Free Agency 2020: Auf welche Teams muss man besonders genau schauen?

Wenn die kursierenden Informationen korrekt sind, dann wird gerade das Abstimmungsergebnis der CBA-Wahlen ausgezählt und das Ergebnis irgendwann im Verlauf des heutigen Tages bekannt gegeben. Urnenschluss war heute früh 6:00 4:59 MEZ (Edit: Aktuell nur 5 Std. Zeitverschiebung!).

Gehen wir mal davon aus, dass es zu dem erwarteten „Ja“ der Spieler zum neuen CBA kommt, dann werden danach recht schnell die Modalitäten für Salary Cap und Free Agency 2020 bekannt sein. Zum Beispiel: Genauer Betrag der ligaweit durchschnittlichen Salary-Cap (dürfte um die 200-205 Mio liegen), Anzahl der Preis-Tags (Franchise Tag und/oder Transition Tags) usw.

Aktuell können wir auch noch davon ausgehen, dass die Free Agency wie geplant am Mittwoch startet – mit der Tampering-Periode ab morgen. Doch es gibt ein paar Stimmen wie z.B. Saints-Headcoach Sean Payton, der offenbar eine Verschiebung der Free Agency gefordert hat.

Unabhängig davon lass uns kurz einen Blick auf die interessanteren Teams für die Free Agency werfen. Über alle 32 Mannschaften habe ich ja schon geschrieben, aber speziell für die nächsten Tage gilt der besondere Fokus für mich vor allem den nachfolgenden Teams.


Patriots – Die wichtigste Figur am Transfermarkt 2020 hat auslaufenden Vertrag in New England: QB Tom Brady. Könnte die 43-jährige Legende Foxboro wirklich nach 20 Jahren verlassen? Insider berichten, dass das nicht mehr so ausgeschlossen ist wie es noch vor einigen Wochen (und in meinem Kopf bis heute) wirkte.

Um Brady zu halten müssen die Patriots wohl Upgrades im Receiving-Corps vornehmen, und zwar kein Wischi-waschi, sondern richtig. Würden sie dann für einen Receiver wie Minnesotas Stefon Diggs traden und den #23 Pick in die Twin Cities schicken?

Unabhängig davon haben die Pats Free Agents wie OG Thuney, LB Collins, EDGE Van Noy oder DB Devin McCourty. Wie soll man mit denen umgehen? Bleibt Brady, ist die Denke sicherlich eher kurzfristig und man wird vielleicht eher schauen, diese Jungs zu halten.

Geht Brady, so gibt es auf QB drei Optionen:

  1. Free Agent QB. Der Markt 2020 ist voll an QBs, und ich kann mir wirklich gut einen Mann wie Teddy Bridgewater im System der Pats vorstellen.
  2. Jarrett Stidham. Draftklasse 2019 und letztes Jahr Backup. Die Patriots haben bestimmt ein besseres Gefühl dafür, ob man mit Stidham eine Saison angehen kann.
  3. Patriots picken an #23. Wären sie gewillt, hochzugehen?

An die Optionen 2 und 3 glaubt man weiterhin nicht gern. Vor allem 2) aber klingt so idiotisch nicht, wenn Belichick noch einmal einen mittelfristigen Umbau mit Perspektive 2021 oder 2022 angehen sollte: Ein Jahr „Tanking“, in dem man Brady und die alten genannten Recken wegschickt, Stidham austestet und dann nächstes Jahr den „Re-Load“ angehen kann. Belichick könnte sich noch einmal beweisen, indem er allen zeigt was ohne Brady möglich ist.

Doch Belichick wird im April 68. Wie viele Jahre will er noch machen? Wäre es unter den Voraussetzungen nicht am einfachsten, einfach nochmal 1-2 Jahre mit Brady zu gehen und der Ikone Brady einfach all das zu geben was er verlangt?


