Warum man das Interesse an der Free-Agency jetzt nicht verlieren sollte

Die erste Woche der NFL-Transferperiode 2020 ist fast hinter uns, und es war eine aufregende Woche, die Ablenkung von vielen gegenwärtigen Problemen bot.

Interessanterweise sind jetzt noch einige der „großen Namen“ verfügbar. QB Jameis Winston zum Beispiel, den die Liga zu meiden scheint wie die Pest. Oder EDGE Jadeveon Clowney, dem niemand seine angepeilten 20 Mio/Saison geben wollte und der sich nun rasch dem Gebiet des one year prove it Deals nähert. Oder WR Robby Anderson, bei dem auch Gehaltsvorstellungen (14 Mio/Saison) und Angebote (Jets wollten um die 10 Mio/Saison zahlen) weit auseinanderliegen.

Hinter diesen drei höherklassigen Spielern, die man als zentralere „Bausteine“ einer Mannschaft interpretieren kann, wird das Feld an verfügbaren Free Agents schnell dünn und geht in Richtung Ergänzungsspieler.

Beispiele?

Die Receiver-Klasse, die diese Woche (auch aufgrund der hoch eingeschätzten Draftklasse?) abseits von zwei großen Trades recht wenig beachtet wurde, hat hinter Anderson noch Leute wie WR Perriman, WR Agholor, WR Sharpe, WR Gabriel, WR Dorsett, WR Funchess, WR Higgins oder WR Ted Ginn zu bieten.

Auf Offensive Tackle gibt es den 38-jährigen Jason Peters, dem noch niemand einen realistischen Einjahresvertrag geboten hat, und dann noch OT Demar Dotson, OT Cordy Glenn, OT Daryl Williams oder OT Germain Ifedi.

Die Cornerback-Klasse ist voller altbekannter Namen, aber fast alle gelten im Jahr 2020 maximal noch als „Tiefen-Spieler“, Slot-Cornerbacks oder einfach Spieler für gute Rotation: Die beiden mutmaßlich besten Namen sind CB Nickell Robey-Coleman und Prince Amukamara. Beide kriegen seit Jahren solide Coverage-Grades bei PFF. Beide kriegen sie aber in eher untergeordneten Rollen.

Die weiteren Namen dort sind Logan Ryan, Jimmy Smith (exzellenter Starter, aber zuletzt oft verletzt), Ronald Darby, Tramon Williams, Tramaine Brock, Jonathan Joseph, Xavier Rhodes (vor kurzem noch All-Pro, jetzt in Minnesota verstoßen), Aqib Talib, Trumaine Johnson, Rashaan Melvin, Artie Burns, Daryl Worley oder Bashaud Breeland.

Auf anderen Positionen bewegen wir uns bei den verfügbaren Spielern auf einem ähnlichen Qualitäts-Niveau. Warum ich das schreibe? Weil in den letzten Jahren immer wieder Studien gemacht wurden, wo der „Sweet-Spot“ in der Free Agency liegt: Welche Verpflichtungen sind die wirklich effizienten? Und immer wieder resultiert daraus, dass die ökonomisch wertvollsten Free-Agent Verpflichtungen erst jetzt kommen – nachdem die fetten, oft überteuerten Verträge für die erste Welle ausgeschüttet wurden.

Mit den jetzt noch verbliebenen Spielern allein gewinnst du vielleicht im Gegensatz zur Kategorie Amari Cooper oder Byron Jones keinen Blumentopf – aber sie alle sind vergleichsweise preiswerte Kaderverstärkungen. Sie sorgen für Tiefe und Rotationsfähigkeit im Kader. Es sind die Spieler, über die man im November und Dezember von den „smarten pickups“ spricht, die Leute, die dann plötzlich zum Einsatz kommen, weil sich im ersten Anzug ein paar Starter verletzt haben und der Kader auseinanderzubrechen droht.

Viele dieser Spieler werden enttäuscht sein, keinen dicken Vertrag bekommen zu haben. Andere werden aber auch abwarten, bis sich eine gute Chance eröffnet: Hie und da putzen ab jetzt auch Titelaspiranten ihre Kader noch aus, machen Platz unter der Salary-Cap und verpflichten einen billigeren Robey-Coleman, den man für 80% des Geldes des bisherigen Starters bekommt.

Höherklassige Teams wie die Chiefs haben sich bis jetzt auch notgedrungen aus dem Trubel rausgehalten. Sie werden bestimmt noch den einen oder anderen billigen Routinier für die Tiefe aufklauben. Es wird noch gar einige Trades geben: Late-Round Picks für Routiniers, aber vielleicht auch höhere Picks für Spieler unter Franchise-Tag. Und dann ist da noch der NFL-Draft. Teams stellen in den nächsten Wochen detaillierte Draft-Boards zusammen, was weitere unter Vertrag stehende Spieler auf die Abschussliste bringen wird.

Die erste Welle ist also durch. Hunderte Millionen Dollar sind ausgeschüttet. Doch die Free-Agency schläft auch weiter nicht. Es wird auch in den nächsten Wochen fast jeden Tag den einen oder anderen Move geben, der zwar keine dicken Schlagzeilen mehr produziert – der dann aber irgendwann im Verlauf der Saison als besonders wichtig, weil „effizienter Ressourceneinsatz“ gelobt wird. Daher: Nicht verzagen, wenn dein Team die Brieftasche nicht ganz weit aufgemacht hat. Die Zeit der Champions kommt erst jetzt.

5 Kommentare zu “Warum man das Interesse an der Free-Agency jetzt nicht verlieren sollte

  1. Gab es schon mal so viele gute QB auf dem Markt?
    Brady, Rivers, Winston, Newton, Bridgewater, Foles, Mariota und
    Keenum der auch ganz okay ist.
    Dazu Prescott und Brees die nie auf den Markt gekommen sind, weil sie bei ihrem Team geblieben sind.

  2. Wäre nicht Robby Anderson einer für die Ravens jetzt, wo Hurst weg ist?
    Und Clowney wird ja langsam anscheinend zu einem Schnäppchen. Winston kann ich schon verstehen, warum die NFL einen so undisziplinierten QB nicht genug wertschätzt.

  3. @Klappflügel: Ich kann mich nicht erinnern!

    @Floblogs: Anderson zu den Ravens klingt nach einem Plan. Deren Rookie-Receiver waren teilweise ein bissl suspekt.

  4. Coach Arians sagte ja noch weit vor der Free agency: „Wenn wir mit diesem QB gewinnen können, können wir es mit jedem anderen auch.“
    Wenn ein Coach das vor laufenden Kameras über seinen Starting QB sagt, dann ist das schon ein Hammer. Und dann noch ein QB-affiner Coach („der QB-whisperer“). Das dürfte Winstons NFL-zukunft nicht geholfen haben.

    Ich hoffe, NE signed einen abgeschriebenen Vet-QB wie Winston oder Dalton und hat Erfolg. Manziel wäre auch eine schöne Überraschung, aber der liegt wahrscheinlich grad in irgendeinem Hotelzimmer mit weiblichem Besuch auf einer Matratze aus Dollar-noten und genießt das Wolf-of-Wallstreet-Leben.

  5. Ja, bei Winston gehen die Meinungen so weit auseinander wie bei wenigen anderen Spielern.

    PFF hat z.B. eindeutig für Verlängerung plädiert, und die Argumente dafür sind eigentlich überzeugend.

    NFL-Interesse auf der anderen Seite ist gleich null.

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