

Drew Brees / Saints
Dak Prescott / Cowboys
Tom Brady / Patriots
Philip Rivers / Chargers
Ryan Tannehill / Titans
Teddy Bridgewater / Saints
Jameis Winston / Buccs
Marcus Mariota / Titans

evtl. Cameron Newton / Panthers (Trade?)
evtl. Derek Carr / Raiders (Trade?)

Dazu kommt eine Draftklasse mit zwei hoch gehypten, recht kompletten Prospects in Joe Burrow und Tua Tagovailoa sowie einer Handvoll aktuell als „attraktiv genug“ gelisteter 1B-Optionen. Burrow ist ein sicherer Tipp als #1-Pick, Tagovailoa geht Stand jetzt spätestens an #2 oder #3 nach entweder Washington oder Detroit oder zu einem Team wie Miami, das viele Draftpicks für einen Trade-Up in die Hand nimmt.

Brees ist fast sicherer Tipp für einen Verbleib in New Orleans, und alles andere als ein Verbleib Prescotts in Dallas wäre eine faustdicke Sensation – bei ihm scheinen am Ende nur die Vertragsmodalitäten unklar zu sein: Hält man ihn durch Franchise-Tag oder bindet man ihn mit dem Langzeitvertrag?

Franchise-Tag hat langfristig für Dallas nur Nachteile, weil man das Problem bloß ein Jahr verschiebt – und es dann noch stärker hat. Langzeitvertrag ist schwierig, weil Prescott sehr hohe Gehaltsvorstellungen hat. Aber beide Optionen sind realistischer als ein Abgang. Was will Jerry Jones mit seinem Superstar-Kader, wenn er seinen QB ziehen lässt? An die Brady-nach-Dallas Gerüchte glauben noch nichtmal die größten Fantasten.

Trotzdem steht und fällt der Quarterback-Markt mit Brady. Wo „die Legende“ unterschreibt, dürfte massive Implikationen auf alle anderen Fälle haben.

Brady soll heiß umworben von Teams wie den Raiders (die für ihn Carr rauswerfen würden), Titans (haben nicht unberechtigte Zweifel am Free Agent Tannehill) oder auch Buccaneers haben. Tampa soll bereit sein, alle Register zu ziehen um Brady zu holen – aber wieviel davon ist Smoke-Screen wenige Tage vor Free Agency? Was soll ein 43-jähriger Brady in der Deep-Ball von Bruce Arians?

Andererseits: So wild ist der Gedanke vielleicht auch nicht, denn die Buccs scheinen sich tatsächlich von Jameis Winston trennen zu wollen.

Persönlich sträubt sich bei mir jede Faser dagegen zu glauben, dass Brady New England verlassen wird. Was will er bei den Defense-losen Raiders oder den Pound-the-Football geilen Titans? Tampa wäre sportlich durchaus relevant, aber wann hat Brady zuletzt „Deep-Ball“ gespielt – 2007?

Plausibel scheint mir zu sein, dass Brady vor seiner Unterschrift in Foxboro noch sicherheitshalber den Upgrade-Plan der Patriots im Receiver-Corps abchecken will. Noch einmal mit so lahmen Waffen – nein danke! Und die Optionen sind vielfältig: Es könnten ein paar bezahlbare, gute Starting-Receiver auf dem Markt sein, und der Draft ist voll von Top-Receivern.

Doch: Sollte Brady tatsächlich gehen, dann könnte New England schneller als gedacht zu einem Sanierungsfall für Rebuilding werden. Denn es gibt weitere hochrangige Free Agents wie DB McCourty, OG Thuney, EDGE Van Noy oder LB Collins. Ohne eine veritable QB-Option könnte es für New England besser sein, ein Jahr in den „Tanking-Modus“ zu gehen oder zumindest zu schauen, was der junge, 2019 gedraftete Backup-QB Jarrett Stidham so draufhat.

So oder so: Was auch immer Brady macht, es dürfte massive Implikationen auf die anderen QBs haben.

Ein Tannehill z.B. könnte dann tatsächlich Tennessees beste Option sein. Tannehill wäre ein klassischer Fall für die Franchise-Tag, doch die muss der Titans-GM vergeben, bevor die Free Agency losgeht und damit wohl auch, bevor absolute Klarheit über Bradys Status herrscht (Deadline Franchise-Tag: 16.03.).

Ein Rivers gilt momentan als eine der Buccs-Lösungen, sollte Brady nicht nach Tampa gehen. Bruce Arians scheint mit Jameis Winston abgeschlossen zu haben und Rivers hat bereits seinen Abschied von den Chargers verkündet. Er wäre ein QB, der viel Erfahrung in einer vertikalen Offense hat – aber Rivers‘ Wurfarm deutete letztes Jahr mehrmals deutliche Anzeichen von absteigendem Ast an.