Cowboys – Easy. Dallas hat drei wesentliche Free Agents in QB Prescott, WR Cooper und CB Byron Jones und kann maximal zwei, vielleicht sogar nur einen von ihnen halten. Prescott ist der sichere Tipp. Jones wird fast sicher gehen, also was passiert dann mit Cooper? Ohne Cooper hätte Dallas zwar den Franchise-tragenden Runningback Zeke Elliott, der fast alle Probleme im Alleingang löst (harhar), aber einen der schlechtesten Receiving-Corps in der NFL. Würde man das akzeptieren und einfach im Draft einen Receiver nach dem anderen ziehen?


Bills – Lässt Dallas Cooper ziehen, könnten die Bills durchaus einer der ersten Abnehmer sein. Buffalo hat eine ganz interessante Ausgangslage:

  1. Man hat ein letztlich sehr gutes 2019 gespielt und die Patriots könnten zum ersten Mal seit über 10 Jahren verwundbar sein. Divisionssieg ist möglich!
  2. Die Defense out-performt die Erwartung seit Jahren, auch weil Headcoach McDermott weiß was er macht.
  3. Die Offense ist personell gut aufgestellt, hat aber den Bremsklotz Josh Allen auf Quarterback.
  4. Über 80 Mio Cap-Space, Baby.

GM Beane hat letztes Jahr in der Free Agency gezielt Ressourcen auf Schwachstellen-Positionen wie Offense Line oder Receiver verwendet. Als Resultat hatten die Bills am Ende anstatt horrender OL oder WR am Ende eine gute OL und sogar sehr brauchbare Receiver. Wenn der Corps jetzt um einen Amari Cooper ergänzt würde, wäre das nicht sehr, sehr fett?

In der Defense haben die Bills den einen oder anderen Free Agent im Edge-Rush, aber dafür bereits CB Josh Norman geholt, der einst unter McDermott in Carolina seine beste Saison spielte und als guter „Scheme-Fit“ gilt. Wie werden die Bills diese Edge-vs-Coverage Situation angehen?


Dolphins – Miami ist nicht mit Fokus 2020 aufgestellt, keine nichtsdestotrotz ist das ein Team mit drei 1st Rounder und 2nd Roundern heuer, zwei weiteren 1st Roundern nächstes Jahr und fast 90 Mio Cap-Space.

Die Offseason 2020 steht und fällt mit der „Tua-Frage“ – die kommt erst im Draft. Trotzdem könnte Miami schon in Free Agency ein paar wunde Punkte adressieren um dem eventuellen QB z.B. eine bessere Offense Line (OT Conklin?) zu geben, ein paar Waffen oder ein paar vernünftige Verteidiger.

Natürlich scheiße für Miami, dass Ziel #1 der QB ist, und diese Situation kann man erst Ende April mit Sicherheit angehen. Macht es Sinn, schon jetzt mit Washington einen Trade auf #2 im Draft einzufädeln um die Sicherheit zu haben? Was, wenn man jetzt doch mehr Geld ausgibt und dann den QB nicht bekommt – hat man dann nicht plötzlich einen „zu guten“ Kader um 2021 auf QB zu gehen? Müsste man dann eventuell seine 1st Rounder ins nächste Jahr „tauschen“ um dann sicher auf #1 zu kommen?


Jets – Nehmen wir frisch noch das vierte AFC-East Team mit rein: Die Jets. Über 50 Mio Cap-Space und viele, viele Fragen. Der alte GM Maccagnan hat es verabsäumt, den Kader zum Rookie-Vertrag von Sam Darnold wettbewerbsfähig zu machen, und so steht man jetzt nach zwei miesen Jahren mit Darnold noch immer fragend vor einem weißen Blatt Papier und hat keine Ahnung ob Darnold etwas wert ist. Dazu ist WR Robby Anderson Free Agent.

