Vor Start der NFL-Free Agency 2020

Corona hat uns stärker denn je im Griff – gerade bei uns hier auf italienischem Staatsgebiet, wo das öffentliche Leben quasi mit jedem Tag restriktiver eingedämmt wird. Ich bin gespannt ob es zum Wochenende wieder neue Verordnungen gibt, ich warte seit Tagen nur noch auf den Hausarrest. Heute ist Freitag, der 13te. Gut, dass den Italienern das wurscht ist. Sie fürchten sich vor der 17.

Heute ist für mich auch letzter Tag in der Firma. Nächste Woche wird auf Home-Office umgestellt, was für jemanden wie mich, der ständig im Direktkontakt arbeitet, eine Umstellung bedeutet. Obwohl: „Kontakt“ ist schon seit Tagen prinzipiell untersagt und wird mittlerweile gesellschaftlich geächtet.

Wer ein solches „Verbot“ mit ins Bett nimmt, für den hat nun offenbar Pornhub gesorgt – seit gestern gibt es für Italiener Gratiszugang zum Premiumbereich.

Auch der Sport gerät zunehmend in den Hintergrund. NBA und NHL haben wegen des Corona-Virus bereits ihre Spielzeiten auf unbestimmte Zeit unterbrochen. Skifahrer, Skispringer, Hockeyspieler haben ihre Saison vorzeitig beendet. Die EURO 2020 wird wohl verschoben.

Und die NFL?

Die ist die Ausnahme. Zwar hat der zivilisierte Teil der US-Welt mittlerweile verstanden, dass Trumps Hoax-Anschuldigungen möglicherweise doch nicht so ganz passend waren und das Virus schon jetzt breiter streut als gedacht, doch die NFL hat bislang nur das alljährlicher Frühjahrstreffen der Owner abgesagt. Stand heute will die NFL dagegen nächste Woche ihr Programm in gewohnter Manier abspulen und am Montag (bzw. dann offiziell am Mittwoch) mit der Free Agency starten:

Ein ganz großes Problem sehe ich dabei erstmal nicht. Verhandlungen führt man zwar am besten immer noch am runden Tisch, doch Skype, Phone und möglicherweise auch wieder Fax dürften in den ersten Tagen durchaus als Ersatz reichen. Einmal Laufzeit, Gehalt und Boni ausgehandelt, sind die meisten Verträge recht schnell durch – viel gereist wurde in den letzten Jahren gerade zu Beginn der Free Agency nicht.

Spannender ist der NFL-Draft. Angesichts der aktuellen Hyperventilation ist kaum vorstellbar, dass der Ende April in Las Vegas stattfindende Draft mit Publikum ausgetragen wird – umso mehr, wenn man sich vor Augen führt, dass die Viruskrise in den USA gerade erst anläuft. Draften, also Einberufen (bzw. „Ablesen“) von Spielernamen, dürfte zwar locker auch per Call-in aus Hintertux möglich sein.

Doch machen wir uns nix vor: Die Show wird ohne Zuschauer abgehen. Wir sehen es gerade im Fußball: Ohne Zuschauer ist öde. Champions League hin oder her, aber mit der Atmosphäre eines Freundschaftsspiels in der Wüste ist halt auch wurscht, um welchen Preis es geht. Man schläft vor dem Fernseher ein.

Noch viel entscheidender als das wohl fehlende Spektakel ist der Scouting/Draftprozess selbst: Was wird aus den vielen Pro-Days und Workouts, die in den nächsten Wochen angesetzt sind? Lassen sie sich angesichts der allgemeinen Reisebeschränkungen, die wohl bald auch in den USA gelten werden, wirklich abhalten?

Pro-Day ist nicht bloß am Trainingsplatz, sondern auch im Flieger: Die Leute müssen quer übers Land reisen. Mehr als eine Handvoll Teams wie die Jets, Vikings, Redskins oder Bills haben ihren Trainer- und Scouting-Stäben diese Reisen zu den Workouts gestern bereits untersagt.

Die Falcons haben ihre Facilities geschlossen. Die Chiefs haben auf Heimarbeit umgestellt. Wie kann man in so einem Ambiente vernünftig Draft-Scouting betreiben um letzte Fragen zu klären?

Philadelphia hat schon jetzt für gleich sechs Monate ein Verbot für Veranstaltungen mit mehr als 1000 Leuten verhängt – wohl in Reaktion auf die verheerende „Spanische Grippe“, die man in dieser Stadt vor 100 Jahren unterschätzte und die dann für kurze Zeit so obszön wütete. Sechs Monate ginge hinein bis in die Preseason, vielleicht in die frühe Phase der NFL-Regular Season. Kann es wirklich so lange dauern?

Für die Fragen gibt es noch keine eindeutigen Antworten, nur etwaige dumpfe Vorahnungen. Lass uns also auf die konkreten Dinge beschränken. Daher hier für heute noch ein paar Lesetipps aus den letzten Jahren, in denen ich auf einige wesentliche Charakteristiken der Free-Agency eingegangen bin:

Und mehr: Unter diesem Link sind die wesentlichen Einträge zum NFL-Transfermarkt zusammengefasst.

Zu den einzelnen 32 Teams und ihrer Ausgangslage vor Beginn der Salary-Cap habe ich schon im Februar eine kleine Serie geschrieben. Gestern habe ich einen Blick auf dieQuarterback-Situation 2020 geworfen.

3 Kommentare zu “Vor Start der NFL-Free Agency 2020

  1. Verhandlungen führen ist das eine, aber für die Medicals und Physis Tests die bei solchen Verträgen doch auch immer gemacht werden, muss ja auf jeden Fall eine gewisse Reisetätigkeit her, oder täusche ich mich?

    Halte es daher nicht für ausgeschlossen, dass die Tampering Period eröffnet wird, aber die offiziellen Verträge noch nicht unterzeichnet werden dürfen.

    Andererseits ist dann auch die Tempering Period recht nutzlos, wenn die Spieler danach wochenlang Zeit haben es sich doch noch mal anders zu überlegen.

  2. @D.Gruber: Bis auf Anthony Barr letztes Jahr kann ich mich nicht an viele Fälle erinnern, bei denen Spieler aus einem fix zugesagten Deal vor der Unterschrift noch einmal ausgestiegen sind.

    Dein Punkt mit den Medizinchecks ist allerdings ein valider. Möglich, dass die NFL hier noch einmal den Start der Free Agency überdenkt.

  3. @D.Gruber: Stimme dir zu, dass das ein Problem sein kann, wenn es lange Zeit geht.

    bei Trades ala Alex Smith hat der mündliche accord zwar auch über Wochen gehalten, aber da waren auch zwei Teams involviert und die werden sich ja eher weniger besch***en. Außerdem war es für ALEX der bestmögliche Deal.

    Glaube, mit verbalen Committments muss man etwas aufpassen.

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