Rivers gilt auch in Indianapolis als Kandidat auf die Nachfolge Jacoby Brissetts. Doch gefühlt passt Rivers dort nicht hin: Er hat zwar eine Verbindung mit Colts-Headcoach Frank Reich (war mehrere Jahre OffCoord in San Diego), doch ein Ende 30er wie Rivers in einer blutjungen Colts-Mannschaft wirkt etwas… naja… disruptive.

Und wer will Winston? Der Interception-König scheint in Tampa nicht mehr erwünscht, obwohl er eigentlich wie gemacht für diese Offense ist. Winston ist mit seinen hohen Turnover-Raten fast sicher ein unterschätztes Asset – wenn er einmal auch nur mit etwas Glück ohne die vielen INTs durchkommt, hat eine Winston-Offense Top-5 Potenzial.

Die NFL scheint das aktuell aber anders zu sehen. Die Optionen schauen etwas rar aus. Chargers vielleicht? Oder gar Dolphins als „Fitzpatrick 2.0“?

Von den potenziell höherklassigen QBs auf dem Markt gibt es dann vielleicht noch Cam Newton, der Carolina verlassen könnte, je nachdem wie krass der Rebuild von Headcoach Matt Rhule ausfällt. Newton hat noch ein Jahr Vertrag und kassiert um die 21 Mio, aber eine Trennung würde kaum Dead-Cap kosten und fast 90% des Gehalts sparen.

Newton ist kein Free Agent. Er könnte Free Agent sein, wenn die Panthers ihn cutten. Doch die Panthers könnten auch schauen ihn via Trade zu verkaufen und noch einen Draftpick abzustauben. Wenn wir an diese dritte Option glauben, dann machen auch die jüngsten sehr positiven Worte der Verantwortlichen in Carolina zu Newton plötzlich Sinn: Pushe seinen Verkaufswert.

Wer Newton kaufen will, holt einen sehr speziellen QB, und einen mit Verletzungsrisiko. Ich denke nicht, dass der Kaufpreis exorbitant wäre. Eher so Mid-Late Round Pick. Doch gehen wir mal davon aus, dass Newtons Schulter geheilt und sein Wurfarm in Ordnung ist, so könnte Cam vielleicht sogar eine Notfalloption für ein Team wie die Buccs sein: Tiefe Pässe kann er, und Tampa hat dafür die Waffen.

Problem hier halt: Buccs spielen in der gleichen Division für Carolina. In-Division Trades von bekannteren QBs sind eher die Seltenheit. Ich kann mich ad hoc in den letzten Jahren nur an Drew Bledsoe (Patriots -> Bills) und Donovan McNabb (Eagles -> Redskins) erinnern.

Als eventuelle Nachfolgeoption in Carolina wird hie und da Teddy Bridgewater genannt, aber das macht für mich je mehr ich drüber nachdenke, desto weniger Sinn. Teddy ist zu gut um „Tank for Tua“ zu spielen und zu mittelmäßig um wirklich langfristig als Franchise-QB zu gelten. Er wäre eigentlich der ideale QB für die Chicago Bears – aber die müssten an ihrer Gehaltsstruktur schrauben um ihn einzukaufen.

Mariota ist zum heutigen Zeitpunkt bestenfalls eine Backup-Option. Carr wäre wohl nur verfügbar, wenn Brady tatsächlich in Las Vegas unterschreibt. Aber wer glaubt daran wirklich?

Eventuell könnte es vielleicht noch ein Team geben, dass trotz aller Probleme noch an Miamis Josh Rosen glaubt. Und was passiert mit Andy Dalton in Cincinnati, wenn er Burrow vor die Nase gesetzt bekommt?

Zusammenfassend

Die Tier-1 QBs, auf die man wirklich in 2020 (und vielleicht 2021) als die Stamm-QBs bauen kann, sind Brees, Prescott, Brady und Rivers plus Burrow aus der Rookie-Klasse. Tua eher als Stamm-QB für 2021 und darüber hinaus.

Tannehill ist ein Fall für einen Kurzzeit-Vertrag. Bridgewater, Newton, Winston – sie alle holt man wohl nicht ohne nicht auch noch eine „Absicherung“ in Form z.B. eines Mid-Round oder Tier-2 Rookie-QBs zu verpflichten. Oder man holt sie als kurzfristige Überbrückung. Mariota ist eher eine Backup-Option.

Aus der Rookie-Klasse sind Justin Herbert und Jordan Love die „Tier-1B“ QBs, plus die „Tier-2“ QBs wie Jacob Eason oder Jake Fromm, die man maximal perspektivisch für 2021 und darüber hinaus draftet, aber von denen man bestimmt nicht per se erwartet, sich zu einem Top-QB zu entwickeln.