Letztes Jahr kaufte Maccagnan alles, was nicht niet- und nagelfest war, vom Transfermarkt auf – unter der Grundvoraussetzung, dass es keine wichtigen Positionen spielte. Jetzt hat man eine miese OT-Besetzung, keinen Edge-Rush und Fragen auf Receiver. Die Draftklasse passt ganz gut auf die Schwächen der Jets, aber New York kann nicht alles dort adressieren. Die Jets werden auf dem Free-Agent Markt aktiv werden müssen.


Colts – Monstermäßig viel Cap-Space mit ca. 85 Mio, ein guter junger Kader, aber zwei Schwachpunkte: QB und Defensive Front Seven. Im Draft hat man an #13 vermutlich zu wenig Munition um einen Sturm auf die Quarterbacks anzugehen, also könnten die Colts versucht sein, viel Geld für einen Free-Agent QB auszugeben.

Brady wird manchmal diskutiert, und es wäre nicht unwitzig, die #12 im Trikot des einst größten Rivalen zu sehen. Realistischer aber sollte Rivers sein. So ein Move macht für mich je mehr ich drüber nachdenke, desto mehr mittlerweile Sinn: Rivers als „Bridge-QB“ gäbe Indy die Chance, trotzdem QB zu draften und den Rookie im Hinterhalt langsam an die NFL heranzuzüchten.

Zudem ist die Edge-Rusher Free-Agent Klasse tief besetzt. Indy sollte mit seinem Wackel-Personal durchaus hier ein paar Moves machen um sich dann in den mittleren Draft-Runden, wo man Zusatz-Picks hat, auf Wide Receiver zu gehen.


Buccs – Über 80 Mio. Cap-Space, gewaltige Play-Maker und eine gut gecoachte Defense: Die Buccs sind schon jetzt ein Dark-Horse für 2020, aber sie haben das massive QB-Fragezeichen. Sie gelten mittlerweile als größter Favorit im Rennen um Brady, sollte der New England verlassen.

Der Fit Brady-Arians ist mir noch nicht ganz klar, aber fix ist: Tampa hat wesentlich bessere Receiving-Optionen als New England. Tampa hat die Ressourcen um sich für die Offense Line zu verbessern und in der Defense ein paar junge Pfunde, die heuer den nächsten Schritt machen sollten. Natürlich muss im Edge-Rush etwas passieren, denn Barrett/Pierre-Paul sind beide Free Agents.

Vielleicht bluffen die Buccs auch nur und gehen am Ende trotz allem mit Jameis Winston weiter.


Titans – Die großen Fragezeichen sind QB Tannehill, RB Henry und OT Conklin. Die Wetten stehen gut, dass Tennessee erstere beiden behält und letzteren ziehen lässt. Auch nicht ausgeschlossen, dass Tennessee ins Brady-Rennen einsteigen wird, weil man weiß, dass Tannehill fast sicher Regression zur Mitte erleben wird und nicht noch einmal eine solche sensationelle Saison spielt.

Tennessee hat darüber hinaus noch ein paar weitere Fragen zu beantworten: CB3 zum Beispiel, wo Logan Ryan Free Agent ist. Oder auf Receiver, wo man schön langsam das Vertrauen in Corey Davis verliert. Vielleicht sollte Tennessee da noch was für die Tiefe machen.


Texans – Houston hat im Draft so gut wie keine Spielkarten, aber ein horrendes Defensive Backfield und über 50 Mio. Cap-Space. Die Texans wären eigentlich prädestiniert um sich auf dem Transfermarkt an einen Byron Jones heranzuschmeißen. Der kostet natürlich fette Kohle, würde aber recht gut ins Spielsystem passen. Vielleicht sollte Houston dann sogar noch 1-2 DBs aus der mittleren bis niedrigen Preisklasse nachlegen (Amukamara, anyone?).