Ein bisschen verkompliziert sich der Markt noch, weil eines der Teams mit dem dringendsten QB-Need, Chicago, fast kein Geld und kaum nennesswerte Draftpicks hat und massiv an seiner Gehaltsstruktur schrauben müsste um eine Alternative zu verpflichten.

8 Kommentare zu “Ein Blick auf den Quarterback-Markt 2020

  1. Ein paar Gedanken würde ich gern kommentieren:

    – „könnte es für New England besser sein, ein Jahr in den „Tanking-Modus“ zu gehen“ … Ich glaube nicht, dass „Tanking“ mit irgendeinem Menschen weniger kompatibel ist als mit Serien-SB-gewinner Bill Belichick.

    – „ein Ende 30er wie Rivers in einer blutjungen Colts-Mannschaft wirkt etwas… naja… disruptive.“ Vielleicht wäre der Effekt genau umgekehrt: ein bisschen „Veteran-leadership“ / „Veteran-presence“ lässt die jungen Spieler weniger Anfängerfehler machen.

    – „wenn er einmal auch nur mit etwas Glück ohne die vielen INTs durchkommt, hat eine Winston-Offense Top-5 Potenzial.“ Wenn er nach fünf Saisons noch INTs wie Skittles um sich wirft, dürfte er genau das brauchen um seine Stats noch zu drehen: Glück.

  2. 1. Ich glaube das auch. Doch theoretisch macht ein Jahr Abstinken mit Reload für die Pats ohne Brady durchaus langfristig Sinn.

    2. Doch dann hat man das Problem, dass, wenn der neue QB einmal gefunden ist, der Kader bereits am Auseinanderfliegen ist.

    3. Bingo. Aber reiner, purer Zufall allein kann eine 33 TD, 12 INT Saison bedeuten. Ich hätte (rein sportlich gesehen) lieber einen Winston mit der Upside als einen Durchschnitts-QB bei Bridgewater oder Mariota, die dein Potenzial um die 9-7 deckeln.

  3. Pingback: Vor Start der NFL-Free Agency 2020 | Sideline Reporter - Eier, wir brauchen Eier!

  4. Bei Newton frage ich mich, muss man noch den compensationary pick Gegenrechnen – bekomme ich da einen Late 3rd rounder muss es kein trade sein, wenn ich den capspace nicht brauche.
    Grundsätzlich ist in Carolina die Frage, wie schnell der rebuild angestrebt wird. Es muss ja nicht immer der langsame Weg sein…

  5. Den Pick für Newton bekommt man allerdings nur, wenn man nicht selbst mit höheren Beträgen in Free Agency tätig wird.

    Und man bekäme ihn erst 2022. Zwei Jahre später als mit einem Trade.

  6. Wegen des Tannehill-Dilemmas: Wenn die Titans ihn taggen und danach überraschend Brady bekämen, hätten sie ein Problem. Denkst du, andere Teams wären interessiert, für einen Tannehill unter Tag zu traden? Was könnte sein Tradewert in dem Fall sein?

    Und Jeezus, Winston zu den Dolphins. Was eine geile Idee! Einen jungen, passenden, fertigen QB und noch alle Picks frei für die (zugegeben, zahlreichen) anderen Baustellen. Auf diese Fins würde ich mich wahnsinnig freuen.
    Wenn Winston boomt: Bingo. Wenn Winston bustet: Tanking for Trevor.

  7. @Josef: Ich meine, man kann die Franchise Tag auch wieder zurücknehmen. Haben die Panthers vor ein paar Jahren mit Josh Norman gemacht und keine Dead Money dafür bezahlt. Man muss es aber bis Mitte Juni tun, ansonsten hat man eine Situation wie Clowney in Houston. Beziehungsweise der Spieler muss auch die Tag unterschreiben, sonst hat man eine Clowney Situation.

    Titans Franchising Tannehill ist ein Must.
    Wenn sie dann Brady bekommen, super. Dann kann man Tannehill die Tag wieder abnehmen und tschüss.

  8. Pingback: Free Agency 2020: Auf welche Teams muss man besonders genau schauen? | Sideline Reporter - Eier, wir brauchen Eier!

Kommentar verfassen

Trage deine Daten unten ein oder klicke ein Icon um dich einzuloggen:

WordPress.com-Logo

Du kommentierst mit Deinem WordPress.com-Konto. Abmelden /  Ändern )

Google Foto

Du kommentierst mit Deinem Google-Konto. Abmelden /  Ändern )

Twitter-Bild

Du kommentierst mit Deinem Twitter-Konto. Abmelden /  Ändern )

Facebook-Foto

Du kommentierst mit Deinem Facebook-Konto. Abmelden /  Ändern )

Verbinde mit %s

This site uses Akismet to reduce spam. Learn how your comment data is processed.