Lions – Viele Fragen in der Defense: Pass-Rush und Cornerback. Nicht unwitzig, dass viele Kyle Van Noy als guten Fit in Detroit sähen: Van Noy wurde einst als 2nd Rounder in Detroit gedraftet und dann schnell als Bust abgeschrieben und billig nach New England weitergereicht, wo er eine Karriere als umgeschulter Edge-Player machte. Ihn jetzt teuer zurückzuholen, würde sehr gut zu dem passen, was die Möchtegern-Belichicks in Detroit in den letzten Jahren gemacht haben.

Dazu natürlich das große Fragezeichen CB Darius Slay: Nächstes Jahr auslaufender Vertrag. Der Mann ist bald 30, wird teuer und könnte heuer prädestiniert für einen Trade sein. Aber dann braucht man Alternativen.


Browns – Was passiert mit WR Odell Beckham? Und wartet man trotz fast 70 Mio Cap-Space bei den Offensive Tackles bis zum Draft oder greift man schon einmal auf dem Transfermarkt zu?


Chargers – QB-Frage: Draft mit einem Justin Herbert, Free Agent oder Tyrod Taylor?


Eagles – Zwei kritische Positionen (Receiver und Cornerback) plus eine mitentscheidende Left-Tackle Frage (Jason Peters ist Free Agent, aber man hätte einen Andre Dillard in der Hinterhand). Die Eagles haben 40 Mio Cap-Space. Sie haben einen „knapp unter Championship-würdigen Kader“, einen starken Trainerstab und einen brauchbaren QB, aber um eine erneute, dritte Enttäuschung in Folge zu vermeiden, muss man die Schwachpunkte mit Verve angehen.


Giants – 80 Mio. Cap-Space und hohe Draftpicks, viele Needs vor allem in der Defense, und einen GM Dave Gettleman, der gedanklich in den 1990er Jahren operiert: Die Giants sind das „crazy horse“, das man nicht bändigen kann. Man weiß, dass etwas Unkonventionelles rauskommen wird – nur weiß man nicht, was.


Redskins – Wie geht man die Situation um LT Trent Williams an: Schlichtung oder Verkauf? Welchen Preis verlangt man?

Und Update zu gestern: Man hat OG Brandon Scherff die Franchise-Tag gegeben!


Bengals – Die Spatzen pfeifen es von den Dächern, dass Joe Burrow an #1 im Draft kommen wird. Man bekommt LT Jonah Williams, als Rookie die ganze Saison mit Verletzung raus, zurück, hat aber auf der „anderen“ Tackle-Position noch Fragezeichen, hat eine horrende interior-OL und muss wohl WR A.J. Green erstmal per Franchise-Tag behalten, damit Burrow vor allem in der frühen Phase seiner NFLKarriere eine brauchbare Anspielstation bekommt.

Aber die Bengals müssen mehr tun. Offense Line, Defensive Backfield braucht Verstärkung, Edge-Rush ist auch nicht wunderprächtig und man muss sich für die Zeit nach Green auf WR einstellen. Auf Receiver wäre der Draft wie gemacht, aber dann muss man in der Free-Agency in die „zweite Welle“ investieren. Das macht Owner Mike Brown bekanntlich nicht so gern…

5 Kommentare zu “Free Agency 2020: Auf welche Teams muss man besonders genau schauen?

  1. Topp Übersicht, aber eine Kleine Korinthenkackerei Korrektur: Da der Zeitunterschied wegen der Sommerzeitumstellung USA Europa momentan nur 5 Stunden sind, war das Ende der CBA Abstimmungen schon um 4:59 Uhr 🙂

    Gleiches gilt morgen: FT Periode endet um 1 Minute vor 17:00 MEZ, Tampering beginnt dann um 17:00.

  2. CBA ist durch:

    Spieler haben mit 51.5% für JA gestimmt.

    Cap-Rollover auf 2021 damit wohl möglich.

    Teams dürfen damit nur entweder Franchise Tag oder Transition Tag verwenden. Für Dallas mit Prescott/Cooper wichtig.

  3. Pingback: Was treiben die New England Patriots? | Sideline Reporter - Eier, wir brauchen Eier!

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